Makaber-bunte Inszenierung mit Witz

Der eingebildete Kranke – Theater Salz und Pfeffer in Nürnberg

Selten in so heimeliger Atmosphäre auf den Beginn einer Vorstellung gewartet. Flockig-weiche, runde Teppiche bedecken den Boden, weihnachtlich-bunte Christbaumkugeln baumeln vom Kronleuchter, die mit flauschigem Pelz besetzten Stühle harmonieren mit dem mintgrünen Flokati-Vorhang. Ein wahrer Wohlfühlraum, künstlerisch erweitert durch das schwarz-weiße Parallelcafé, in das die Kellner mit Anzug und Fliege auf der Tapete einladen. So wohl wie der Theaterbesucher fühlt sich Molières Held nicht, ganz und gar nicht sogar, schließlich ist er krank.

Und zwar totkrank. Der schwarze Sarg lehnt schon drohend am Bühnenrand, als Paul Schmidt den abgemagerten, lamentierenden Argan im Rollstuhl auf die Bühne schiebt. Ganz anders die resolute Toinette, die von Wally Schmidt zum Leben erweckt wird. Die Haushälterin wirbelt mit ihrem Staubwedel durch die Gegend und hält die Familie zusammen. Schließlich ist Töchterchen Angélique bis über beide Ohren verliebt. Der clownesk anmutender Jüngling Cleánte in Salvador Dalí-Kostüm hat ihr den Kopf verdreht,. Leider ist er kein Arzt ist, wie sich Argan den Schwiegersohn wünscht. Er hat auch schon einen Kandidaten im Hinterkopf, der dämliche Sohn seines Hausarztes und Scharlatans Diaforius ist noch zu haben.

Die Mutter und Ehefrau Béline mischt sich in derartige Geschichten nicht ein. Wie aus der dekadenten Zeit der Marie Antoinette klappern die Perlenohrringe zu ihren heuchlerischen Lippen. Das puderweiße Gesicht und die teuren Kleider lassen schon darauf schließen, dass sie eher am Erbe des kranken Hausherren interessiert ist als an seinem Wohlbefinden. Ob der Bruder helfen kann? Er sieht auch nicht ganz gesund aus!

Tim Burton lässt grüßen

Das magisch-grausige Gruselkabinett à la Tim Burton mit fränkischer Note unterhält das Publikum. Die Kostüme (Heike Endres) sind aufwändig und die ganze Inszenierung (Pierre Schäfer aus der Ernst-Busch-Hochschule in Berlin) zeigen sich mit viel Liebe zum Detail.

1983 wurde das Haus gegründet, gerade erst dieses Jahr wurde es frisch renoviert. Die Truppe spielt nicht nur dort, sondern im ganzen deutschsprachigen Raum, außerdem in Belgien, Italien und sogar Indien. Diese Erfahrung merkt man dem Spiel an und die Zuschauer sind wohl immer wieder überrascht, wie lebensecht die Figuren wirken. Virtuos schlüpfen Wally und Paul Schmidt in die Charaktere und sorgen für einen gruselig-lustigen Spaß für die ganze Familie!

  Johanna Meyr

Theater Salz und Pfeffer

Frauentorgraben 73, Nürnberg
Weitere Vorstellungen: 27.12., 28.12., 29.12. und an Silvester, jeweils ab 20:30 Uhr

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