Wahnsinns Realität!

Mia, die Hauptperson des Projekts

Was ist zu erwarten, wenn man in eine chaotische Fünfer WG-Hölle stolpert?

Mia, Ende 20, angehende Psychotherapeutin, erwartet sich von ihrem Einzug zunächst nichts anderes als eine kostengünstige Bleibe – doch dann folgt in Nullkommanichts die Beförderung zum Kummerkasten. Schon bald häufen sich die Probleme der neurotischen Mitbewohner. Probleme, die einerseits skurril sind, andererseits durch ihre Vertrautheit so authentisch wirken, dass es schwierig ist, sie als Lapalien abzutun.

 

 

Da ist Daniel, der zwei Mütter hat und in einem Reagenzglas gezüchtet wurde, während Jana sich als WG-„Mama“ ständig nach allerlei Befindlichkeiten erkundigt und ansonsten die Wohnungen anderer Leute verschönert. Wenn er nicht gerade Drinks mixt, gibt sich der Freizeitmelancholiker Alex nächtlichem Affengeschrei hin oder träumt von einer Karriere als Fotograph. Lisa dagegen versucht durch exzessiven Männerverschleiß den Gegensatz zwischen ihrem Job als Lehrerin und einer schrillen Lebenslustigkeit zu kompensieren.

Vor uns sitzt Kit Manou- der Kopf hinter dem Projekt „Mias Couch“, das sich sowohl sozialkritisch als auch leichtfüßig mit dem Kontrast zwischen gesellschaftlich und medial geprägten Lebensvorstellungen und dem Wahnsinn der Realität auseinandersetzt. Manou richtet sich überwiegend an Menschen zwischen 16 und 49 Jahren, die ebenfalls mit der scheinbaren Unvereinbarkeit von Idealbild und Praxis der Lebensgestaltung klarkommen müssen, diese aber trotzdem mit Humor nehmen. Es handelt sich um Herausforderungen des Alltags, die früher oder später wohl für jeden Menschen von existentieller Bedeutung sind, wie die Frage, ob man als Mittzwanziger schon fest im Leben stehen sollte, mit festem Einkommen und eigener Familie, wo man eigentlich hin möchte, wer man sein will und was man überhaupt einmal nach dem kräftezehrenden Studium mit seinem Wissen anfangen soll. Fragen, die der Ohm-Hochschul-Absolventin selbst nicht unbekannt sein dürften.

Das als Abschlussarbeit geplante Projekt befindet sich im Upgrade zur Fernsehserie und ist mit fertigem Teaser-Trailer und Konzept äußerst vielversprechend: Bis auf ausreichend Kapital hat die Fernsehserie schon alles, was sie braucht – Schauspieler, Handlung, sowie einen vom Filmbüro Franken finanzierten Teaser, der in dreieinhalb Minuten einen ersten Einblick gibt und auf www.miascouch.de zu sehen ist. Manou hofft darauf, ihr Projekt zur vollständigen TV-Serie ausbauen zu können, vorausgesetzt es findet sich ein Sponsor (im Idealfall ein Fernsehsender).

Daniel, Mias Mitbewohner und Gesprächspartner im Trailer

Entstanden ist eine, im Hinblick auf Darsteller und Kameraführung, professionell aufgezogene, deutsche TV-Serie, die im Dramedybereich anzusiedeln ist, ohne den lästigen Slapstick-Humor amerikanischer Produktionen, die die Fernsehsender seit Jahren überschwemmen. Eine Serie, die zwar mit dem neuen Trend kokettiert, dass immer mehr Menschen zum Psychotherapeuten rennen und sich anschließend brühwarm über die neuesten Erkenntnisse mit dem besten Freund/der besten Freundin austauschen. Aber auch die Hintergründe werden beleuchtet – nicht nur ironisch parodierend, sondern an den richtigen Stellen auch einmal wohl dosiert leise und nachdenklich. Sogar Mia, die ja anderen Menschen eigentlich mit ihren Problemen helfen soll, leidet selbst unter einer manisch depressiven Erkrankung, was veranschaulicht, wie weit verbreitet Sinnkrisen heutzutage sind. Wenn so viele Menschen das Idealbild einer gelungenen Lebensgestaltung nicht verwirklichen können, ist es ja vielleicht doch nicht so ideal und genau darin liegt der Reiz von „Mias Couch“: Aktuelle Einstellungen werden nicht blind übernommen, sondern in Frage gestellt, einmal belächelt, ein anderes Mal verworfen. Schauplatz könnte durch die detaillierte Charakterzeichnung und authentische Handlung jede deutsche Großstadt sein.

Kit Manou hat genaue Vorstellungen von Wirkung und Erscheinungsbild ihrer Serie. Ihr abgeschlossenes Design-Studium in Kombination mit einem Publizistik- und Pädagogik-Abschluss werden nicht nur anhand des ästhetischen Erscheinungsbildes der Serie deutlich, sondern auch durch das Einfühlungsvermögen gegenüber den Charakteren, ohne sich jemals anzumaßen, ein wertendes Urteil abzugeben. Kein Thema, das Mias WG-Kollegen beschäftigt, ist mehr oder weniger schlimm, die Schöpferin beweist ein gutes Gefühl dafür, wann etwas durch den Kakao gezogen werden darf und wann es etwas ernsterer Töne bedarf. Ein gelungenes Konzept mit professioneller Umsetzung, das nur noch einen Sendeplatz braucht. Bei diesem Ziel wird hoffentlich die brandneue Homepage helfen, die neben dem Teaser auch alle nötigen Infos zur Sendung bereithält. Wir, die das Konzept rund um Mia und den täglichen Wahnsinn näher kennen lernen durften, konnten schon vom Trailer nicht genug bekommen und drücken der Erfinderin die Daumen, dass ein TV-Intendant bald zuschlägt. Unser Fazit: Eine Serie, die durch Handlung, filmische Mittel der Ästhetik und sorgfältige Charakterzeichnung besticht. Keine schwere Kost, aber trotzdem anspruchsvolle, wertvolle Unterhaltung, die die deutsche Fernsehlandschaft um einiges bereichern würde.

 

Anna Greger und Christina Tittus

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