Die versaute Friedenstaube – Das Schwein von Gaza

Das Schwein von Gaza

Das Schwein von Gaza

Eigentlich verstehen sich Palästinenser und Israelis ja nicht immer so prächtig. In dem Film „Das Schwein von Gaza“, der seit dem 2. August auch in Deutschland in den Kinos läuft (in Erlangen aktuell in den Lamm Lichtspielen), verbindet die beiden Lager aber etwas miteinander: Die Abscheu vor einem kleinen vietnamesischen Hängebauchschwein. Der französische Regisseur, Journalist und Schriftsteller Sylvain Estibal schickt in seiner Komödie das Borstentier in den Gazastreifen, das dort für viel Aufruhr und ein bisschen Frieden sorgen soll.

Jafaar ist ein wahrer Unglücksrabe. Um seine Rechnung bezahlen zu können muss der Fischer den Schmuck seiner Frau Fatima versetzen, denn der Palästinenser fängt linke Flip-Flops statt Fische. Außerdem hat sich die israelische Armee auf dem Dach von dem, was von seinem Haus noch übrig ist, einen Wachposten errichtet und singt die ganze Nacht lang hebräische Lieder.

Sein Glück wendet sich, als ihm ausgerechnet ein Schwein ins Netz geht. Das Rüsseltier ist während einem Sturm von Bord eines Frachters gefallen und wird von dem verdutzten Jafaar aus dem Meer gefischt. Zuerst weiß der Palästinenser nicht, was mit dem Tier anzufangen ist. Bei Muslimen gelten Schweine als unrein, alle Schweine, auch vietnamesische Hängebauchschweine wie seines. Der UN-Funktionär (Ulrich Tukur) will es nicht kaufen, obwohl er doch als Deutscher nicht-koschere Sachen isst.

Ausgerechnet die Israelis aus dem Kibbuz gegenüber haben Interesse an dem Tier, oder, besser gesagt, an seinen Spermien. Juden essen zwar auch (offiziell) kein Schweinefleisch und die Tiere sollen nicht den Boden des heiligen Landes kontaminieren. Aber sie sind äußerst nützlich, wenn es darum geht Sprengstoff zu erschnüffeln. Deshalb darf die russisch-stämmige Yelena auch unter Vorbehalt Schweine züchten. Weil sie aber keinen Eber hat, braucht sie die Samen von Jafaars Tier. Heimlich schließen die Beiden den Handel ab, ohne dass die verfeindeten Lager es mitbekommen.

Doch lange bleibt das Schwein in Jafaars Haus nicht unentdeckt und es kommt zum Eklat. Israelis wie Palästinenser machen gemeinsam Jagd auf das Tier.

Der Film aus dem Jahr 2011 wurde bereits mit dem Filmpreis César für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet und gewann beim Tokyo International Film Festival den Publikumspreis.

Estibal zeigt in seinem Film das Leben zweier Nachbarn, die sich eigentlich nicht kennen und auch nicht kennenlernen wollen, durch das Schwein aber dazu gezwungen werden und entdecken, dass sie ähnlicher sind, als sie denken. Estibal porträtiert die Situation im Gazastreifen mit einer tragisch-komischen Absurdität. Die Politik verschwindet hinter den Schicksalen der Einzelnen. Trotzdem wird nur an der Oberfläche gekratzt, ein gefällter Baum ist der schlimmste Schicksalsschlag der Geschichte und eine brasilianische Seifenoper macht aus Feinden Freunde.  Der Film soll ja unparteiisch sein und keinen verletzen, wie der Regisseur betont.

Schade ist auch die deutsche Synchronisation, die ambitioniert alle Dialoge abdeckt und so die Verständigungsschwierigkeiten überspielt. Im Original wird Hebräisch, Arabisch und Englisch gesprochen und zeugt von dem Sprachtalent von Sasson Gabai. Gabai, im Irak geboren, ist eigentlich israelischer Schauspieler und verkörpert den Palästinenser Jafaar, den er mit Charlie Chaplins Tramp vergleicht. „Er ist einer dieser einfachen Männer, an den jeder von uns glauben kann.“, so Gabai.

Nur ob man der unumgänglichen Versöhnung am Schluss des Films so recht glauben kann, ist fraglich. Aber zumindest möchte man es gerne.

 Lena Naporra

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