Jetzt gibts was auf die Ohren! „NeuRose… ein schöner Neuanfang?“ – Hörkunstfestival 2011

Was früher mit Kassetten anfing, geht heute mit CDs weiter: Hörspiele sind auch bei Erwachsenen durchaus noch beliebt. Wer sich für Hörkunst im weiteren Sinne interessiert, sollte einmal beim Hörkunstfestival vorbeischauen. Es besteht wahrscheinlich schon um die 20 Jahre, findet aber unregelmäßig statt. Dieses Jahr ist es wieder soweit: Es beginnt am 14.04.2011 im E-Werk in Erlangen, und dauert bis Sonntag, 17.04.2011. Das diesjährige Thema lautet „Neurose … ein schöner Neuanfang?“
reflex hat Denise Göthel aus der künstlerischen Leitung davon erzählen lassen.

reflex: Hörkunstfestival, was ist das genau?
Denise Göthel: Das ist ein Festival, das von Studenten organisiert wird und es beschäftigt sich mich aller Art von akustischen Reizen und akustischen Auswirkungen gerade auch an den Grenzen von Musik und Stimme. Alles, was mit Klang zu tun hat.

Seid ihr von der Uni organisiert?
Das kann man so nicht sagen. Offiziell läuft das schon über die Uni, aber wir haben uns so gefunden. Es wird bei den Erstsemesterveranstaltungen mit vorgestellt und es sind auch viele aus meinem Jahrgang dabei, aber wir haben auch welche aus anderen Instituten, welche, die Diplom studieren oder einen der Master studiert, also es sind nicht alles nur Theaterwissenschaftsstudenten.

Euer Thema ist „NeuRose, ein schöner Neuanfang“.
Wir gehen dieses Mal zum ersten Mal nach Nürnberg. Das heißt es ist für uns sowieso schon mal ein Neuanfang, weil wir ein völlig neues Team sind. Jedes Festival wird von einem anderen Team organisiert. Neurose ist ein sehr spannendes Wort: man hat Rose drin, was etwas sehr Positives ist und Neurose, was etwas sehr Negatives ist. Das fanden wir sehr spannend. Wir haben auch sehr viel bekommen, was Störungsstrukturen untersucht, neurotische Praktiken. Das hat auch bei den Künstlern leicht Anklang gefunden.

Welche Künstler bewerben sich bei euch?
Das sind Künstler, die sich Hörkünstler nennen. Viele machen Audioinstallationen, es gibt aber auch Künstler nur mit Mischpult, die mit Stimme arbeiten, die daraus ein Klangbild machen und dann teilweise lange Töne über mehrere Minuten anhören. Es ist sehr experimentell. Und es wird viel mit elektronischer Musik gearbeitet. Es ist kaum Musik mit Musikinstrumenten, es wird vielmehr mit technischer Musik gearbeitet.
Die Stimme wird aufgenommen, verfremdet, wiedergegeben und somit werden Töne erzeugt.

Ist dass dann eher performativ improvisiert?
Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Projekte, die sind frei improvisiert, aber es gibt auch Projekte, die sind  bis aufs Kleinste durchgeplant.
Sie sagen ganz oft, es sollen Welten im Kopf entstehen. Und das funktioniert tatsächlich, du hörst dir das an und du stellst dir eine Wiese vor, das kann man nicht beschreiben. Das ist ganz wundervoll. Und es gibt auch viele, die Richtung Radio arbeiten. Dieses Jahr gibt es eine Gruppe, deren Projekt heißt „10 spannende Reiseziele, die leichter zu erreichen sind, als Sie glauben“.
Und wir haben ja auch Hörspiele da, es ist ein breites Spektrum.

Muss man da als Veranstalter auch Ahnung von der Technik haben?
Das Gute ist, dass wir mit dem MuZ-Club, eine KonzertClubbühne, und dem Theater in Nürnberg,  Salz und Pfeffer, zusammen, und die nehmen uns viel Technisches ab.
Wir haben leider keine Ahnung von der Technik und das merken wir auch viel zu oft. Große Sachen leiten wir an die weiter. Dann treten wir mit denen in Kontakt und fragen, was die noch an Technik brauchen. Und dann reden wir wieder mit anderen Künstlern, ob die uns da helfen können.
Es ist eher ein Netzwerk, es ist nicht so, dass wir organisieren: Das sind die Künstler und die kriegen Geld von uns, wir stellen die an. Sondern wir arbeiten wirklich mit denen zusammen. Einer von ihnen, Michael Ammann aus Nürnberg, kommt als Künstler und macht für uns die Technik. Es ist sehr familiär, das ist sehr schön.

Wie viele Künstler habt ihr ungefähr?
So 12, 13 Gruppen.

Wie habt ihr die ausgewählt?
Uns wurden Hörbeispiele geschickt und die haben wir uns angehört.
Wir haben auch viele Studenten genommen, um denen eine Chance zu geben eine Bühne zu haben. Dann auch Künstler, die jedes Jahr da waren, zum Beispiel Ohrpilot.
Dann hat sich einer beworben und wir dachten, das klingt gut, das funktioniert für mich so. Oder manche Leute, die einfach etwas Faszinierendes gemacht haben. Mark Schröppel zum Beispiel verkleidet sich und er arbeitet mit einer Videoprojektion, die ist ganz bunt, sehr witzig.

Was ist eure Aufgabe als Veranstalter?
Wir haben geteilte Bereiche: Wir kümmern uns um die Räume, müssen dann mit denen die Technik ausmachen, müssen Künstler auswählen, müssen die Ausschreibungen dafür machen und die in ganz Deutschland publizieren, Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Künstlerbetreuung, Finanzen, Catering, Helfer organisieren und das Layout gestalten. Wir würden uns auch um die Technik kümmern, aber wir haben keinen, der das kann. Da müssen wir halt mit den Künstlern zusammenarbeiten.

Kriegen die Künstler Gage?
Ja. Die großen Künstler kriegen sehr viel Gage, so im vierstelligen Bereich. Und das war für uns ein Grund auch Studenten zu nehmen, die sind dann auch mit weniger zufrieden.

Wo bekommt man dafür Karten?
Karte kann man an der Abendkasse kaufen, das Salz und Pfeffer vertreibt die selbst, auf der Homepage kann man die Karten bestellen. Und man kann auch bei uns auf die Homepage gehen und alles, was im MuZ stattfindet und den Poetryslam vertreiben wir selbst. Die neuesten Neuigkeiten gibt es auf der Internetseite www.hoerkunst.de, da lohnt es sich draufzuschauen.

Wo findet man das Programm?
Das steht schon auf der Internetseite, das wird auch ab dieser Woche ausgelegt werden, in Kneipen, in der Uni, und natürlich auch in Nürnberg.
Und es kostet auch nichts, man kann es einfach mitnehmen.

Worin besteht der Reiz für dich da mitzumachen?
Es ist wirklich viel Arbeit, weil wir vier Tage stemmen müssen und nur acht Leute sind, es zehrt, aber es macht auch unheimlich Spaß, es ist schon ne Familie. Ich glaube nicht, dass ich davon noch mal loskomme. Es liegt mir wirklich am Herzen und es geht allen so, die da im Team sind. Jeder macht da super viel.

Das hört sich ja wirklich gut an, kann man da noch mitmachen?
Ja, wer da noch mitmachen möchte, wir suchen noch Helfer. Man muss da auch nicht unbedingt nach Nürnberg fahren, wir haben auch den Poetryslam in Erlangen und da kommt man dann umsonst rein. Da kann man auch die Künstler kennen lernen, alles ist auf einer Ebene, da ist nicht so ein Gefälle, Künstler und wir. Da sind ja auch viele Studenten. Die stellen da ihre Arbeit vor.

Das Interview führte Johanna Meyr

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