Es werde Licht

Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts
Bild: Groß

Umgangssprachlich wird ein „heller Kopf“ als besonders wacher Geist mit hoher Intelligenz bezeichnet. Für Erlangen ist diese Metapher durchaus wörtlich zu nehmen. Am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts forschen Physiker an optischen Phänomenen. Die Forschungseinrichtung bringt den Wissenschaftsstandort Erlangen damit im wahrsten Sinne des Wortes zum Leuchten. Licht aus, Spot an. Weiterlesen

(5/6) Der smarte Stil des Mittelalters

Der gotische Kathedralbau war zu seiner Zeit ebenso revolutionär wie heute das Smartphone. Nicht die einzelnen äußeren Merkmale, Strebebögen, Kreuzrippengewölbe, Spitzbogen und Buntglasfenster sind entscheidend für den gotischen Stil, sondern die neuen Proportionen, die Wirkungen von Licht und Schatten und das neue Raumgefühl, das sie vermitteln.

Bamberger Dom, Modellfenster im südlichen Seitenschiff. Foto: Thomas Werner

‚Pulchritudo‘, die Schönheit des Kirchenraums entstand durch das Licht, das durch die Buntglasfenster herein scheint. In einer Zeit ohne elektrische Beleuchtung war Licht ein Symbol Gottes, weshalb die meisten Kirchen nach der aufgehenden Sonne ausgerichtet sind. Der Bamberger Dom nach dem Vorbild der Peterskirche in Rom – nach Westen.

Das ganze mittelalterliche Welt- und Menschenbild war auf den Himmel ausgerichtet, von dem die Kathedralen eine Vorahnung bieten. Die Portale, Skulpturen und Buntglasfenster der gotischen Kathedralen erzählenin ganzen Bilderserien die Geschichte Gottes mit den Menschen: Geschichten aus der Bibel und der Tradition der Heiligen, mit zahlreichen Querverweisen von der Fassade in den Innenraum, von Stein zu Glas und zurück – für das Volk, von dem die wenigsten lesen und schreiben konnten. Lange vor dem Betriebssystem ‚Windows‘ (Fenster) haben die Buntglasfenster das Programm einer Kathedrale illustriert. Während wir ignorant oder rätselnd davor stehen und keinen Zusammenhang mit unserem Leben erkennen, hatten die Menschen im Mittelalter andere Sehgewohnheiten. Sie konnten die Bibel aus Stein und Glas dechiffrieren, wie wir es heute mit Internetseiten gewohnt sind.

Teil 6/6 ab Dienstag 4. Dezember 20:00h

Thomas Werner

(4/6) Von den Kathedralen lernen

Von den Kathedralen können wir die Ruhe und Kontemplation wieder lernen. Immer wieder die gleichen Bilder zu betrachten, bedeutet nicht Langeweile, sondern mehr und mehr zu entdecken und zu sehen. Auf den ersten Blick können sie einen überfordern oder verstören; man kann sich ’seine‘ Kathedrale nur nach und nach, Stück für Stück erschließen.

Der Bamberger Dom war im Mittelalter vor allem ein Ensemble von aufeinander bezogenen Einzelorten und den dazu gehörigen Verbindungswegen, auf denen er an hohen Feiertagen von Prozessionen durchwandert wurde. Von der privaten Andacht über das Chorgebet und die Kapitelmessen bis zu den Pontifikalämtern ist er in spiritueller Hinsicht nicht weniger multifunktional als ein Smartphone auch. Die eine wie die andere Technologie wird immer wieder neu den Bedürfnissen der Menschen angepasst bzw. personalisiert.

Bamberger Dom, Apostelgalerie an der nördlichen Chorschranke. Foto: Thomas Werner

Im Zuge der Barockisierung wurden in Bamberg 1610 zugunsten einer hellen Verglasung die Buntglasfenster entfernt. Nach der Säkularisierung wollte der bayerische König Ludwig I. dem Dom durch eine „Purifizierung“ ein Erscheinungsbild verleihen, das man damals für mittelalterlich hielt. Vom Abwaschen der Wände bis zur Steinsichtigkeit über die Entfernung zahlreicher Altäre wurden die von ihm angeordneten Maßnahmen auch „Kahlschlag“ genannt und nach und nach wieder korrigiert. Die letzten spürbaren Veränderungen erfolgten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil mit der Installation eines Volksaltars vor dem Westchor. Seitdem ist der Dom auch eine Kirche des Volks, deren Innenraum wie ein Festsaal wirkt. Prof. Peter Wünsche, Leiter der Hauptabteilung Außerschulische Bildung/Liturgie des Erzbistums Bamberg plädiert auch heute für eine vielfältigere Nutzung.

Ein Beispiel dafür ist Weiterlesen