Gott ist in einer Tüte“

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Chris­ti­an Win­cierz, Vio­let­ta Zupan­cic. Foto: © Jochen Quast.

In einer Tüte? Gott? So schnell kann ein Zitat, aus dem Zusam­men­hang geris­sen, für Ver­wir­rung sor­gen. Und schon sind wir mit­ten im Thea­ter­stück Unschuld, geschrie­ben von Dea Loher, insze­niert von Kat­ja Ott am Thea­ter Erlan­gen. „Gott ist in einer Tüte“, sagt der ille­ga­le afri­ka­ni­sche Ein­wan­de­rer Fadoul (Patrick Nel­les­sen) zu den ande­ren Cha­rak­te­ren. Ver­ständ­nis­lo­sig­keit. Nur die Zuschau­er haben eine Ahnung, wovon er spricht. Wei­ter­le­sen

Fanatisch Verehrte, verehrte Fanatische

Die Jungfrau_1(c)Ludwig Olah

Lio­nel (Chris­ti­an Win­cierz) und Johan­na (Vio­let­ta Zupančič). Foto: © Lud­wig Olah

 

Schwarz zeich­net sich die Sil­hou­et­te einer Frau vor dem wei­ßen Licht des Schein­wer­fers ab. Kunst­rauch, der an Nebel erin­nert, wabert um sie her­um. Der Rest der Büh­ne ver­schwin­det in unge­wis­ser Dun­kel­heit. Wo beginnt, wo endet die Büh­ne? Durch den Rauch und das Licht ent­steht die Illu­si­on von uner­mess­li­cher Tie­fe und Wei­te. Vogel­ge­zwit­scher ist zu hören. Es ist nicht schwer, sich vor­zu­stel­len, dass hin­ter dem fei­nen Nebel ein Wald beginnt. Viel­leicht auch Fel­der? Ein länd­li­ches Dorf? Die Ant­wort über­lässt Regis­seur Tho­mas Kru­pa der Fan­ta­sie jedes ein­zel­nen Zuschau­ers. Er sorgt dafür, dass aller Augen sich auf jene Frau rich­ten, die in die­ser Sze­ne wie von einem Hei­li­gen­schein umge­ben scheint: „Die Jung­frau von Orleans“.

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Von grausamer Rache und Vergeltung

Jochen Quast: Hermann Große-Berg, Christian Heller

Jochen Quast: Her­mann Gro­ße-Berg, Chris­ti­an Hel­ler

Wer kennt nicht die Figur des jüdi­schen Wuche­rers Shy­lock von Wil­liam Shake­speare? Als Robin Tel­fer in der letz­ten Spiel­zeit Dür­ren­matts „Das Ver­spre­chen“ insze­nier­te, stie­gen am Thea­ter Erlan­gen die Besu­cher­zah­len. Nicht weil die Erlan­ger Dür­ren­matt bes­ser ken­nen als Kleist, son­dern weil das Stück einen Sog ent­wi­ckel­te, dem man sich nicht so leicht ent­zie­hen konn­te. Die­ser Sog fin­det sich in die­ser Spiel­zeit bei „Der Kauf­mann von Vene­dig“ wie­der. Schon vor der Pre­mie­re hat­te ich die Mög­lich­keit, mir eine der Haupt­pro­ben anzu­se­hen. Ein gro­ßes Schau­spiel! Wei­ter­le­sen

Jemand musste Joseph K. verleumdet haben,…

@Jochen Quast: Daniel Seniuk (im Hintergrund: Ensemble)

@Jochen Quast: Dani­el Seni­uk (im Hin­ter­grund: Ensem­ble)

Am Don­ners­tag (21.2.) hat­te „Der Pro­zess“ im Mark­gra­f­en­thea­ter Erlan­gen sei­ne Pre­mie­re. Der Zuschau­er­raum war sehr gut gefüllt, Kafka’s Werk zieht offen­sicht­lich vie­le ver­schie­de­ne Genera­tio­nen ins Thea­ter. Unter der Regie von Con­stan­ze Kreusch („Kohl­haas“, „Leon­ce und Lena“) und der Dra­ma­tur­gie von Julie Pau­cker ist eine moder­ne Fas­sung enstan­den, die dem Text Kafka’s viel Raum lässt und ihn mit Schman­kerln fürs Auge (Büh­ne und Kos­tü­me von Petra Wil­ke) und span­nen­den Details ver­süßt. Wei­ter­le­sen