Ich fand meine Groß­el­tern wie­der, als ich 8 oder was war. Und wenn ich sie besuchte, schaute ich manch­mal fern, wie man es eben macht, wenn man zuhause nicht schauen darf. Ein­mal am Tag drückte ich die VHS Der Rosa­rote Pan­ther Kehrt Zurück in das Gerät, Peter Sel­lers in 1975 (die Kampf­sze­nen, in denen Inspek­tor Clou­seau mit sei­nem Die­ner Kato kämpft, habe ich mir unge­fähr 15mal hin­ter­ein­an­der ange­schaut, man konnte auf die­sen alten Video Spie­lern sehr gut spu­len – dabei lag ich lachend auf dem Sofa und mein Opa stand in der Tür und beob­ach­tete diese sur­reale Szene).
Wesent­lich bedeu­ten­der ist aber, dass ich dort auch Woody Wood­pe­cker ken­nen lernte. Die Car­toons wur­den auf Super RTL oder was weiß ich gezeigt. Seit dem ist Woody der Zei­chen­trick­cha­rak­ter, den ich am liebs­ten mag (neben Fritz the Cat, aber das ist eine andere Geschichte). Die­ser Specht mit rotem Kopf und blauem Kör­per (trotz­dem wei­ßer Bauch und kein Bizeps) hat ein Signatur-Lachen, das ich den gan­zen Tag imi­tierte: ha-ha-ha-HAA-ha, purer Irr­sinn. Ich mein, ich war jung, ja, my excuse is that I’m young / and I’m only get­tin older / so some­body shoulda told ya / I’m on one.
Woody Wood­pe­cker ist sehr genüg­sam und läs­sig, er macht, was er will und stürzt sich so von einem Aben­teuer ins nächste. It’s said „no tre­spas­sing“, but that didn’t stop me, und dann klet­tert er über den Zaun und spielt Cri­cket, bis er sich mit einem Anwoh­ner strei­ten muss, der genervt ist. Woody muss sich immer strei­ten, immer riva­li­sie­ren, er legt es immer drauf an, ent­we­der gegen Buzz Buz­zard, Wally Wal­rus oder alle ande­ren, die sich pro­bie­ren wol­len, er geht immer zum Maxi­mum, nur, um in der größ­ten Gefahr seine Smart­ness aus­zu­spie­len. Woody ist der schlauste Kerl, der rum läuft. Und meis­tens hat er kein Ideal, er pro­vo­ziert ein­fach, um sich aus­to­ben zu kön­nen, was soll man auch sonst mit der gan­zen Intel­li­genz und Phan­ta­sie machen, als sie in Über­le­gen­heit und Igno­ranz umwan­deln?
Und trotz­dem ist er kein Ego­ist: Sobald alle ande­ren Angst haben, weil die Gangs­ter über­mäch­tig schei­nen, über­nimmt Woody und ret­tet den Rest, so wie es Super­hel­den eben tun. Er über­nimmt Ver­ant­wor­tung, wird She­riff (obwohl die letz­ten 13 She­riffs neben­ein­an­der begra­ben lie­gen) und erle­digt Bank­räu­ber und Gau­ner. Und obwohl meis­tens selbst ein Out­law, wen­det er sich gegen sie, wenn es nötig ist. Ein Specht mit Gewis­sen, der mit sei­nem Schna­bel alles zer­ha­cken kann, manch­mal ein biss­chen arro­gant, aber es ist nur ein Hang, den wir alle haben, es ist nur ein Hang, den man aus­ba­lan­cie­ren muss.
Und so wie er Ver­ant­wor­tung über­nimmt, bekommt er Mäd­chen, Win­nie Wood­pe­cker oder Western-Girls, die im Saloon auf dem Kla­vier sit­zen und sich einen Hel­den wün­schen. Er wird nur sel­ten gestoppt, meis­tens ist that dirty little smart-aleck auf der 1, die­ser Neun­mal­klug ist on One, über­all Ver­wir­rung und ganz am Ende bleibt sein Lacher wie James Bond, wenn er in die Kamera schießt.

Jos­hua Groß