Wir hat­ten nur Was­ser­pfei­fen­ta­bak und Nek­tar aus dem chi­ne­si­schen Super­markt. „Schnell kaufe und bezahle.“ Oder ein Typ lief mit einem Mega­fon durch den Schup­pen, fünf Minu­ten vor Laden­schluss, er rief Son­der­preise aus: das Per­so­nal ver­wirrt, die Kun­den ange­fixt, so muss ein Show­down begin­nen. Ein Wes­tern mit­ten in Nürn­berg. Ich mein, kannst du dich noch an das Gedicht in der Opi­um­höhle erin­nern? „Das weiße Blatt ist Anar­chie, das Gedicht ist die Ord­nung.“ Sol­che Sätze finde ich, wenn ich durch meine alten Notiz­bü­cher wate, die ver­gilbt in Rega­len hän­gen. Erst ’nen Tag spä­ter, was soll das schon hei­ßen? Ges­tern bin ich viel­leicht noch nachts aus dem Schacht der Bären­schanze gestie­gen und das Laub klebte wie Twix Zel­lo­phan an den Zwei­gen. „Erst ’nen Tag spä­ter fiel mir das ein.“ Das könnte es hei­ßen, das Gewit­ter war schließ­lich zwi­schen den Stra­ßen­schluch­ten, zumin­dest sein Echo und das pul­sierte auf mei­ner Netz­haut, die Beweis­füh­rung müsste rück­wärts pas­sie­ren, vom nächs­ten Tag ange­fan­gen. Aber da steht man im Haupt­bahn­hof und kauft Longpa­per, OCB in weiß, weil sie auch damals keine schwar­zen hat­ten. Weißt du das noch? Ich war in der Apo­theke und hab 100Gramm Herba Pas­si­flora geholt und Col­lin hat gedreht und wir woll­ten in Green Hor­net psy­che­de­li­sches 3D sehen. Ein Knall­bon­bon, aber das Kraut hatte kei­nen Kra­nich im Reper­toire, es war win­dig drau­ßen und ihr hat­tet Kopf­weh am nächs­ten Tag. Erst ’nen Tag spä­ter war klar, dass Pas­si­ons­blume kein Kung Fu im Ver­stand kann und dann wie­der zurück: „Kann ich dei­nen Stift mal haben?“ „Klar“ „Danke“ Cor­ne­lia Vero­nika, Con­nie kurz, der Name muss aufs Tages­ti­cket, „wo fährst du hin?“ „Nach Gos­ten­hof“ „Was machst du da?“ „Eine Freun­din hat Geburts­tag und du?“ „Ich fahre zu ’ner Freun­din nach Ochen­bruck“ „Das ist doch ’ne ver­fluchte Ver­bin­dung“ Aber wenigs­tens fuhr sie nicht aufs Volks­fest, nach 20Uhr hat der Radius der Dumm­heit das Bier­zelt zum Mit­tel­punkt, ein Show­down und ein nächs­ter, völ­lig unro­man­tisch und über­la­den, nach 20Uhr hat der Radius der Dumm­heit den Bizeps zum Mit­tel­punkt. Mein Bizeps ist beschei­den, oder: Die Han­teln waren zu schwer. „Willst du ’nen Kau­gummi?“ „Geht klar“ Es waren Kin­der­kau­gum­mis mit Orangen-Geschmack, „Ich steh auf die­ses Zeug“ Grin­sen und geschmack­lich so ähn­lich wie die Mango Zahn­pasta, die wir in Ber­lin hat­ten, es war ein Ver­se­hen, wir waren nur ein paar Nächte dort, die Tube ist noch halb voll, min­des­tens, erst ’nen Tag spä­ter oder zwei. Der Show­down kam frü­her, weil sie aus­stieg, wir trenn­ten uns ohne Schuss­wech­sel, sie stahl dem Höhe­punkt sei­nen Cha­rak­ter, jetzt bleibt sie ein Man­dala in mei­nem Kopf, oder ich sehe sie wie­der. Ja, erst ’nen Tag spä­ter beginnt man drü­ber nach­zu­den­ken, ob man sich nicht bes­ser abge­knallt hätte. In ihrer Hand­ta­sche wäre die Packung übrig geblie­ben und der Hin­weis „ohne Zucker, ab 6Jahren“, viel­leicht auch nur so ähn­lich. Wir blei­ben Super­hel­den und „man muss zurück zu dem, was Comics am bes­ten kön­nen, große Ideen, bizarre Lay­outs. Lasst Zeich­ner ver­rückte Sachen machen, lasst Auto­ren aus­ras­ten. Dann wer­den die Werte der Comics wie­der sicht­bar. Das mag ihr letz­ter Atem­zug sein.“ (Grant Mor­ri­son) So muss ein Show­down begin­nen, auch wenn Pippi sagt, ich spre­che wie Jazz, über­ko­chende Impro­vi­sa­tio­nen und erst die letzte Abzwei­gung zurück zum Thema. Viel­leicht fällt mir das Mor­gen ein, ich mein, der große Show­down und der ganze Jazz.

Jos­hua Groß