Das Phä­no­men der Ein­schlaf­lo­sig­keit zu erkun­den, war ein Auf­trag, den ich mit psy­cho­pa­ti­scher Bril­lanz aus­führte (ich hatte den Begriff von Nor­man Mai­ler). Ich hockte im Insti­tut, kaute Eis­creme und über­legte. Das Ter­rain, eine sehr vage Angabe, umfasste meh­rere Zeit­zo­nen und obwohl mir klar war, wovon ich aus­ge­hen musste, war mein Aus­gangs­punkt unklar. Ich stand auf und füllte meine Schüs­sel: Bei den ers­ten Bis­sen bemerkte ich einen zie­hen­den Schmerz in mei­nen Backen­zäh­nen, weil die Küh­lung des Gefrier­fachs von einem Detek­tiv nicht regu­liert wer­den konnte. Man brauchte Hand­schuhe, um keine stei­fen Fin­ger bekom­men, wenn man rein langte.
Genug davon: Offen­sicht­lich ging es um ein Mäd­chen (es geht meis­tens um Mäd­chen). Ent­we­der geht es um ein spe­zi­fi­sches Mäd­chen, oder es geht um die Frau (und nicht um eine Illus­trierte). Viel­leicht hieß sie Jana: Ich musste mich auf sie kon­zen­trie­ren, wenn ich in der Sphäre der Ein­schlaf­lo­sig­keit = erfolg­reich sein wollte. Diese Sphäre war wie Frucht­fleisch, äußert sen­si­bel und bei­nahe an der Ober­flä­che, all­mäh­lich konnte ich mich einem Satz von H.H. Jahnn nähern: „Träume, diese Blut­er­güsse der Seele.“ Und die Ein­schlaf­lo­sig­keit war ein Schirm für diese dicken Trop­fen, die im Schlaf auf den Ver­stand trom­meln (und Ein­schlag­lö­cher hin­ter­las­sen, von denen man sich schwer erholt, ich mein Ein­schlag­lö­cher, die aus­se­hen, als wären Schnee­flo­cken auf ein altes Gemälde gefal­len).
Ich ermit­telte in einer Nach­bar­schaft, in der man die Über­que­rung aus­reizte, bis sie sich leise entzündete.

Exkurs: Schick­sal, die­ses elende Wort, true that. Es muss auf Träume ange­wen­det wer­den: Man hat kei­nen Ein­fluss, wenn man schläft und träumt, was kommt in this Bitch…
Aus­führ­li­cher? Ich glaube nicht, Sir!

Zwi­schen Hügeln, auf denen sich nachts Häu­ser im oran­ge­nen Later­nen­licht sta­pel­ten und ein Sample der Dun­kel­heit über die Flach­dä­cher kroch, befand sich ein dun­kel­grü­ner Court, der von Schein­wer­fern bloß­ge­stellt war. Ich lief über der Stadt, 40% Stei­gung, ich sah Wol­ken­krat­zer ste­hen wie Downtown-Roboter, die per­for­ma­tiv einen Kon­gress von Domi­no­stei­nen kopie­ren, die Bucht dahin­ter sah aus wie ein Schwan­ger­schafts­strei­fen oder was. Wenn man diese Stra­ßen run­ter steppt, geht das auf die Knie (es gab eigent­lich keine Spa­zier­gän­ger) und manch­mal blieb ich ste­hen, um zu kapie­ren, dass mein Auf­trag anders war.
Jana spielte da unten Bas­ket­ball, sie trug ein wei­ßes New York Knicks-Jersey (Walt Fra­zier), das ihr viel zu groß war, es war fast ein Nacht­hemd und des­halb das ein­zige, was sie anhatte. Ihr Jum­per war ele­gant, sie knickte ihr Hand­ge­lenk am höchs­ten Punkt ab und traf, holte Rebounds und traf, holte Rebounds und traf, holte Rebounds… Die dunk­len Haare waren zum Zopf gebun­den, bar­fuß und ich stieg in mei­nen Boots zu ihr run­ter, mit mei­nen alten Jeans, mit mei­nem alten blauen Hoo­die, ihre Dribb­lings und einige Autos waren der ein­zige Sound, der Hin­ter­grund mei­ner Schritte, ich war viel­leicht senk­recht über ihr, mil­der Februar (ein Abstieg übri­gens, der nur bedingt mit grie­chi­scher Phi­lo­so­phie zusam­men hing).

Der detek­ti­vi­sche All­tag war men­tal und run­ter gekom­men, im grel­len Zim­mer hän­gen (die Strom­ver­sor­gung gen­ma­ni­pu­liert), Gary Sny­der lesen, Turtle Island und Geld­sor­gen haben, meis­tens kein Dope, aber die psy­cho­pa­ti­sche Bril­lanz (die Fähig­keit, eine Gene­ra­tion zu verstehen)…

Ich setzte mich auf die höl­zerne Tri­büne, sie regis­trierte es, schaute kurz rüber und warf wei­ter. Ich war müde und sie spielte mit einer trös­ten­den Leich­tig­keit, ich zog ein Bier aus der Tasche und mein Mäd­chen war 9Stunden ent­fernt (viel­leicht war sie auch hier, mit mir zusam­men). Kühl kroch mir das Gebräu in die Kehle wie eine süd­li­che Alli­ga­tor­schlei­che.
Es war ein asym­me­tri­scher Ton, als der Ball vom Ring abprallte – klong – und in meine Rich­tung sprang und schließ­lich rollte. Ich saß courts­ide und stoppte den Ball mit mei­nem Fuß. Ich stellte mein Bier ab und hob ihn auf, ich blickte hoch: Sie war­tete auf einen Pass.
– Weißt du, sagte ich. Manch­mal träume ich von dir, wir sehen uns immer wie­der, seit wir 10 sind oder was (und manch­mal möchte ich wis­sen, ob du auch von mir träumst), wir wis­sen, es passt und haben noch nie mit­ein­an­der gespro­chen…
– Ja, sagte sie (mehr nicht).
– Ich habe mich selbst als Detek­tiv ange­heu­ert, erklärte ich. Es ist viel, Mäd­chen, so viel…

Jos­hua Groß