Natür­lich musste er bei der Rück­kehr den Jour­na­lis­ten sei­nen ein­ge­gips­ten Arm demons­trie­ren. Wir zwei, Sara und ich, haben in der Hecke die Ohren gespitzt. Die waren aus­ge­rüs­tet wie zu einer Pres­se­kon­fe­renz und schon ziem­lich aus­ge­hun­gert nach Nach­rich­ten. Fra­gen haben sie gestellt wie Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­ker, nach dem genauen Ort des Unfalls, der Uhr­zeit, der Beschaf­fen­heit des Bodens. Sie inter­es­sier­ten sich für den Zustand des Ver­un­fall­ten, geis­tig, kör­per­lich, sei­nen Gleich­ge­wicht­sinn, etwai­gen Alko­hol­kon­sum etc… Kame­ras haben sie ihm ent­ge­gen­ge­streckt, Mikro­phone, Dik­tier­ge­räte, fast wie eine Armee – und wir haben solange auf unser Fres­sen war­ten müs­sen. Gedul­dig hat der Ratz­in­ger mit der Meute am Gar­ten­zaun gespro­chen, hat sich bereit­wil­lig por­trai­tie­ren und aus­fra­gen las­sen: „Gar nichts wird geän­dert am Urlaubs­pro­gramm. Nicht mal der Spei­se­plan. Wir gehen jeden Tag wan­dern, und heute Abend gril­len wir.“ Anschlie­ßend hat er statt Auto­gram­men sei­nen Segen gege­ben mit dem ver­letz­ten Arm, und obwohl er sagte: „Das kos­tet Sie nichts“, und beteu­erte: „Wir sind ja nicht mehr im Hei­li­gen Offi­zium“, wollte von den Zaun­gäs­ten kei­ner auf sei­nem Gips unter­schrei­ben und ein Kreuz­zei­chen haben auch die Wenigs­ten gemacht. Als sie sich davon­ge­schli­chen haben, fragte der Ratz­in­ger noch einen der letz­ten: „Sie waren doch schon öfters hier dabei. Sagen Sie – ihr Dik­tier­ge­rät – sind Sie damit zufrie­den?“ Als er nach einer klei­nen Fach­sim­pe­lei zurück zum Haus kam, sagte er zu sei­nem Sekre­tär: „An der Aus­rüs­tung man­gelt es nicht“, und schüt­telte den Kopf, „aber an Ver­trauen.“ Trotz aller Ein­la­dung war sein Ver­band noch so weiß wie sein Gewand; den Filz­stift in sei­ner päpst­li­chen Bauch­binde hat nie­mand gebraucht. „Aber heute Abend wird gegrillt“, sprach er freu­dig und stell­ver­tre­tend rieb sich der Sekre­tär die Hände, bevor er an der Haus­tür sei­ner Hei­lig­keit (wegen der ein­ge­gips­ten Hand) und dann sich selbst die Stie­fel aus– und die Haus­schuhe anzog. Neben dem Holz­sta­pel hat jemand im Mor­gen­grauen, als wir von unse­rem Stell­dich­ein mit der Dorf­kat­zen­ju­gend zurück­ka­men, ganze Arbeit geleis­tet, das war der Zei­tungs­junge. „Und was ist das wie­der? Was da wie­der alles drin­steht.“, rief der Ratz­in­ger, als er die Schub­kar­ren­la­dung Zei­tun­gen erblickte, die neben dem Holz auf­ge­schlich­tet waren. Der Ratz­in­ger befühlte die gelie­ferte Ware hier und da, zog ohne den Sta­pel ins Wan­ken zu brin­gen, einige Exem­plare her­aus und regis­trierte blin­zelnd, weil ohne Brille: „espres­sione ita­liano, tede­sco, ing­lese, fran­cese“, der­weil warnte ihn der Sekre­tär: „Geben sie acht mit ihrem Ver­band! Die Dru­cker­schwärze!“ Der Ratz­in­ger sagte: „Was mei­nen Sie, Gäns­wein? Dem Jun­gen geben wir mor­gen ein Trink­geld. Aber müs­sen wir das alles lesen? Alles in allem lie­fern sie ja doch immer wie­der“ – und mit einer weg­wer­fen­den Hand­be­we­gung – „eccle­sia mac­chiato“ – legte er die paar Exem­plare zurück auf den Stapel.