Streifzug durch die Erlanger Bücherwelt

ExLibris Erlangen

Buchhandlung Ex Libris, Bild: Anja Groß

»Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler«. Diesen Worten des bekannten französischen Schriftstellers Philippe Djian möchte ich mich gerne anschließen. Eine gute Buchhandlung ist für mich ein Ort, an dem ich nach neuen Inspirationen und spannenden Geschichten suche. Sie lädt zum Verweilen ein, während man sich gedankenversunken von Regal zu Regal hangelt, immer wieder nach Büchern greift, darin blättert und dabei die Zeit vergisst.

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Eine nahezu ausgestorbene Spezies

Der letzte Zeitungsleser

Bild: Verlag Galiani Berlin

Wer darauf achtet, findet noch das ein oder andere Exemplar einer nahezu ausgestorbenen Spezies. Erst kürzlich fiel mir in einem Café – modern eingerichtet mit eckigen Sofas und diesen (lebens-)weisen Sprüchen an den Wänden – eine ältere Dame auf, die Zeitung las. Der Tisch war vollständig bedeckt von den überdimensionalen, gräulichen Blättern dieser Zeitung. Nebenbei nippte sie an einer Tasse Kaffee. Eine waschechte Zeitungsleserin. Was für eine Seltenheit, geradezu museal!
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Monster ex machina

Leben aus dem Glas? Nicht mit Igor!

Leben aus dem Glas? Nicht mit Igor (Daniel Radcliffe)! Bild: Fox

Eine vorlagengetreue Literaturverfilmung hat bei Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn niemand erwartet. Doch Regisseur Paul McGuigan schafft es, Mary Shelleys Roman komplett auf den Kopf zu stellen. Das schlimmste Monster ist bei ihm weder die aus Leichenteilen zusammengestückelte Kreatur noch ihr Schöpfer – sondern die Technik. Damit macht er seinen Film zum politischen Statement. Keine gute Idee. Weiterlesen

Bärendienst für die Menschenrechte

Bürgerrechte für den Bären? Ted vor Gericht Bild: Universal Studios

Bürgerrechte für den Bären?                 Bild: Universal Studios

In Ted 2 lässt Family Guy-Schöpfer Seth MacFarlane seinen plüschigen Protagonisten vor Gericht ziehen. Der sprechende Teddy möchte seine Menschenrechte einklagen. Dass der Film nichts taugt, ist keine große Überraschung. Wie willkürlich er mit dem Begriff der Menschenrechte jongliert schon. Weiterlesen

Womit haben wir das verdient?

Pixabay • Public Domain License

Pixabay • Public Domain License

Apple-Nutzer reiben sich verwundert die Augen, sie trauen Ohren und Erinnerung nicht mehr: Unter den kürzlich gekauften Artikeln findet sich seit gestern, was, das brandneue U2-Album? Einkaufs-Amnesie? Nicht doch: Ein Geschenk von Apple, wie es heißt. „I get so many things I don’t deserve“, singt Bono gleich im ersten Song. Und das trifft es gut. — Womit haben wir das denn verdient? Weiterlesen

Ins Netz gegangen

Scharf angeschossen - Fußball auf dem Feld der Ehre (Foto: Awaya Legends https://www.flickr.com/photos/awaya/2717850130/sizes/m/in/photostream/)

Scharf angeschossen – Fußball auf dem Feld der Ehre (Foto: Awaya Legends https://www.flickr.com/photos/awaya/2717850130/sizes/m/in/photostream/)

Da ging es aber ganz schön ab, die letzten Tage in unserem re>flex-Magazin. Vor zwei Tagen veröffentlichte ich meinem Essay Faschistoider Fußball. Das hat in unserem Magazin erfreulicherweise eine hitzige, öffentliche Diskussion ausgelöst. Denn die provokante These des Artikels war, dass das Phänomen Fußball faschistoide Elemente aufweist, was ich primär belegt habe, anhand der Faktoren Patriotismus, gekoppelt mit einem Hypernationalismus, und totalitären Zügen durch den Massencharakter, der Abslouheit des Fußballs und dem sakralen Warenfetisch, der um das Produkt herum generiert wird. Widerspruch ist da ja eigentlich schon vorprogrammiert. Eine Erwiderung von Philip J. Dingeldey

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Romeo liebt Julia – ich liebe Fußball!

Das ist Fußball - Studiobühne ErlangenIn Kürze beginnt wieder einmal der größte Zirkus der Welt — nämlich die Fußball-Weltmeisterschaft (WM) – und die Deutschen sind schon ganz aus dem Häuschen. Freilich gibt es da vieles, das man kritisch betrachten muss: Rassismus, Homophobie, Korruption. Aber der Fußball hat seine guten Seiten. Er erzählt die besten Geschichten der Welt: die erdrückende Anspannung beim Elfmeter, die allumfassende Verzweiflung beim Abstieg, die unbändige Freude beim Siegtor in der 90. Minute. Das alles ist Fußball.

Eine Reaktion auf Philip J. Dingeldeys Artikel „Faschistoider Fußball“ von Andreas Pommer.

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Faschistoider Fußball

Der Organismus des Massencharakters (Quelle: Wikimedia Commons/ Adriá-garcia).

Der Organismus des Massencharakters (Quelle: Wikimedia Commons/ Adriá-garcia).

In Kürze beginnt wieder einmal der größte Zirkus der Welt – nämlich die Fußball-Weltmeisterschaft (WM) –, und die Deutschen sind schon ganz aus dem Häuschen. Überall findet man jetzt Fanartikel, über Schmuck, Halsbänder, Fußbälle, Schminke – freilich alles in den deutschen Nationalfarben. Selbst Produkte, die auf den ersten Blick nichts mit Fußball zu tun haben, versuchen mit dem WM-Etikett ihre Umsätze, meist erfolgreich, zu maximieren. Das nennt sich dann Fußballfieber.

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Einzigartigkeit Poesie?!

Szene aus "Ein Sommernachtstraum" (Quelle: Wikimedia Commons/ Stadt Neuss - Kulturamt).

Szene aus Ein Sommernachtstraum (Quelle: Wikimedia Commons/ Stadt Neuss – Kulturamt).

Die Welt als Wille und Vorstellung. So lautet der Titel des philosophischen Hauptwerkes Schopenhauers. Schon jener deutet implizit auf die Bedeutung der Kommunikation hin. Man macht sich die Welt Untertan, indem man sie in begreifbare Schemata zwingt – den Willen und die Vorstellung. Dazu braucht es jedoch die Sprache als Medium, erstens, als Schema für den Menschen, um zu begreifen; zweitens, um dies anderen kundzutun; und drittens, um auch das soziale Umfeld zu schematisieren. Darauf greift auch Hamann – anschließend an Aristoteles – zu, wenn er meint, ohne Wort gäbe es weder Vernunft noch Welt. Die Vernunft ist zunächst das, was uns vom instinkthandelnden Tier unterscheidet,  die Reflexionsfähigkeit. Dies drückt sich in unserem verbalen Hauptkommunikationsmittel aus. Fraglich bleibt natürlich, ob uns dies zum politischen Wesen macht.

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