Jeder stirbt für sich allein

Cover zu Um uns die Toten von Bartholomäus Grill (Quelle: Siedler Verlag).

Cover zu Um uns die Toten von Bar­tho­lo­mä­us Grill (Quel­le: Sied­ler Ver­lag).

Der Tod lau­ert über­all. Da ver­wun­dert es nicht, dass er auch ein uni­ver­sel­les The­ma ist. So könn­te nahe­zu jede wis­sen­schaft­li­che oder künst­le­risch-kul­tu­rel­le Dis­zi­plin den Tod in sein Res­sort auf­neh­men. Doch das allei­ne war nicht das inter­dis­zi­pli­nä­re Ziel des Jour­na­lis­ten Bar­tho­lo­mä­us Grill. Sein Buch Um uns die Toten. Mei­ne Begeg­nun­gen mit dem Ster­ben bringt den Leser zum Nach­den­ken über den Tod und den bie­tet dazu sowohl einen phä­no­me­no­lo­gi­schen als auch indi­vi­du­ell-auto­bio­gra­phi­schen Umgang damit. Bei­des scheint sinn­voll zu sein, da doch kei­ner die­sem Unter­su­chungs­ob­jekt ent­flie­hen kann.

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Rap für Radikale

The Future is still unwritten. Daisy Chain, Kronstadt und Refpolk (Foto: Nathalie Lex).

The Future is still unwrit­ten: Dai­sy Chain, Kron­stadt und Ref­polk (Foto: Natha­lie Lex).

Einen gan­zen Tag lang Rap und Hip Hop auf einem Fes­ti­val in Nürn­berg – wie ist das nur aus­zu­hal­ten? Eigent­lich sehr gut, auch oder gera­de wenn man kein Fan für kon­ven­tio­nel­len Main­stream­rap ist. Viel­leicht lag es auch dar­an, dass ich aus­nahms­wei­se ein­mal gut gelaunt war, wohl eher aber dar­an, dass es sich um das links­re­vo­lu­tio­nä­re und inter­na­tio­na­lis­ti­sche Uns­po­ken Words-Fes­ti­val im Stadt­teil­zen­trum Desi han­del­te. Denn ja, Rap kann und muss auch mal poli­tisch sein.

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Hybrid der Freundschaft

Cover zu Ostende. 1936: Sommer der Freundschaft von Volker Weidermann (Urheber und Quelle: Verlag Kiepenheuer & Witsch)

Cover zu Ost­ende. 1936: Som­mer der Freund­schaft von Vol­ker Wei­der­mann (Urhe­ber und Quel­le: Ver­lag Kie­pen­heu­er & Witsch)

Der Ort schien fern vom Krieg und von den deut­schen Unge­rech­tig­kei­ten; kein Wun­der, dass sich hier, im bel­gi­schen Ost­ende, im Som­mer zahl­rei­che deut­sche Schrift­stel­ler für den Urlaub ein­fan­den. Doch 1936 waren vie­le von ihnen auf der Flucht und ver­brach­ten einen fieb­rig-resi­gna­ti­ven Som­mer in Ost­ende als Exil­schrift­stel­ler, die ums Über­le­ben und gegen Nazi­deutsch­land kämpf­ten. Dar­aus hat Vol­ker Wei­der­mann, der Feuil­le­ton­chef der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung ein sach­kun­di­ges, hybri­des Buch geformt – Ost­ende. 1936: Som­mer der Freund­schaft.

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Vom Ende der Privatsphäre

Cover zu Die globale Überwachung von Glenn Greenwald (Quelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur).

Cover zu Die glo­ba­le Über­wa­chung von Glenn Green­wald (Quel­le: Ver­lags­grup­pe Droemer Knaur).

Als die frü­he Römi­sche Repu­blik wie­der ein­mal von Unru­hen heim­ge­sucht wur­de, ernann­ten die Römer – wie es das poli­ti­sche Sys­tem vor­sah – einen Dik­ta­to­ren, und, so die Erzäh­lung, dies sei ein Cin­cin­na­tus gewe­sen, der die Repu­blik aber­mals sta­bi­li­sier­te und sich danach als Bau­er zurück­zog. Dar­um hat sich Edward Snow­den, den wir bei re>flex als Volks­hel­den titu­liert haben, auch die­sen Namen als Pseud­onym zuge­legt, als er erst­mals in Kon­takt mit Glenn Green­wald trat und schließ­lich spä­ter mit die­sem den NSA-Skan­dal auf­deck­te. Der freie Jour­na­list und Anwalt Green­wald hat nun ein Buch über Snow­den, die NSA und die ame­ri­ka­ni­schen Medi­en und Poli­ti­ker geschrie­ben – Die glo­ba­le Über­wa­chung.

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Ins Netz gegangen

Scharf angeschossen - Fußball auf dem Feld der Ehre (Foto: Awaya Legends https://www.flickr.com/photos/awaya/2717850130/sizes/m/in/photostream/)

Scharf ange­schos­sen — Fuß­ball auf dem Feld der Ehre (Foto: Awa­ya Legends https://www.flickr.com/photos/awaya/2717850130/sizes/m/in/photostream/)

Da ging es aber ganz schön ab, die letz­ten Tage in unse­rem re>flex-Magazin. Vor zwei Tagen ver­öf­fent­lich­te ich mei­nem Essay Faschis­toi­der Fuß­ball. Das hat in unse­rem Maga­zin erfreu­li­cher­wei­se eine hit­zi­ge, öffent­li­che Dis­kus­si­on aus­ge­löst. Denn die pro­vo­kan­te The­se des Arti­kels war, dass das Phä­no­men Fuß­ball faschis­toi­de Ele­men­te auf­weist, was ich pri­mär belegt habe, anhand der Fak­to­ren Patrio­tis­mus, gekop­pelt mit einem Hyper­na­tio­na­lis­mus, und tota­li­tä­ren Zügen durch den Mas­sen­cha­rak­ter, der Abslou­heit des Fuß­balls und dem sakra­len Waren­fe­tisch, der um das Pro­dukt her­um gene­riert wird. Wider­spruch ist da ja eigent­lich schon vor­pro­gram­miert. Eine Erwi­de­rung von Phil­ip J. Din­gel­dey

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Faschistoider Fußball

Der Organismus des Massencharakters (Quelle: Wikimedia Commons/ Adriá-garcia).

Der Orga­nis­mus des Mas­sen­cha­rak­ters (Quel­le: Wiki­me­dia Commons/ Adriá-gar­cia).

In Kür­ze beginnt wie­der ein­mal der größ­te Zir­kus der Welt — näm­lich die Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft (WM) –, und die Deut­schen sind schon ganz aus dem Häus­chen. Über­all fin­det man jetzt Fan­ar­ti­kel, über Schmuck, Hals­bän­der, Fuß­bäl­le, Schmin­ke – frei­lich alles in den deut­schen Natio­nal­far­ben. Selbst Pro­duk­te, die auf den ers­ten Blick nichts mit Fuß­ball zu tun haben, ver­su­chen mit dem WM-Eti­kett ihre Umsät­ze, meist erfolg­reich, zu maxi­mie­ren. Das nennt sich dann Fuß­ball­fie­ber.

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Komprimierte Absurditäten

Cover zu "Nacht und Träume" von Samuel Beckett (Quelle: Suhrkamp Verlag).

Cover zu Nacht und Träu­me von Samu­el Beckett (Quel­le: Suhr­kamp Ver­lag).

Sei­ne Stü­cke gehö­ren in den Grund­ka­non der euro­päi­schen Lite­ra­tur des zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert. Sei­ne Stü­cke drü­cken Absur­di­tät, Athe­is­mus, Des­il­lu­sio­nie­rung und Exis­ten­zia­lis­mus aus. Sei­ne Stü­cke wir­ken oft abwe­gig und sinn­los – und genau dahin­ter ver­birgt sich der Sinn der Absur­di­tät des Daseins. Die Rede ist natür­lich vom iri­schen Schrift­stel­ler Samu­el Beckett, der 1969 den Lite­ra­tur­no­bel­preis erhielt und sei­ne meis­ten Wer­ke in Eng­lisch und Fran­zö­sisch ver­fass­te. Jedoch ken­nen die meis­ten nur sein Dra­ma War­ten auf Godot — und viel­leicht noch End­spiel. Das möch­te der Suhr­kamp Ver­lag ändern, indem er Becketts kur­ze Stü­cke in einem Band her­aus­ge­ge­ben hat.

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Sterbehilfe für Nerds

Cover zu "Das unerhörte des Leben des Alex Woods" von Gavin Extence (Quelle und Urheber: Limes Verlag).

Cover zu Das uner­hör­te des Leben des Alex Woods von Gavin Extence (Quel­le und Urhe­ber: Limes Ver­lag).

Ein Mete­or bricht durch ein Haus­dach und trifft einen klei­nen Jun­gen am Kopf. Der Jun­ge, der über­lebt, aber nach einer Kom­a­pha­se an Epi­lep­sie lei­det, hilft spä­ter einem alten Mann beim Ster­ben. Denn vom Über­le­ben und Ster­ben han­delt der Roman Das uner­hör­te Leben des Alex Woods Oder: War­um das Uni­ver­sum kei­nen Plan hat, ver­fasst vom bri­ti­schen Autor Gavin Extence.

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Einzigartigkeit Poesie?!

Szene aus "Ein Sommernachtstraum" (Quelle: Wikimedia Commons/ Stadt Neuss - Kulturamt).

Sze­ne aus Ein Som­mer­nachts­traum (Quel­le: Wiki­me­dia Commons/ Stadt Neuss — Kul­tur­amt).

Die Welt als Wil­le und Vor­stel­lung. So lau­tet der Titel des phi­lo­so­phi­schen Haupt­wer­kes Scho­pen­hau­ers. Schon jener deu­tet impli­zit auf die Bedeu­tung der Kom­mu­ni­ka­ti­on hin. Man macht sich die Welt Unter­tan, indem man sie in begreif­ba­re Sche­ma­ta zwingt – den Wil­len und die Vor­stel­lung. Dazu braucht es jedoch die Spra­che als Medi­um, ers­tens, als Sche­ma für den Men­schen, um zu begrei­fen; zwei­tens, um dies ande­ren kund­zu­tun; und drit­tens, um auch das sozia­le Umfeld zu sche­ma­ti­sie­ren. Dar­auf greift auch Hamann – anschlie­ßend an Aris­to­te­les – zu, wenn er meint, ohne Wort gäbe es weder Ver­nunft noch Welt. Die Ver­nunft ist zunächst das, was uns vom instinkt­han­deln­den Tier unter­schei­det,  die Refle­xi­ons­fä­hig­keit. Dies drückt sich in unse­rem ver­ba­len Haupt­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel aus. Frag­lich bleibt natür­lich, ob uns dies zum poli­ti­schen Wesen macht.

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An der Liebe vergangen

Cover zu straight white male von John Niven (Quelle: Wilhelm Heyne Verlag).

Cover zu strai­ght white male von John Niven (Quel­le: Wil­helm Hey­ne Ver­lag).

Einen hei­te­ren, span­nen­den, aber auch banal-ste­reo­ty­pen Roman hat der schot­ti­sche Autor John Niven mit strai­ght white male vor­ge­legt. Niven hat schon meh­re­re erfolg­rei­che Novel­len und Roma­ne geschrie­ben und lebt in der Nähe von Lon­don. Mit sei­nem neu­en Buch prä­sen­tiert er eine bei­ßen­de Sati­re über Hol­ly­wood und den bri­ti­schen Lite­ra­tur­be­trieb.

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