In einem Meer aus Langeweile, Selbstisolation und Hygienevorschriften

Die Wochen­en­den sind aus­ge­bucht: Tau­ber­tal, Wald­stock, Krach am Bach und Klang­the­ra­pie. Dazwi­schen noch ein paar ein­zel­ne Kon­zer­te, Geburts­tags­fei­ern und zwei Hoch­zei­ten. So war­ten die­se Ter­mi­ne teils seit einem Jahr im Kalen­der, Mona­te ver­ge­hen und trau­rig steht da der Ein­trag „Feie­rei San­ti“ und sieht, wie der Tag vor­bei­geht, ohne, dass irgend­ei­ne Feie­rei statt­ge­fun­den hat. Und obwohl der Som­mer – zumin­dest im Kalen­der – bereits am Anfang des Jah­res schon dop­pelt und drei­fach aus­ge­bucht war, quält uns seit Mona­ten die Lan­ge­wei­le.

Ohne Berch, Kas­ten­lauf und ohne den Zir­kel, was für einen Sinn macht das Stu­den­ten­le­ben noch in Zei­ten von Coro­na? Wohin nur mit all der frei­en Zeit, was tun an den Wochen­en­den? Mehr Sport, end­lich mal ein paar Sei­ten für die Mas­ter­ar­beit schrei­ben oder end­lich mal den Klei­der­schrank aus­mis­ten. Na bestimmt! Und dann gibt es da ja auch noch tol­le Online-Alles: Online-Fes­ti­vals, Online-Muse­ums­be­su­che und eigent­lich ist inzwi­schen das hal­be Leben auf Zoom, Sky­pe und sonst irgend­wo­hin umge­zo­gen. Doch irgend­wie ist die Luft raus. Nach der Online-Vor­le­sung wird der Lap­top zuge­klappt, nicht mal das Online-Shop­ping macht mehr Spaß. In acht ver­schie­de­nen Tabs war­tet der Ein­kaufs­korb seit Wochen dar­auf, end­lich gekauft zu wer­den – ver­ge­bens.

Raus­ge­hen, Men­schen tref­fen, in einer Bar sit­zen. Nicht mehr die eige­nen vier Wän­de sehen. Jedes noch so klei­ne kul­tu­rel­le Ange­bot wird zum Ret­tungs­ring im Meer aus Lan­ge­wei­le, Selbst­iso­la­ti­on, Hygie­ne­vor­schrif­ten und Kon­takt­ver­bo­ten. Sel­ten war die Vor­freu­de auf einen Besuch im Kino so groß wie zur aktu­el­len Zeit, auch wenn wir auf die gro­ßen Block­bus­ter wohl bis 2021 war­ten müs­sen. 2021, was wird das für ein Jahr. Das Jahr der ver­scho­be­nen Aus­stel­lun­gen, Hoch­zei­ten und Events. Ter­min­pla­ner kön­nen bereits jetzt gekauft wer­den um sie zu fül­len – in der Hoff­nung, nicht wie­der im zwei-Wochen-Rhyth­mus einen Ter­min nach dem ande­ren strei­chen zu müs­sen. Doch bis dahin dau­ert es noch, der Ret­tungs­ring düm­pelt vor sich hin, war­tet auf mehr Luft, mehr Auf­trieb. Im Aus­land sind ers­te Fes­ti­vals bereits ab August geplant und auch in der regio­na­len Kul­tur­sze­ne wer­den ers­te Zei­chen des Über­le­bens gehisst. Musi­ker stel­len sich in einen Hin­ter­hof für ein Mini-Live-Kon­zert statt auf die Kon­zert­büh­ne, Künst­ler zie­hen raus aus der Gale­rie an die fri­sche Luft und ver­wan­deln unge­nutz­te Pla­kat­wän­de zu ihren Lein­wän­den und kur­zer­hand wer­den im Hof von so man­chem Thea­ter die Stüh­le samt Gäs­te nach drau­ßen ver­setzt.

Ein bereits bestehen­der Ret­tungs­ring, der auch, oder vor allem, in die­sem Jahr ein High­light des kul­tu­rel­len Ange­bots dar­stellt, ist das Bür­ger-Mit­mach-For­mat der Stadt(ver)führungen. Die­se fin­den in den Nach­bar­städ­ten Nürn­berg und Fürth statt und bie­ten für 9 Euro im Vor­ver­kauf ein gan­zes Wochen­en­de lang Ein­bli­cke in unbe­kann­te Orte der Städ­te. Insti­tu­tio­nen, gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen und Men­schen mit beson­de­ren Inter­es­sen tei­len mit den Besu­che­rin­nen und Besu­chern „ihre Ecken der Stadt“. Die Pro­be­räu­me der Nürn­ber­ger Sym­pho­ni­ker, das Fern­seh­stu­dio und der Nürn­ber­ger Jus­tiz­pa­last fin­den sich im Pro­gramm. Orte, wel­che außer bei Schul- oder Uni­ex­kur­sio­nen nur schwie­rig zu besu­chen sind und die sich in die­sem Jahr alle rund um das The­ma „Glücks­brin­ger“ dre­hen. Mit­be­tei­ligt sind unter ande­rem das Zukunfts-Muse­um, eine Zweig­stel­le des Deut­schen Muse­ums in Mün­chen, Kaf­fee­rös­te­rei­en und Hotels, Ver­ei­ne mit Sport­an­ge­bo­ten wie Rhön­rad­tur­nen, Capoei­ra und Leder­ho­sen­trai­ning, aber auch Stif­tun­gen und sozia­le Ein­rich­tun­gen wie die mudra Dro­gen­hil­fe, die Bahn­hofs­mis­si­on und eine Bera­tungs­stel­le für Pro­sti­tu­ier­te. Von Archi­tek­tur bis Geschich­te, von Inno­va­ti­on und Tech­nik über Kuli­na­ri­sches, Kör­per und Geist und Umwelt – die Kapi­tel­aus­wahl soll­te für jeden die ein oder ande­re span­nen­de Füh­rung mit im Gepäck haben. Eröff­net wird die Ver­an­stal­tung von Prof. Ruck­rie­gel, Pro­fes­sor für VWL an der TH Nürn­berg und Glücks­for­scher. Er beschäf­tigt sich mit den Fra­gen, was Glück ist und wie es gemes­sen wird, was unse­re Glücks­fak­to­ren sind und wel­che Bedeu­tung das Mate­ri­el­le dabei hat.

Denn Glück ist sicher­lich eines der Din­ge, die wir in dem Meer aus Coro­na-Maß­nah­men auf unse­ren Ret­tungs­rin­gen alle gut gebrau­chen kön­nen.

Die Ver­an­stal­tung fin­det vom 18. bis 20. Sep­tem­ber statt, VVK-Start ist am 7. August.
Wei­te­re Infos zur Ver­an­stal­tung fin­det ihr auf der Home­page der Stadt(ver)führungen.

Von Alex­an­dra Itt­ner für das Kul­tur­re­fe­rat der Stadt Nürn­berg

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