Mr. Hurley und die Pulveraffen — Die Piratencrew im Interview

Mr. Hur­ley und die Pul­ver­af­fen im Inter­view mit dem Reflex­ma­ga­zin,
Bild: Kor­bi­ni­an Werm­ter.

Mr. Hur­ley und die Pul­ver­af­fen, das ist eine sym­phy­ti­sche fünf­köp­fi­ge Folk­band aus dem kari­bi­schen Osna­brück, wel­che sich ganz und gar dem Pira­ten­tum gewid­met hat. Im nicht so tro­pi­schen Novem­ber tra­fen wir die Crew, um über eine von Pira­ten gepräg­te Kind­heit, der aktu­el­len Plat­te „Levia­than“ und dem aktu­el­len Zeit­geist zu spre­chen. 

re>flex: Hal­lo und dan­ke dass ihr euch Zeit für das Inter­view genom­men habt.

Mr. Hur­ley und die Pul­ver­af­fen: Ger­ne, ger­ne.

Dann wür­de ich erst ein­mal mit der Stan­dard­fra­ge anfan­gen. Könnt ihr euch bit­te ein­mal kurz vor­stel­len? Wer seid ihr in der Band und wel­che Rol­le über­nehmt ihr?

Mr. Hur­ley: Dann mache ich mal klas­si­scher­wei­se den Anfang. Mein Name ist Mr. Hur­ley und ich bin Sän­ger und Gitar­rist von „Mr. Hur­ley und die Pul­ver­af­fen“.

Buck­teeth Ban­nock: Ich bin Buck­teeth Ban­nock, und spie­le haupt­säch­lich Akkor­de­on, auch ein biss­chen Kla­vier und ich grö­le auch ein biss­chen Fri­vo­li­tä­ten ins Mikro­fon.

Ein­äu­gi­ger Mor­gan: Ich bin der ein­äu­gi­ge Mor­gan. Ich bin, wenn man das so nen­nen will, der Drum­mer und sin­ge dazu auch.

Peg­leg Peg­gy: Ich bin Peg­leg Peg­gy. Ich mache auch ein biss­chen Gesang, und ich bin die Bas­sis­tin.

Wenn ich das rich­tig mit­be­kom­men habe, dann seid ihr Geschwis­ter – sprich ihr seid zusam­men auf­ge­wach­sen. Die Pira­ten­the­ma­tik, die ihr in euren Songs habt. Hat die sich dann auch durch eure Kind­heit gezo­gen? Seid ihr dann damit auch auf­ge­wach­sen?

Peg­leg Peg­gy: Wel­ches Kind ist nicht irgend­wie mit Pira­ten auf­ge­wach­sen? Das fin­det man als Kind natür­lich sowie­so immer cool und wir hat­ten auch als Kind die­ses gro­ße Play­mo­bil­pi­ra­ten­schiff und so wei­ter.

Buck­teeth Ban­nock: Sowohl Play­mo­bil, als auch …

Peg­leg Peg­gy: Lego.

Mr. Hur­ley: Haben wir ges­tern noch drü­ber gere­det. Du hast die­se Geschich­te erzählt mit den Lego­gold­mün­zen aus der Pira­ten­zeit. Die müss­te Buck­teeth mal ganz kurz para­phra­sie­ren.

Buck­teeth Ban­nock: Stimmt, weil das gibt schon unse­re Lie­be zum Pira­ten­gold wie­der (lacht). Wir hat­ten die­se gan­zen Lego­pi­ra­ten­sets und da waren auch die­se gan­zen win­zig klei­nen Lego­gold­mün­zen in den Schatz­tru­hen drin­nen. Und irgend­wann soll­ten wir unser Zim­mer auf­räu­men, weil da mal Staub gesaugt wer­den muss­te. Und das war so die Sache. In unse­rem Kin­der­zim­mer waren wir zu dritt, und das hat­te ins­ge­samt viel­leicht so 20–30 Qua­drat­me­ter.
Wahr­schein­lich eher weni­ger (lachen). Wahr­schein­lich eher 16 Qua­drat­me­ter, so 4 auf 4 Meter. Hab mich gera­de ver­rech­net im Kopf. Jeden­falls waren da unge­fähr 20 Qua­drat­zen­ti­me­ter frei und der Rest war mit Lego bedeckt. Dann haben wir halt das gan­ze irgend­wie so in eine Ecke gescho­ben. Und wir hat­ten aber pani­sche Angst, dass wir irgend­wo einer die­ser klei­nen Gold­mün­zen über­se­hen haben könn­ten, so dass wir unse­rem Vater dann das Ver­spre­chen abge­run­gen haben, dass nach­dem er Staub gesaugt hat, er noch­mal den Beu­tel auf­macht, ihn durch­wühlt und even­tu­ell unse­re Mün­zen wie­der raus fischt. Ich bin sicher, dass hat er auch wirk­lich gemacht (lachen).

Ich habe gese­hen, dass die­se gan­ze Band­ent­ste­hungs­ge­schich­te auch mit LARP (Anm. d. Red.: Life Action Role Play) zusam­men­hängt. Habt ihr dann auch Auf­trit­te bei LARPs gehabt?

Ein­äu­gi­ger Mor­gan: Ja, das ist ein biss­chen eine iro­ni­sche Geschich­te. Wir haben die Band ursprüng­lich, aus die­sem LARP her­aus, mit dem Ziel gegrün­det, dass man viel­leicht ein­fach mal kos­ten­los auf einen LARP, oder einen Mit­tel­al­ter­markt drauf kann. Und mitt­ler­wei­le ist es halt so, dass wir schon so viel mit der Band unter­wegs sind, dass wir es schon nicht mehr, oder kaum noch, schaf­fen pri­vat auf LARPs zu gehen. Aber ja, gera­de in der Anfangs­zeit hat­ten wir es immer wie­der, dass wir ein­fach durch irgend­wel­che LARP-Knei­pen gezo­gen sind und da so ein paar Trink­lie­der zum Bes­ten gege­ben haben. Die Zei­ten sind lei­der so ein biss­chen vor­bei.

Du hast jetzt auch gera­de ange­spro­chen, dass ihr viel um die Ohren habt und viel umher­zieht. Ihr fei­ert die­ses Jahr 10-jäh­ri­ges Band­ju­bi­lä­um. Was ist so der schöns­te Moment, den ihr in 10 Jah­ren erlebt habt?

Peg­leg Peg­gy: Das ist schwie­rig.

Mr. Hur­ley: Ich glau­be da muss man ein paar High­lights nen­nen. Das kann man nicht auf einen Moment fest­le­gen, da die alle so unter­schied­lich sind. Ich kann mich dar­an erin­nern, als wir den ers­ten „pro­fes­sio­nel­len“ Auf­tritt gespielt haben und wir das ers­te Mal ein Hotel­zim­mer gebucht bekom­men haben von einem Ver­an­stal­ter. Da haben wir uns schon gefühlt wie die gigan­ti­schen Rock­stars.

Ein­äu­gi­ger Mor­gan: Die wir heu­te sind (lachen).

Mr. Hur­ley: Also das war auf jeden Fall ein gigan­ti­scher Moment. Aber natür­lich auch sowas wie das ers­te rich­tig gro­ße Fes­ti­val. Sowas wie das ers­te Mal in Wacken zu spie­len. Oder vor zwei Jah­ren der Auf­tritt auf dem Sum­mer­bree­ze vor 17000 Leu­ten, das war auf jeden Fall ein High­light. Oder klas­sisch auch die ers­te CD oder die ers­te Chart­plat­zie­rung. Wir sind mit den letz­ten bei­den Plat­ten sogar in den Top Ten gelan­det. Sowas sind natür­lich emo­tio­na­le Glücks­mo­men­te im Band­ge­sche­hen.

Dann wür­de ich doch direkt mal über die aktu­el­le Plat­te reden, die gera­de noch rela­tiv frisch auf dem Markt ist. Das Intro geht ja rela­tiv lang­sam und episch los und dann kommt ja nicht der Titel­song des Albums „Levia­than“ son­dern erst „Affen­to­ten­kopp“, der rela­tiv fröh­lich und mehr so in die Rich­tung „Mosh­pittrink­lie­der“ geht. Danach kommt „Levia­than“, der rela­tiv düs­ter ist, mehr ans Intro anknüpft und mehr die­sen epi­schen Über­bau hat. Wie­so habt ihr euch ent­schie­den, dass von den Songs dann erst­mal so auf­zu­spit­ten und dann eben nicht „Levia­than“ nach dem Intro?

Buck­teeht Ban­nock: Du stehst uns da viel zu viel Gedan­ken zu, die wir da rein­ste­cken (lachen). Die Sache ist, dass wir uns nor­ma­ler­wei­se nicht einen Titel­song, und einen Titel für ein Album über­le­gen und dann Songs dafür schrei­ben. Ne, wir schrei­ben Songs auf die wir gera­de Bock haben und schau­en dann in wel­cher Rei­hen­fol­ge die halb­wegs funk­tio­nie­ren, und dann über­le­gen wir uns wel­cher Titel für das Album jetzt gut pas­sen wür­de. Weil wir im Ver­gleich zu ande­ren Alben rela­tiv vie­le düs­te­re Songs drauf haben, haben wir uns gedacht, dass „Levia­than“ als Titel irgend­wie wuch­ti­ger, und ins­ge­samt für die Plat­te pas­sen­der klingt. „Affen­to­ten­kopp“ hät­te viel­leicht auch funk­tio­niert, aber unser ers­tes Album hieß ja schon „Affen­thea­ter“ und da wäre dann viel­leicht ein biss­chen Ver­wechs­lungs­ge­fahr gewe­sen. Und im End­ef­fekt fan­den wir „Levia­than“ als Album­ti­tel pas­send, aber nicht so als ers­ten Song auf der Plat­te.

Peg­leg Peg­gy: „Affen­to­ten­kopp“ ist ein­fach durch die­ses „alle Frau und Mann an Deck“ ein schö­ner Ein­stieg.

Mr. Hur­ley: Letzt­en­ten­des behan­delt „Affen­to­ten­kopp“ eine Band­vor­stel­lung. Wir lei­ten uns als Band sozu­sa­gen ein, und vor­her passt das inhalt­lich ein­fach ganz gut als ers­ter Titel.

Eine Zei­le, die du gera­de ange­spro­chen hast: „Alle Mann und Frau an Deck“. Wenn man jetzt so Pira­ten­zeit­al­ter an sich sieht, war es ja eigent­lich so, dass Frau­en Unglück brin­gen an Bord. Ihr habt eine Frau in eurer Band und sagt auch „alle Mann und Frau an Deck“. Also wür­det ihr sagen, dass es Tei­le von Pira­ten­tra­di­tio­nen gibt, die ihr nicht gut fin­det / die ihr nicht in euren Songs über­neh­men wür­det?

Ein­äu­gi­ger Mor­gan: Also erst mal, das war halt selbst­ver­ständ­lich ein Aber­glau­be. Und es gibt auch his­to­risch über­lie­fert weib­li­che Pira­ten, wie Anne Bon­ny oder Mary Read. Das ist erst mal nichts Unge­wöhn­li­ches und von daher eigent­lich gar nicht so weit weg. Aber man darf auch nicht ver­ges­sen, dass wir kei­ne son­der­lich his­to­risch kor­rek­te Band sind (lachen). Son­dern wir ver­kör­pern ja eigent­lich so ein eher über­zeich­ne­tes Ide­al von Pira­ten und ich fin­de da kann man dann auch etwas moder­ne­re und auf­ge­klär­te­re Gedan­ken mit ein­flie­ßen las­sen. Das haben wir ja nicht nur bei Gen­der­de­bat­ten, son­dern auch mit ande­ren poli­ti­schen The­men ab und zu bei uns mit drin.

Buck­teeht Ban­nock: Wir spie­len natür­lich viel mit den Kli­schees, die mit dem See­räu­ber­tum ver­bun­den sind. Aber im End­ef­fekt sind wir natür­lich schon eine Band aus dem 21. Jahr­hun­dert und ver­tre­ten schon eher heu­ti­ge Wer­te als die von damals. Wenn man aber schon his­to­risch drü­ber nach­denkt soll­te man nicht uner­wähnt las­sen, dass die erfolg­reichs­te See­räu­be­rin oder der erfolg­reichs­te See­räu­ber alle Zei­ten eine chi­ne­si­sche Pira­tin war: Wit­we Cheng. Die hat­te wirk­lich eine rie­si­ge Flot­te unter ihrem Kom­man­do. Dass Frau­en kei­ne Pira­ten sein kön­nen ist ganz gro­ßer Unfug.

In jedem Hafen“ spielt ja auch mit die­sem Ste­reo­ty­pen des Macho­pi­ra­ten, der am Ende ja auch ein­fach von den über­le­ge­nen Frau­en abge­zockt wird.
Über „Sche­ren­schnit­te“ wür­de ich sagen, dass es auch ein rela­tiv poli­ti­scher Track ist. Wenn ich ihn höre, habe ich das Pira­ten­set­ting, wie man es bei­spiels­wei­se aus ver­schie­de­nen Medi­en kennt, vor Augen. Trotz­dem muss­te ich wäh­rend ich den Song gehört habe an ver­schie­de­ne Din­ge wie Flücht­lin­ge, die Unru­hen in Chi­na und Frank­reich, usw. den­ken. Wie kann es sein, dass ein Song, der eigent­lich erst mal etwas aus einer ver­gan­ge­nen Zeit­epo­che beschreibt, immer noch so hoch­ak­tu­ell ist?

Mr. Hur­ley: Ich habe den Text natür­lich bewusst so geschrie­ben. Das kommt manch­mal vor, dass wir unse­ren Unmut über gesell­schaft­li­che Zustän­de auch mal in Song­tex­ten Aus­druck ver­lei­hen und dann auch mal poli­ti­sche The­men in Songs anspre­chen. Dann aber natür­lich meta­pho­risch in die­sem Pira­ten­set­ting gespro­chen, in dem wir uns eben bewe­gen. Wenn man jetzt mal his­to­risch aus­holt, waren Pira­ten eigent­lich sel­ten die­se gla­mou­rö­sen Robin Hood mäßi­gen Typen und Hel­den, die oft in den Medi­en dar­ge­stellt wer­den. Son­dern vor allem waren das arme Men­schen, die irgend­wie durch die Not gedrun­gen in die Kri­mi­na­li­tät gedrängt wur­den. Und genau aus der Sicht einer sol­chen Per­son ist ja „Sche­ren­schnit­te“ geschrie­ben. Die unters­te Kas­te, oder wie immer man das auch nen­nen mag, an aus­ge­beu­te­ten Men­schen, die den rei­chen Men­schen, sei es bei­spiel­wei­se Gou­ver­neu­re oder Ade­li­ge zu der Zeit, durch die Fens­ter der wei­ßen Paläs­te zuge­se­hen haben, wie sie sich auf den Kos­ten der armen Men­schen amü­sie­ren und berei­chern. Und der gan­ze Song erin­nert ja auch ein biss­chen an die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, so ein Fee­ling ver­mit­telt der ja. Und ich fin­de es immer noch ganz nett, das sage ich live immer noch dazu, dass wir uns eigent­lich bei dem
Song, wenn wir uns den anhö­ren, Gedan­ken machen kön­nen, auf wel­cher Sei­te vom Fens­ter wir im ech­ten Leben eigent­lich so sit­zen.

Jetzt muss ich lei­der von die­sen schö­nen Wor­ten wie­der ein biss­chen weg gehen. Ihr habt in all euren Alben auch immer wie­der die Skits drin­nen, wel­che ja auch mehr Hör­buch­cha­rak­ter haben. Könn­tet ihr euch vor­stel­len in die­se Rich­tung mal etwas zu pro­du­zie­ren, zum Bei­spiel ein Hör­buch für ein jün­ge­res Publi­kum?

Buck­teeht Ban­nock: Das wird immer mal wie­der ange­fragt. Was eigent­lich nur so als klei­ner Gag am Ran­de gestar­tet ist, weil wir noch etwas mit unse­ren Freun­den machen wol­len, die auch irgend­wie auf unse­rem Album unter­brin­gen woll­ten. Da kom­men jetzt immer mehr Nach­fra­gen, ob wir da nicht mal was Grö­ße­res draus machen wol­len, weil das ziem­lich gut ankommt. Das ist momen­tan aus Zeit­grün­den nicht in Pla­nung, aber ich glau­be wir hät­ten wun­der­bar viel Spaß dar­an. Also vom Prin­zip her: ja. Aber erst mal ist der Fokus natür­lich wei­ter­hin auf die Musik gerich­tet.

Ich wür­de dann auch noch kurz bei den Skits blei­ben. Kur­ze Gegen­fra­ge: Wie­so haben Pira­ten jetzt denn eigent­lich so lan­ge Haa­re?

Mr. Hur­ley und die Pul­ver­af­fen (lachen)

Buck­teeht Ban­nock: Das musst du tat­säch­lich den dunk­len Para­bel­rit­ter fragen(lacht). Der dunk­le Para­bel­rit­ter, ein You­Tuber zum The­ma Metal, ist ein Bekann­ter und Freund von uns, und der woll­te auch ger­ne mal bei uns mit­ma­chen und dann haben wir die­se klei­ne Rol­le für ihn geschrie­ben. Und der hat tat­säch­lich auf sei­nem You­tube­ka­nal ein Video: „War­um haben alle Metal­ler lan­ge Haa­re“ und dar­auf ist es eine Anspie­lung. Das heißt, guckt euch die­ses Video an, dann habt ihr auch die Ant­wort auf die­se Fra­ge.

Auf zu neu­en Ufern“ ist ein Song, den ich sehr emo­tio­nal und schön fin­de. Ich weiß nicht, ob das für euch ein Schmäh­be­griff ist, wenn ich jetzt sage, dass ist ein Heart­break­song (lacht), weil es ja mehr als das ist. Wie schafft ihr es, wir sind ja immer noch in einem Set­ting, in das man sich schwer rein­ver­set­zen kann — kei­ner wür­de sagen, dass er voll das Pira­ten­da­sein nach­voll­zie­hen kann -, immer wie­der die­se per­sön­li­chen Anknüpf­punk­te in Songs zu brin­gen, dass man sich so abge­holt fühlt?

Ein­äu­gi­ger Mor­gan: Ich glau­be das liegt dar­an, dass wir alles so ein biss­chen kari­kie­rend und über­spitzt und car­toon­haft haben. Und in die­sem kon­kre­ten Fall, ist es ja eigent­lich ein ganz klas­si­sches The­ma aus der Punk­mu­sik, und Pop­mu­sik grund­sätz­lich, das kennt man daher sowie­so schon. Und als car­toon-comic-mäßi­ge Pira­ten­band, haben wir auch ein biss­chen Punk­flair, des­we­gen kön­nen wir uns sowas ein­fach erlau­ben und man lässt uns das durch­ge­hen, weil es ein­fach ein biss­chen passt. War­um wir jetzt damit Leu­te irgend­wie abho­len? Da machen wir uns nie so gro­ße Gedan­ken zu. Auch der Song ist eigent­lich nie aus einem Gedan­ken ent­stan­den, dass wir damit irgend­wie die Leu­te berüh­ren, ihnen aus der See­le spre­chen wol­len. Wie so vie­le unse­rer Songs war da der Hin­ter­grund: „Hehe­he das ist wit­zig“. (lachen)

Mr. Hur­ley: Natür­lich ist das im Grun­de ein emo­tio­na­les The­ma, was irgend­wie jeder kennt. Fast jeder hat irgend­wann mal eine Tren­nung hin­ter sich oder etwas Ähn­li­ches. Tat­säch­lich ist der Song ja auch sehr beliebt. Ganz vie­le Leu­te fei­ern den sehr ab. Genau dar­um, weil sie, glau­be ich, damit sel­ber Erleb­nis­se ver­knüp­fen. In unse­rem Fall ist das tat­säch­lich, da muss ich ent­täu­schen, eher ein­fach nur ein Witz. Das hat kei­nen erns­ten rea­len Hin­ter­grund. Also nie­mand von uns wünscht
irgend­wel­chen Ex-Part­nern etwas Schlech­tes. Und es ist halt ein emo­tio­na­les The­ma, dem­entspre­chend füh­len sich Men­schen davon ange­spro­chen. Wie wir es schaf­fen, trotz unse­res musi­ka­li­schen oder his­to­ri­schen Kon­tex­tes, wie auch immer man es bezeich­nen will, auch sol­che The­men zu ver­pa­cken, liegt natür­lich dar­an, dass wir sel­ber rie­si­ge Pira­ten­fans sind und tau­sen­de Bücher und Fil­me zu dem Kon­text ken­nen. Dann fal­len einem halt manch­mal auch zu moder­nen und pri­va­ten Geschich­ten Meta­phern aus dem See­fah­rer­tum ein, die man dann in Songs ver­bau­en kann.

Ihr habt eben auch immer vie­le Meta­phern und Wort­spie­le. Bei „Levia­than“ ganz am Ende bei­spiel­wei­se eine Reim­ket­te, in der ihr vie­le Legen­den, Sagen­fi­gu­ren und Figu­ren aus der Pop­kul­tur ein­ge­baut habt und die ich sehr schön durch­dacht fin­de. Und eben gene­rell immer vie­le Wort­spie­le zum The­ma Pira­ten und zum The­ma Alko­hol. Die fal­len euch dann auch immer spon­tan ein? Beim im Bett lie­gen?

Mr. Hur­ley und die Pul­ver­af­fen (beja­hen)

Mr. Hur­ley: Nicht sel­ten. Also bei mir ist es auch ganz oft im Bett so, wie du gesagt hast, dass ich nachts im Bett auf­wa­che und eine Idee habe. Ein gutes Wort­spiel. Ein Witz. Dann lässt mich das nicht los und dann muss ich auch auf­ste­hen und das auf­schrei­ben. Aber tat­säch­lich ist der Anfang für einen Song nicht sel­ten ein­fach nur irgend­ein Wort­spiel, das uns ein­fällt, und wir uns den­ken, dass man dar­aus viel­leicht etwas machen kann.

Ich habe auch gehört, dass zwei von euch gar kei­nen Alko­hol trin­ken. Stimmt das?

Peg­leg Peg­gy: Das stimmt tat­säch­lich. Also Mor­gan und ich trin­ken kom­plett kei­nen Alko­hol. Das ist auch nicht ein­fach nur ein Scherz. Das Lied „Nüch­tern“ zum Bei­spiel, das singt ja Mor­gan auch. Iro­ni­scher­wei­se kom­men danach sehr vie­le Fans bei Mor­gan an und wol­len ihm Alko­hol geben. (lacht)

Ein­äu­gi­ger Mor­gan: Also dem ist nicht viel hin­zu­zu­fü­gen. Wir trin­ken kei­nen Alko­hol. Und das haben Leu­te lan­ge Zeit nicht ver­stan­den und mir nicht geglaubt. Des­halb haben wir irgend­wann gesagt: „Okay dann schrei­ben wir halt einen Song dar­über, dann wis­sen es wenigs­tens alle“. Das hat nur bedingt funk­tio­niert. Jetzt kom­men nur noch mehr Leu­te an und fra­gen ob das wirk­lich so ist. Und dann kann ich jetzt auch hier das sagen, was ich immer sage: „Ja, das ist wirk­lich so. Denn alle Pul­ver­af­fen­songs sind kom­plett wahr und auto­bio­gra­phisch, auch und ins­be­son­de­re die, die sich wider­spre­chen“.

Dann wür­de ich jetzt mal zum Ende kom­men. Und noch ein­mal ein biss­chen in die phi­lo­so­phi­sche­re Rich­tung gehen, die wir schon ein­ge­stimmt hat­ten. Es gibt da einen Song…

Mr. Hur­ley und die Pul­ver­af­fen: „Blau wie das Meer!“ (lachen)

(lacht). Ich mei­ne „Der Ers­te Schluck“, der ja schon auch Asso­zia­tio­nen mit aktu­el­len The­men wie dem Kli­ma­wan­del weckt. Außer­dem habe ich gese­hen, dass ihr bei Fri­days For Future wart und euch dafür ein­ge­setzt habt. Wie wich­tig ist euch die­ses The­ma und wie ver­sucht ihr da die Leu­te irgend­wie zu instru­men­ta­li­sie­ren?

Mr. Hur­ley: Instru­men­ta­li­sie­ren wol­len wir da nie­man­den. Aber das ist uns pri­vat tat­säch­lich ein Anlie­gen. Wir beschäf­ti­gen uns da schon mit. Und pro­bie­ren jeder so auf sei­ne Wei­se da auch im Pri­va­ten dar­an zu arbei­ten. Eini­ge ver­su­chen zum Bei­spiel kein Fleisch zu essen oder auf Plas­tik so
weit zu ver­zich­ten wie es geht. Ich glau­be am aktivs­ten ist der Buck­teeth, viel­leicht kann er da noch ein biss­chen was erzäh­len.

Buck­teeht Ban­nock: Also ich habe momen­tan tat­säch­lich auch einen Text geschrie­ben. Der Song ist noch nicht fer­tig und ent­spre­chend noch nicht ver­öf­fent­licht, aber den Text habe ich vor­ab schon mal auf mei­ner Face­book­sei­te ver­öf­fent­licht, als die Bun­des­re­gie­rung mal wie­der das Kli­ma­pa­ket noch ein biss­chen auf­ge­weicht hat. Dar­in geht es dann eben dar­um, dass der Bug eines Schif­fes in Flam­men steht und die Offi­zie­re hin­ten im Heck es aber ein­fach nicht glau­ben. Am Ende wer­den den Offi­zie­ren ein­fach die Män­tel ent­ris­sen, damit wer­den die Flam­men erstickt und schluss­end­lich wer­den die Offi­zie­re vom Schiff geschmis­sen. Das ist jetzt ein etwas bra­chia­le­res Bild (lachen), dass man zeich­nen müss­te, aber es ist uns auf jeden Fall ein sehr gro­ßes Anlie­gen und wir ver­su­chen jeder so im Klei­nen etwas zu machen. Das ist für uns als Band natür­lich nicht immer ein­fach, da wir mit so einem rie­sen­gro­ßen Bus unter­wegs sind, der natür­lich auch stän­dig so einen dicken Die­sel­mo­tor am Lau­fen hat. Ich ver­such dann immer einen CO2- Aus­gleich zu bezah­len. Ich bin ganz viel an Pro­jek­ten betei­ligt, die auf der gan­zen Welt Bäu­me pflan­zen, um das zum Bei­spiel ein biss­chen aus­zu­glei­chen. Und ich ver­su­che ziem­lich viel dar­über im pri­va­ten Rah­men zu infor­mie­ren. Ich tei­le auf mei­nem Twit­ter­kon­to zum Bei­spiel aktu­ell jeden Tag eine gute Nach­richt zum The­ma Kli­ma­wan­del. Um so ein biss­chen Hope­punk-mäßig Hoff­nung zu ver­brei­ten. Es ist sehr leicht bei dem The­ma kom­plett zu ver­zwei­feln, aber das glau­be ich nicht, dass wir das müs­sen. Aber es ist halt wich­tig dran zu blei­ben.

Dann wür­de ich euch jetzt ger­ne noch ein Schluss­wort geben.

Mr. Hur­ley: Wenn uns das Schluss­wort in Inter­views über­las­sen wird, sagen wir eigent­lich immer das glei­che, was wir enorm wich­tig fin­den. Näm­lich: Wir bedan­ken uns bei unse­ren Fans. Mitt­ler­wei­le jetzt im 10. Jahr ist es so, dass wir wirk­lich den klei­nen Jun­gen-/Mäd­chen­traum leben kön­nen als Musi­ker Wochen­en­de um Wochen­en­de ganz Deutsch­land zu berei­sen. Und mitt­ler­wei­le sogar unse­ren Lebens­un­ter­halt damit bestrei­ten kön­nen. Für uns war das vor ein paar Jah­ren ja noch gar nicht vor­stell­bar. Wir sind jetzt in Nürn­berg, sehr weit weg von Zuhau­se. Wir kom­men ja aus Nord­deutsch­land. Und es kom­men heu­te Abend ein paar hun­dert Leu­te, die Lust haben unse­re Musik zu hören und mit uns eine Par­ty zu fei­ern. Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich und das soll­te man sich immer wie­der mal bewusst machen, dass es nicht selbst­ver­ständ­lich ist. Dar­um sagen wir vie­len vie­len Dank an unse­re Fans, Unter­stüt­zer und Freun­de.

Dann vie­len Dank für das Inter­view.

Mr. Hur­ley und die Pul­ver­af­fen im Inter­view mit dem Reflex­ma­ga­zin.
Bild: Kor­bi­ni­an Werm­ter.

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