Open Beatz Festival 2019

Open Beatz Fes­ti­val 2019 (Bild: Domi­nik Unbe­haun)

Die­sen Som­mer fand nun schon zum 10. Mal Süd­deutsch­lands größ­tes Open-Air-Fes­ti­val für elek­tro­ni­sche Musik statt. Jedes Jahr tref­fen sich zwi­schen Her­zo­gen­au­rach und Puschen­dorf rund 20.000 Besu­cher und fei­ern gemein­sam auf dem Open Beatz Fes­ti­val die Lie­be zur elek­tro­ni­schen Musik. Lei­der wur­de das 10-jäh­ri­ge Jubi­lä­um aber von einem töd­li­chen Unfall über­schat­tet.

 

Gigo’n’Migo (Bild: Domi­nik Unbe­haun)

Schon wäh­rend der Anrei­se kann man es erah­nen – Open Beatz ist etwas Beson­de­res: Raus aus der Stadt, hin­aus aufs Land. Denn die Loca­ti­on ist umge­ben von Wäl­dern, klei­nen Seen und Getrei­de­fel­dern und selbst Puschen­dorf ist einen klei­nen Fuß­marsch ent­fernt. Die Natur ist fest ein­ge­bun­den in das Fes­ti­val­ge­län­de und trägt auch maß­geb­lich zu der unbe­schreib­li­chen aber zau­ber­haf­ten Atmo­sphä­re bei. Gekonnt wer­den die zwei klei­nen Wei­her zwi­schen Main Sta­ge und Lake Sta­ge in Sze­ne gesetzt und bie­ten mit den Spie­ge­lun­gen der Licht­ef­fek­te beson­ders in den spä­ten Abend­stun­den schö­ne Foto­mo­ti­ve. Längst kein Geheim­tipp mehr sind der Magi­cal Forest und der Goa Gar­den. Bei­de Sta­ges befin­den sich im direkt angren­zen­den Wald­ab­schnitt und bestechen durch das, man ahnt es schon, magisch wir­ken­de Büh­nen­de­sign.

 

Ang­er­fist (Bild: Domi­nik Unbe­haun)

Die Zone III liegt auf der ande­ren Sei­te des Wal­des, ist aber schnell über einen klei­nen Weg zu errei­chen aber nur mit Vor­sicht zu betre­ten. Denn die Sta­ge ist als kon­ta­mi­nier­tes Reak­tor­ge­län­de ange­legt. Zur Rei­ni­gung am Bes­ten gleich in den Pool sprin­gen! Neu die­ses Jahr ist Club Dome, wel­ches ein rie­si­ges kup­pel­ar­ti­ges Zelt ist, in dem mit­ten in der Natur Club-Fee­ling genos­sen wer­den kann. Zur Ruhe kom­men kann man nicht nur bei den Han­dy­lade-Sta­tio­nen und Food-Trucks auf dem Fes­ti­val-Gelän­de son­dern auch auf der Cam­ping-Area, die mit einem Super­markt, einem Bade­wei­her und wei­te­ren Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten lockt.

 

Quin­ti­no (Bild: Domi­nik Unbe­haun)

20.000 Men­schen pil­gern jeden Som­mer zum klei­nen beschau­li­chen Ort Puschen­dorf. Die Fes­ti­val-Ver­rück­ten lockt es nicht nur aus der Metro­pol­re­gi­on Nürn­berg-Fürth-Erlan­gen an, nein im Gegen­teil. Aus ganz Deutsch­land kom­men Leu­te um die gemein­sa­me Lie­be zur elek­tro­ni­schen Musik zu fei­ern. Sogar über die Lan­des­gren­zen hin­aus lernt man Men­schen ken­nen. All die­sen Leu­ten ist es zu ver­dan­ken, dass in den letz­ten Jah­ren eine gigan­ti­sche Bewe­gung zum Lau­fen gebracht wur­de. Eine Bewe­gung, deren Fort­be­stand vor Allem durch eine all­ge­mei­ne Feel-Good-Stim­mung auf dem Fes­ti­val-Gelän­de und der Cam­ping-Area und den tau­sen­den Men­schen vol­ler Vor­freu­de getra­gen wird.

 

Ope­ning

Sal­va­to­re Gana­c­ci (Bild: Domi­nik Unbe­haun)

Klar, er war der Star am ers­ten Abend und mit Sicher­heit auch das High­light, auf das alle sehn­lichst gewar­tet haben und gespannt waren: Alan Wal­ker. Die all­ge­mei­ne Anspan­nung, ein ner­vö­ses Krib­beln und gren­zen­lo­se Vor­freu­de bestimm­ten den Don­ners­tag­abend. Vor Alan Wal­ker heiz­ten natür­lich noch ande­re gei­le und sehens­wer­te Acts die Crowd ent­spre­chend ein. Sal­va­to­re Gana­c­ci – wirk­lich ver­rück­ter DJ – sorg­te mit eini­gen urko­mi­schen Aktio­nen für Stim­mung. Gigo’n’Migo prä­sen­tier­ten ihre neue Sin­gle und die dies­jäh­ri­ge Fes­ti­val-Hym­ne All We Need bevor es an der Zeit war für die spek­ta­ku­lä­re 20-minü­ti­ge Ope­ning Show.

 

Ope­ning Show (Bild: Domi­nik Unbe­haun)

Wie fast schon üblich bei der­ar­ti­gen Eröff­nungs-Acts wur­de das gesam­te Licht der rie­si­gen Main Sta­ge zu Beginn gedimmt, nur ab und an erhell­ten blitz­ar­ti­ge Laser die Büh­ne und die Men­schen­men­ge. Prak­tisch auch schon Gang und Gebe zog zunächst eine tie­fe und magi­sche Män­ner­stim­me wäh­rend trei­ben­den Bäs­sen die Leu­te in Ihren Bann ehe es mit Gei­gen, einem Kla­vier, Trom­pe­ten und Rühr­trom­meln rich­tig wild wur­de. Das Feu­er­werk erhell­te den Nacht­him­mel, die Laser­show fla­cker­te immer­zu und die Musik ließ die Her­zen der Men­schen höher­schla­gen.

 

Alan Wal­ker (Bild: Domi­nik Unbe­haun)

Fast flie­ßend war der Über­gang und Alan Wal­ker stand plötz­lich auf der Büh­ne hin­ter dem DJ-Pult. Natür­lich war hob er sich Faded als fina­len Song sei­nes Sets auf – es war der krö­nen­de Abschluss des Ope­nings. Nahe­zu nie­mand stand mehr still. Und wenn jemand still­stand, stand er still mit geschlos­se­nen Augen und ver­lo­ren in der Musik da und wipp­te inner­lich mit. Noch lan­ge hall­te der letz­te Beat nach und trotz­dem konn­te man schon die ers­ten Leu­te auf der Cam­ping-Area wahr­neh­men, die die ers­te Nacht zum Tag mach­ten.

 

EDM für alle

Ost­block­schlam­pen (Bild: Domi­nik Unbe­haun)

Jeder kommt bei Open Beatz auf sei­ne Kos­ten. Alle Geschmä­cker der EDM-Sze­ne wer­den bedient: Vom ent­spann­ten Down­beat im Magi­cal Forest über Deep House, Tech­no, oder Psy-Tran­ce bis hin zu Goa und fet­zi­gen Hardstyle-Beats bei der Zone III. Grund­sätz­lich ist es natür­lich auch mög­lich sich ein­fach irgend­wo auf dem Fes­ti­val-Gelän­de einen Platz zu suchen und sich von der Musik trei­ben zu las­sen – egal wel­che es gera­de ist oder wo man sich befin­det.

 

Clo­sing

Bass­ja­ckers (Bild: Domi­nik Unbe­haun)

Bei Tem­pe­ra­tu­ren von 30 Grad (sicher­lich auch höher) war der Sams­tag per­fekt dafür geeig­net braun zu wer­den oder am Pool die See­le bau­meln zu las­sen. Neben schat­ti­gen Plät­zen war des­halb auch eine nas­se Abküh­lung sehr will­kom­men – ent­we­der im Bade­wei­her, dem Pool neben der Zone III oder dem eige­nen klei­nen Plansch­be­cken auf der Cam­ping-Area. All­ge­mein war das Wet­ter die­ses Jahr sehr fes­ti­val-freund­lich und war auch sicher­lich ein Grund für die all­ge­mein gute Stim­mung.

 

Oli­ver Hel­dens (Bild: Domi­nik Unbe­haun)

Bevor das Fes­ti­val mit einer ful­mi­nan­ten Licht‑, Feu­er- und Laser­show been­det wur­de ging es auf allen Sta­ges noch ein letz­tes Mal heiß her. Mau­sio, Quin­ti­no, Bass­ja­ckers (sehr gei­ler Act), Bass­ar­my B2B, Coo­ne, Will Sparks und Oli­ver Hel­dens heiz­ten am fina­len Abend auf den ver­schie­de­nen Sta­ges die Men­schen­mas­sen noch ein letz­tes Mal auf. Genau­so ful­mi­nant wie die Ope­ning Show war auch ohne Fra­ge die Clo­sing Show. Doch auch das schöns­te Fes­ti­val hat auch ein Ende: Das letz­te Pul­ver wur­de ver­schos­sen und unter ster­nen­kla­ren und wol­ken­lo­sen Him­mel ging das Open Beatz Fes­ti­val 2019 zu Ende. Es wur­de prak­tisch in den Son­nen­un­ter­gang hin­ein­ge­tanzt und die letz­te Nacht mit unzäh­li­gen Men­schen genos­sen.

Seht auch in unse­ren fol­gen­den Arti­keln, was das Open Beatz 2019 sonst noch zu bie­ten hat­te.

 

Töd­li­cher Unfall

Aus noch bis­her unge­klär­ten Grün­den fiel am Sams­tag, dem letz­ten Fes­ti­val-Tag, in den frü­hen Abend­stun­den ein Fes­ti­val-Besu­cher aus einer Gon­del des Rie­sen­rads „The View“. Der Mann, der extra aus Kolum­bi­en ange­reist war, wur­de umge­hend vom direkt neben dem Fes­ti­val-Gelän­de sta­tio­nier­ten Ret­tungs­dienst behan­delt und per Kran­ken­wa­gen ins Kran­ken­haus trans­por­tiert. In der Nacht erlag er dann dort sei­nen Ver­let­zun­gen.1

Das Fes­ti­val wur­de nicht unter­bro­chen – nur die Lake Sta­ge war für eini­ge Stun­den gesperrt, wohin­ge­gen der Betrieb des Rie­sen­rads nicht wei­ter fort­ge­setzt wur­de. Die Stim­mung danach war auch nicht unbe­dingt schlech­ter, weil die meis­ten das Unglück nicht direkt, son­dern erst mit Ver­zö­ge­rung mit­be­kom­men haben. Man konn­te nur ver­mu­ten, was gesche­hen war. Ein Fremd­ver­schul­den wird der­zeit noch aus­ge­schlos­sen. Mög­li­che Kon­se­quen­zen für das nächs­te Jahr wer­den erst nach den poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen dis­ku­tiert.2

Von Sebas­ti­an Schroth

1 Vgl. Kro­nau, Mat­thi­as: Töd­li­cher Rie­sen­rad-Unfall bei Open Beatz: „Ein mul­mi­ges Gefühl“, in: https://www.nordbayern.de/region/hoechstadt/todlicher-riesenrad-unfall-bei-open-beatz-ein-mulmiges-gefuhl‑1.9130465 (Stand: 21.07.2019, Online­fas­sung vom 29.07.2019).

2 Vgl. Christ­gau, Mari­on / Schmitt, Nico­le / Svi­til, Anni­ka: Rie­sen­rad-Unfall: Ein­zel­hei­ten zum Ermitt­lungs­stand, in: https://www.br.de/nachrichten/bayern/open-beatz-festival-unfallopfer-stirbt-nach-sturz-aus-riesenrad,RWqhLfl (Stand: 23.07.2019, Online­fas­sung vom 27.07.2019).

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