Cro — Mehr als nur ein Künstler

Bild: Chris­ti­an Nies­sen

Ich weiß du kennst mich nicht. Doch irgend­was in mir drin sagt du denkst wie ich“ — Cro („Jeder Tag“)

Die­se Wor­te vom deut­schen Rap­per Cro beschrei­ben per­fekt mei­ne Bin­dung zu sei­ner Musik. Musik, wel­che mich durch mein Leben beglei­tet, mein Leben berei­chert hat. Wie das gan­ze im Detail aus­sieht, möch­te ich im Nach­fol­gen­den wei­ter aus­füh­ren.

Leu­te sagen zu mir „Cro, das Genie““ — Cro („Easy“)

Um über­haupt zu ver­ste­hen, wie ich ein Fai­ble für die Musik von Car­lo Wai­bel ent­wi­ckelt habe, muss man auf mei­ne musi­ka­li­sche Ent­wick­lung zurück­bli­cken. Denn ich war nicht immer der Musik­jun­kie, der Stun­den damit ver­bringt sich quer durch das Inter­net zu hören um neue Per­len zu ent­de­cken. Das lag wahr­schein­lich auch dar­an, dass mein jün­ge­res Ich weder die Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung hat­te, noch in irgend­ei­ner Form die heu­ti­ge Lei­den­schaft und Kennt­nis. Klar, Musik war schon immer ein wich­ti­ger Fak­tor in mei­nem Leben. Damals wur­de die­se aber noch fast aus­schließ­lich durch mei­ne Freun­de, das Radio und MTV bezie­hungs­wei­se Viva bestimmt. So lief in mei­nem Zim­mer vor allem der Sound von Pit­bull, Peter Fox oder Cul­cha Can­de­la. Und ich schätz­te mich auch glück­lich über den Besitz eini­ger Alben die­ser Künst­ler. Eines Tages kam der Moment, als ich das ers­te Mal mit Cros ers­ter Hit­sin­gle „Easy“ kon­fron­tiert wur­de. Ich wür­de an die­ser Stel­le ger­ne von einer super­kras­sen Anek­do­te schrei­ben, aber was soll ich groß sagen? Die gibt es lei­der nicht. Ich habe die­sen Song halt ein­fach auf­ge­schnappt. Doch mit ihm schnapp­te ich noch so viel mehr auf. Einer mei­ner dama­li­gen bes­ten Freun­de war gewal­ti­ger Fan vom musi­ka­li­schen Schaf­fen von Car­lo. Zumin­dest erfuhr ich dies, als ich ihm von „Easy“ erzähl­te. Er bemerk­te schnell, dass mein Inter­es­se für die­sen, zu dem Zeit­punkt für mich neu­en, Künst­ler geweckt war und zeig­te mir stolz sei­ne Samm­lung von Mix­tapes von Cro auf sei­nem Rech­ner. Für mich eröff­ne­ten sich zu die­sem Zeit­punkt neue Wel­ten. In mei­ner dama­li­gen Nai­vi­tät leb­te ich in einer Bla­se, wel­che Musik nur als das Radio, Musik­fern­seh­sen­der und das aktu­el­le Musik­re­gal des nächst­ge­le­ge­nen Elek­tro­nik­fach­han­dels fass­te. Als ich erfuhr, dass es von Cro schon viel mehr zu hören gab als nur „Easy“, eröff­ne­ten sich somit ganz neue Mög­lich­kei­ten. Ich lud die Songs also auf mei­nen dama­li­gen MP3-Play­er und fühl­te mich wie der King, wenn ich mei­ne Run­den durch die Stadt dreh­te. Zum ers­ten Mal hat­te ich das Gefühl, nicht zu hören was alle ande­ren hör­ten — außer natür­lich bei mei­nem Kum­pel. Aber das mach­te nichts, denn so hat­te ich jeman­den mit dem ich mich aus­tau­schen konn­te und die Lei­den­schaft für den Sound des Rap­pers mit der Pan­da­mas­ke tei­len konn­te.

Bild: Chris­ti­an Nies­sen

Denn ich bin ab heu­te euer King of Raop“ — Cro („King of Raop“)

Natür­lich blieb die­ser Under­ground­hype nur kurz und Cro war schon bald in aller Mun­de. Bezie­hungs­wei­se war er das wahr­schein­lich auch schon als ich anfing mich mit ihm aus­ein­an­der­zu­set­zen, aber in mei­ner bereits ange­spro­che­nen kind­li­chen Nai­vi­tät konn­te, bezie­hungs­wei­ße woll­te ich das nicht rea­li­sie­ren. Rela­tiv kurz nach „Easy“ kam dann auch schon „Raop“ in mein Zim­mer und lief in Dau­er­schlei­fe auf mei­nem dama­li­gen CD-Spie­ler. Und auch in mei­nem Freun­des­kreis waren die Songs des Albums die ers­te Wahl für musi­ka­li­sche Unter­hal­tung. So ver­brach­ten wir lan­ge Som­mer­ta­ge und Näch­te mit die­ser Plat­te. Und schon damals bemerk­te ich, wenn auch nicht so bewusst wie heu­te, dass die Songs von Car­lo für mich nicht wei­te­re Musik ist, wel­che mir nur Spaß und eine gute Zeit bie­tet, son­dern in wel­cher ich mich auch wie­der­fin­de. So kam mei­nem puber­tie­ren­den Ich „Raop“ gera­de Recht und vie­le Songs spie­gel­ten mei­ne dama­li­ge Situa­ti­on gut wie­der. „Du“ unter­strich per­fekt die Gefüh­le, die man für die ers­te gro­ße Lie­be emp­fand. Mit „Ein Teil“ wur­de unter Trä­nen der ers­te gro­ße Lie­bes­kum­mer ver­ar­bei­tet und ist wie ich fin­de auch bis heu­te noch eines der emo­tio­nals­ten deutsch­spra­chi­gen Lie­der. „Wir waren hier“ und „Mei­ne Zeit“ unter­stri­chen per­fekt die Unbe­schwert­heit im Som­mer jugend­li­cher Klein­stadt­kids. Gene­rell hat­te und hat jeder ein­zel­ner Track auf dem Album eine Bedeu­tung für mich. Und auch heu­te noch höre ich ger­ne „Raop“. Ein Release, der in mei­nen Ohren ein­fach per­fekt klingt und kei­nen musi­ka­li­schen Aus­rei­ßer ent­hält, bei wel­chem ich das Bedürf­nis emp­fin­de zu skip­pen.

Bild: Chris­tan Nies­sen

Denn ich bin irgend­wie im Modus, des­halb will ich nicht Heim“ — Cro („Wha­te­ver“)

Und wie das so mit Musik ist, die man fei­ert — irgend­wann möch­te man sie auch live erle­ben. So beschlos­sen mein ein­gangs erwähn­ter Kum­pel, ein ande­rer Bud­dy und ich auf ein Kon­zert von unse­rem Lieb­lings­rap­per zu gehen. Doch leich­ter gesagt als getan. Denn der nächst­ge­le­gens­te Tour­stopp befand sich in Mainz. Nach lan­gen Dis­kus­sio­nen fan­den wir schließ­lich einen Erwach­se­nen, der sich bereit erklär­te und zu fah­ren. Eine Per­son, wel­cher ich bis heu­te sehr dank­bar bin, da sie dafür gesorgt hat, dass ich nach Cro noch eini­ge ande­re Kon­zer­te sehen konn­te. Natür­lich waren wir alle sehr auf­ge­regt vor der Show von Car­lo. Bei mir war es näm­lich das ers­te Kon­zert in mei­nem Leben, wel­ches ich bewusst sehen woll­te. Und es leg­te somit den Auf­takt für mei­ne Lei­den­schaft, die zum jet­zi­gen Zeit­punkt über hun­dert gese­he­ne Live­shows ver­schie­dens­ter Künst­ler umfasst. Zum dama­li­gen Zeit­punkt wuss­te ich natür­lich nicht, wie viel da noch auf mich zukom­men wird und so war ich dem­entspre­chend unfass­bar auf­ge­regt. Schließ­lich soll­te das einer der schöns­ten Momen­te mei­nes Lebens wer­den. Spoi­ler: Das wur­de es nicht unbe­dingt — da gab es Kon­zer­te von Cro die mir bes­ser gefie­len. Das lag jetzt nicht unbe­dingt an ihm, son­dern an mei­nem jün­ge­ren Ich. Die­ses woll­te natür­lich mög­lichst viel vom Kon­zert fest­hal­ten und pack­te gefühlt bei jedem Song die Han­dy­ka­me­ra aus. Ich habe mir die Vide­os schon sehr lan­ge nicht mehr ange­schaut, aber ich schät­ze, dadurch, dass wir sehr weit hin­ten stan­den, was an einem der Freun­de lag, da die­ser nicht nach vor­ne woll­te, und der eher mau­en Qua­li­tät mei­nes dama­li­gen Smart­pho­nes, habe ich da nichts groß ver­passt. Das war aber egal, denn als wir wie­der Zuhau­se waren, wur­de ich von mei­nen rest­li­chen Freun­den wie ein Held gefei­ert. Mit mei­nem Wackel­vi­de­os mach­te ich sie alle nei­disch und alle bereu­ten nicht Teil die­ses Kon­zert gewe­sen zu sein. Aber zurück zu besag­tem Kon­zert. Die Loca­ti­on direkt am Main war atem­be­rau­bend. Und auch die Show war ein ers­tes wür­di­ges Kon­zert. Alle Hits, die ich mona­te­lang in Dau­er­schlei­fe abge­fei­ert habe, wur­den gespielt. Und sogar ein, zu dem Zeit­punkt, brand­neu­er Track war dabei: „Wha­te­ver“. Die­ser lief auf der Rück­fahrt dann auch noch in Dau­er­schlei­fe. Eine Rück­fahrt, wel­che ich als bes­te Fahrt nach einem Kon­zert bezeich­nen wür­de. Drei Jungs, die gera­de pure Kon­zert­ma­gie erlebt haben und sich mit strah­len­den Augen dar­über aus­tau­schend.

Bild: Chris­ti­an Nies­sen

 ‚Cau­se ain’t nobo­dy fres­her than my mother­fuck­ing gang, yeah!“ — Dan­ju feat. Cro („Mei­ne Gang“)

Das Album „Raop (+5)“ war drau­ßen. Doch das reich­te mir nicht. Ich woll­te mehr. Und da Cro bis zu „Melo­die“ eine klei­ne Pau­se ein­leg­te, muss­te eine Alter­na­ti­ve her. Die Lösung kam schnell bei einem Blick in das Umfeld von Car­lo. Dajuan, bezie­hungs­wei­ße jetzt Dan­ju, Psaiko.Dino, Tee­sy, SAM, Rock­stah und Ahzum­jot. Wobei letz­te­re bei­den nicht unbe­dingt zum Umfeld von dem Rap­per mit der Pan­da­mas­ke gezählt wer­den kön­nen. Erstreck­te sich ihre Zusam­men­ar­beit nur auf eine gemein­sa­me Tour und einen Song namens „Kon­fet­ti“. Nicht­des­to­trotz setz­te ich mich mit der Musik von allen aus­ein­an­der. Und kam so in den Geschmack von vie­len Rich­tun­gen. Vor allem Rock­stah mit sei­ner char­man­ten Art und nerdi­gen Musik hat es mir sehr ange­tan und gehört heu­te zu mei­nem abso­lu­ten Lieb­lings­künst­lern. Aber auch die ande­ren Musi­ker konn­ten mich über­zeu­gen. Ich schei­ße jetzt nach­fol­gend mal auf Chro­no­lo­gie. So lief das „Cali“-Mixtape von Dan­ju bei mir in Dau­er­schlei­fe. Und auch sein ers­tes Album „Stoned ohne Grund“ war ein musi­ka­li­sches High­light für mich. Aber auch SAM, Tee­sy, Psaiko.Dino und Ahzum­jot lie­fer­ten gran­dio­se Releases ab. Psaiko.Dino erschuf mit „Hangs­ter“ ein bis heu­te sehr span­nen­des Alb­um­kon­zept, auf wel­chem er Rap­per aus Deutsch­land ver­ein­te, die auf den ers­ten Blick nicht zusam­men­pas­sen. Hier zau­ber­te er ein Cro-Fea­ture mit Haft­be­fehl her­vor. Ein unkon­ven­tio­nel­ler Song, wel­cher aber gut funk­tio­niert, da die bei­den über­ra­schend gut mit­ein­an­der har­mo­ni­sie­ren. Chil­li­ge Vibes Inco­m­ing!

Bild: Chris­ti­an Nies­sen

Doch manch­mal träum‘ ich nur von Dir“ — Cro („Traum“)

Und dann hieß es plötz­lich, dass Cro an einem neu­en Album arbei­tet. „Melo­die“ soll­te das Gan­ze schluss­end­lich hei­ßen. Das ers­te Mal etwas davon mit­be­kom­men habe ich, als ich auf einer Fahrt not­ge­drun­gen Radio hören muss­te — zu dem Zeit­punkt war ich lang­sam in der Pha­se, in der ich über den Main­streamtel­ler­rand hin­aus­blick­te, und der Ver­zicht auf die Radio­dau­er­schlei­fen war einer der Anfän­ge. So saß ich also im Auto, als die Mode­rie­ren­den plötz­lich über Car­los Plat­te spra­chen und eine kur­ze Kost­pro­be für einen Song spiel­ten. „Traum“ wür­de die­ses Stück mal hei­ßen. Die ange­spiel­ten drei­ßig Sekun­den reich­ten, dass ich mich in den Song ver­lieb­te. Da gab es nur ein Pro­blem: Der Song war nir­gends auf­find­bar. So hoff­te ich tage‑, gefühlt wochen­lang, dass das Lied end­lich released wer­den wür­de. Sehr zum Leid­we­sen mei­ner Freun­de, wel­che mein Gejam­mer ertra­gen muss­ten. Dazu kam noch, dass die meis­ten in mei­nem Freun­des­kreis nichts mehr mit Cro anfan­gen konn­ten, da ihnen die Musik nun zu „soft“ gewor­den sei und sie auf ver­meint­lich här­te­ren Rap umge­stie­gen sind. Auch ich hör­te zu dem Zeit­punkt schon lan­ge nicht mehr nur die Musik von dem MC mit der Pan­da­mas­ke, freu­te mich aber trotz­dem unheim­lich auf das Album. Die­se Vor­freu­de sorg­te sogar dafür, dass ich eine Woche lang wie­der mein Radio ein­schal­te­te, da ich erfuhr, dass ein Radio­sen­der eine Woche jeden Tag einen Track von Cros neu­em Album prä­sen­tie­ren wür­de. Und dann war es end­lich soweit und „Melo­die“ lag in mei­nen Hän­den. Ein wei­te­rer star­ker Release, in wel­chem der Künst­ler schon im Intro zeigt, dass er immer noch ein kras­ser Rap­per ist und sich auch den ein oder ande­ren Sei­ten­hieb gegen Nei­der nicht ver­knei­fen kann. Auf der Plat­te spinnt Cro die alt­be­währ­te For­mel von „Raop“ wei­ter, lie­fert aber neue beein­dru­cken­de Sound­bil­der. Und packt auf Songs wie „Erin­ne­rung“ auch den deepen Real­talk aus. Auch die­ser Release hol­te mich sei­ner­seits ab und Songs wie „Jetzt“, „Wir waren hier 2“ oder besag­ter „Traum“ spra­chen mir aus der See­le. Ach, und „Mei­ne Gang (Bang Bang)“ wur­de zur unse­ren inof­fi­zi­el­len Hym­ne.

Bild: Chris­ti­an Nies­sen

Yeah, es ist ein unglaub­lich schö­ner Tag“ — Cro („Bye Bye“)

Irgend­wann kommt der Moment, den man in allen Pha­sen sei­nes Lebens hat: Man weiß nicht mehr, ob das alles noch so funk­tio­niert und fängt an, bis­he­ri­ges zu hin­ter­fra­gen. Mit der Musik von Cro kam die­ser Punkt bei mir zu Zei­ten des Unplug­ged Albums. Ich war über­haupt nicht ange­tan von die­sem Pro­jekt, wel­ches mir außer neu arran­gier­ten Unplug­ged-Ver­sio­nen nichts wirk­lich neu­es ver­sprach. Außer­dem war ich genervt von dem Hype um „Bye Bye“, war die­ses Lied doch schon lan­ge in der Dis­ko­gra­phie von Car­lo zu fin­den, und somit nicht unbe­dingt der kras­se neue Song, wie es mir so vie­le weis­ma­chen woll­ten. Man muss fai­rer­wei­se auch dazu sagen, dass ich zum einen gene­rell kei­ne Liveal­ben mag. Zum ande­ren zie­he ich auch die klas­si­sche ursprüng­li­che Kom­bi­na­ti­on im Hip Hop — eine Per­son hin­ter dem DJ-Pult und eine, bezie­hungs­wei­ße eine Grup­pe, am Mic — der von musi­ka­li­scher Beglei­tung durch anwe­sen­de Instru­men­te wie Bands vor. Nichts­des­to­trotz war rück­bli­ckend betrach­tet das MTV Unplug­ged Album eine gro­ße Mög­lich­keit für den King of Raop. Dar­auf folg­te eine Unplug­ged Tour, auf wel­che ich mich dann aus obig genann­ten Grün­den nur unter ener­gi­schen Über­zeu­gun­gen schlepp­te. Und zum Glück muss man sagen, denn die Show wäh­rend die­ser Tour zählt für mich zu einer der bes­ten, die ich von ihm erle­ben durf­te. Das lag zum einen dar­an, dass Car­lo Wai­bel sich für die Unplug­ged Kon­zer­te ganz beson­de­re Loca­ti­ons für die Open Air Kon­zer­te aus­ge­sucht hat­te, wel­che nicht unbe­dingt der Norm von Hip Hop Kon­zer­ten ent­spra­chen und, wenn über­haupt, eher für Klas­sik­kon­zer­te gemacht schie­nen. Zum ande­ren an dem magi­schen Fee­ling wäh­rend die­ses Open-Air-Kon­zer­tes. Die ver­schie­de­nen Musiker/innen mit ihren Instru­men­ten und Backgroundsänger/innen erschu­fen eine ganz eige­ne Welt und Cro trug mit über­ra­schen­den Ein­la­gen dazu bei. So erwar­te­te ich weder eine Per­for­mance von Frank Sina­tras Klas­si­ker „New York, New York“, noch einen Flü­gel, der auf ein­mal aus dem Boden erschien und von Car­lo bespiel­te wur­de und schon gar nicht, dass auf die­ser Ver­an­stal­tung „8 km/h“ mit von Cro per­form­ten Haft­be­fehl­part gespielt wer­den wür­de, hielt ich den Song für die stark von Fami­li­en besuch­ten Unplug­ged-Shows doch für zu hart. Man merkt also, es gab vie­le High­lights. Und als dann in die­ser lau­en Som­mer­nacht lei­se die Strei­cher die Melo­die von „Bye Bye“ anstimm­ten und das Publi­kum sich in ein Lich­ter­meer ver­wan­del­te, war all der musi­ka­li­sche Zwei­fel ver­ges­sen.

Bild: Chris­ti­an Nies­sen

Geh schon mal vor­aus und rich­te aus, es kom­men ’n Hau­fen neu­er Din­ge, nach den alle sich erin­nern, wer ich war“ — Cro („Unend­lich­keit“)

Doch das Spiel soll­te sich eini­ge Zeit noch­mal wie­der­ho­len. Näm­lich als Cros neu­es­tes Album „tru.“ mit der ers­ten Sin­gle „Baum“ ange­kün­digt wer­den soll­te. Unfass­bar gehy­ped kam kurz nach dem Hören die gro­ße Ent­täu­schung. Dies lag vor allem dar­an, dass ich nach den vor­he­ri­gen Songs wie „Tag & Nacht“ und „Down­town“ ganz fal­sche Erwar­tun­gen hat­te. Ich woll­te einen Cro, wel­cher här­te­re Spra­che benutz­te und den locke­ren ame­ri­ka­ni­schen Vibe der Wiz Kha­li­fa Genera­ti­on nach Deutsch­land brach­te. Oder zumin­dest an die alte Raop-For­mel anknüpf­te. Statt­des­sen bekam ich etwas Uner­war­te­tes, was sich aber spä­tes­ten beim Hören des Gesamt­wer­kes als ein wah­res Kunst­ju­wel ent­pup­pen soll­te. Aber noch­mal kur­zer Schwenk zurück. Nach dem, zu dem Zeit­punkt, für mich Total­aus­fall „Baum“ folg­te „Unend­lich­keit“, ein Song, von wel­chem ich um eini­ges mehr ange­tan war und wel­cher heu­te zu mei­nen Lieb­lings­tracks von Car­lo zählt. Bestärkt wur­de die­se Erfah­rung auch bei der atem­be­rau­ben­den Liveper­for­mance auf dem Jui­cy Beats Fes­ti­val, bei wel­chem der Rap­per den Track hoch über der Büh­ne auf einer Platt­form spiel­te, wel­che beleuch­tet und mit Pyro­ef­fek­ten in Sze­ne gesetzt und mit dem Gesang der Crowd ein magi­sches Gesamt­kunst­werk abgab. Bei die­ser Show ver­stand ich dann schließ­lich auch die Magie, die im Song „Baum“ steck­te. Man muss dazu wis­sen, dass der Song eine eher unty­pi­sche Län­ge für eine Sin­gle auf­weist. Über sie­ben Minu­ten und eine zwei­ge­teil­ten Auf­tei­lung ist doch eher aus der Rei­he fal­lend. In der zwei­ten Hälf­te greift Car­lo zur Gitar­re und singt auf eng­lisch, was mich stark an Coun­try­mu­sik erin­nert, was über­haupt nicht nega­tiv gemeint sein soll. Und als ich dann live sah, wie er eben besag­te Gitar­re auf der Büh­ne aus­pack­te und den Song mit all sei­nen Emo­tio­nen ins Mikro­fon hauch­te, dann ver­stand ich plötz­lich die Kunst hin­ter dem Werk . Und eine enor­me Vor­freu­de auf „tru.“ keim­te in mir auf. Zum Glück durf­te ich das Album schon zwei Tage vor­her in mei­nen Hän­den hal­ten und ver­schwand sofort in mei­ne Woh­nung, um mich voll­kom­men auf das Album ein­zu­las­sen. Ein Kunst­werk, wel­ches man ohne grö­ße­re Umschwei­fe als sol­ches bezeich­nen muss. Vom Cover-und Book­let­de­sign, über das Arran­ge­ment der Songs auf der Plat­te, bis hin zu den Songs an sich, man hat hier das Gefühl, dass alles bis ins letz­te Detail durch­dacht ist und nur so von Lie­be zur Musik strotzt. Sei es der Track „Com­pu­ti­ful“, wel­cher einen auf einer Län­ge von zwölf Minu­ten völ­lig in einen Tran­ce reißt, oder das Detail, dass ers­te Track auf der zwei­ten Disc „Noch da“ heißt. Hier spürt man ein­fach wah­re Lie­be zur Musik. Fern­ab von Kom­merz. Eine Lie­be die eben tru ist.

Bild: Chris­ti­an Nies­sen

I know you always ride with me“ — Cro („I know“)

Und heu­te fie­be­re ich neu­en Releases von Car­lo ent­ge­gen wie anno 2012. Und das zu Recht! Vor allem mit den bei­den Trett­mann Fea­tures, bei denen eines noch durch Annen­May­Kan­te­reit kom­plet­tiert wur­de, hat man zwei musi­ka­li­sche Per­len bekom­men. Und auch sein aktu­el­ler Song mit Majan ent­täuscht nicht. Abseits des Stu­dio­re­lease konn­te ich natür­lich auch noch in den Genuss kom­men das gan­ze live zu erle­ben. Und dabei tol­le Men­schen ken­nen­ler­nen, wel­che die Lei­den­schaft zu sei­ner Kunst tei­len. Allen vor­an Chris­ti­an Nies­sen, wel­cher spek­ta­ku­lä­re Kon­zert­fo­tos auf sei­nem Insta­gram Pro­fil teilt. Und für die Zukunft wün­sche ich mir ein Fea­ture von Car­lo mit Bau­sa und Trett­mann. Dann wer­de ich hof­fent­lich ein Inter­view mit ihm zum neu­en Album füh­ren kön­nen. Und es wird ein gro­ßes Best Off Kon­zert geben mit allen Künst­lern aus Car­los Kar­rie­re. Okay, letz­te­res ist wahr­schein­lich nur ein Wunsch­traum. Aber das ande­re ist rea­lis­tisch. Easy. 

Bild: Chris­ti­an Nies­sen

Die Bil­der wur­den mir freund­li­cher­wei­se von Chris­ti­an Nies­sen zur Ver­fü­gung gestellt. Schaut ger­ne mal auf sei­nen Insta­gram Account vor­bei.

                                                                                                                      Nico Hil­scher

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