Palmen aus Plastik 2 Tour — Maßstäbe für Deutschrapshows

Bild: Nico Hil­scher

Ver­gan­ge­nen Sams­tag fand die Tour zum über­aus erfolg­rei­chen Album Pal­men aus Plas­tik 2 der Rap­per Bonez MC und Raf Camo­ra in Ber­lin ihr Ende. Rie­si­ge, bis zum Rand mit Fans gefüll­te Hal­len (mit der Lan­xess Are­na in Köln war die größ­te Hal­le Deutsch­lands aus­ver­kauft; ein ech­ter Mei­len­stein), lan­ge Schlan­gen vor die­sen und Reso­nan­zen weit über die Hip Hop Medi­en hin­aus. 1Raf7 kann also defi­ni­tiv stolz auf ihren Erfolg sein. Doch wie steht es mit den Shows? Beka­men die Fans auch etwas für ihr Geld gebo­ten?

Fan­gen wir doch mal ganz am Anfang an: Mit GALLO NERØ und Joshi Mizu wur­den der Crowd zwei hoch­wer­ti­ge Vor­ac­ts gebo­ten. Ers­te­rer war, bis Raf Camo­ra auf ihn auf­merk­sam gemacht hat, noch rela­tiv unbe­kannt im Busi­ness unter­wegs, bringt aber nun bald sei­ne EP 471 her­aus, und ließ die Anwe­sen­den schon mal dar­an teil­ha­ben. Obwohl er also wahr­schein­lich noch nie vor so vie­len Men­schen gespielt haben dürf­te, lie­fer­te er sta­bil ab. Joshi Mizu hat sich defi­ni­tiv einen Namen gemacht, und mit „Tu Es“, „Fress mich satt“ und „Char­don­nay“, sehr zu Freu­de der anwe­sen­den Leu­te, auch eini­ge Hits im Gepäck. Die­se bei­den heiz­ten der Men­ge schon ordent­lich ein, doch was danach kam ist schwer in Wor­te zu fas­sen.

So wur­de der Auf­tritt in einem epi­schen Count­down ein­ge­lei­tet wel­cher allen Fans der Pal­men aus Plas­tik Tri­lo­gie (Pal­men aus Plas­tik, Tan­nen aus Plas­tik, Pal­men aus Plas­tik 2) das Herz höher schla­gen ließ. So sah man hier Video­schnip­sel der wich­tigs­ten Momen­te der Alben auf Lein­wän­den Revue pas­sie­ren. Und dann öff­ne­te sich der Vor­hang und Raf Camo­ra und Bonez MC stan­den auf der Büh­ne.

Bild: Alex­an­der Kern

Die bei­den Artists began­nen ihre Show mit dem Song „Pro­mi­nent“. Und ja, dass sind sie defi­ni­tiv. Für die tau­sen­den von Fans, die sich immer wie­der in den Hal­len ein­ge­fun­den haben, sind sie sogar die Beat­les unse­rer heu­ti­gen Zeit. Und für die­se Fan­treue wur­de auch eini­ges an Ser­vice gebo­ten. Begin­nen wir doch beim Büh­nen­bild: So wur­de dafür gesorgt, dass so ziem­lich jeder wich­ti­ge Moment der Pal­men aus Plas­tik Tri­lo­gie gekonnt auf der Sta­ge visua­li­siert wird. Es gab zum Bei­spiel eine rie­si­ge Wand im Hin­ter­grund, auf wel­che immer wie­der pas­sen­de Hin­ter­grün­de für den jewei­li­gen Song pro­ji­ziert wur­den. Dies geschah über­ra­schend rea­lis­tisch, so dass man sich manch­mal doch die Fra­ge stell­te, ob hier doch ein Teil wirk­lich auf der Büh­ne steht. Auf die­se Art und Wei­se wur­de zum Bei­spiel bei dem Lied „Kon­trol­lie­ren“ die japa­ni­sche Groß­stadt Tokio, in wel­cher das Video zum Song gedreht wur­de, in die Hal­le gebracht. Aber auch die Büh­ne an sich war geschmückt mit aller­lei Schman­kerl für Fans der bei­den Rap­per. So haben wir im Vor­der­grund eine Pal­me wie im Anto­ni­park, unter wel­chen unter ande­rem der Anfang des Vide­os zu „Koka­in“ und natür­lich „Pal­men aus Plas­tik“ gedreht wor­den sind. Im Hin­ter­grund sah man die Trep­pe aus Bar­ce­lo­na nach­ge­baut, an wel­cher die Cover für Pal­men aus Plas­tik 1 und 2 ent­stan­den sind. In der Zuga­be wur­de die­se dann durch ein gewal­ti­ges Kro­ko­dil aus­ge­tauscht, wel­ches das Mar­ken­zei­chen der 187er ist, und mit den Pal­men und dem Raben (Raf Camo­ras Erken­nungs­merk­mal), wich­ti­ger Bestand­teil des Pal­men aus Plas­tik Kos­mos dar­stellt (alle drei Sym­bo­le tre­ten immer wie­der in den Vide­os auf). Spä­ter wur­den wäh­rend der Show auch noch zwei T‑Max Rol­ler auf die Büh­ne gebracht oder die Loca­ti­on ver­wan­del­te sich in die ber­gi­ge Land­schaft in der „An ihnen vor­bei“ gedreht wur­de. Samt Schnee, der von der Hal­len­de­cke run­ter rie­sel­te. Auch die Licht- und Pyro­tech­nik wäh­rend der Show konn­te über­zeu­gen. Die ver­schie­de­nen Far­ben und Hel­lig­kei­ten sorg­ten für Atmo­sphä­re, und die Flam­men auf der Büh­ne und aus der Pal­me heiz­ten den Fans zusätz­lich ein.

Bild: Nico Hil­scher

Aber nicht nur Songs der Pal­men aus Plas­tik Tri­lo­gie und die Vor­ac­ts waren Teil der Show. Auch alle ande­ren musi­ka­li­schen Mit­glie­der der 187-Stra­ßen­ban­de waren dabei (GZUZ, LX, Max­well und Sa4) und per­form­ten eini­ge Hits wie den, zum Zeit­punkt top­ak­tu­el­len, „Hai­fi­sch­Ni­kez All­stars“ oder „Prollz“. LX und Max­well gaben oben­drein eine klei­ne Kost­pro­be für das dem­nächst erschei­nen­de und sehn­süch­tig erwar­te­te Album „Obst­stand 2“. Und auch Raf Camo­ra per­form­te immer wie­der eini­ge sei­ner aktu­el­le­ren Hit­songs wie „Gotham City“ oder „Sag Nix“ und zau­ber­te so eini­gen sei­ner Fans damit ein Lächeln aufs Gesicht.

Mein High­light des Abends (ich selbst war auf der Show in Erfurt anwe­send): Zum Ende hin wur­de ein Song nach dem ande­ren gespielt, wel­che einen durch ihr Tem­po und die Ener­gie regel­recht dazu zwan­gen immer wie­der aufs Neue aus­zu­ras­ten, oder, in unse­rem Fal­le, sich in den Mosh­pit zu schmei­ßen (Zum Bei­spiel bei „Ohne mein Team“ und „500 PS). Als dann der letz­te Song des Abend ertön­te („Bes­te Leben“) ging es also noch ein letz­tes Mal hin­ein in den Mosh­pit. Aber nicht nur die Fans mach­ten sich dran hin­ein­zu­stür­zen. Nein, auch Max­well kam um mit den Fans gemein­sam noch­mal alles abseits der Sta­ge zu geben.

So bleibt mir nur ein Kri­tik­punkt zu äußern: War­um ist die Tour schon wie­der vor­bei?

                                                                                                                      Nico Hil­scher

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