Havana Nights Show – Heiße Rhythmen in der Meistersingerhalle

© Highlight Concerts GmbH

Ein Musical bei dem kaum gesungen wird? Schwer vorstellbar. Doch Havana Nights funktioniert praktisch ohne Gesang. Stattdessen wird umso mehr getanzt, Artisten zeigen beeindruckende Einlagen und eine Band spielt passende Musik dazu. Die Geschichte tritt dabei fast in den Hintergrund und scheint weniger wichtig zu sein.

Havana Nights ist ein karibisches Tanzmusical, an dem sowohl die Havana Dance Company, der Circo National und eine Live-Band mitwirken. Die Geschichte ist relativ schnell erzählt: Ein zu Beginn sehr naiver Tourist kommt nach Kuba und beginnt dort das Nachtleben Havanas auf sich wirken zu lassen. Ihm wird sein Koffer gestohlen und er beginnt völlig mittellos danach zu suchen. Dabei verliebt er sich in eine junge Frau und in die Stadt. Am Ende findet er seinen Koffer wieder, und möchte Kuba aber nicht mehr verlassen, weil ihm alles so gut gefällt.

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Dabei fällt auf, dass die Geschichte sich an dem einfachen Strickmuster „Mann verliebt sich in Frau und möchte sie erobern“ orientiert. Damit ist die Handlung sehr vorhersehbar und wirkt auch sehr stereotyp. Allgemein wird in dem gesamten Musical sehr viel mit Stereotypen gespielt. Das fängt bei der Darstellung Kubas an und geht über in teils sexistische Darstellungen von Männern und Frauen. Gerade diese Darstellung wird wahrscheinlich mit ein Grund gewesen sein, warum am Ende manch einer im Publikum den Saal nahezu fluchtartig verlassen hat.

Dabei ist jedoch hervorzuheben, dass in Havana Nights eben nicht primär die Handlung im Vordergrund steht. Vielmehr wird das Augenmerk auf den Tanz und die Artistik gelenkt und gerade diese beiden Eckpfeiler des Musicals wirken beeindruckend und fesselnd auf den Zuschauer. Schon zu Beginn wird der Zuschauer mit einer atemberaubenden artistischen Darbietung in den Bann gezogen bis dann die eigentliche Handlung beginnt. Immer wieder treten Artisten auf und man fühlt sich öfters an eine Zirkusdarstellung erinnert. Gleichzeitig überzeugen die Tänzer mit ihrem doch sehr hohen Niveau. Das ganze wird außerdem von einer Band begleitet die, die Stimmung Havanas versucht einzufangen. Gerade zu Beginn und in der Mitte der Show gelingt das tatsächlich sehr gut und die Stimmung und das Feeling Havanas wird dem Zuschauer überzeugend nahe gebracht.

Allerdings spielte die Band gerade zum Ende hin immer wieder Songs, die zum Mitklatschen anregten, wozu einige Artisten und Tänzer das Publikum auch explizit aufforderten. Leider hat man sich gerade in diesen Sequenzen des öfteren eher an eine Art Musikantenstadel erinnert gefühlt als an Kuba oder Latino-Vibes. Gerade das mag allerdings auch mit ein Grund gewesen sein, warum es am Ende der Show minutenlange Standing Ovations gab.

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Damit zeigt sich, dass Havana Nights die Meinungen teilt. Entweder kann man sich der Stimmung hingeben und die Show auf sich wirken lassen, oder man ärgert sich über die doch sehr stereotype und simple Handlung. Für mich überwog am Ende ein positiver Gesamteindruck. Natürlich gab es doch vieles zu kritisieren, jedoch überzeugten mich gerade die Tänzer und Artisten, und man bekommt tatsächlich diverse Male Lust gleich selbst mitzutanzen, Salsa zu lernen oder Havana selbst zu erkunden   .

Elias Schaub


Havana Nights ist ein zweischneidiges Schwert. Entweder verliert man sich für einen Abend in dem kubanischen Bühnenspektakel oder eben nicht. Dieser Eindruck spiegelte sich auch gut im Publikum wieder. So verließen gegen Ende hin einige Zuschauer schon vorzeitig die Meistersingerhalle, wohingegen andere sich selbst nach ihren Standing Ovation nichts losreißen konnten. Damit ihr zu Letzteren und nicht Ersteren gehört und einen gelungen Abend verbringt, werde ich anbei zu einer gesunden Erwartungshaltung führen.

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Havana Nights ist ein karibisches Tanz-Musical, an welchem die Havana Dance Company, der Circo National und eine Live Band mitwirken. Diese drei Institutionen bilden auch zugleich unsere drei Hauptsäulen der Show: Tanz, Akrobatik und Musik. Das singen und tanzen zu einem Musical gehört sollte nicht weiter überraschen, die Akrobatikeinlagen vielleicht schon eher. So wird hier auch mal jongliert oder es gibt spektakuläre Sprünge zu sehen, welche zu meinen persönlichen Highlights gehören. Den Schwerpunkt nimmt aber ganz klar die Musik und das Tanzen ein. So wird vor allem Letzteres sehr viel und auf sehr hohem Niveau praktiziert, aber auch hier merkt man den Einfluss der Akrobatik. Die Musik ist, bis auf ein-zwei ruhigere Szenen, sehr treibend und typisch für den Kulturkreis. Wer sich für diese Musik begeistern kann, dem wage ich eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen, alle anderen sollten an dieser Stelle eventuell ihre Teilnahme überdenken. Denn eine wirkliche große Story gibt es nicht. Wir verfolgen zwar teilweise die Ankunft eines Touristen, welcher schnell sein Herz an eine der einheimischen Damen verliert, doch vor allem geht es in Havana Nights darum, die Vibes und das Feeling der titelgebenden Stadt rüberzubringen. Und das gelingt! So kann man für einen Abend in die Exotik eintauchen und es packt einen schnell das Fernweh. Die treibende Musik geht einem schnell ins Blut und die allesamt attraktiven Akteure und Akteurinnen bringen selbiges in Wallung. Wenn man sich darauf einlässt. Tut man dies nicht, kann es schnell eintönig werden, da man anstatt einer großen spannenden Handlung viel mehr das Treiben in Havana beobachtet und somit viel mehr von einer Einlage in die Nächste wandert, welche aber alle ziemlich gelungen sind.

In mir hat das Musical auf alle Fälle die Lust erweckt mich selbst dem Treiben in  Havana hinzugeben. Mal schauen wann ich den Flieger buche. Um es mit den Worten von Camila Cabello aus ihrer Hitsingle „Havana“ zu sagen: „Half of my heart is in Havana“.

Nico Hilscher

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