Unser Blauer Planet II – Live in Concert

Bild: Sebas­ti­an Schroth

Die Live-Adap­ti­on der BBC-Natur­do­ku­men­ta­ti­on Unser Blau­er Pla­net 2 begeis­ter­te am Mitt­woch­abend mit ein­zig­ar­ti­gen Bil­dern und atem­be­rau­ben­der Musik das Publi­kum in der Are­na Nürn­ber­ger Ver­si­che­rung. Nach dem gro­ßen Erfolg von PLANET EARTH IILIVE IN CONCERT prä­sen­tier­te Dirk Stef­fens mit UNSER BLAUER PLANET II – LIVE IN CONCERT nun auch die spek­ta­ku­lärs­ten Sze­nen der preis­ge­krön­ten Natur­do­ku­men­ta­ti­on BLUE PLANET II zusam­men mit der mit­rei­ßen­den und live gespiel­ten Musik.

Vor schon fast 20 Jah­ren wag­ten sich 2001 etli­che Natur­fil­mer der BBC hin­aus auf das Meer und mach­ten ein­zig­ar­ti­ge Auf­nah­men, die zu die­ser Zeit sicher ihres­glei­chen such­ten. Aus die­sen bis dahin bahn­bre­chen­den Auf­nah­men ent­stand die preis­ge­krön­te BBC-Serie The Blue Pla­net, wel­che mit ihrer Erst­aus­strah­lung neue Maß­stä­be für Mee­res­do­ku­men­ta­tio­nen setz­te.

Über­wäl­ti­gen­de Par­al­lel­welt unter Was­ser

Dank moderns­ter Tech­nik wie Endo­skop- oder Saug-Kame­ras sowie Tauch­ro­bo­tern aller Art sind nun nach 125 Expe­di­tio­nen und über 4 Jah­re Auf­nah­men der über­wäl­ti­gen­den Unter­was­ser­welt aller 7 Welt­mee­re ent­stan­den, die die beein­dru­cken­den Bil­der des Ori­gi­nals um Wei­ten über­tref­fen: Vom leb­haf­ten und pul­sie­ren­den Gewu­sel in far­ben­fro­hen Koral­len­rif­fen über majes­tä­tisch anmu­ten­de Blau­wa­le bis hin zu beängs­ti­gen­den Tief­see-Mons­tern. Wäh­rend die spek­ta­ku­lärs­ten Sequen­zen der preis­ge­krön­ten BBC Stu­di­os-Erfolgs­se­rie Blue Pla­net II in 4K-Ultra-HD auf einer rie­si­gen LED-Wand prä­sen­tiert wer­den, wer­den die­se nur beglei­tet und in ihrer Inten­si­tät ver­stärkt durch die abwechs­lungs­rei­che und höchst bewe­gen­de Musik des Oscar-Preis­trä­gers Hans Zim­mer, Jacob Shea und David Fle­ming. Eine Mode­ra­ti­on ist hier über­flüs­sig und wür­de die ein­zig­ar­ti­ge Sym­bio­se von Bild und Ton nur zer­stö­ren, wes­halb Dirk Stef­fens nur zwi­schen den Film­se­quen­zen das Publi­kum mit Hin­ter­gund-Fac­ts infor­miert.

Als ein hal­bes Dut­zend Clown­fi­sche um eine Ane­mo­ne her­um­schwim­men und eine Kokos­nuss­scha­le zum Lai­chen vor­be­rei­ten wer­den unwei­ger­lich Kind­heits­er­in­ne­run­gen an Fin­det Nemo geweckt. Man sieht Orcas und Blau­wa­le, die vor der Küs­te Nor­we­gens Herings­schwär­me zusam­men­trei­ben, mit ihrer rie­si­gen Schwanz­flos­se mit einem Schlag bewusst­los schla­gen und dann fres­sen. Hier­bei sind auch beein­dru­cken­de Land­schafts­auf­nah­men von den Fjor­den ent­stan­den, die schon fast zu ste­ril und schön wir­ken um wahr zu sein. Die Musik zu der Epi­so­de in der Fel­sen­krab­ben bei Ebbe vor Morä­nen zu flüch­ten ver­su­chen erin­nert ohne Fra­ge an die ver­spiel­te Ani­ma­ti­ons-Musik zu Dis­ney-Fil­men oder Zei­chen­trick­se­ri­en wie Tom und Jer­ry – ein Katz-und-Maus-Spiel um Leben und Tod.

Bild: Jason Isley, ARGO Kon­zer­te

Unter der Lei­tung von Mat­thew Free­man lässt das The City of Pra­gue Phil­har­mo­nic Orches­tra zu den Bil­dern der por­tu­gie­si­schen Galee­re, einer Qual­le mit 30m lan­gen und töd­li­chen Nes­sel­fä­den, einen Hauch von Fluch der Kari­bik auf­le­ben. Lei­der war die Musik ins­ge­samt manch­mal etwas über­steu­ert – ein Nach­teil, wenn sie live gespielt aber elek­tro­nisch über Laut­spre­cher ver­stärkt wird. Die Tief­see, wo vor tau­sen­den Jah­ren am lebens­feind­lichs­ten Ort des Pla­ne­ten das Leben auf der Erde mit bak­te­ri­el­len Mikro­or­ga­nis­men begann, bie­tet zu gleich beängs­ti­gen­de wie beein­dru­cken­de Bil­der: Bors­ten­wür­mer, Rie­sen­kal­ma­re und Gespens­ter­fi­sche mit einer trans­pa­ren­ten Kopf­ober­sei­te – Bil­der die bes­ser als jeder Gru­sel- oder Hor­ror­film sind. Aber auch bezau­bern­de Schön­hei­ten wie Atol­la-Qual­len und ande­re blau blin­ken­de Unter­was­ser­we­sen, die wie rie­si­ge Eis­zap­fen im Son­nen­licht leuch­ten.

Dra­men der Wild­nis

Die wohl trau­rigs­te und bewe­gends­te Sequenz war ein zwei­ge­teil­tes Bild. In der obe­ren Hälf­te ist ein klei­nes Wal­ross-Baby zu sehen, wel­ches sich auf einer klei­nen Eis­schol­le an sei­ne Mut­ter kau­ert, wobei auch die­se sehr ver­lo­ren in die Fer­ne blickt. Das Bild ist getrennt durch klei­ne sanf­te Wel­len des Polar­mee­res und zeigt in der unte­ren Hälf­te glas­kla­res Was­ser, das schier end­los scheint. Hin­ter­grund die­ser Sze­ne­rie ist die trau­ri­ge Tat­sa­che, dass seit den ers­ten Auf­zeich­nun­gen das ark­ti­sche Som­me­re­ris um 40% zurück­ge­gan­gen ist und die Wal­ros­se nicht mehr genü­gend Schol­len für Schwimm­pau­sen fin­den. Vor allem für die noch schwa­chen Käl­ber ein Dra­ma. Nicht ohne Grund wur­de die­se Sze­ne als Wall­pa­per der Tour gewählt.

Nach­dem Ori­gi­nal­spre­cher Sir David Atten­bo­rough, ein Held in sei­nem Hei­mat­land, in einem kur­zen Clip dem Publi­kum mit weni­gen aber ein­gän­gi­gen Wor­ten ins Bewusst­sein gere­det hat und Stef­fens über eine mess­ba­re Bewusst­seins­ver­än­de­rung, dem „Blue-Pla­net-Effect“, berich­te­te, folgt eine letz­te beein­dru­cken­de Col­la­ge der spek­ta­ku­lärs­ten Bil­der mit Behind-the-Sce­nes – aber­mals unter­malt mit dem erst beru­hi­gen­den, dann explo­si­ons­ar­ti­gen Main The­me The Blue Pla­net, wel­ches die gewal­ti­ge Macht der Wel­len und des gesam­ten Oze­ans per­fekt zum Aus­druck bringt: pau­sen­los in Bewe­gung, immer wei­ter trei­bend, gleich­zei­tig die Schön­heit der Unter­was­ser­welt und die schein­ba­ren Gefah­ren der Tief­see wider­spie­gelnd.

Nach den wei­te­ren deut­schen Tour-Ter­mi­nen in Ber­lin oder auch Stutt­gart wird die Show in den nächs­ten Tagen unter ande­rem auch in den Nie­der­lan­den, Bel­gi­en, Aus­tra­li­en und Groß­bri­tan­ni­en fort­ge­setzt.

Von Sebas­ti­an Schroth

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