Filmmusik in Nürnberg: Klassik Radio live in Concert 2018

Bild: Sebas­ti­an Schroth

Am 22.12.2018 bot das Klas­sik Radio Pops Orches­tra in der Meis­ter­sin­ger­hal­le wie­der ein­mal ein äußerst inter­es­san­tes und umfang­rei­ches Pro­gramm aus den schöns­ten Hol­ly­wood-Sound­tracks der letz­ten Jah­re: Star Wars, Die fabel­haf­te Welt der Amé­lie, The Crown, Love Actual­ly uvm. Die Musik allei­ne und die Begeis­te­rung des Publi­kums täu­schen aber lei­der nicht dar­über hin­weg, dass die­se Kon­zert­rei­he zu einer rie­si­gen Wer­be­ma­schi­ne­rie ver­kommt.

Wie jedes Jahr konn­ten die Zuhö­rer im Inter­net dar­über abstim­men, wel­che Stü­cke aus einer grö­ße­ren Vor­auswahl im Pro­gramm ste­hen soll­ten. Her­aus kam eine durch­aus sehr bun­te Mischung aus alten und neu­en, bekann­te­ren und unbe­kann­te­ren Sound­tracks der letz­ten paar Jah­re. Was die­ses Jahr jedoch neu war, ist die Unter­tei­lung der Film­mu­si­ken in The­men­wel­ten. Wäh­rend die ers­te Hälf­te unter den Mot­tos Ster­ne, Roman­tik und Geschich­te etwas ruhi­ger war, wur­de es in der zwei­ten Hälf­te mit den The­men Fan­ta­sy, Super­hel­den und Weih­nach­ten wesent­lich leben­di­ger und auf­rei­ben­der.

Ster­ne, Roman­tik, Geschich­te

Der Abend hät­te furi­os mit Also sprach Zara­thus­tra von Richard Strauss begin­nen kön­nen. Mag es die Ner­vo­si­tät gewe­sen sein, aber lei­der war es viel zu schnell gespielt und ein wesent­li­ches Ele­ment, die Orgel, hat hör­bar gefehlt. Auch Teil der ers­ten The­men­welt waren außer Star­ga­te noch Across the Stars aus Star Wars: Epi­so­de II – Angriff der Klon­krie­ger und Star Trek, wel­ches als Med­ley aus den Melo­di­en der alten Seri­en (Jer­ry Golds­mith u.a.) und den neue­ren Fil­men mit der Musik von Micha­el Giac­chi­no arran­giert war.

Roman­tisch und ent­span­nend wur­de es mit dem Sound­track zu Dok­tor Schi­wa­go von Mau­rice Jar­re, Meet Joe Black und Die fabel­haf­te Welt der Amé­lie. Aus letz­te­rem wur­de natür­lich das weit über den Film hin­aus bekann­te Comp­ti­ne d’un aut­re été: L’a­près-midi von Yann Tier­sen gespielt, wel­ches wun­der­schön aber lei­der auch viel zu zag­haft vom Pia­nis­ten inter­pre­tiert wur­de.

Der (bri­ti­sche) Histo­ry-Teil wur­de mit A. R. Rah­mans Musik zu Eliza­beth: The Gol­den Age ein­ge­lei­tet. In Sachen Film­mu­sik darf auch Hans Zim­mer an einem der­ar­ti­gen Abend nicht feh­len: Sei­ne Musik zur Net­flix-Serie The Crown lei­te­te per­fekt zum letz­ten Stück vor der Pau­se über: Die 9. Varia­ti­on Nim­rod aus den Enig­ma Varia­ti­ons von Sir Edward Elgar. Nic Rai­ne hat vor Nim­rod zwar noch erzählt, welch Patrio­tis­mus in die­sem Stück ste­cken wür­de und wie wich­tig es für alle Bri­ten sei, aber lei­der ist es musi­ka­lisch voll­kom­men miss­lun­gen. Scha­de auch, dass Mode­ra­to­rin Sven­ja Sell­now Elgars wohl schöns­te und trau­rigs­te Kom­po­si­ti­on als „Nim­rod aus Dun­kirk“ anmo­de­rier­te – genau wie zu Beginn Also sprach Zara­thus­tra als „Also sprach Zara­thus­tra aus 2001: Odys­see im Welt­raum“. Die­se Stü­cke ste­hen allei­ne und auch nur in Zusam­men­hang mit die­sen Fil­men, weil sie in die­sen ver­wen­det aber nicht extra dafür kom­po­niert wur­den. Das ist, als wür­de man sagen der „Wal­kü­ren­ritt aus Apo­ca­lyp­se Now“. Nein, der Wal­kü­ren­ritt ist aus Die Wal­kü­re und von Richard Wag­ner.

Fan­ta­sy, Super­hel­den, Weih­nach­ten

Die zwei­te Hälf­te wur­de vom jetzt wesent­lich ein­ge­spiel­te­ren Klas­sik Radio Pops Orches­tra mit dem The­ma Fan­ta­sy und der Musik zu Fin­ding Never­land eröff­net. Naia Chva­tal-Jones sang manch­mal etwas schief zum sonst mys­ti­schen Sound­track aus Pans Laby­rinth. Abso­lu­ter Höhe­punkt an die­sem Abend war die dar­auf­fol­gen­de Film­mu­sik zu Stardust von Ilan Esh­ke­ri: Die stil­len und beru­hi­gen­den Quer­flö­ten- und Gei­gen-Pas­sa­gen vom Track Tris­tan & Yvai­ne ent­wi­ckel­ten sich mit simp­len aber wir­kungs­vol­len Akkord­fol­gen zum bom­bas­ti­schen Fina­le von Coro­na­ti­on. Der Applaus war hier merk­lich am lau­tes­ten.

Eben­falls ein abso­lu­tes High­light war Won­der Woman, auch wenn die lei­sen Töne der Cel­li aus Light­ning Strikes manch­mal etwas dane­ben waren und die Trom­pe­ten die Wucht des fet­zi­gen Main-The­me, im Ori­gi­nal gespielt von einem E‑Cello, ver­mis­sen lie­ßen. Glei­ches gilt für den Track Won­der Woman‘s Wrath, wobei das Schlag­werk hier gan­ze Arbeit geleis­tet hat. Gan­ze Arbeit leis­te­ten auch die Blech­blä­ser wäh­rend einer Sui­te zu John Wil­liams Musik aus Super­man. Über­haupt erzeug­ten die Hör­ner, Trom­pe­ten und das tie­fe Blech über den Abend hin­weg einen sat­ten saf­ti­gen Klang, auch wenn oft nur als Begleit­stim­men. Spi­der-Man Home­co­m­ing war der Abschluss der Super­hel­den-Sound­tracks.

Weih­nacht­lich roman­tisch wur­de es zum Schluss mit der zau­ber­haf­ten Musik zu Love Actual­ly, Night­ma­re Befo­re Christ­mas und Der Polar­ex­press.

Blitz­licht­ge­wit­ter, Weih­nachts­tra­di­tio­nen, Koch­löf­fel

Bild: Klas­sik Radio

Das durch­aus soli­de Kon­zert ende­te mit lan­gem Applaus und The Peter Gunn The­me als urko­mi­sche Mit­mach-Zuga­be. Auch wenn die ers­te Hälf­te ihre Höhen hat­te, war die zwei­te Hälf­te ins­ge­samt wesent­lich über­zeu­gen­der, wahr­schein­lich auch auf­grund der Stück­aus­wahl. Was aber wirk­lich über den gesam­ten Abend hin­weg auf­fiel war, dass die Musik nicht immer im Vor­der­grund stand. So lenk­ten zum Bei­spiel unnö­ti­ge Licht­in­sze­nie­run­gen und komisch ani­mier­te Video­pro­jek­tio­nen ab. Der Zuhö­rer­raum wur­de oft mit Blitz­licht­ge­wit­ter und grel­len Schein­wer­fer­lich­tern über­flu­tet und viel zu stark erhellt. Wie auch bei Hol­ly­wood in Vien­na und The World of Hans Zim­mer war die­ses Jahr erst­mals eine Video­lein­wand hin­ter dem Orches­ter auf der Büh­ne instal­liert. Die­se zeig­te mal mehr mal weni­ger schö­ne und pas­sen­de Ani­ma­tio­nen, trans­pa­rent über­la­gert von Live­bil­dern der Musi­ker.

Die char­man­te Mode­ra­to­rin Sven­ja Sell­now führ­te rou­ti­niert durch den Abend. Aller­dings stör­ten zuwei­len die befan­ge­nen Publi­kums­ge­sprä­che und das stän­di­ge sich-sel­ber-toll-fin­den. Die gescrip­te­ten und kurz­wei­li­gen Inter­views mit Nic Rai­ne wirk­ten trotz der Gelas­sen­heit des Diri­gen­ten sehr auf­ge­setzt. Er war es aber der die Lacher auf sei­ner Sei­te hat­te. Sei­ne lus­ti­gen Anek­do­ten und Erzäh­lun­gen von bri­ti­schen Weih­nachts­tra­di­tio­nen hat­ten auf gewis­se Art und Wei­se auch einen beru­hi­gen­den Cha­rak­ter – er wirk­te authen­tisch.

Unge­wöhn­lich war auch, dass neben der Eigen­wer­bung zusätz­lich Medi­en­part­ner anwe­send waren und ihre Pro­duk­te prä­sen­tiert haben, die in keins­ter Wei­se etwas mit Musik zu tun haben. So konn­te man vor dem Kon­zert und in der Pau­se an Gewinn­spie­len für Haus­halts- und Küchen­ge­rä­te teil­neh­men oder auch ein E‑Bike tes­ten. Die Wer­bung im Pro­gramm­heft hät­te in jedem Fall gereicht. Allen Zuhö­rern wur­de beim Raus­ge­hen auch eine Goo­die-Bag mit Koch­löf­fel und Rezep­ten über­reicht.

Die­se Kon­zert­rei­he ist trotz alle­dem eine erfolg­rei­che Insti­tu­ti­on und das Aus­hän­ge­schild des Augs­bur­ger Radio­sen­ders. Längst ist des­halb auch schon der Tour­plan für das nächs­te Jahr geplant: Auf­takt der Klas­sik Radio live in Con­cert Tour 2019 ist am 01.11.2019 im Gas­teig in Mün­chen.

Von Sebas­ti­an Schroth

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