Kollegah — Der Boss im Interview

Kol­le­gah im Inter­view mit dem Reflex­ma­ga­zin.
Bild: Nico­las Riedl.

Kol­le­gah ist ein Mann der Super­la­ti­ve. Er besitzt unzäh­li­ge Gold- und Pla­tin­plat­ten, Aus­zeich­nun­gen und hat sich ein rie­si­ges Busi­ness, auch abseits der Musik, auf­ge­baut. Sei­ne Musik domi­niert die Charts und er kann sich einer treu­en Fan­ba­se glück­lich schät­zen. Nicht umsonst wird er auch King, Impe­ra­tor oder Boss genannt. Beim Inter­view tra­fen wir aber, auch ent­ge­gen der Behaup­tun­gen so man­cher Main­stream-Pres­se, kei­nen abge­ho­ben Proll an. Viel mehr lern­ten wir einen sym­pa­thi­schen Rap­per ken­nen, wel­cher sich aus­gie­big Zeit nahm, um über sei­ne aktu­el­len musi­ka­li­schen Pro­jek­te, sei­ne Her­an­ge­hens­wei­se an neue Songs und über sei­ne Erfah­run­gen in den Ghet­tos Ame­ri­kas zu reden.

re>flex: Ich wer­de mit dir jetzt über dei­ne Musik spre­chen. In die­sem Bereich gibt es vie­les, wor­über wir reden kön­nen. Dein neu­es Album „Monu­ment“ kommt bald. Eben­so kommt „Hood­tape 3“ raus. Und JBG3 und „Pla­tin war ges­tern“ sind ja auch nicht lan­ge her, und noch hoch­ak­tu­ell. Enor­mer Out­put auf alle Fäl­le. Wie gehst du an ein neu­es Album und neue Songs her ran? Spürst du da eine Art Druck vor­her? Wie moti­vierst du dich? Schließ­lich steht Kol­le­gah für krea­ti­ve Tex­te und Wort­akro­ba­tik. Das ist das, was von dir erwar­tet wird. Wie gehst du damit um?

Kol­le­gah: Für mich ist es ja eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, so wie ich mei­ne Tex­te schrei­be. Die­se Wort­akro­ba­tik die von mir erwar­tet wird, die ist für mich ja ganz nor­ma­les Stan­dard­ni­veau, und kann bei den Leu­ten schon teil­wei­se zu Ver­wir­run­gen füh­ren. Je nach IQ führt das beim Zuhö­rer teil­wei­se zur völ­li­gen geis­ti­gen Über­for­de­rung. Aber das ist ein­fach mein ganz nor­ma­ler Jar­gon sag ich mal. Ich sage dafür mal ein gutes Bei­spiel, um zu zei­gen wie das mitt­ler­wei­le ist. Am Anfang mei­ner Kar­rie­re habe ich noch da geses­sen und mir Wort­spie­le und gute Punch­li­nes über­legt. Also durch Nach­den­ken. Und mitt­ler­wei­le flie­gen die mir ein­fach zu. Und so ist das auch mit den Song­ide­en. Bei­spiels­wei­se der Song „Wie ein Alpha“. Der ist die­ses Jahr im Urlaub in der Tür­kei ent­stan­den. Da saß ich nachts am Strand, und da ist mir ein­fach die­ser Song, wie als wäre er schon fer­tig, zuge­flo­gen. So ist das heut­zu­ta­ge. Das war am Anfang nicht so. Aber über die Jah­re, dadurch dass, ich sage mal, mein Unter­be­wusst­sein im Hin­ter­grund immer nach Rei­men und nach Ide­en gesucht hat, funk­tio­niert das mitt­ler­wei­le wie von selbst. Also da fal­len mir teil­wei­se gan­ze Songs auf ein­mal ein. Und ich muss sie dann nur nie­der­schrei­ben.

Da wür­de ich gleich ein­ha­ken. Ich habe im Vor­hin­ein auch ein paar Inter­views geschaut. Ich weiß nicht, ob du dich noch erin­nern kannst. Im Inter­view mit Stug­giTV kam dir auch die­se Line „Schwamm drü­ber“, die in „JBG3“ wie­der auf­ge­grif­fen wur­de. Kam die dir direkt in dem Moment?

Ja genau. Pas­siert voll oft, dass in einem Inter­view der Boss ein­fach mal so ein spon­ta­nes gefree­styl­tes Wort­spiel ein­flie­ßen lässt und das greift er dann viel­leicht noch­mal in einer Line auf. Damit auch wirk­lich jeder etwas davon mit­be­kommt. Also das soll­te man den Leu­ten ja nicht vor­ent­hal­ten.

Eine Fra­ge, die viel­leicht ein biss­chen 08/15 ist, aber mich wirk­lich inter­es­siert. Gibt es eine Line die du rich­tig geil fin­dest, weil sie in ihrer Gän­ze per­fekt ist?

Ja gibt es vie­le. Es gibt vie­le Lines, wo ich mir heut­zu­ta­ge noch den­ke, was hast du da Kran­kes erschaf­fen, wie bei Fran­ken­steins Erwa­chen. Ich fin­de halt immer, dass die Kunst dabei ist, wenn man zum Bei­spiel von Wort­spie­len redet, Wort­spie­le heut­zu­ta­ge noch so zu kicken, dass es nicht gezweckt kommt. Wir sagen immer gezweckt. Das bedeu­tet irgend­wie kon­stru­iert. Haupt­sa­che man hat einen Ver­gleich drin­nen. Ich rap­pe zum Bei­spiel auf dem Hood­tape eine Line die geht so:

Schon im Kin­des­al­ter woll­ten Chicks mit mir kein Lego spie­len. Sie waren heiß auf Löf­fel­chen – so wie Hero­in. Kuscheln in der Kuschel­ecke. Kuscheln in der Puz­zle­ecke. Ich ent­wi­ckel­te schon früh durch Kuscheln star­ke Mus­kel­kräf­te. Heu­te nut­ze ich die­se Mus­kel­kräf­te vor allem, um dich zu stran­gu­lie­ren mit dei­nem schnu­cke­li­gen Guc­ci-Täsch­chen.“

Da has­te das Wort­spiel: Sie waren heiß auf Löf­fel­chen wie Hero­in. Das kommt in dem Moment halt ein­fach läs­sig. Das ist auch so eine Gefühls­sa­che. Es gibt Wort­spie­le, die kom­men ein­fach auch für mein Emp­fin­den teil­wei­se schon zu gezweckt. Bei­spiel dafür wäre:

Mein Rap ist zukunfts­wei­send wie Schu­lungs­rei­sen. Doch anstatt dem gut­zu­hei­ßen, will die BPJM den Indi­zie­ren wie Hut und Peit­sche.“ Den Indizieren/Indi zie­ren (lacht). Das ist dann schon wirk­lich eher so für die Brai­niacs. Aber Wort­spie­le, die auch fresh sind, und die auch der Nor­mal­bür­ger checkt beim Hören, das ist die Königs­klas­se.

 Aber ich fin­de das macht eben auch dei­ne Songs aus. Das du auch Wort­spie­le hast, wie das eben gera­de schon genann­te Bei­spiel mit die­sem India­na Jones Gag, sodass man dei­ne Songs wirk­lich zehn­mal hören kann und immer wie­der etwas Neu­es ent­deckt. Das grenzt dich ja auch wirk­lich ab von ande­ren Musi­kern.

Ja das ist für mich dann auch immer wie­der schön. Manch­mal pei­le ich mei­ne Lines ja dann auch selbst erst nach 3–4 Jah­ren (lacht). Das ist ja manch­mal der Wahn­sinn.

Ich wür­de dann direkt erst­mal noch auf „JBG3“ ein­ge­hen. Und zwar ist eine Grup­pe, die vie­le Lines abbe­kom­men hat, die KMN Gang. Mit so einer der musi­ka­li­schen Haupt­geg­ner. Wie­so habt ihr euch vor allem die KMN Gang aus­ge­sucht?

Wür­de ich gar nicht so sagen, dass wir uns vor allem die KMN Gang aus­ge­sucht haben. Der Haupt­geg­ner war eigent­lich das EGJ Camp. Die haben auf jeden Fall auch mehr abbe­kom­men als die KMN Boys.

Auf EGJ gehe ich jetzt aber nicht genau­er ein, da ich den­ke dass du dich dazu genug geäu­ßert hast.

Das ist geges­sen. Das The­ma ist durch.

Blei­ben wir doch mal dabei. In die­sem musi­ka­li­schen Stil (Anm. d. Red.: Der KMN-Gang) habt ihr auch die „Nafri-EP“ gemacht, mit wel­cher ihr euch dar­über lus­tig gemacht habt, und das gan­ze par­odiert habt. Dar­auf habt ihr auch mit Auto-Tune gear­bei­tet. Ich habe aber das Gefühl danach hast du immer noch Gefal­len am Auto-Tune gefun­den. Wenn wir uns das mal anschau­en: Auf „In die Unend­lich­keit“ zum Bei­spiel. Auch wenn hier vor allem die Hook von Musi­ye auf­fällt, die hät­tet ihr nicht aufs Album genom­men, wenn sie euch nicht getaugt hät­te. Aber auch bei „Push it to the limit“ merkt man in der Hook, dass da Auto-Tune genutzt wird. Hast du jetzt, nach­dem ihr die „Nafri-EP“ gemacht habt, Gefal­len dar­an gefun­den und über­legst wie der Boss das benut­zen kann, sodass es in sei­ne Songs passt?

Die ers­ten Auto-Tune Hooks habe ich damals auf „Chro­nik 2“ gemacht. Mit Sun Die­go. Mei­ne ers­te Auto-Tune Hook war „Body­guard“, ein Juice-Exklu­siv. 2007 war das glaub ich. 2008 habe ich ein Album gemacht, das hieß „Kol­le­gah“. Da hat auch fast jede Hook Auto-Tune Effek­te. Ich war eigent­lich einer der Ers­ten, die das gemacht haben, und auch einer der Ers­ten, die einen mas­si­ven Shit­s­torm dafür bekom­men haben. Das war bei dem Album „Bos­saura“. Also das war immer Teil mei­ner Musik. Ich glau­be die Leu­te miss­ver­ste­hen das manch­mal und sehen das als so eine Art „Prin­zip­ding“, dass Auto-Tune per se schlecht ist. Das ist aber auch gar nicht mei­ne Ein­stel­lung und auch gar nicht das, was ich den Leu­ten sage. Son­dern ich sage: Auto-Tune ist ein Instru­ment, das man nut­zen kann, um die Musik auf­zu­wer­ten. Es ist aber auch ein Instru­ment, was dazu geeig­net ist, aus Kacke Bron­ze zu machen. Zumin­dest auf den ers­ten Blick. Und das ist ein klei­ner aber fei­ner Unter­schied. Und die­sem Phä­no­men habe ich auch Zei­len gewid­met in einem Song auf dem neu­en Album „Monu­ment“. Die gehen so:

 „Auto-Tune ist ne Bitch, die für Rap­per ackert. Für Rap­per, wo nie Talent oder Mes­sa­ge da war. Und sie schi­cken die­se Nut­te los um Cash zu machen. In nem Bil­lig­d­ress als Crack­schlam­pen­ghet­to­ma­ma. Aber legt dann mal ein ech­ter wah­rer Pimpdad­dy wie Kol­le­gah Hand an, wird aus der Drecks­slut Prin­zes­sin Dia­na.“

Die Mes­sa­ge ist ganz klar. Wie du es ein­setzt, ent­schei­det ob es Kunst ist oder ob es Trash, ob es bil­lig ist. Und das war das, was uns in der „JBG3“-Phase eben auf den Sack gegan­gen ist. Du hast auf ein­mal eine Flut an New­co­merrap­pern, die ohne Auto-Tune ein­fach kei­ne Rap­per, also gar kei­ne Musi­ker, wären. Das war eher so der Kampf den wir da geführt haben. Das war auch das Ziel der Par­odi­en. Zu ver­deut­li­chen, wie ein­fach eben die­se Art von Song mach­bar ist. Und wie schnell.

Wenn man heut­zu­ta­ge in die Sze­ne guckt merkt man auch, dass jeder klei­ne Rap­per dar­auf auf­springt. Haupt­sa­che er benutzt Auto-Tune. Da gibt es lei­der nicht mehr so viel Eigen­in­itia­ti­ve.

Genau.

Was ich dazu noch anspre­chen woll­te — und du hast es mir auch schon ein biss­chen vor­weg­ge­nom­men: Ich mein­te gera­de vor­hin, dass eben ver­hält­nis­mä­ßig lan­ge nichts mehr mit Auto-Tune kam. Jetzt kommt wie­der mehr. Außer­dem ist der Beef mit Sun Die­go been­det. Hältst du „Bos­saura 2“ für mög­lich?

Da habe ich mir noch nie Gedan­ken drü­ber gemacht. Das ist ein The­ma zu dem ich zur­zeit über­haupt gar nichts sagen kann.

Kol­le­gah im Inter­view mit dem Reflex­ma­ga­zin.
Bild: Nico­las Riedl.

Ich wür­de direkt beim The­ma Fea­tures blei­ben. Du hast für dein neu­es Album ange­kün­digt, nur die Bes­ten der Bes­ten drauf­zu­pa­cken. Du hast Cam’ron ange­kün­digt. Du hast 18 Karat ange­kün­digt. Kannst du ein biss­chen was dazu sagen? Natür­lich kei­ne Namen nen­nen. Kommt da noch eine Über­ra­schung?

Es kommt defi­ni­tiv noch eine Über­ra­schung. Es sind ins­ge­samt vier Fea­tures auf dem Haupt­al­bum „Monu­ment“ drauf. Zwei sind schon bekannt. Das sind 18 Karat und Cam’ron. Und es ist auf jeden Fall so, dass noch zwei Legen­den, also wirk­li­che Raple­gen­den, auf dem Album sind. Mehr kann ich noch nicht sagen, wir wol­len ja nicht die Span­nung weg­neh­men. Dann haben wir aber auf dem „Hood­tape“ auch noch ein paar Fea­tures und die gehen in eine kom­plet­te ande­re Rich­tung. Mein Ansatz bei dem Album „Monu­ment“ war mir ein Denk­mal zu set­zen. Und da woll­te ich nicht die Rap­per, die gera­de am ange­sag­tes­ten sind, drauf­ha­ben, um da irgend­wie noch den Zeit­geist ein­zu­fan­gen, gera­de einem Trend zu fol­gen oder mich dem Game anzu­pas­sen, son­dern genau das Gegen­teil: Ich woll­te mir wirk­li­che Raple­gen­den auf das Album holen. Das war auf dem Haupt­al­bum der Ansatz.

Auf dem Mix­tape wie­der­um: Du musst dir vor­stel­len das „Hood­tape 3“ hat echt so einen Street­cha­rak­ter. Ist auch ganz locker ent­stan­den, immer zwi­schen­durch. Wir waren viel unter­wegs. L.A., Dubai, Las Vegas, New York. Nur rum­ge­kom­men die gan­ze Zeit. Und wäh­rend die­ser Rei­sen habe ich eben das „Hood­tape“ geschrie­ben. Wir waren halt auch echt in den Dir­ty Spots. Wir waren in Brook­lyn, in der Bronx und in Comp­ton. Wir waren echt an „his­to­ri­cal pla­ces“. Und das war eine gei­le Inspi­ra­ti­on und die hat sich auch voll geil auf die Musik aus­ge­wirkt. Ob es jetzt die Beats oder die Lyrics sind, das ist ein Vibe, der da ein­ge­fan­gen wur­de, den kannst du in Deutsch­land gar nicht künst­lich repro­du­zie­ren. Und die­se Locker­heit spie­gelt sich auch in den Fea­tures wie­der. Prinz Har­ry habe ich schon ver­kün­det. Der war auch auf dem „Hood­tape 1“ drauf. Alter Kol­le­ge aus der RBA, das soll dann auch ein biss­chen so ein Old­school-Ding sein. Auch ein biss­chen Nost­al­gie für die alt­ein­ge­ses­se­nen Fans ver­mit­teln. Das fängt schon bei dem Sound an. Ich habe extra die Mische nicht so per­fekt gemacht. Und das Schö­ne ist: Das pei­len die Leu­te auch. Erin­nert sie auch an die Mische von damals. Und das freut mich immer, wenn ich sowas sehe. Das ist mir immer viel wert, dass die Leu­te mei­ne Mucke, und mei­nen Ansatz, auch manch­mal pei­len. Auch wenn es nur ein paar Leu­te sind. Aber das freut mich dann schon immer sehr. Die­ser Old­school Sound meint auch, dass die Fea­tures kei­ne Hoch­ka­rä­ter, in dem Sin­ne: „Boah der geht gera­de übelst ab und geht Gold“, sind. Ich habe jetzt den Prinz Har­ry drauf gepackt. Ich habe den Bru­der Noir drauf gepackt, der bis vor kur­zem kei­nen Spo­ti­fy Account hat­te. Der ist Hob­by­rap­per. Aber der ist halt ein­fach ein guter Bru­der von mir, der fresh rappt. Und den hab ich dann zwei Mal aufs „Hood­tape“ gepackt und das sind Kil­ler­songs. Also ein­fach Locker­heit ist der Film beim „Hood­tape“. Ist auch noch ein Über­ra­schungs­fea­ture drauf, was ich aber jetzt noch nicht ver­kün­den will.

 Dann wür­de ich da auch noch kurz ein­ha­ken. Du sag­test ihr wart in Ame­ri­ka in den Ghet­tos, in wel­chen du den Vibe ein­ge­fan­gen hast. Was hältst du davon, wenn aktu­ell die gan­zen Rap­per in Deutsch­land davon rap­pen, wie krass es in den deut­schen Ghet­tos zugeht, und was sie für ein Thug Life leben?

Ich sag dir ganz ehr­lich: Mitt­ler­wei­le ist es auch ein­fach so. Deutsch­land ist rougher als die Staa­ten. Kann ich dir wirk­lich so sagen. Das haben auch die Amis sel­ber bestä­tigt. Ich sage mal so: Das Brook­lyn, wo damals Jay‑Z groß gewor­den ist und wo Crack gekocht wur­de an jeder Ecke, das gibt es heu­te ja gar nicht mehr so. Und vom Vibe her ist es in Ame­ri­ka grund­sätz­lich eher so, dass Leu­te posi­ti­ver gestimmt sind. Wenn du ange­rem­pelt wirst, ent­schul­digt sich der, der dich anrem­pelt. Das ist eine ganz ande­re Men­ta­li­tät. Und das macht es grund­le­gend schon mal viel ange­neh­mer in Ame­ri­ka. In Deutsch­land habe ich das Gefühl, dass auch in den letz­ten fünf-sechs Jah­ren die Grund­stim­mung auf den Streets feind­se­li­ger gewor­den ist. Mehr abge­fuck­te Leu­te. Es pas­siert auch mehr Schei­ße. Ich glau­be von der Atmo­sphä­re sind wir mitt­ler­wei­le echt rougher unter­wegs als die Amis.

Kom­men wir noch­mal zu dem The­ma Fea­tures. Ein nicht ganz ernst gemein­tes Fea­tures, wel­ches du damals hat­test, waren die Götz­fried Girls. Hast du noch Kon­takt mit ihnen und könn­test du dir vor­stel­len, irgend­wann noch­mal mit ihnen einen Spaß­track auf­zu­neh­men?

Ich bin öfter bei den Götz­fried Girls zu Gast, wenn ich mal so eine Ent­span­nungs­pha­se habe. Aber musi­ka­lisch wer­den wir wohl erst ein­mal kei­ne gemein­sa­men Pro­jek­te mehr machen (lacht). Ne, passt gera­de nicht dazu. Ich habe mal über­legt sie auf Monu­ment drauf zupa­cken. Sind ja auch in einer Form Legen­den irgend­wie. Aber ne, dann doch nicht (lacht).

Ich wür­de zu mei­ner abschlie­ßen­den Fra­ge kom­men. Dei­ne Schütz­lin­ge, ich sage das jetzt mal, auch wenn es sehr abwer­tend klingt, so ist das aber gar nicht gemeint, aber der Begriff war pas­send. So wie damals Majoe, Sey­ed, und jetzt auch Jig­zaw. Die gera­ten ja lei­der immer wie­der stark in die Kri­tik. Kri­tik ist viel­leicht auch ein fal­sches Wort. Es ist ja teil­wei­se ein Shit­s­torm, der unbe­grün­det auf sie ein­pras­selt. Wie gehst du per­sön­lich damit um? Und wor­an glaubst du liegt das? Eine Erwar­tungs­hal­tung, die nicht erfüllt wer­den kann, da vom Boss erwar­tet wird, dass die Bes­ten der Bes­ten gesignt wer­den?

Die Erwar­tun­gen sind hoch, wie ein Tarn­bom­ber­pi­lot. Mei­ne Fan­ba­se ist extrem kri­tisch und eli­tär, das ist klar. Und als jun­ger Rap­per muss man sich bewusst sein: Wenn man mit dem König in den Krieg zieht, dann muss man als Sol­dat auch wirk­lich über sich hin­aus­wach­sen. Und das ist erst ein­mal ein Druck. Da ist grund­sätz­lich erst ein­mal eine Anti­hal­tung, eine grund­sätz­li­che Skep­sis, die von mei­ner Fan­ba­se aus­geht, da. Die sehen mich ein­fach so wie es ist: An der Spit­ze. Welt­spit­ze. Und danach kommt erst ein­mal ganz lan­ge nichts. Der direk­te Ver­gleich ist natür­lich für die Künst­ler dann immer pro­ble­ma­tisch, aber damit müs­sen sie leben. Der Her­aus­for­de­rung müs­sen sie sich stel­len. Wenn die das schaf­fen, mei­ne Fan­ba­se für sich zu gewin­nen, dann kön­nen sie die gan­ze Welt für sich gewin­nen, das ist mal ganz klar. So wie man frü­her gesagt hat: Wenn du es in New York schaffst, dann schaffst du es über­all auf der Welt. So sage ich: Wenn du es auf dem Alpha Music Empi­re Chan­nel auf You­tube halb­wegs über­lebst mit den Likes (lacht), dann gehört dir die gan­ze Welt. Dann steht dir alles offen. Aber die Jungs sind sta­bil. Die haben die Eier und neh­men das ger­ne an. Und sie haben abseits davon ja auch noch ihre ganz eige­ne Fan­ba­se. Es ist ja nicht so, dass jeder Künst­ler sei­ne Fan­ba­se auf den nächs­ten Artist den er signt über­trägt, son­dern das Ziel eines jeden Künst­lers muss es ja sein, sei­ne eige­ne Iden­ti­tät, sei­ne eige­ne Fan­ba­se, auf­zu­bau­en. Sein eige­ner Cha­rak­ter zu sein. Und da bin ich über­zeugt, dass die Jungs das schaf­fen kön­nen. Aber das liegt an ihnen.

Vie­len Dank für das Inter­view.

Ger­ne.

Kol­le­gah im Inter­view mit dem Reflex­ma­ga­zin.
Bild: Nico­las Riedl.

                                                                                     Das Inter­view führ­te Nico Hil­scher

Infos zum kom­men­dem Album Monu­ment und aktu­el­ler Musik von Kol­le­gah fin­det ihr auf dem offi­zi­el­lem You­tube­ka­nal von Alpha Music Empi­re, sowie des­sen Face­book- und Insta­gra­mac­count.

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