It´s a match — Josi Miller im Interview

Josi Mil­ler.
Bild: Sarah Storch

Josi Mil­ler ist viel­sei­tig musi­ka­lisch begabt und viel unter­wegs. Neben ihrer Tätig­keit als DJ, ist sie zum Bei­spiel auch im Indie Bereich hei­misch und Bestand­teil des musi­ka­li­schen Pod­casts „Dei­ne Home­girls“. Aktu­ell kura­tiert sie als ers­te Frau im moon­doo in Ham­burg die Rei­he „Josi Mil­ler — It´s a match“. Aus die­sem Anlass haben wir mit ihr in einem Inter­view über ihre Gigs in Ham­burg, ihre pri­va­ten Hör­ge­wohn­hei­ten und der aktu­el­len Hip Hop Debat­te gespro­chen.

Wir sind aus aktu­el­lem Anlass ins Gespräch gekom­men. Du hast jetzt dei­ne eige­ne Rei­he in Ham­burg: „Josi Mil­ler — It´s a match“. Ich habe das Line-Up mal ange­schaut, und fest­ge­stellt dass es sehr viel­fäl­tig ist. Du hast mit Indiän­na zum Bei­spiel auch weib­li­che DJs am Start. Du hast DJs aus den US und demUK da. Wonach hast du die aus­ge­wählt?

Genau, die aus New York oder Lon­don sind auch Girls. Und ich habe das nach DJs, die ich schon lan­ge auf dem Schirm hat­te aus­ge­wählt. Die ich halt per­sön­lich fei­er, und die gleich­zei­tig pro­du­zie­ren, wie zum Bei­spiel FS Green aus Ams­ter­dam, der da war, oder die Kay­per, die aus New York gekom­men ist. Leu­te die ich schon lan­ge schät­ze. Und ande­rer­seits DJs mit denen ich schon ewig befreun­det, wie bei­spiels­wei­se Indiän­na, Juiz­zed aus Frank­furt oder Scho­wi. Genau so habe ich das zusam­men­ge­stellt.

Ich neh­me an du legst an den Aben­den dann auch selbst auf?

Genau. Aber die Gäs­te spie­len dann meist die Prime-Time. Oder man spielt dann back to back. So wie alle Bock hat­ten. Aber es gibt auch Gigs, die am nächs­ten mor­gen super früh zurück­flie­gen müs­sen. Dann spie­len die die Haupt­zeit, und ich bin dann der Gast sozu­sa­gen. 

Gibt es einen Song, der in dei­nem Set mit dabei sein muss / der unbe­dingt in dein Set gehört?

Also ein Song der immer rein­ge­hört eigent­lich nicht. Das ver­schiebt sich dann doch meis­tens. Aber es gibt immer so Songs, die fei­er ich dann über ein paar Mona­te. Aber wenn du jetzt einen im Spe­zi­el­len wis­sen willst müss­te ich auf jeden Fall erst mal drü­ber nach­den­ken. Es ist meist so eine Sound­cloud­per­le die ich fin­de. Irgend­ein guter Remix den ich dann so drei Mona­te tot fei­er, und dann immer spie­le, egal ob die Leu­te Bock haben oder nicht (lacht).

Weil du gera­de ange­spro­chen hast was du aktu­ell hörst: Ich glau­be ich habe dein Spo­ti­fy­pro­fil gefun­den. Kann es sein, dass du aktu­ell eben viel ame­ri­ka­ni­schen Rap wie Post Malo­ne, aber eben auch deut­schen Rap wie Mau­li oder Mar­si­mo­to hörst? Und dane­ben Indie / Pop mit Van­ce Joy und Annen­May­Kan­te­reit? Wie sieht es dann per­sön­lich bei dir aus? Hörst du da die Band­brei­te, also ver­schie­de­nen Gen­res, durch, und suchst dir von über­all Inspi­ra­ti­on?

Also erst ein­mal: Krass dass man das ein­se­hen kann. Dach­te voll ich habe das auf Pri­vat gestellt.

Du hast auch ein paar Fol­lo­wer.

Muss ich dann auf jeden Fall sofort ändern (lacht). Denn es gibt ein paar pein­li­che Sachen die ich höre und das darf auf kei­nen Fall an die Öffent­lich­keit. Aber ich höre so quer durch die Bank weg. Inter­es­sie­re mich im Hip Hop ins­be­son­de­re für neue Releases, wie jetzt das Mar­si­mo­to Album. Mache neben­bei ja auch noch einen Pod­cast. Da hat­te ich Mau­li jetzt im Inter­view. Ich kom­me ursprüng­lich, neben dem Hip Hop, aus dem Indie / Song­wri­ter Bereich, weil ich sel­ber auch viel Musik mache und gemacht habe. Und des­halb gucke ich auch in die­se Rich­tung was so abgeht und was mir gefällt. Um den Hip Hop Geschmack zu neu­tra­li­sie­ren (lacht).

Ich habe auch oft gele­sen du magst den Begriff Dja­ne wegen It-Girls nicht, die den Begriff Dja­ne ein biss­chen durch den Schmutz zie­hen. Hast du das auch beim Begriff DJ an sich? Dadurch dass die Leu­te eben den­ken, dass das ein Kin­der­spiel ist und jeder das kann. Und sie kei­nen Unter­schied zwi­schen Ama­teur und Pro­fi sehen? Weil was du ablie­ferst ist natür­lich was kom­plett ande­res als der Dorf DJ

Nö. Also der Begriff an sich bezeich­net ja erst ein­mal nur das Hand­werk. Und so kann sich ja erst mal jeder nen­nen. Für mich ist der Begriff DJ erst mal neu­tral und ich guck mir dann halt die Leu­te dahin­ter an. Aber ich fin­de es nicht schlimm, dass der Rum­mel DJ Jür­gen sich Rum­mel DJ Jür­gen nennt. Dass kann er ruhig machen, wenn er irgend­was mit DJ-ing zu tun hat. Ich fin­de sowie­so auf­le­gen ist heut­zu­ta­ge so ein­fach. Jeder soll das machen wor­auf er Bock hat. Und sich nen Con­trol­ler holen und sei­ne Tapes auf­neh­men. Ich fin­de aktu­ell ist es viel wich­ti­ger dass man nen guten Vibe hat und eine gute Selec­tion und ich fin­de jeder der ein Händ­chen dafür hat soll­te sich auch DJ nen­nen kön­nen. Und mei­ne Lei­den­schaft kommt ein­fach vom DJ-ing, vom Turn­ta­b­lism, aus der Ursprungs­form. Genau. Und des­halb mache ich schon so lan­ge wor­auf ich Bock habe. 

Gutes Stich­wort: Dei­ne Lei­den­schaft. Ich habe dich vor kur­zem bei Trett­mann auf der Tour gese­hen. Den beglei­test du ja. 

Cool. Wel­ches Kon­zert warst du?

Ich war in Erlan­gen im E‑Werk.

Ahh. Das war der Hor­ror (lacht).

Wo das Auto-Tune aus­ge­fal­len ist.

Schei­ße man. Schlimms­ter Gig auf der Tour.

Ich fand ihn aber trotz­dem gut. 

Das ist gut.

Was ich dazu­sa­gen woll­te: Ich habe da gemerkt, dass Trett­mann und dir Hip Hop und alles was dahin­ter steht eben sehr wich­tig ist. Und ihr habt das eben alles sehr in den Vor­der­grund geho­ben, die gan­ze Kul­tur. Aktu­ell ist die Hip Hop Kul­tur viel in de Medi­en. Es wird ja eben auch viel über Hip Hop debat­tiert. Was hälst du davon? Ich habe das Gefühl da stür­zen sich auch Medi­en drauf die eben nicht so viel Ahnung von der Hip Hop Kul­tur haben, und nicht wis­sen was da alles dahin­ter­steckt.

Ja, das stimmt. Ich wür­de sagen, dass ist erst ein­mal ein gesell­schaft­li­ches Phä­no­men. Dass die Medi­en immer dar­über berich­ten was sich aktu­ell in den sozia­len Netz­wer­ken und Zei­tun­gen tum­melt. Das ist natür­lich auch aus aktu­el­len Anläs­sen und weil es die aktu­el­len Charts domi­niert. Hip Hop und auch Deutschrap. Aber was ist die eigent­li­che Fra­ge dahin­ter?

Ich fin­de es dahin­ge­hend inter­es­sant, dass ich mit­be­kom­men habe, dass du dich auch gegen Sexis­mus und Ras­sis­mus ein­setzt. Da wird ja auch immer wie­der das Fass auf­ge­macht. Und du legst auch viel Deutschrap auf. Warst eben auch bei Frau­en­arzt mit auf Tour. In der Hin­sicht wür­de mich dann ein­fach mal dein Stand­punkt inter­es­sie­ren. Wie du die gan­ze Debat­te siehst. Fin­dest du das in Ord­nung, dass sich da jetzt eben drauf gestürzt wird ‚oder fin­dest du das, was da aktu­ell pas­siert, eher lächer­lich?

Also ich fin­de es per­sön­lich immer wich­tig, dass sich die gro­ßen Medi­en, bevor sie Arti­kel raus­hau­en, auch infor­mie­ren. Ich fin­de es halt nicht cool wenn jeder mit einem Halb­wis­sen Hip Hop gleich Vor­ur­tei­le zuschreibt. Aber man muss natür­lich auch sagen, dass Hip Hop als Spie­gel der Gesell­schaft ein Sexis­mus- und Anti­se­mi­tis­mus­pro­blem hat, und dadurch, dass die gro­ßen Medi­en dar­über berich­ten, das auch in den Fokus gerät und die Leu­te drü­ber reden und da auch ne Dis­kus­si­on auf­kommt und ne Auf­klä­rung. Und unter dem Gesichts­punkt fin­de ich das schon wich­tig, dass da auch die gro­ßen Medi­en drü­ber berich­ten. Aber es kommt immer auf die Art und Wei­se an wie´s gemacht wird.

Wie schon ange­spro­chen warst du bei Trett­mann und Frau­en­arzt auf der Tour dabei. Aber auch zum Bei­spiel bei Kid Ink. Sowohl bei deut­schen als auch ame­ri­ka­ni­schen Rap­pern. Fin­dest du es gibt da einen Unter­schied, wenn du da mit auf Tour bist? Mit den Rap­pern zusam­men­ar­bei­ten, als auch bei der Crowd?

Ich muss dazu sagen: Die ame­ri­ka­ni­schen Rap­per hab ich jetzt nur in Deutsch­land sup­por­tet. Ich war jetzt nicht deren Tour DJ, son­dern habe auf den Tou­ren DJ Sets als Warm Up sozu­sa­gen gespielt. Des­halb kann ich das gar nicht so krass beein­flus­sen. Man hört natür­lich, dass die Amis mehr Star­al­lü­ren haben als die Deut­schen. Die haben auch super­lus­ti­ge Rider. Wenn ich mit Amis zusam­men­ge­spielt habe ste­hen da die abge­fah­rens­ten Sachen drauf. Von einer Play­sta­ti­on, was ja irgend­wie noch easy ist, bis zu den ver­rück­tes­ten Essens­wün­schen. Das erlebst du bei den deut­schen Künst­lern tat­säch­lich nicht so. Aber die Crowd auf deut­schen Kon­zer­ten ist ähn­lich ambi­tio­niert bei Amis, wie bei deut­schen Rap­pern. So wie ich das jetzt ein­schät­zen kann.

Zum Schluss. Als weib­li­cher DJ hast du etwas was du Leu­ten, vor allem eben auch Mädels, die die­sen Traum noch leben wol­len, mit auf den Weg geben möch­test?

Das ist natür­lich immer schnell pathe­tisch wenn man so etwas sagt. Aber das gilt eigent­lich für alle. Ich bin der Mei­nung wenn man auf etwas Bock hat, darf man sich nicht ein­schüch­tern las­sen von der Sze­ne, son­dern muss man eben sein Ding durch­zie­hen. Und auch wenn es ein har­ter Weg ist, und durch das gan­ze Inter­net dum­me Kom­men­ta­re und Gela­ber kommt, muss man ein­fach ein gewis­ses Selbst­be­wusst­sein ent­wi­ckeln, und viel­leicht auch Leu­te suchen mit denen man das zusam­men macht. Auf jeden Fall durch­zie­hen. Wir brau­chen mehr Mädels, die auf­le­gen, rap­pen, pro­du­zie­ren. Und ich den­ke das wird auch kom­men in Zukunft.

                                                                                     Das Inter­view führ­te Nico Hil­scher

Wer „Josi Mil­ler & fri­ends: It´s a match“ noch live erle­ben möch­te hat noch eine Chan­ce bei fol­gen­den Ter­mi­nen: Indiän­na (Heroes, FFM) und Juiz­zed (Heroes / Tour-DJ Nimo, FFM; 11.5.) Crux Pis­tols (Crux, Mün­chen; 18.5) und Lily Mer­cer (Rinse.FM, UK; 25.5.)

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