Irie Révoltés — Interview zum Irievoir

Mal Éle­vé und Car­li­to von „Irie Révol­tés“ im Inter­view mit dem Reflex­ma­ga­zin
Bild: Lui­sa Bai­er

Am 23.11.2017 hieß es das letz­te Mal „Allez“ in Erlan­gen, denn die Grup­pe „Irie Révol­tés“ gas­tier­te auf­grund ihrer Abschieds­tour in Erlan­gen. Doch anstatt nun betrübt zu sein, fei­er­ten die Mit­glie­der mit­samt ihren Fans ein gigan­ti­sches musi­ka­li­sches Feu­er­werk ab. Vor­her tra­fen wir jedoch die bei­den Sän­ger der Grup­pe, „Mal Éle­vé“ und „Car­li­to“, zu einem Inter­view rund um zukünf­ti­ge Pro­jek­te, musi­ka­li­sche State­ments und war­um wir alle Teil eines gro­ßen Was­ser­falls sind.

Ihr habt über 500 Kon­zer­te gespielt. Ihr wart in ganz Euro­pa auf den größ­ten Büh­nen. Auch in Deutsch­land auf so ziem­lich jedem Fes­ti­val. In der Schweiz. In Tsche­chi­en. Könnt ihr trotz­dem eine Stadt, ein Fes­ti­val, einen Ort, benen­nen, Wo ihr am liebs­ten hin­kommt und dar­an denkt, weil ihr schö­ne Momen­te damit ver­bin­det?

Mal Éle­vé: Aktu­ell kann man schon sagen, dass Prag so eine Stadt ist. Wür­de ich sagen. Aber das ist immer blöd. Weil jede Stadt ist geil. Jedes Fes­ti­val ist für sich geil. Aber Prag hat schon noch­mal bei jeder Tour so ein on Top.

Prag wart ihr vor­ges­tern?

Mal Éle­vé: Da waren wir vor 3 Tagen. Das war ich wirk­lich wie­der so, dass fand ich am Gigan­tischs­ten.

Car­li­to: Ich fin­de ich kann nichts sagen, weil jedes Kon­zert ist ein­ma­lig. Das ist auch das schö­ne an Kon­zer­ten. Das ist der Unter­schied zu Spo­ti­fy, oder wenn du was Zuhau­se hast, oder Vide­os. Nur mit den Men­schen die da vor Ort sind ist der Moment teil­bar, und des­we­gen ist jedes Kon­zert so beson­ders. Und des­we­gen fin­de ich es nicht mög­lich eine Stadt, oder ein Fes­ti­val, her­vor­zu­he­ben, was jetzt die Kon­zer­te betrifft. Aber von der Power her, gibt’s natür­lich unter­schied­li­che Niveaus.

Du hast ja gesagt jedes Kon­zert ist ein­ma­lig. Am 26.12 ist euer gro­ßes Abschluss­kon­zert in Mann­heim, wel­ches auch rela­tiv schnell aus­ver­kauft gewe­sen ist. Wie sind eure Erwar­tun­gen? Habt ihr einen höhe­ren Druck an euch selbst, weil ihr sowohl euch, als auch dem Publi­kum noch­mal etwas bie­ten wollt.

Car­li­to: Ne einen spe­zi­el­len Druck haben wir nicht. Ich mein das wird für uns schon eine abso­lut ver­rück­te Erfah­rung vor so vie­len Men­schen eine eige­ne Show zu spie­len. Wir haben schon auf Fes­ti­vals vor mehr gespielt, das heißt wir wis­sen so wie’s vom Gefühl her unge­fähr wirkt, aber ne eige­ne Show zu haben die so rie­sig ist und ne eige­ne Show ist auch immer län­ger, als eine Fes­ti­val­show. Unse­re Show wird auf jeden Fall 2 1/2 Stun­den gehen. Und ist eher ne Freu­de drauf und Respekt in dem Sin­ne. Wie wird danach so das Gefühl wenn alles vor­bei ist? Und die Woche danach wird eher krass für uns als Band­mit­glie­der, als jetzt der Moment selbst. Der wird eher so krass und abge­fah­ren im Sin­ne von:“ Wow, was geht hier ab? Wie geil ist das?“ Ich glaub eher so. Und dar­auf ist eher eine Freu­de.

Ihr habt ja als Grund gepos­tet , dass ihr auf­hö­ren wollt, dass ihr ande­re Träu­me und Ide­en ver­wirk­li­chen wollt. Könnt ihr das kon­kre­ti­sie­ren?

Mal Éle­vé: Es gibt vie­le. Es gibt noch nichts Kon­kre­tes. Für mich per­sön­lich ist jetzt erst­mal das Pro­jekt been­den. Und dann ist Platz für etwas Neu­es sozu­sa­gen.

Car­li­to: Ich mach ein Solo­al­bum. Das ist jetzt nicht der Grund, dass wir auf­hö­ren. Wir haben die Ent­schei­dung vor unge­fähr 1 1/2 Jah­ren gefällt. Aber bis dann alles umge­setzt ist und man irgend­wie so eine Tour plant, das sind so Rie­sen­vor­läu­fe, daß weiß man viel­leicht gar nicht. Und die Zeit hab ich auch genutzt zum Über­le­gen: Will ich musi­ka­lisch noch­mal etwas machen? Hab mich dann dafür ent­schie­den. Bin jetzt seit Novem­ber letz­ten Jah­res, also seit einem Jahr schon dabei. Neben Irie, was halt mega stres­sig ist. Des­halb dau­ert es ein biss­chen län­ger aber ich bin schon recht weit. Und denk, dass es nächs­tes Jahr irgend­wann raus­kom­men kön­nen wird. Dar­auf freue ich mich musi­ka­lisch.

Kannst du da noch kurz etwas zu sagen? Musi­ka­lisch: In wel­che Rich­tung wird es gehen?

Car­li­to: Also musi­ka­lisch ist ein bisschn schwer ein­zu­däm­men. Es wird auf jeden Fall noch wei­te­re musi­ka­li­sche Wel­ten auf­ma­chen, was wir mit Irie sowie­so immer gemacht haben, aber da woll­te ich schon lan­ge Mal ein paar ande­re Sachen machen, die nicht so Irie gepasst hät­ten. Ich fin­de das soll sich auch unter­schei­den zu Irie Révol­tés. Sonst könn­ten wir ja auch ein­fach wei­ter­ma­chen. Auf jeden Fall auch ener­ge­tisch und Power auf der Büh­ne. Die­se Ener­gie brauch ich. Das wird gleich.

Glaubt ihr, dass es mög­lich ist, dass ihr spä­ter noch­mal als Fea­ture­gast oder auf Sam­plern in die­ser Grup­pe ver­tre­ten seid? Ich mei­ne es ist doch schwer zu sagen, wenn man solan­ge musi­ka­lisch unter­wegs gewe­sen ist, die­se Lei­den­schaft kom­plett auf­zu­ge­ben?

Car­li­to: Als Irie Révol­tés machen wir def­in­tiv nicht wei­ter. Sonst wür­den wir ja kei­nen Abschluss machen. Aber dass wir bei­de, also die bei­den Sän­ger, sich hin und wie­der Mal fea­turen, ist irgend­wo eigent­lich schon ziem­lich sicher.

Ihr wart in die­ser Kon­stel­la­ti­on auch immer wie­der auf Bene­fiz­ver­an­stal­tun­gen oder Demo­ver­an­stal­tun­gen wie dem G20 Gip­fel. Glaubt ihr, dass ihr, zwar nicht musi­ka­lisch, aber in ande­rer Form auf sol­chen Ver­an­stal­tun­gen wei­ter­hin ver­tre­ten sein könn­tet?

Mal Éle­vé: Ich den­ke auf jeden Fall. Also ein­zeln waren wir ja auch schon immer unab­hän­gig von der Band auf Demos oder haben uns irgend­wie anders da enga­giert oder das sup­por­ted. Das hört natür­lich nicht auf. Ist klar. Irie Révol­tés ist sozu­sa­gen ein Pro­jekt gewe­sen. Aber die gan­zen ande­ren Sachen lau­fen wei­ter natür­lich.

Ich habe zum Abschluss noch ein Zitat von euch mit­ge­bracht, wel­ches ihr auch noch­mal auf Face­book gepos­tet habt:“ Die Kunst hat der Gesell­schaft schon immer einen Spie­gel vor­ge­hal­ten, und dabei auch immer die Sachen the­ma­ti­siert die tabu waren. Und so soll­te es auch nach wie vor sein.“ Ihr habt ja auch vie­le Rap Ein­flüs­se in euren Songs. Deutschrap wird immer popu­lä­rer auch in der Gesell­schaft heut­zu­ta­ge. Ich habe das Gefühl, dass sozi­al­kri­tisch damals mit Leu­ten wie Dyna­mi­te Delu­xe…

Car­li­to: Oder Freun­des­kreis.

…hat­ten wir immer wie­der poli­ti­sche The­men, die auf­ge­grif­fen wer­den oder man hat sich geäu­ßert. Fin­det ihr, daß heut­zu­ta­ge wie­der mehr gesche­hen soll­te? Vor allem aktu­ell, wo wir viel Rechts­ruck und inne­re Pro­ble­me haben.

Car­li­to: Ja def­in­titv. Die Hoff­nung ist immer da. Und es gibt auch im Under­ground, und ich sag jetzt mal nicht rie­sen­kom­mer­zi­el­le Musik, gibt’s auch immer mehr Sachen. Und es gibt auch schon ein paar bekann­te Künst­le­rin­nen und Künst­ler die sich schon auch poli­tisch äußern, aber klar die Mas­se ist Main­stream. Und hat glaub ich auch immer viel mit Strö­mun­gen zu tun. Jetzt ist zum Bei­spiel gera­de im Musik­ge­schäft an sich schwer Geld zu ver­die­nen. Die Leu­te haben Schiss. Es wird alles mate­ria­lis­ti­scher und da ver­su­chen dann alle iwel­che komi­sche Rapnon­sen­tex­te, irgend­so­nen Scheiß, zu machen, ein­fach nur um Geld zu krie­gen. Und ich bin aber eigent­lich Opti­mist. Ich glau­be trotz­dem, die Bewe­gung wird immer kom­men und die ist heut­zu­ta­ge aber noch wich­ti­ger. Und ist defi­ni­tiv viel zu wenig.

Mal Éle­vé: Ja ich glau­be auch. Es gibt natür­lich ein paar Licht­bli­cke. Wenn man sich mal über­legt: Damals, okay klingt schon so lan­ge her, aber vor 10 Jah­ren waren wir auf Fes­ti­vals die ein­zi­ge Band, die wirk­lich auf der Büh­ne State­ments abge­ge­ben hat und mitt­ler­wei­le muss man wirk­lich sagen, waren wir voll oft auf Fes­ti­vals, wo wir gesagt haben: „Geil, da spielt noch die Band und die Band“. Da wis­sen wir die sagen Sachen auf der Büh­ne zu bestimm­ten The­men. Die posi­tio­nie­ren sich. Und was das angeht seh ich’s auch eher posi­tiv, dass es auch vie­le gibt. Natür­lich ist es auch ein biss­chen frus­trie­rend zu sehen: Vie­le die halt rich­tig bekannt wer­den sin­gen Non­sens. Das ist immer noch das, was am bes­ten funk­tio­niert. Die Leu­te müs­sen nicht nach­den­ken, müs­sen sich nicht posi­tio­nie­ren. Weil davor haben ja die meis­ten Schiss. Aber ich glau­be es gibt die Ten­denz auch auf jeden Fall. Auch im Deutschrap natür­lich. Das da, außer auf ande­re Art zu pro­vo­zie­ren, auch wie­der die­se poli­ti­sche Sei­te kommt.

Zum Ende möch­te ich ein­fach die Mög­lich­keit geben noch irgend­was zum Abschluss zu sagen.

Car­li­to: An Alle da drau­ßen: Lasst euch nicht unter­krie­gen. Es gibt immer eine Mög­lich­keit etwas zu tun. Schaut wie ihr euch selbst enga­gie­ren könnt. Weil jeder klei­ner Trop­fen lohnt, und ihr gehört zum gro­ßen Was­ser­fall.

Mal Éle­vé und Car­li­to von „Irie Révol­tés“ im Inter­view mit dem Reflex­ma­ga­zin
Bild: Lui­sa Bai­er

                                                                                     Das Inter­view führ­te Nico Hil­scher

Tour­da­ten und Tickets für die Abschluss­tour, sowie Mer­chan­di­se und die Alben, fin­det ihr auf der offi­zi­el­len Home­page von „Irie Révol­tés“.

 

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