Letzte Chance: Ausstellung „Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit.“

Blick auf das Zentrum der Ausstellung mit einer Installation aus den Buchstaben SPEER. Bildnachweis: Museen der Stadt Nürnberg, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände; Foto: Stefan Meyer, Architekturfotografie Nürnberg-Berlin

Blick in die Ausstellung Bildnachweis: Museen der Stadt Nürnberg, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Foto: Stefan Meyer, Architekturfotografie Nürnberg-Berlin

Das Ende der Speer-Legende?
„…von den scheußlichen Sachen habe ich tatsächlich nichts gewusst.” – Albert Speer, Brief aus Spandau an Tochter Hilde, 1953, zitiert im Stern, 13. November 1966.

Albert Speer, engster Vertrauter und Architekt Hitlers, wurde zu 20 Jahren Haft im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess verurteilt. Am 1. Oktober 1966 wartete eine Menschenmenge vor dem Militärgefängnis Spandau auf seine Entlassung. Mikrophone und Kameras waren auf ihn gerichtet und er wieder in seinem Element der Massenverblendung. Speer distanzierte sich von seinen früheren Ansichten zum Nationalsozialismus und präsentierte sich als geläuterter Zeitzeuge.

In der Ausstellung wird versucht das geschaffene Bild von Speer zu korrigieren anhand von historischen Fakten.
Zuerst steht der Besucher vor einer Installation, bestehend aus fünf großen Buchstaben „S P E E R“, die zu einem Kreis angeordnet sind.  An den Außenseiten sind Fotos zu sehen von Speer bei der Pressekonferenz 1966, mit Hitler bei einer Waffenvorführung, vor seiner Villa 1971 und während der Nürnberger Prozesse. Im Inneren läuft eine Video-Projektion mit Speers Rechtfertigungen und typischen Äußerungen, die er in der Öffentlichkeit nach seiner Entlassung von sich gab.
Der zweite Teil der Ausstellung legt den Schwerpunkt auf das Netzwerk, dass sich Speer aufgebaut hatte, um sein Image zu festigen. Er führte zahlreiche Interviews, die in Magazinen und Zeitungen publiziert wurden. Immer wieder wiederholte er seine Aussagen und Beteuerungen….so dass seine NS-Vergangenheit allmählich zur Vergangenheit wurde….Vor allem seine Bücher „Spandauer Tagebücher“, „Erinnerungen“ und „Der Sklavenstaat“ haben zur Legendenbildung/Marke – Speer beigetragen. Dicht beieinander sind die Bände in der Ausstellung aufgereiht, daneben wird durch Zitate anderer Autoren Kritik geübt an Speers Redeschwall.
Im letzten Teil der Ausstellung trifft der Besucher auf neun Wissenschaftler, die in Kürze ihre aktuellen Forschungsergebnisse vorstellen und die Schuld Speers wieder ins Zentrum der Öffentlichkeit rücken.

Zielgerichtet wird der Besucher in der Ausstellung von der Entstehung bis zur langsamen Zerbröckelung der Speer- Legende geführt. Auf jeden Fall einen Besuch Wert!

Anna Levandovska

Literatur:
Bierer, Ingrid (Hrsg.): Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit. Kat. Ausst. Nürnberg 2017.

Ausstellung „Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit.“
28. April bis 26. November 2017
Dokumentationszentrum Reichparteitagsgelände der Stadt Nürnberg

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