Einer geht noch

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Kai (Moritz Bleib­treu, links) und Ste­fan (Lucas Gre­go­ro­wicz) hän­gen rum Bild: Wild Bunch

Vor 16 Jah­ren ent­wi­ckel­te sich Lamm­bock über­ra­schend zum Kult­film. Mit Lomm­bock knüpft Regis­seur und Dreh­buch­au­tor Chris­ti­an Zübert naht­los an sei­ne Pro­vinz-Kif­fer-Komö­die an. Nicht alle Gags zün­den und die Hand­lung ist eigent­lich nicht der Rede wert, doch ihm gelingt wor­an so vie­le Fort­set­zun­gen schei­tern: Ein Film, der es locker mit Teil 1 auf­neh­men kann — und auch ohne Dro­gen Spaß macht.

Eigent­lich woll­te Ste­fan (Lucas Gre­go­ro­wicz) nur ein paar Stun­den in sei­ner alten Hei­mat­stadt Würz­burg ver­brin­gen, bevor er sich mit dem nächs­ten Flie­ger wie­der aus dem Staub macht. Der Gamm­ler von einst ist inzwi­schen zum inter­na­tio­na­len Anwalt auf­ge­stie­gen und steht kurz vor sei­ner Hoch­zeit mit der mil­lio­nen­schwe­ren Dubaierin Yase­min (Mela­nie Wini­ger). Aber nach einem durch­zech­ten Abend mit Kai (Moritz Bleib­treu), der den alten Dro­gen/Piz­za-Express wenig erfolg­reich als Asia-Imbiss „Lomm­bock“ neu eröff­net hat, gera­ten die bei­den in eine Dro­gen­kon­trol­le. Um den stren­gen Fahn­dern in Dubai zu ent­ge­hen muss Ste­fan sei­nen Heim­flug not­ge­drun­gen ver­schie­ben, bis er eine ange­droh­te Urinkon­trol­le über­ste­hen wür­de. Doch auch in Würz­burg gibt es eini­ges für ihn zu tun: erst trifft er über­ra­schend auf sei­ne alte Jugend­lie­be Jen­ny (Alex­an­dra Nel­del), dann gerät Kais Stief­sohn Jona­than (Lou­is Hof­mann) in Schwie­rig­kei­ten — und schließ­lich müs­sen die Freun­de ihren alten Kif­fer-Kum­pel Frank (Wotan Wil­ke Möh­ring) aus der Psych­ia­trie befrei­en.

Wit­zi­ge Dia­lo­ge, über­flüs­si­ge Roman­ze

Auf den ers­ten Blick scheint es, als wür­de Regis­seur Chris­ti­an Zübert direkt in eine der töd­lichs­ten Film­fort­set­zungs-Fal­len tap­pen und den Charme des Ori­gi­nals gegen über­stei­ger­te Action und bil­li­ge Schau­wer­te tau­schen. Ste­fan prä­sen­tiert sich vor der schil­lern­den Kulis­se Dubais als welt­ge­wand­ter Trend­set­ter und darf sich statt mit baye­ri­schen Dro­gen­hun­den mit dem stren­gen Sicher­heits­ap­pa­rat der Metro­po­le anle­gen. Zum Glück dau­ert die­ser Aus­flug in die Kli­schee-Kis­te nur, bis er wie­der in Würz­burg auf­schlägt. Ab hier scheint es, als wäre er nie weg gewe­sen und der Film fin­det schnell wie­der in den locker-abge­dreh­ten Rhyth­mus des Vor­gän­gers.

Wie im ers­ten Teil han­gelt sich die Hand­lung dabei von einem lose ver­knüpf­ten Plot­punkt zum nächs­ten und lässt nach Belie­ben Neben­cha­rak­te­re auf­tre­ten oder ver­schwin­den. Die bes­ten Sze­nen lie­fern aber wie­der Kai und Ste­fan mit ihren ziel­lo­sen Dis­kus­sio­nen über das Leben, die moder­nen Zei­ten und die Welt im all­ge­mei­nen. Dage­gen erweist sich die neu auf­ge­flamm­te Roman­ze zwi­schen Ste­fan und Jen­ny, die nach einer beruf­li­chen Bruch­lan­dung in Lon­don wie­der in Würz­burg lebt, als etwas unnö­tig. Die Lie­be­lei trägt weder viel zur über­grei­fen­den Hand­lung bei, noch zeigt sich ech­te Che­mie zwi­schen den Dar­stel­lern, statt­des­sen — und das ist fast am schlimms­ten — kickt sie Kai über wei­te Stre­cken aus dem Dreh­buch, das damit eini­ges an sei­ner wit­zi­gen Schlag­kraft ver­liert.

Kras­ser Swag, Alter“

Bild: Wild Bunch

Kai gibt alles, um an Jona­than (Lou­is Hof­mann) her­an­zu­kom­men                    Bild: Wild Bunch

Tat­säch­lich trägt Bleib­treu als durch­ge­dreh­ter Dau­er­kif­fer den Film über wei­te Stre­cken. Wäh­rend Gre­go­ro­wicz sei­ne ver­knif­fe­ne „Eigent­lich will ich gar nicht hier sein“-Einstellung sel­ten ablegt, läuft sein Co-Star immer wie­der zu skur­ri­len Höhen­flü­gen auf. Beson­ders lus­tig wird es, wenn er sei­ne ganz eige­ne Theo­rie über die Ent­wick­lung der Mensch­heit zum bes­ten gibt oder unter Auf­bie­tung sämt­li­cher Jugend­spra­che­aus­drü­cke der letz­ten zehn Jah­re ver­sucht, zu Stief­sohn Jona­than durch­zu­drin­gen. So wird der sonst oft so bemüh­te „Kind mit Problemen“-Erzählstrang zu einem der Höhe­punk­te des Films.

Die pro­ble­ma­ti­sche Vater-Sohn-Bezie­hung ist dabei nur eine der auf­fäl­ligs­ten Ver­bin­dun­gen zum ers­ten Teil. Es lohnt sich also durch­aus Lamm­bock gese­hen zu haben, bevor man sich an den zwei­ten Film macht, zumal gele­gent­lich Cha­rak­te­re auf­tau­chen, ohne groß vor­ge­stellt zu wer­den. Trotz­dem fin­det das Dreh­buch immer wie­der neue krea­ti­ve Lösun­gen für alte Pro­ble­me. 2001 muss­te Ste­fans Vater sei­ne Bezie­hun­gen spie­len las­sen, um die Freun­de vor einer Haft­stra­fe zu ret­ten — dies­mal heu­ern sie einen Gangs­ter an, um Kais Stief­sohn eine Lek­ti­on zu ertei­len. Bleibt abzu­war­ten, wie Jona­than das Pro­blem 2033 im nächs­ten Teil des Lamm­bock-Cine­ma­tic-Uni­ver­se angeht.

Simon Lukas

Lomm­bock läuft aktu­ell im Cin­ecit­ta‘ in Nürn­berg.

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