Moop Mama — Hip Hop meets Brass

 

Keno von "Moop Mama" im Interview mit dem Reflexmagazin Bild: Jonas Nekolla

Keno von „Moop Mama“ im Inter­view mit dem Reflex­ma­ga­zin
Bild: Jonas Nekol­la

Am 02.12.2016 gas­tier­te „Moop Mama“ in Erlan­gen. Wir haben die Chan­ce genutzt, und uns mit Keno, dem MC von „Moop Mama“, getrof­fen. Mit ihm führ­ten wir tief­sin­ni­ge Gesprä­che über das Künst­ler­le­ben, die zuneh­men­de Digi­ta­li­sie­rung, Sexis­mus im Deutschrap und über Fahr­rä­der.

re>flex: Mei­ne ers­te Fra­ge ist für die Leu­te, die euch noch nicht so gut ken­nen, oder viel­leicht auch gar nicht. Wie wür­det ihr die Musik­rich­tung beschrei­ben, die ihr macht?

Keno: Also wir haben uns sel­ber den Namen „Urban Brass“ dafür aus­ge­dacht. Am Bes­ten zu erklä­ren ist es, dass wir eben eine Brass Band sind, bestehend aus: 7 Blä­sern, 2 Schlag­zeu­gern und mich als MC. Unser Sound ist halt eben sehr stark durch die außer­ge­wöhn­li­che Beset­zung geprägt. Viel Blä­ser. Viel Ener­gie. Viel Power. Und die Ein­flüs­se rei­chen von Hip Hop, über Funk, über Jazz, über elek­tro­ni­sche Musik. Eigent­lich alles Mög­li­che. Aber wir ver­bin­den das halt so zu unse­rem eige­nen Stil.

Und was hat es dann mit der Far­be Rot auf sich? Weil ihr habt ja kom­plett rote Kla­mot­ten und rot wird immer in den Tex­ten ange­spro­chen.

Da gibt es lei­der kei­ne rich­tig coo­le Geschich­te dazu. Das ist ein­fach irgend­wann ent­stan­den. Wir haben ein­fach rela­tiv schnell gemerkt, dass wenn man zu zehnt auf der Büh­ne ist, man etwas braucht, was das Gan­ze visu­ell zusam­men­hält. Dann haben wir am Anfang mit ver­schie­de­nen Sachen rum­ex­pe­ri­men­tiert, und sahen aus wie so eine Grup­pe die direkt aus der Kon­fet­ti­tü­te gefal­len ist. So mit ver­schie­de­nen Far­ben. Da haben wir dann ein­mal das Video von dem Auf­tritt ange­schaut und dach­ten so: „Ne (lacht) lass uns lie­ber ein­zel­ne Far­ben aus­pro­bie­ren“, und irgend­wie sind wir dann so bei Rot hän­gen­ge­blie­ben. Und das ist jetzt irgend­wie ein biss­chen so unse­re Far­be gewor­den. Aber mal schau­en, viel­leicht ändert sich das auch noch­mal.

Wer schreibt eigent­lich die Tex­te? Machst du das alles?

Die mach ich.

Nun mal zu den Lie­dern. Ihr seid jetzt hier in Erlan­gen, in der Fahr­rad­stadt. Pas­send habt ihr ja ein Lied „Die Erfin­dung des Rades“.

Nennt sich Erlan­gen die Fahr­rad­stadt oder wie?

Ja, so kennt man es schon auf alle Fäl­le. Es sind halt vie­le Leu­te mit dem Fahr­rad unter­wegs. Und dadurch, dass hier halt auch so vie­le Stu­den­ten sind.

Cool, super (Zwi­schen­ru­fe)

Genau. Also ihr habt ja die­ses Lied „Die Erfin­dung des Rades“ und bei die­ser „VMX“-Tour sind ja auch alle mit dem Fahr­rad unter­wegs. Also ist das euch schon wich­tig? Fahrt ihr ger­ne Fahr­rad? Zieht ihr das vor? Auch so in der Frei­zeit.

Also ich per­sön­lich fahr auf jeden Fall ger­ne Fahr­rad. Das mit der Fahr­rad­tour ist dadurch ent­stan­den, dass wir eine Stei­ge­rung woll­ten zu den Sachen, die wir davor gemacht haben. Also wir haben ja schon immer auf der Stra­ße gespielt, und waren halt schon immer viel zu Fuß unter­wegs und so, und wir woll­ten ein­fach die­ses auf  der Stra­ße spie­len nicht auf­ge­ben son­dern noch einen drauf­set­zen und dann haben wir halt echt die­se Fahr­rä­der in Hand­ar­beit selbst gebaut. Und eine rich­tig coo­le Akti­on woll­ten wir halt dar­aus machen.

Zu dem Fahr­rad­ding hab ich sogar eine Sache los­zu­wer­den. Wir haben ges­tern eins die­ser Fahr­rä­der auf „Ebay“ gestellt, da wir es für einen guten Zweck ver­stei­gern wol­len. Und zwar für „Bel­le­vue di Mona­co“ in Mün­chen. Ziem­lich vor­bild­li­ches Flücht­lings­pro­jekt in Mün­chen, bei dem wir auch von Anfang an mit­hel­fen konn­ten. Also falls das jeman­den inter­es­siert.

Ich wer­de es auf alle Fäl­le mal ver­lin­ken. Man hat auch gese­hen, dass da Unter­schrif­ten drauf sind.

Ja genau, wir haben über die gan­ze Fes­ti­val­ses­si­on Unter­schrif­ten von Leu­ten gesam­melt. Hast eh schon gese­hen.

Ja, hab ich auf „Face­book“ in dem Post gese­hen. (Anmer­kung des Autors:  Auf dem Fahr­rad unter­schrie­ben haben unter ande­rem: „Fred Durst“ von „Limp Bizkit“, „Mas­si­ve Attack“, „Sport­freun­de Stil­ler“, „Maeckes“ und „Joko“ und „Klaas“.)

Ich hab ja bereits erwähnt, dass ich den Tour­blog gese­hen habe, und da ist mir auf­ge­fal­len, dass so vie­le ver­schie­de­ne Genera­tio­nen dabei waren, die zur eurer Musik gefei­ert haben. Da waren auch Kin­der und teil­wei­se Senio­ren, die dazu getanzt haben. Was wür­dest du dazu sagen oder wie wür­dest du das ein­schät­zen? Wenn man an damals denkt, dann war Rap für die Jugend­li­chen, und die älte­re Genera­ti­on hat es ver­schmäht.

Das ist defi­ni­tiv immer noch so. Wenn du auf das Kon­zert eines belie­bi­gen Rap­pers gehst, dann wirst du dort vor allem männ­lich jun­ge Men­schen fin­den. Aber bei uns ist das so, dass wir ja von Anfang an musi­ka­lisch so breit gefä­chert sind und so schon immer ein viel­sei­ti­ges Publi­kum gehabt haben. Wir haben tat­säch­lich auch älte­re Leu­te da, auch Kin­der. Ich bin da sehr sehr froh drü­ber, muss ich ehr­lich sagen. Weil mir geht es ein biss­chen auf den Sack, wenn eine Musik nur von einer ganz kla­ren Ziel­grup­pe ange­nom­men wird. Mir macht das näm­lich schon Spaß, wenn die Leu­te ein­fach sehr gemischt sind und man dadurch das Gefühl hat, mit vie­len unter­schied­li­chen Leu­ten in Kon­takt zu kom­men, und dass man da eben so was Ver­bin­den­des schaf­fen kann. Und bei uns ist es halt so, klar es kom­men ein paar, weil sie die Tex­te fei­ern oder weil sie Rap mögen, aber in der Hip Hop Sze­ne sel­ber wer­den wir gar nicht so stark wahr­ge­nom­men eigent­lich. Vie­le ande­re kom­men auch, weil sie eben instru­men­tal total inter­es­siert sind. Es gibt auch ganz vie­le Leu­te, also ich hab das vor­her auch nicht so rich­tig gewusst, aber es gibt eben auch so eine rich­ti­ge Blä­ser­sze­ne, die sich auch tech­nisch dafür inter­es­sie­ren, und sel­ber ein Instru­ment spie­len, die das halt ultra cool fin­den, dass wir eine Band sind, die haupt­säch­lich aus Blä­sern besteht. Und dann so vie­le, die musi­ka­lisch was damit anfan­gen kön­nen. Vie­le Leu­te mer­ken auch nicht so, dass ich rap­pe. Also es ist auch ganz oft so, dass ich in Inter­views immer der Sän­ger von „ Moop Mama“ bin. (lacht)

Das ver­wun­dert mich dann schon ein biss­chen, weil ich muss sagen, dass da teil­wei­se in den Tex­ten echt gute Wort­spie­le dabei sind.

Vie­len Dank.

Außer­dem merkt man, dass du rappst. Aber um da noch­mal kurz ein­zu­ha­ken. Ich hör eben ger­ne Rap, aber ich ken­ne Leu­te, die kön­nen mit Rap über­haupt nichts anfan­gen. Und denen hab ich eben auch mal eure Musik gezeigt, und ihnen gefällt’s  auch total gut.

Ist wie so ne Brü­cke. Eben ne Mischung aus den tanz­ba­ren Beats, sag ich jetzt mal, den man eben durch die Blä­ser hat, mit Rap.

Weil du bereits gesagt hast, dass du nicht sol­che ein­zel­nen Grup­pen möch­test, wür­de ich ger­ne die Line „Cha­bos ver­ges­sen wer der Babo ist“ aus eurem Song „Die Erfin­dung des Rades“ anspre­chen, in wel­cher sich ein biss­chen lus­tig über den Gangs­ter­rap gemacht wird.

Das ist mehr eigent­lich so als Zitat, weil wie­so soll­te ich mich dar­über lus­tig machen?

Es geht ja in der Stro­phe so ein biss­chen um ne Frau. Rap hat ja die Ten­denz die Männ­lich­keit ganz nach oben zu stel­len und des­halb woll­te ich da eine Anspie­lung dar­auf machen, dass jeder „Babo“, so hart er auch sein mag, weich wird sobald er auf die rich­ti­ge Frau trifft. (lacht)

Wie ist eigent­lich das Album­co­ver ent­stan­den? Die Band sieht man dar­auf ja fast gar nicht. Statt­des­sen vie­le Häu­ser und die Band ziem­lich klein.

Zuerst war der Name da. Eben die­ses „M.O.O.P.topia“. Wir haben irgend­wie rum­ge­sucht was wir machen, und dann ist irgend­wie die­ses The­ma Urban und Stadt auf­ge­kom­men, so eine Art Fan­ta­sie­stadt in der all die Sachen statt­fin­den könn­ten die wir so erzäh­len. War schon immer so in den Köp­fen drin. Und hat zu dem Album eben gut gepasst, da vie­le Songs dar­auf sind, die so uto­pisch sind, uto­pisch gedacht sind, von „Lösch das Inter­net“ bis „Meer­men­schen“, was eher so dys­to­pisch daher­kommt. Alles nah dran an der Rea­li­tät, aber in irgend­ei­ner Form über­stei­gert, haben wir das gese­hen und so soll­te das Cover auch aus­se­hen. Der Jan, unser Posau­nist und der auch die Gra­fik macht, der hat dann ganz vie­le Häu­ser­fo­tos  von einer guten Freun­din von uns, die Foto­gra­fin ist, zusam­men­ge­bas­telt, so zu einer über­stei­ger­ten Stadt. Genau so war die Idee.

Auch noch­mal Lob fürs Album. Ist echt ein gutes Album gewor­den.

Dan­ke.

Man kann die Lie­der schön durch­hö­ren. Sind alles gute Songs. Und die­ses Durch­hö­ren funk­tio­niert ja auch gut, durch die Skits, die man von einem Lied zum ande­ren hat. Gibt kaum ver­gleich­ba­re Alben, wo das der Fall ist. Woll­tet ihr dann wirk­lich, dass man das am Stück durch­hört?

Auf jeden Fall.  Also ich bin einer von denen in der Band, denen das extrem wich­tig ist, dass ein Album mehr ist als nur anein­an­der­ge­reih­te Lie­der. Weil wozu dann ein Album? Dann kann man die Lie­der auch allein raus­brin­gen oder so. Machen ja auch ein paar. Ist ja heut­zu­ta­ge auch nicht mehr so wich­tig. Aber ich fin­de, wenn ich ein Album mache, will ich, dass es eine Form hat, einen Bogen und einen Ver­lauf. Sodass es ins­ge­samt auch eine Geschich­te erzählt, und die Songs, die auf­ein­an­der fol­gen, sich dann auch gegen­sei­tig wie­der kom­men­tie­ren. Da ver­brin­ge ich eben auch viel Zeit damit die Songs hin- und her­zu­schie­ben. Hab dann vie­le Vor­schlä­ge gemacht. Und der Lukas und der David, die das pro­du­ziert haben, haben sich auch vie­le Gedan­ken dar­über gemacht, und eben so Sachen dann gebaut, die den einen Song zum ande­ren füh­ren. Ja genau. Und der Gedan­ke war schon ein Album zu machen, was als Gan­zes auch eine Form hat und eine Geschich­te.

Dann zum Lied „Typ Ische Ver­hält­nis­se“. Der Titel ist ein gutes Wort­spiel mit dem Wort typi­sche, dass in die Wör­ter „Typ“ und „Ische“ zer­legt wird, und so auch den Inhalt wie­der­spie­gelt, der sich ja mit dem The­ma Bezie­hun­gen beschäf­tigt. Auf alle Fäl­le habt ihr auf dem Track eine Fea­ture mit „Blu­men­topf“.  Wie ist da eigent­lich das Gefühl? Weil die hören ja jetzt auf mit Musik und sind schon Grö­ßen des Deutschraps, und ihr hat­tet noch die Ehre einen Track mit ihnen zu machen.

Ja also bin ich schon stolz dar­auf. Ist jetzt wahr­schein­lich das letz­te offi­zi­el­le „Blu­men­topf“ Fea­ture vor der Auf­lö­sung gewor­den. Zu den Töp­fen: Ich kenn die Jungs schon lang. Ich war in mei­ner alten Band „Creme Fresh“, und die ers­te Tour die wir über­haupt gemacht haben, war als Sup­port für „Blu­men­topf“. Von daher hat sich da über die Jah­re so ein gewis­ses Bekanntschafts/Freundschaftsverhältnis auf­ge­baut. Aber ich habe tat­säch­lich noch nie ein Fea­ture mit der gan­zen Grup­pe gemacht. Auf unse­ren Song fehlt ja auch lei­der der „Roger“. Aber ich wür­de sagen, dass es trotz­dem als Blu­men­topf Track durch­geht, weil auf Blu­men­topf Tracks sind auch nicht immer alle dar­auf. Ne ich bin schon super zufrie­den und sogar der DJ hat sei­nen klei­nen Auf­tritt.

Sonst habt ihr auf dem Album noch Fea­tures mit „Flo Mega“, „Jan Delay“ und „Mega­loh“. Gibt’s irgend­je­man­den, mit dem unbe­dingt noch ein Fea­ture haben möch­test?

Ne eigent­lich nicht. Ich fin­de, sowas ergibt sich eher dann so aus der Arbeit her­aus. Auch die­ses Mal. Klar, es gab eben Ide­en, die im Raum stan­den. Aber es ist vor allem so weit gekom­men, dass wir die  Fea­tures gemacht haben, weil wir die Songs hat­ten, wo wir mein­ten: “Ey das passt voll gut zu dem oder so“. Es gibt natür­lich schon  vie­le Künst­ler, die ich fei­er und mit denen ich jeder­zeit arbei­ten wür­de. Aber ich fin­de das jetzt nicht so krass wich­tig. Ich fin­de, man soll­te halt als Band immer schau­en, dass man allei­ne auch ein Album fül­len könn­te und wenn dann ein coo­ler Gast dabei ist, dann freut man sich so.

Keno von "Moop Mama" im Interview mit dem Reflexmagazin Bild: Jonas Nekolla

Keno von „Moop Mama“ im Inter­view mit dem Reflex­ma­ga­zin
Bild: Jonas Nekol­la

Neu­lich hat­tet ihr dann die Ehre. Ihr wart bei „Cir­cus Hal­li­gal­li“. Wie war das so? Habt ihr euch da gefreut?

Du, war ganz nett. Ich seh das alles aber ziem­lich prag­ma­tisch, wür­de ich jetzt mal sagen. Die­ser Auf­tritt, den wir da in der Show hat­ten, ist ja per se immer ein Play­back Auf­tritt.

Das hat man ja auch dadurch gemerkt, dass auch der Jan Delay Part Play­back lief.

Das gute an der Sen­dung ist, dass sie wenigs­tens nicht so tun, als wäre es kein Play­back. Die erwar­ten nicht von einem, dass man da die Grin­seh­sow macht und so tut als wür­de man wirk­lich sin­gen. Und wir haben tat­säch­lich über­legt: „Kön­nen wir das über­haupt machen?“, weil wir uns halt sehr sehr stark als Live­band defi­nie­ren, aber wir haben dann auch gesagt,  dass es eigent­lich gera­de bei uns egal ist, ob wir’s machen oder nicht. Weil uns wird nie­mand vor­wer­fen kön­nen, dass wir nicht live spie­len kön­nen. Von daher kön­nen wir auch ger­ne wei­ter­hin ein paar Play­back Auf­trit­te im Fern­se­hen machen. Solan­ge es dann ein paar Leu­te sehen, und sich viel­leicht für uns inter­es­sie­ren, sind wir natür­lich wahn­sin­nig froh. Fern­se­hen hat natür­lich immer sehr vie­le Zuschau­er, und das ist natür­lich super für uns um bekannt zu wer­den. Aber die Sache an sich muss ich jetzt sagen : “Mein Gott“.

Mit Live Auf­tritt hast du auch ein gutes The­ma ange­spro­chen. „Lösch das Inter­net“ kri­ti­siert teil­wei­se Leu­te die immer nur im Inter­net hän­gen, und rät auch mal raus­zu­ge­hen und sein Leben zu leben. Was hal­tet ihr denn von den Leu­ten, die das gan­ze Kon­zert mit ihrem Han­dy fest­hal­ten?

Also ich muss sagen „Lösch das Inter­net“ ist natür­lich auch ein biss­chen über­stei­gert. Im Prin­zip ist ja auch nur so ein Gefühls­aus­druck. Es kri­ti­siert weni­ger die Leu­te, die im Inter­net sind, als die­se Lethar­gie die da manch­mal ent­steht, die­se Mei­nungs­lo­sig­keit, und die­ses „ja ich hab’s doch schon im Inter­net gese­hen, brauch ich ja nicht mehr han­deln wirk­lich“. Ist ja auch ein Zeit­phä­no­men. Ich gehör ja noch zu einer Genera­ti­on, ich hab zumin­dest Zei­ten erlebt, in denen es noch kei­ne Mobil­te­le­pho­ne gab. Das ist aber auch schon lan­ge her. Das hat sich in den letz­ten Jah­ren halt extrem ent­wi­ckelt, dass man die gan­ze Zeit eigent­lich nur noch mit sei­nen Gerä­ten beschäf­tigt ist. Das sind natür­lich immer Zei­ten, wo einen das sehr beschäf­tigt .Ich denk mal, dass in fünf Jah­ren wahr­schein­lich kei­ner mehr auf die Idee kom­men wird, so nen Song zu schrei­ben, weil es ein­fach ganz nor­mal ist. Ist ja jetzt schon ganz nor­mal.  Also ich bin ja auch die gan­ze Zeit an mei­nem Han­dy.

Wobei ich es eigent­lich scha­de fin­de, dass das als ganz nor­mal ange­se­hen wird.

Ja, ich weiß nicht.

Es bringt natür­lich auch Vor­tei­le mit sich. Aber bei Kon­zer­ten bin ich der Mei­nung, dass es reicht einen Song, den man fei­ert zu fil­men und ein paar Fotos zu machen.

Ja, so geht’s mir auch. Ich fin­de es auch ein biss­chen absurd, wenn man sich so ein gan­zes Kon­zert durch den Han­dy­bild­schirm anschaut  so. Das kann man dann auch Zuhau­se machen. Aber auf der ande­ren Sei­te der tech­ni­sche Aspekt. Es wird halt immer. Es ver­än­dert uns, es ver­än­der­te unse­re Art mit­ein­an­der umzu­ge­hen, aber mal sehen wohin es führt. Als der Zug erfun­den wur­de, hat man auch gedacht, man stirbt, wenn man so schnell fährt. (lacht) Denk, wir wer­den auch nicht dar­an ster­ben, dass wir die gan­ze Zeit im Inter­net sind. Aber mal sehen.

Wie wich­tig ist euch eigent­lich die Fan­nä­he? Bei der VMX- Tour hat man bei­spiels­wei­se gese­hen, dass ihr Leu­ten ange­bo­ten habt euch ein Stück anzu­schlie­ßen.

Gera­de das auf der Stra­ße spie­len hat halt einen beson­de­ren Flair für uns. Gera­de weil man dort auch vie­le Leu­te trifft, die einen gar nicht so erwar­ten. Also nicht die Leu­te, die absicht­lich zum Kon­zert kom­men, und dann super Fans sind, son­dern man über­zeugt auch neue Leu­te. Das hat was sehr direk­tes. Was sehr ehr­li­ches. Mir macht es Spaß sol­chen Leu­ten zu begeg­nen oder so. Wobei ich auch sagen muss, dass sich tat­säch­lich seit dem letz­tem Album etwas getan hat. Es gibt jetzt mehr Leu­te, die uns fei­ern, und tat­säch­lich auch mehr Leu­te, die so rich­ti­ge Fans sind. Also so Men­schen, die sich einem auf eine ganz neue Art und Wei­se nähern. Die dann völ­lig aus­flip­pen, wenn wir kom­men und so. Und da muss ich dann sagen, dass ich das noch nicht so gut ken­ne. Kann ich noch nicht so gut mit umge­hen. Das ist kom­pli­ziert fin­de ich, weil es dann ganz schwie­rig ist mit den Leu­ten so auf einer Ebe­ne zu blei­ben. Weißt du? So auf Augen­hö­he? Und ich tu mich immer ein biss­chen schwer, wenn das nicht so ist. Aber an sich sind wir ger­ne bei den Leu­ten und stel­len uns auch jeden Abend an den Merch und quat­schen ein biss­chen mit den Leu­ten und so. Das gehört schon so ein biss­chen zu unse­rem Selbst­ver­ständ­nis dazu, dass man da sich nicht abschot­tet.

Zum Ende hin möch­te ich noch eine Line aus dem Song „Typ Ische Ver­hält­nis­se“ anspre­chen. Also die­ses „Wenn du willst, dass dei­ner Freun­din Rap gefällt, dann spiel ihr das hier vor, es ist harm­los, du merkst es ja selbst, ganz ohne Sexis­mus und frau­en­feind­li­che Tex­te, und wenn´s der Bitch trotz­dem nicht taugt, dann hau ihr eins in die Fres­se“.

Das ist ja eigent­lich eine gan­ze Stro­phe. Die hat der Schuh eigent­lich eher so zum Witz geschrie­ben und hat die dann so ein­ge­rappt. Wir muss­ten alle sehr lachen, aber was ist eigent­lich dei­ne Fra­ge?

Der Satz ist ja iro­nisch bezie­hungs­wei­ße sar­kas­tisch gemeint. Was hältst du dann eigent­lich von so Leu­ten wie „K.I.Z.“ und „Trai­ler­park“, die ja für sar­kas­ti­sche, aber teil­wei­se sehr kon­tro­ver­se Tex­te bekannt sind? Fin­dest du, dass sie teil­wei­se zu weit gehen mit ihren Tex­ten?

Ehr­lich gesagt: „Trai­ler­park“ habe ich mir nie wirk­lich ange­hört. Und „K.I.Z.“ ist eine sehr pro­vo­kan­te Band, aber, soweit ich sie ver­ste­he oder inter­pre­tie­re, eigent­lich die rich­ti­gen Sachen ver­tritt. Und sie wird ja eigent­lich auch von sehr vie­len Frau­en so gefei­ert. Wobei das nicht unbe­dingt ein Beweis dafür ist, dass etwas nicht sexis­tisch ist, bloß weil Frau­en da mit­ma­chen. Nö, aber “K.I.Z“ fin­de ich cool. Die sind pro­vo­kant, aber das gehört zu ihrer Art und ich fin­de es gut, was sie machen so. Die sind schon teil­wei­se auch dre­ckig und so. Aber fin­de ich cool. Fei­er ich. „Trai­ler­park“ bin ich raus.

Weil du es eben ange­spro­chen hast: Wenn Frau­en mit­ma­chen heißt es ja trotz­dem nicht, dass es nicht sexis­tisch ist.

Ne. Ich muss auch ehr­lich sagen, dass ich nach­dem unser Album schon fer­tig war tat­säch­lich mit einer Frau ein Gespräch über genau die­se Stel­le hat­te. Naja man kann das auch anders sehen. Ich bin im Nach­hin­ein nicht so stolz dar­auf, dass wir das aufs Album gepackt haben, weil das ist natür­lich Sar­kas­mus und jeder checkt auch wie das gemeint ist. Ich glau­be nicht, dass jemand den­ken wird: „Ey krass, die wol­len Frau­en schla­gen“ oder so nen Scheiß, aber Leu­te wie ich oder der Schuh auch, gut ich kenn ihn jetzt nicht so gut, haben die­se Sachen halt noch nie erlebt, die in die­sen Tex­ten ange­spro­chen wer­den. So häus­li­che Gewalt am eige­nen Kör­per erlebt zu haben ist halt schon krass. Und ich habe mit einer Frau dar­über gespro­chen, die das erlebt hat, und die hat gesagt: „Ja, sie checkt das schon.“ Also ihr ist schon klar, dass wir das nicht irgend­wie Frau­en ver­ach­tend mei­nen oder so. Aber in ihr löst das halt was aus so. Sie erin­nert das halt an rea­le Sachen. Und für sie ist das dann sofort nicht mehr lus­tig. Und das kann ich schon auch nach­voll­zie­hen so. Ein biss­chen Selbst­kri­tik dazu.

Ich woll­te eigent­lich anspre­chen: Die Rap­sze­ne wird ja immer als sexis­tisch abge­tan. Aber wir haben ja auch Frau­en in der deut­schen Hip Hop Land­schaft. Was ist dei­ne Ein­stel­lung dazu? Sind die­se dann selbst sexis­tisch? Neh­men wir als aktu­el­les Bei­spiel doch mal die New­co­mer SXTN“.

Das fin­de ich tat­säch­lich alles ande­re als sexis­tisch. Weil das ist ja voll der Befrei­ungs­schlag. Der Sexis­mus der Frau­en in der Gesell­schaft, der uns die meis­te Zeit begeg­net, besteht ja dar­in, dass du als Frau einen ganz bestimm­ten Platz in der Gesell­schaft ein­zu­neh­men hast. Du sollst bestimm­te Din­ge tun und ande­re Din­ge sollst du nicht tun. Und da haben Män­ner auf alle Fäl­le viel mehr Frei­hei­ten in unse­rer Gesell­schaft. Nimm dir zum Bei­spiel das The­ma „Eklig rüber­kom­men“. Eine Frau soll ein­fach hübsch sein, und brav, und soll ein­fach nicht eklig rüber­kom­men. Höchs­tens heiß. Das ist cool so. Viel­leicht sexu­ell. Aber nicht eklig. Weißt du so in nem „SXTN“ Video siehs­te, wie sich eine den Zahn raus­bricht, und wie sie ne Bier­fla­sche mit dem Mund auf­macht, und wie sie Kacken geht so, und nen Stin­ke­fin­ger in die Kame­ra hält. Das ist in gewis­sen For­men ein Befrei­ungs­schlag. Weil wel­che Frau traut sich schon so auf­zu­tre­ten? Und das ist halt auch wie­der eine Ver­kör­pe­rung. Ich mein, das kann Kunst halt auch so. Ich weiß nicht, wie die pri­vat drauf sind. Ich hab die noch nie ken­nen gelernt. Aber die­se Kunst­ebe­ne, die sie da so erschaf­fen, zeigt eine bestimm­te Facet­te der Frau, die eigent­lich ver­bo­ten ist. Zu Unrecht so. Und war­um soll­te eine Frau nicht genau­so Nase popeln und an ihrem eige­nen Ach­sel-Geruch rie­chen wie ein Mann auch?

So jetzt muss ich schau­en wie ich den Bogen noch­mal spann (schal­len­des Geläch­ter). Eine abschlie­ßen­de Fra­ge zum Ende. In „Der Herr der Lage“ kri­ti­siert ihr teil­wei­se das Bür­ger­le­ben, mit sei­nem Woh­nen in einem Rei­hen­haus in der Vor­stadt und so wei­ter. Jetzt habt ihr ja ein ande­res Leben, ein Künst­ler­le­ben. Ändert das wirk­lich so viel wie die Leu­te immer den­ken?

In wel­cher Hin­sicht meinst du jetzt?

Dass man jetzt nicht mehr so in sei­nen Struk­tu­ren gefan­gen ist. Fühlt man sich befrei­ter?

Also ich fühl mich schon frei­er. Auf jeden Fall. Obwohl natür­lich das Künst­ler­le­ben sei­ne eige­nen Struk­tu­ren mit­bringt, in die man dann plötz­lich hin­ein­ge­rät. „Oh, ich dach­te, ich könn­te machen, was ich will“ (Lacht). Kann man natür­lich nicht, denn wenn man irgend­wann eine Arbeit dar­aus macht, dann gibt es plötz­lich auch Ver­bind­lich­kei­ten, Ter­mi­ne, Hier- und Da mal frü­her Auf­ste­hen. Aber das ist halt sehr anders so. Das ist nicht die­ses Leben, das immer gleich­för­mig vor sich hin­läuft, wo dir jemand ande­res im schlimms­ten Fall sagt, was du zu tun hast, son­dern es ist halt selbst­be­stimm­ter auf eine gewis­se Art. Du musst mal sehr sehr früh auf­ste­hen, kannst an nem ande­ren Tag aber halt so lan­ge pen­nen wie du willst. Hast mal gar nichts zu tun, dafür dann Wochen am Stück, von mor­gens bis abends. Es ist sehr wild und sehr auf­re­gend und nicht kom­plett frei, aber auf jeden Fall frei­er, als so das, was man oft um sich her­um beob­ach­tet. Ich mag’s.

Das Inter­view führ­te Nico Hil­scher

Tour­da­ten und Tickets für die aktu­el­le Tour, sowie Mer­chan­di­se und das aktu­el­le Album „M.O.O.P.topia“, fin­det ihr auf der offi­zi­el­len Home­page von „Moop Mama“.

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