Streifzug durch die Erlanger Bücherwelt

ExLibris Erlangen

Buchhandlung Ex Libris, Bild: Anja Groß

»Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler«. Diesen Worten des bekannten französischen Schriftstellers Philippe Djian möchte ich mich gerne anschließen. Eine gute Buchhandlung ist für mich ein Ort, an dem ich nach neuen Inspirationen und spannenden Geschichten suche. Sie lädt zum Verweilen ein, während man sich gedankenversunken von Regal zu Regal hangelt, immer wieder nach Büchern greift, darin blättert und dabei die Zeit vergisst.

Eine gute Buchhandlung trifft vor allem aber eine Vorauswahl und bietet seinen Kunden Orientierungshilfe, denn in Deutschland erscheinen jedes Jahr über 90.000 neue Verlagstitel. Die Buchhändler müssen sprichwörtlich die Spreu vom Weizen trennen und aus der gewaltigen Bücherflut die raren Perlen auswählen. Aber trotz der schier unendlichen Auswahl an Neuerscheinungen, begegnen einem häufig die gleichen Titel. Es sind die Bestseller, die das Gesicht vieler Buchhandlungen prägen und auf Kosten der literarischen Vielfalt die Regalmeter für sich beanspruchen. Empfehlenswert ist da ein Besuch in den (meist kleineren) Buchhandlungen, die abseits vom Mainstream eine wahre Fundgrube an neuen Lieblingsbüchern bereithalten.

Die Erlanger Bücherwelt…

Literarische Buchhandlung Ilse Wierny

Literarische Buchhandlung Ilse Wierny
Bild: Anja Groß

In Erlangen gibt es gleich mehrere solcher Orte, an denen man der Bibliophilie frönen kann. Zwei davon möchte ich gerne vorstellen. Nur wenige Schritte vom Langemarckplatz entfernt, befindet sich die Buchhandlung von Ilse Wierny. Als ich den Laden betrete, blickt die Buchhändlerin von ihrer Lektüre – Helen MacDonalds H wie Habicht – auf und begrüßt mich freundlich. Zunächst möchte ich mir jedoch einen eigenen Eindruck machen, von einer Buchhandlung, die ich eigentlich schon recht gut kenne. Als ich mir auf einem Büchertisch die Neuerscheinungen ansehe, kann ich zufällig einem Kundengespräch lauschen. »Aus ihrer Lieblingsreihe ist übrigens der siebte Band erschienen – aber vermutlich wissen Sie das schon« erzählt die Inhaberin einem ihrer Stammkunden. Man kennt sich eben. Frau Wierny ist seit mittlerweile über 40 Jahren im Buchhandel tätig, ihre Literarische Buchhandlung eröffnete sie im Jahr 1980. Und genau das, nämlich Literatur, findet man hier: alte und neue Klassiker, Werke der Gegenwart aber auch vielversprechende Neuerscheinungen und Graphik Novels. Als ich die Buchhändlerin nach ihrem Lieblingsbuch frage, zögert sie zunächst. »Diese Frage kann ich nicht so einfach beantworten, denn das muss für jeden Kunden individuell herausgefunden werden«. Für diese persönliche Beratung wurde die kleine Buchhandlung übrigens mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Und schließlich erfahre ich doch noch von zwei besonderen Lesetipps: Das dritte Licht von Claire Keegan und Gerbrand Bakkers Jasper und sein Knecht.

Meine nächste Station ist die Buchhandlung Ex Libris unweit vom Lorlebergplatz. Am Vortag hatte Inhaber Albert Krapf eine ganze Schar Jura-Erstsemester zu Gast, doch heute herrscht eine angenehme Betriebsamkeit, sodass ich mich in Ruhe umsehen kann. Die Buchregale reichen bis an die hohen Decken und sind gefüllt mit zeitgenössischer Literatur, Sachbüchern und Studienwerken der philosophischen Fakultät. Obwohl der Verkaufsraum auf den ersten Blick überschaubar scheint, werde ich schon nach wenigen Minuten mehrfach fündig. Nachdem Herr Krapf das letzte Kundengespräch beendet hat, nutze ich die Gelegenheit, ihm ein paar persönliche Fragen zu stellen. Vor rund 20 Jahren übernahm der evangelische Theologe das Buchgeschäft und ist seitdem fest in das kulturelle Leben Erlangens eingebunden. Regelmäßig, so erzählt er, verwandelt sich das Ex Libris nach Ladenschluss zu einer Bühne für Autoren aus der ganzen Welt. Vor kurzem haben etwa eine deutsch-norwegische Lesung sowie die Vorstellung des Familienromans Kaddisch für mein Schtetl des israelisch-litauischen Schriftstellers Grigori Kanowitsch in Zusammenarbeit mit der Uni stattgefunden. Herr Krapf, so mein Eindruck, versteht sich als Erlanger Kulturvermittler aller Generationen.

Zufrieden trete ich den Nachhauseweg an und bin mir sicher: Ich werde die beiden Buchhandlungen noch häufiger besuchen, denn schließlich ist meine Leseliste an diesem Tag nicht gerade kürzer geworden.

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