Wenn Worte reden…

Bild: Anja Groß

Bild: Anja Groß

Eines unse­rer mäch­tigs­ten Instru­men­te tra­gen wir immer bei uns: die Stim­me. Unter Lei­tung des aus­ge­bil­de­ten Schau­spie­lers Ste­fan Rie­ger bie­tet die Uni Erlan­gen den Stu­die­ren­den daher jedes Semes­ter zahl­rei­che Kur­se an, um mit dem Instru­ment Stim­me rich­tig auf­spie­len zu kön­nen. Ver­gan­ge­ne Woche zeig­ten eini­ge der Teil­neh­mer ihr stimm­li­ches Kön­nen in der Erlan­ger Oran­ge­rie.

Ein­ge­stimmt.
Anders als gedacht, beginnt die Vor­füh­rung zunächst ein­mal mit einer Gedenk­mi­nu­te. Das Mot­to lau­tet »Wenn Wor­te reden…« – ist besinn­li­ches Schwei­gen da nicht fehl am Platz? Die Stim­me in mei­nem Kopf ist schnell besänf­tigt, als die ers­ten Wor­te aus allen Rich­tun­gen durch den Raum rol­len. Wir geden­ken dem »Tor­wart, der einen Elf­me­ter pas­sie­ren ließ«, ein Gedicht des Lyri­kers Robert Gern­hardt. Jeder Tref­fer, oder bes­ser jedes Wort, sitzt.

Zuge­stimmt.
Mag es auch etwas pathe­tisch klin­gen, in den nächs­ten 60 Minu­ten hän­ge ich den Vor­tra­gen­den förm­lich an den Lip­pen. Es wird gesun­gen, gel­allt und gehaucht. Der Ton­fall vari­iert von lieb­lich über beleh­rend bis hin zu über­heb­lich. Gro­ße Ges­ten wer­den unnö­tig, denn die Stim­men trans­por­tie­ren Gefüh­le und Bil­der von ganz allei­ne. Mit etwas Fan­ta­sie – und geschlos­se­nen Augen – beglei­te­ten die Wor­te einen zu ganz unter­schied­li­chen Orten. Opern­haus, Schüt­zen­gra­ben, Jung­ge­sel­len­bu­de (selbst­ver­ständ­lich am Kater­mor­gen) oder eine Betriebs­ver­samm­lung (wäh­rend einer Anspra­che über die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on der sani­tä­ren Anla­gen): dem Zuhö­rer bleibt – zum Glück – nichts erspart.

Gestimmt.
Als einen die Wor­te schon völ­lig ein­ge­hüllt haben, wird die ent­spann­te Sen­de­pau­se abrupt been­det. Nun ist die eige­ne Stim­me gefragt, denn das rich­ti­ge Spre­chen lernt man ver­mut­lich nicht durch Zuhö­ren. Es wird kräf­tig geschnauft, das Gesicht gekne­tet und auf die Brust getrom­melt. Stimm­übun­gen – wie es scheint, eine fast ani­ma­li­sche Ange­le­gen­heit. All­mäh­lich ler­ne ich, wie man das Instru­ment Stim­me für den gro­ßen Auf­tritt vor­be­rei­tet.

Nach­ge­stimmt.
Am Ende der Ver­an­stal­tung »Wenn Wor­te reden…« bin ich mir sicher, dass der Ton wohl doch die Musik macht. Wie jedes Instru­ment, kann auch die Stim­me trai­niert wer­den. Die Uni­ver­si­tät Erlan­gen bie­tet hier­für einen guten Anlauf­punkt.

Anja Groß

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