Zuckerbrot und Peitsche – buchstäblich

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Bild: Mile Cind­ric / Muse­ums­stif­tung Post und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on

No pain no game“ heißt die inter­ak­ti­ve Aus­stel­lung, die bis zum 25. Sep­tem­ber im Muse­um für Kom­mu­ni­ka­ti­on Nürn­berg zu sehen ist. Wenn „Schmerz“ und „inter­ak­tiv“ in einem Satz vor­kom­men, klingt das abschre­ckend. Erlebt man dort die Schmer­zen eines Ego-Shoo­ters am eige­nen Leib? Will man in die­se Aus­stel­lung wirk­lich gehen?

Das ist genau die rich­ti­ge Erwar­tungs­hal­tung, um an einer Füh­rung teil­zu­neh­men. Denn es geht um Erwar­tun­gen an Com­pu­ter­spie­le und die digi­ta­le Welt, die dann durch­bro­chen wer­den. Die ers­te Instal­la­ti­on ist eine Mau­se­fal­le mit einem Knopf, auf den man drü­cken soll. Mit dem Titel der Aus­stel­lung im Kopf ist irgend­wie klar, dass es nicht ganz schmerz­frei abläuft, wenn man auf den Knopf drückt. Wer das Risi­ko trotz­dem ein­geht, wird über­rascht: Das ein­zi­ge, was pas­siert, ist, dass ein Geräusch ertönt. Auf­at­men. Die Fal­le hat nicht zuge­schnappt, die Aus­stel­lung scheint weni­ger schmerz­haft zu sein als ange­nom­men.

Was sonst digi­tal und durch einen Bild­schirm abge­trennt ist, ist in die­ser Aus­stel­lung erfahr­bar, spür­bar. Wer durch ein Com­pu­ter­spiel in eine digi­ta­le Welt abtaucht, erlebt hier in der Rea­li­tät und in Far­be digi­ta­le Spie­le­rei­en. In der face­box – ange­lehnt an Face­book – ist ein völ­lig neu­es, rea­les Ken­nen­ler­nen mög­lich, das man in der digi­ta­len Welt über­haupt nicht mehr kennt: Man redet mit­ein­an­der und sieht die Mimik des Gegen­übers. Mehr noch: Man kann sich leib­haf­tig anstup­sen! Kein Wun­der also, dass das Muse­um an ver­schie­de­nen Don­ners­tag­aben­den Sin­gle­treffs anbie­tet. Ken­nen­ler­nen in der Rea­li­tät anstatt in der Vir­tua­li­tät.

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Bild: Mile Cind­ric / Muse­ums­stif­tung Post und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on

Die eine Instal­la­ti­on ver­langt mehr Akti­vi­tät, die ande­re weni­ger. Mal kann man sich beim Boxen aus­powern, mal in der Öffent­lich­keit sin­gen (um tech­ni­sier­te Kugeln zum Rol­len zu brin­gen, was sonst), dann wie­der kann man ent­spannt einer Hand­pup­pe zuhö­ren, die gro­ße Reden hält. Mehr oder weni­ger ent­spannt, denn auch die­se Instal­la­ti­on soll zum Nach­den­ken anre­gen. Und die Rede des Gröfaz ali­as Adolf Hit­ler ist all­zu schnell zu erken­nen.

Dass man mit einem QR-Code eine Lam­pe vor Ort anschal­ten kann, macht wie­der die Ver­bin­dung von Digi­ta­lem und Rea­lem deut­lich. Zwei­fel­los ermög­licht die­se Aus­stel­lung, die schon in ver­schie­de­nen euro­päi­schen Städ­ten zu sehen war, neue Blick­win­kel auf das Digi­ta­le. Ent­wi­ckelt hat sie das Künst­ler­duo //////////fur//// im Auf­trag des Goe­the-Insti­tuts. Von den acht­zehn erdach­ten Instal­la­tio­nen sind zehn in Nürn­berg zu sehen. Es emp­fiehlt sich eine Füh­rung, damit man die Spiel­re­geln der ein­zel­nen Sta­tio­nen leich­ter ver­steht. Und der Schmerz aus dem Titel? Den gibt es tat­säch­lich, aller­dings nur bei einer Instal­la­ti­on, die erst ab 18 Jah­ren frei­ge­ge­ben ist. War­um? Zu viel Infor­ma­ti­on ver­dirbt den Spaß und über­haupt: „No pain no game.“

Patri­cia Ach­ter

Aus­stel­lung „No pain no game“
9. Juli bis 25. Sep­tem­ber 2016
Muse­um für Kom­mu­ni­ka­ti­on Nürn­berg

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