Wie ähnlich sich Zwiebeln und Menschen sind

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Lau­rin Thies­mey­er und Tobi­as Mal­char­zik. Bild: Olga Kru­se.

Über­ra­schend“ beschreibt das Thea­ter­pro­jekt von Lau­rin Thies­mey­er und Tobi­as Mal­char­zik wohl am bes­ten. Ein Thea­ter­ex­pe­ri­ment im Expe­ri­men­tier­thea­ter. 75 Minu­ten, in denen die Zuschau­er immer wie­der über­rascht wer­den. Selbst im Thea­ter ist es gewagt, wenn Zuschau­er Schau­spie­ler küs­sen sol­len. Doch: Das Expe­ri­ment gelingt und macht dem Publi­kum sicht­lich Spaß.

Am Anfang war … Lee­re. Die Auf­füh­rung fängt mit nichts gerin­ge­rem als der Ent­ste­hung der Welt an und wird nach weni­gen Minu­ten unter­bro­chen. Lau­rin schlüpft aus der Rol­le, macht schein­bar als Pri­vat­mensch eine Pau­se. Eine Ziga­ret­te lang. Beim Rau­chen spricht er über die Lücke in sei­nem Bart und das The­ma ihrer Auf­füh­rung: Indi­vi­dua­lis­mus. Tobi­as – Tobi – redet in sei­ner Rau­cher­pau­se über den Titel: „Was ich gewagt haben wür­de, gedacht zu haben“. Erklärt die deut­sche Gram­ma­tik: „Past, pre­sent and future – all mixed in one sen­tence.“

 

Die Pau­se endet. Aus dem Off sind Laurins Gedan­ken als Sprach­auf­nah­me zu hören. Der Schau­spie­ler geht auf einen Zuschau­er zu, lächelt ihn an. Die Off-Stim­me sagt: „Ich bie­te dir an, mich zu küs­sen.“ Er hat einen bereit­wil­li­gen Zuschau­er gefun­den, der mit­spielt.

Arena2

Bild: Olga Kru­se.

In einer ande­ren Sze­ne schält Lau­rin eine Zwie­bel, Schicht für Schicht, und ver­gleicht sie mit einem Men­schen, den man Stück für Stück näher ken­nen­lernt, bis zum Kern. Tobi ver­sucht es dann mit einem Blu­men­kohl. Er bricht ein Rös­lein her­aus und hält es neben den gro­ßen Blu­men­kohl – „krass ähn­lich“. Alle Blu­men­kohl­rös­lein sind mit den ande­ren ver­bun­den. Auf den Men­schen über­tra­gen: Jeder ist allein und ein­zig­ar­tig, aber ande­ren Men­schen ähn­lich und mit ihnen dadurch ver­bun­den.

Am Ende war … Ver­bun­den­heit. Die Schau­spie­ler holen Zuschau­er auf die Büh­ne. Auch mich. Plötz­lich bin ich Teil der Auf­füh­rung, sit­ze neben ein paar ande­ren Men­schen auf einem Gym­nas­tik­ball. Kei­ne frem­den Men­schen, son­dern ähn­li­che. Das The­ma der Auf­füh­rung ist am eige­nen Leib erfahr­bar. Indi­vi­du­ell und gleich sein – das wider­spricht sich nicht. Eine wun­der­ba­re Erfah­rung für all jene Zuschau­er, die sich auf die Situa­ti­on ein­las­sen.

Patri­cia Ach­ter

 

Was ich gewagt haben wür­de, gedacht zu haben“ wur­de beim 26. Are­na-Fes­ti­val am 10. Juni 2016 auf­ge­führt. Die­sen und wei­te­re Arti­kel fin­det ihr im Fes­ti­val-Blog.

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