Im Interview: Joris

IMG_0361Mit sei­nem Song „Herz über Kopf“ erober­te Joris nicht nur in Deutsch­land die Charts. Wir tra­fen ihn vor sei­nem Auf­tritt im E‑Werk in Erlan­gen zum Inter­view.

 

 

Bist du vor dei­nen Kon­zer­ten noch sehr ner­vös oder hat sich das mit der Zeit gelegt?

Joris: Also mitt­ler­wei­le habe ich ja doch das ein oder ande­re Kon­zert gespielt. Es freut mich immer sehr, wenn ich weiß, dass ich gleich auf die Büh­ne gehen darf, denn das ist das, wor­auf ich mich den gan­zen Tag freue. Ich habe also kei­ne Angst oder nega­ti­ves Lam­pen­fie­ber, son­dern ich freue mich ein­fach.

 

Wie schreibst du dei­ne Songs? Fällt dir plötz­lich ein guter Song ein oder setzt du dich hin und über­legst?

Joris: Es ist immer unter­schied­lich. Ich glau­be, sol­che krea­ti­ven Pro­zes­se kann man nur sehr schwer pla­nen. In der Regel set­ze ich mich aber schon eher hin und sage ‚Heu­te Nach­mit­tag habe ich Zeit und es gibt ein The­ma, das mich gra­de bewegt — dar­über wür­de ich ger­ne mal einen Song schrei­ben‘. Das kommt eher mal vor, als dass ich irgend­wo drü­ber stol­pe­re und auf ein­mal eine Idee habe. Aber manch­mal hört man auch irgend­ei­nen Satz und damit asso­zi­iert man irgend­was im Kopf und denkt sich – ‚Hey, das ist eigent­lich eine schö­ne Zei­le‘.

 

Hast du vor dei­nen Auf­trit­ten ein Ritu­al?

Joris: Ich ver­su­che mich davor immer zu deh­nen – das ist ja schon so eine Art Hoch­leis­tungs­sport, wenn man jeden Abend zwei Stun­den rum­hüpft und singt. Ich sin­ge mich ein, das ist auch eine Art Ritu­al. Manch­mal mache ich gemein­sam mit der Live-Band auch ein biss­chen Yoga, aber das kommt immer drauf an wor­auf ich gera­de Lust habe.

 

Gibt es von allen dei­nen Kon­zer­ten einen Moment, der dir beson­ders in Erin­ne­rung geblie­ben ist?

Joris: Jede Men­ge. Es gibt jeden Abend was ande­res, jeden Abend spie­le ich die Kon­zer­te auch anders. Ich habe Lust, auch spon­ta­ne Momen­te zu haben. In Düs­sel­dorf zum Bei­spiel war ein Rap­per mit auf der Büh­ne. In Karls­ru­he letz­tes Jahr gab es 45.000 Leu­te, die mei­nen Song mit­ge­sun­gen haben. Das sind sol­che Momen­te, in denen man sehr geflasht ist und die man auch nie­mals ver­gisst. Aber ich mei­ne das sehr ernst – Es gibt wirk­lich jeden Abend Momen­te, die ich ein­fach lus­tig oder sehr inten­siv fin­de. Es gibt auch Gesprä­che danach mit den Leu­ten, in denen man vie­les gesagt bekommt. Ich bekom­me auch viel zu mei­nen Songs erzählt und viel­leicht auch zu Din­gen, die Leu­te dazu erlebt haben, die einen sehr bewe­gen.

 

Hast du ein neu­es Album geplant?

Joris: Ich habe mein ers­tes Album am 10. April raus­ge­bracht und das ist jetzt knapp elf Mona­te her. Ich habe noch bis Novem­ber Kon­zer­te in mei­nem Kalen­der ste­hen und so lan­ge den­ke ich noch gar nicht dar­über nach.

 

Auf dei­nem Album hast du auch sehr pri­va­te Songs, in denen du viel von dir Preis gibst. Wie ist das für dich, die­se Tex­te vor frem­den Leu­ten vor­zu­tra­gen?

Joris: Wun­der­schön. Die Leu­te ver­bin­den damit ihr eige­nes Leben, viel­leicht gera­de weil es so ehr­lich ist. Zum Bei­spiel kam vor ein paar Wochen eine Fami­lie auf mich zu, des­sen Kind lag im Ster­ben – es hat­te Krebs. Aber in dem Song haben sie Halt gefun­den. Das sind sol­che Momen­te, die einem nie­mand neh­men kann und wofür ich sehr dank­bar bin, dass ich das so erle­ben darf. Ich schrei­be die Musik ja pri­mär für mich sel­ber. Als ich mein Album geschrie­ben habe, kann­te mich nie­mand. Da habe ich mei­ne Songs genau­so geschrie­ben wie vor­her auch und habe dann ein­fach ein biss­chen Glück gehabt.

 

Ist dir auf der Büh­ne schon mal was rich­tig Pein­li­ches pas­siert?

Joris: Ich hat­te ein­mal gedacht, ich wür­de Nasen­blu­ten auf der Büh­ne bekom­men und da war ich dann kurz auch ein biss­chen über­for­dert. An dem Tag hat­te ich nach­mit­tags rich­tig arg Nasen­blu­ten gehabt, das habe ich sonst eigent­lich fast nie. Wenn man aber Nasen­blu­ten hat­te und den Kopf dann irgend­wie in die fal­sche Rich­tung bewegt, kann das sehr schnell wie­der los­ge­hen. Ein­mal habe ich gedacht, dass das der Fall wäre und dann war ich schon ein biss­chen ver­un­si­chert. Ansons­ten ist mir aber zum Glück noch nie was rich­tig Pein­li­ches pas­siert. Ich bin auch zum Glück noch nie irgend­wo hin­ge­fal­len.

 

Magst du lie­ber die gro­ßen Kon­zer­te oder lie­ber die klei­nen, pri­va­ten?

Joris: Das ist so eine Fra­ge, die kann man gar nicht rich­tig beant­wor­ten. Ich lie­be es, vor vie­len Leu­ten zu spie­len, wie bei­spiels­wei­se vor 45.000 Leu­ten in Karls­ru­he. Nach so einem Kon­zert ist man dann total auf Adre­na­lin und hat dann auch wirk­lich Pro­ble­me ein­zu­schla­fen. Aber die­se ganz klei­nen Kon­zer­te, bis hin zu Radio­kon­zer­ten vor 20 Leu­ten, kön­nen schon sehr inten­siv sein – und die lie­be ich min­des­tens genau­so sehr.

 

Inter­view: Isa­bel Gasch­ler
Foto: Patri­cia Ach­ter

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