Kommafehler mit schwerwiegenden Folgen

Andreas Bassimir

Gör­an zwi­schen den Fron­ten Foto: Andre­as Bas­si­mir

Gör­an und Sven erwar­ten ihr 1,5 Jah­re altes Adop­tiv­kind: Die gan­ze Woh­nung ist voll mit Kin­der­spiel­zeug, eine Tape­te mit blau­en Ele­fan­ten ist an der Wand im Kin­der­zim­mer und Gör­an berei­tet sich schon inten­siv mit einer Baby­pup­pe auf die Kin­der­pfle­ge vor. Und dann steht da auf ein­mal der 15-Jäh­ri­ge schein­bar neue Post­bo­te vor der Tür – und der heißt genau wie ihr Adop­tiv­kind Patrick…

Trotz der Hit­ze am gest­ri­gen Sams­tag, dem 04. Juli, kamen zahl­rei­che Besu­cher ins Stadt­thea­ter Fürth, um Tho­mas Roh­mers Insze­nie­rung der Komö­die „Patrick 1,5“ von Micha­el Dru­ker zu sehen. Die Komö­die wur­de bereits 2008 in Schwe­den ver­filmt, wird aber in Deutsch­land nur mit Unter­ti­teln aus­ge­strahlt. Seit Okto­ber 2014 ist nun das Stück in Roh­mers Insze­nie­rung auf Deutsch­lands Thea­ter­büh­nen zu sehen – und das bis­her sehr erfolg­reich bei stets gefüll­ten Sälen und unter viel Applaus. Der Schluss der Tour fin­det an die­sem Wochen­en­de in Fürth statt. Die Dar­stel­ler Tho­mas Roh­mer als Gör­an, Ste­fan Peschek als Patrick und Jan Hasen­fuß als Sven  beeh­ren die Stadt sogar mit gleich zwei Auf­füh­run­gen.

Mär­chen mit 3 Prin­zen
Sven und Gör­an wol­len schon lan­ge ein Kind adop­tie­ren doch auf­grund ihrer sexu­el­len Ori­en­tie­rung wur­de ihnen das bis­her ver­wei­gert. Als dann doch die Zusa­ge vom Amt kommt, freu­en sie sich umso mehr und rich­ten gleich ihre gesam­te Woh­nung babytaug­lich ein – schließ­lich erwar­ten sie ja einen 1,5‑jährigen klei­nen Jun­gen. Am Tag der geplan­ten Ankunft steckt Gör­an noch mit­ten in den Vor­be­rei­tun­gen, als plötz­lich der 15-jäh­ri­ge Patrick vor der Tür steht und behaup­tet, ihr Adop­tiv­kind zu sein. Das Ent­set­zen ist natür­lich zunächst groß – vor allem bei Sven. Doch auch Patrick ist wenig ange­tan von sei­nen neu­en Adop­tiv­el­tern und will schnellst­mög­lich wie­der abhau­en. Weil jedoch Grün­don­ners­tag ist, ist natür­lich nie­mand im Jugend­amt zu errei­chen und die drei müs­sen sich über die Oster­ta­ge mit­ein­an­der anfreun­den. Dies gelingt ihnen wider Erwar­ten sogar ziem­lich gut und als dann ein Anruf vom Jugend­amt kommt, Patrick wür­de gleich abge­holt wer­den, man sol­le doch das Miss­ver­ständ­nis ver­zei­hen, mer­ken alle schnell, dass sie sich mehr anein­an­der gewöhnt haben, als sie woll­ten…

Andreas Bassimir3

Irgend­wie arran­gie­ren sich die drei Män­ner doch. Foto: Andre­as Bas­si­mir

Kurz­wei­li­ge Unter­hal­tung mit wenig Tief­gang
Es gibt viel zu lachen in „Patrick 1,5“, die zahl­rei­chen Poin­ten sind komisch und gut gesetzt, was auch beim Publi­kum gut ankam. Jedoch ver­misst man als Zuschau­er etwas den Tief­gang, die Komö­die ent­fal­tet nicht ihr vol­les Poten­ti­al. Vom Grund­ge­dan­ken wird man schnell an „Ziem­lich Bes­te Freun­de“ erin­nert: Mit viel Humor wird an ein doch ernst­haf­tes The­ma her­an­ge­gan­gen und die­ses zum Teil selbst als Gegen­stand des Wit­zes genom­men. Doch was bei „Ziem­lich bes­te Freun­de“ auf unglaub­lich lus­ti­ge, char­man­te Wei­se geschieht, rutscht bei „Patrick 1,5“ öfter ins Lächer­li­che ab. Der Humor ist nicht so fein und zer­stört daher teil­wei­se die mög­li­che erns­te Aus­sa­ge des Stücks. Doch genau die­se ver­misst man – man lacht, aber man fühlt nicht mit. Als Zuschau­er bleibt man Außen­ste­hen­der, das Stück wirkt im Nach­hin­ein etwas seicht; obwohl so viel mehr dar­aus zu machen gewe­sen wäre. Die Cha­rak­te­re wer­den trotz aller Sym­pa­thie und tol­len Schau­spie­lern nicht genau genug dar­ge­stellt, als dass man als Zuschau­er eine Bezie­hung zu ihnen auf­bau­en könn­te. Der Wunsch nach mehr tie­fe­ren Gefüh­len und Ernst­haf­tig­keit bleibt uner­füllt. Viel­leicht ist es auch nicht mög­lich, in den knap­pen 1,5 Stun­den eine Komö­die mit so viel Tief­gang auf die Büh­ne zu brin­gen. Ins­ge­samt ist das Stück den­noch sehr unter­halt­sam und extrem kurz­wei­lig, was auch die Reak­ti­on des Publi­kums belegt: begeis­ter­te Lacher und ein nicht enden wol­len­der Applaus – ein per­fek­tes Stück zur Unter­hal­tung an einem hei­ßen Som­mer­tag wie die­sem (der Thea­ter­saal ist übri­gens ange­nehm kühl). Man merkt kaum, wie schnell die Zeit ver­fliegt und Roh­mer, Hasen­fuß und Peschek lie­fern eine soli­de Leis­tung ab.

Sabi­ne Storch

Am Sonn­tag, den 05. Juli läuft das Stück noch­mal um 19:30 Uhr im Stadt­thea­ter Fürth. Kar­ten gibt es an der Abend­kas­se.

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