Traurige bunte Farben: Rebekka Knolls neuer Roman „Geliebte Angst“

978-3-570-16326-9

Bild: cbt Ver­lag

Gru­sel­ge­schich­ten ste­hen seit Jah­ren vor einem Pro­blem: Seit jeder­mann ein Han­dy hat, fällt es schwer, Span­nung auf­kom­men zu las­sen, Abge­schie­den­heit zu erzeu­gen, glaub­haft zu machen, war­um nicht ein­fach Hil­fe geru­fen wird. So ist in jedem Hor­ror­film inzwi­schen die „Huch!, kein Netz“-Szene obli­ga­to­risch, oder ein halb­ga­res: „Mist, Akku leer!“ Was aber, wenn man gar nicht um Hil­fe rufen will? Rebek­ka Knolls Gelieb­te Angst klam­mert Sky­pe, Face­book und Co. nicht aus: In ihrem Jugend­thril­ler sind es gera­de die­se neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel, die es einem per­fi­den Stal­ker erlau­ben, Schü­le­rin Emi­lia nach­zu­stel­len – und gna­den­los ihre innigs­te Sehn­sucht aus­zu­nut­zen: Dass alles, was er ihr schreibt, viel­leicht ja doch die Wahr­heit sein könn­te.

Emi­lia ver­liert ihren Freund durch einen Auto­un­fall. Mari­co, ihre gro­ße Lie­be. Zwei Wochen nach sei­ner Beer­di­gung, erhält sie eine mys­te­riö­se Chat-Nach­richt von sei­nem Face­book-Pro­fil. Was Emi­lia für einen wider­wär­ti­gen Scherz hält, ist aber erst der Anfang: Es fol­gen SMS-Nach­rich­ten von sei­ner Han­dy-Num­mer, E‑Mails, in denen steht, was nur Emi­lia und Mari­co wis­sen soll­ten. Etwa doch Mari­cos Geist? Fest steht, dass irgend­je­mand Emi­lia auf Schritt und Tritt ver­folgt, sie an die Orte der Erin­ne­run­gen mit Mari­co führt – und ihr dabei immer näher kommt.

Die Idee zum Roman ent­stand bei einer Haus­ar­beit, in der sich die 26-jäh­ri­ge Autorin mit dem Phä­no­men befass­te, dass es auf Face­book immer mehr Pro­fi­le von Toten gibt: Was, wenn eines davon plötz­lich wie­der aktiv wird? Im Rah­men eines Sti­pen­di­ums als Stadt­schrei­be­rin in Gotha fand sie dann die Zeit, die­se Prä­mis­se ide­en­reich aus­zu­ar­bei­ten. Die Erzäh­lung würzt ihren Kri­mi-Stoff mit Thril­ler-Ele­men­ten und behut­sam ein­ge­streu­ter Para­noia: Immer mehr wird offen­bar, dass hin­ter dem geschmack­lo­sen aber zunächst harm­lo­sen Katz-und-Maus-Spiel des angeb­li­chen „Mari­co“ ein patho­lo­gi­scher und poten­zi­ell gemein­ge­fähr­li­cher Stal­ker lau­ert.

In einem Inter­view mit dem Regens­bur­ger Stadt­ma­ga­zin Kult beschreibt Rebek­ka Knoll, die in Erlan­gen Ger­ma­nis­tik und Thea­ter­wis­sen­schaf­ten stu­dier­te, Gelieb­te Angst als das wohl fröh­lichs­te Buch, das sie bis­her geschrie­ben hat. Und auch wenn man das ange­sichts der Stal­ker-The­ma­tik erst nicht so ganz ver­mu­ten will: Tat­säch­lich ist ihr drit­ter Roman bewusst auch für eine jugend­li­che Leser­schaft ange­legt, leich­ter als ihr her­vor­ra­gen­der aber beklem­men­der Vor­läu­fer-Roman Split­ter­mäd­chen, in trau­ri­gen aber stets bun­ten Far­ben, geschickt und wen­dungs­reich prä­sen­tiert und mit einem sym­pa­thi­schen Freun­din­nen-Trio, das nicht ohne Grund auch Emi­li­as Mit­schü­ler an „Die Drei Fra­ge­zei­chen“ erin­nert.

Kurz­wei­li­ge Unter­hal­tung für ein Jugend­buch-Publi­kum mit Freu­de am fei­nen Gru­seln.

Andre­as Pohr

Gelieb­te Angst erscheint im Ver­lag cbt und ist seit Mon­tag, den 23. März 2015  über­all erhält­lich.
320 Sei­ten
ISBN: 978–3‑570–16326‑9
Preis: 9,99 €

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