Bruchstücke aus dem Leben

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Die Netz­fli­cke­rin ist buch­stäb­lich am Boden zer­stört.

Eine Lie­bes­er­klä­rung an die Uner­gründ­lich­keit der Sehn­sucht, eine Lie­bes­er­klä­rung an das Meer“, beschreibt die Stu­dio­büh­ne Erlan­gen ihr neu­es Stück Bruch­stü­cke auf ihrer Home­page. Am 17. März war Pre­mie­re im Fran­ken­hof­saal. Und ja, es geht um Sehn­sucht. Es geht auch um das Meer. Aber geht es nicht noch um viel mehr? Um die gro­ße Welt und die Schick­sa­le ein­zel­ner, um Bruch­stü­cke aus dem Leben selbst. All das kom­pri­miert auf eine Insze­nie­rung. Die Zuschau­er wer­den 75 Minu­ten lang von einer Wel­le aus fas­zi­nie­ren­den, poe­ti­schen und phi­lo­so­phi­schen Lebens­ge­schich­ten mit­ge­ris­sen. Von Frag­men­ten aus Lebens­ge­schich­ten.

Jede der fünf Figu­ren ist vom Leben geprägt, ist geschei­tert und ent­täuscht. Die Schau­spie­ler neh­men ihre Rol­le sehr ernst und gehen in der Geschich­te, die sie erzäh­len, voll­kom­men auf. Sie neh­men die Zuschau­er mit auf eine Rei­se in ihre Gedan­ken und Gefüh­le. Nach­ein­an­der gibt jeder eine wei­te­re Facet­te von sich preis, bis am Ende ein Ein­druck von der Per­sön­lich­keit der Figur ent­steht. Auf der Büh­ne ste­hen ech­te, viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re. Ver­schie­den sind ihre Geschich­ten, doch sie alle haben etwas Tra­gi­sches an sich. Die Wor­te sind so mit­rei­ßend und phi­lo­so­phisch, jede Erzäh­lung so ein­zig­ar­tig, dass es kaum mög­lich ist, den Blick abzu­wen­den.

 

Die Welt ist schön

Der Kapi­tän (Andre­as Pom­mer), breit­bei­nig auf einem Hocker sit­zend, mit einem Glas Rot­wein in der Hand, erzählt von sei­ner gro­ßen Lie­be mit Ver­glei­chen wie: „Wir waren ein­an­der Hafen.“ Bis sei­ne Frau im Meer ver­sun­ken ist.

Der Fla­schen­post­schrei­ber­ling (Timo Ses­tu), der erst das geschrie­be­ne Wort lobt, ver­zwei­felt spä­ter, weil er nicht mehr an die Roman­tik glaubt. Er spricht von „poe­ti­schem Maso­chis­mus“ und zer­trüm­mert eine Fla­sche nach der ande­ren.

Die Netz­fli­cke­rin (Lea Bei­fuß) tanzt über die Büh­ne. Doch dann wickelt sie sich in ein Netz, zeigt ihre inne­re Unru­he. Sie kann nicht mehr zwi­schen Traum und Wirk­lich­keit unter­schei­den, sagt sie.

Pong (Ralf Alt­mann) scheint unbe­küm­mert zu sein, wenn er mit einem „Hui­ui­ui!“ auf den Lip­pen umher­hüpft und über Frau­en phi­lo­so­phiert: „Es ist sogar vor­ge­kom­men, dass ich das lin­ke Auge lieb­te, das rech­te aber nicht.“ Hin­ter dem Komi­schen ver­ber­gen sich jedoch auch erns­te Gedan­ken.

Die Kof­fer­frau (Julia Land­graf) wirkt aben­teu­er­lus­tig. Sie klet­tert ein­fach in das Boot, das der Kapi­tän lenkt. Doch als sie von ihren Urgroß­el­tern erzählt, die glück­lich zusam­men waren, resi­gniert sie: „So schön ist das alles, wenn es schön ist. Aber meis­tens nur in mei­nem Kopf.“

Sol­che Zei­len sind es, die – im pas­sen­den Tem­po vor­ge­tra­gen – die beson­de­re Atmo­sphä­re im Saal bewir­ken. Im Mit­tel­punkt der gan­zen Insze­nie­rung von San­dra Kno­cke und Anna Ham­pel ste­hen die Figu­ren mit ihren Geschich­ten. Lite­ra­tur begeg­net Thea­ter. „Ahoi, die Welt ist schön“, sagt der Kapi­tän zum Abschluss völ­lig resi­gniert. Lesen kann den Satz natür­lich jeder auf sei­ne Wei­se, viel­leicht sogar mit einem Schuss Opti­mis­mus.

Patri­cia Ach­ter

Wei­te­re Vor­stel­lun­gen: 19. und 20. März, jeweils um 19.30 Uhr im Saal des Fran­ken­hof
Ein­tritt: 6 Euro (ermä­ßigt 4 Euro)
Hier sind noch Kar­ten­re­ser­vie­run­gen mög­lich.

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