Dreizehn Jahre Poetry Slam Erlangen – die Gala-Show

 Dalibor  Copyright Poetry Slam Erlangen

Einer der Gewin­ner: Dali­bor
Copy­right Poe­try Slam Erlan­gen

Der drei­zehn­te Geburts­tag wäre unmit­tel­bar vor der Voll­jäh­rig­keit, wenn man mit vier­zehn voll­jäh­rig wür­de, stell­te Lucas Fass­nacht fest. Wird man aber nicht. Ist auch eigent­lich egal, weil dem Poe­try Slam reich­lich egal ist, ob er voll­jäh­rig ist. Wich­tig ist, dass er sei­nen Geburts­tag fei­ert. Dies­mal mit aus­gie­big Publi­kum im fast schon über­füll­ten Saal des E‑Werks, dafür mit weni­gen, aber exqui­si­ten Gäs­ten: Vier viel­fach aus­ge­zeich­ne­ten Poe­ten + ein Tino Bome­li­no, der Musik mach­te. Sie alle kön­nen hier nun ein­zeln vor­ge­stellt wer­den. Ers­tens, weil der Platz reicht. Zwei­tens, weil sie sich nicht in den inzwi­schen gut gekoch­ten Poe­trys­la­mein­heits­brei unter­rüh­ren las­sen.

Tino Bome­li­no (Stutt­gart)

frag­te, war­um man beim Freu­en die Arme in die Luft reißt und nicht den Kopf zur Sei­te neigt und führ­te vor, wie es aus­se­hen wür­de, wenn man sich den Kopf zur Sei­te nei­gend freu­en wür­de – hat­te einen Lap­top dabei, der das auf­zeich­ne­te, was er ihm vor­beat­box­te und vor­sang und konn­te sich dadurch selbst mehr­stim­mig beglei­ten – erzähl­te von „Erfahrungen/experiences“, die angeb­lich so jeder macht, wie „wenn es einen am Arsch juckt, man aber ein Baby hal­ten muss“ — schiss auf poli­ti­cal cor­rec­t­ness, wenn er von „Arnim ohne Arme“ sang, dem beim Eier essen vor allem das Jod­s­alz fehl­te

Andy Strauß Copyright Poetry Slam Erlangen

Andy Strauß
Copy­right Poe­try Slam Erlan­gen

Dali­bor (Frank­furt am Main)

slamt auf so vie­len inein­an­der über­grei­fen­den Ebe­nen, dass beim Zuhören/Zusehen hohe Kon­zen­tra­ti­on gefor­dert ist, es gleich­zei­tig aber zum Genuss wird: Stim­me, Wort, Rhyth­mus, aus­ge­feil­te Beat­box, pan­to­mi­mi­sche Zei­chen­spra­che… — erzähl­te von einer Grill­par­ty, auf der er einem Mana­ger nicht die Ant­wor­ten gab, die er ger­ne gege­ben hät­te – ver­tex­te­te „Für Eli­se“ und „Die klei­ne Nacht­mu­sik“ neu und resü­mier­te hier­aus fol­gend, dass das Leben in einem Wett­be­werb besteht, aus dem Poe­sie­ger und Ver­se­lie­rer her­vor­ge­hen – gehör­te an dem Abend zu den Poe­sie­gern, gewann näm­lich

Andy Strauß (Müns­ter)

sieht aus wie ein John­ny-Depp-Hips­ter, ist aber ver­mut­lich kei­ner – erzähl­te zwei­mal von ziem­lich cra­zy Typen, die man ihm sofort abkauf­te, weil er bei sei­nem Vor­tra­g/-spiel in sie über­ging – die ers­te Figur hat­te einen Fetisch für Pflan­zen und woll­te dem Auf­se­her der Schre­ber­gar­ten­sied­lung mit einem Hoch­druck­ge­rät die Augen aus­sprit­zen – die zwei­te hat­te Angst, ver­ge­wal­tigt zu wer­den, und ver­pass­te des­we­gen ein drei­sa­m­es Stell­dich­ein

Mei­ke Harms (Mün­chen)

ging in ihrem ers­ten Text als „Iden­ti­tä­ter“ auf Iden­ti­täts­dieb­stahl und behaup­te­te, dass wir das alle machen – scheint häu­fig Sinn­fra­gen zu stel­len – „Was ist Leben“ stand als ein­lei­ten­de Fra­ge des­we­gen über ihrem zwei­ten Text – Phi­lo­so­phie, Theo­lo­gie, Bio­lo­gie und Reich-Rani­cki strit­ten sich dar­auf­hin dar­über – kam zu dem Ergeb­nis, dass doch eigent­lich nur ent­schei­dend ist, wie und mit wem man sei­ne Lebens­zeit teilt

Zweiter Gewinner: Julian Heun Copyright Poetry Slam Erlangen

Zwei­ter Gewin­ner: Juli­an Heun
Copy­right Poe­try Slam Erlan­gen

Juli­an Heun (Ber­lin)

der neue Freund sei­ner Ex-Freun­din trägt den Namen „Fried­rich“ – er ließ ihn jedes Mal vor sei­nem Text aus­bu­hen – in der Final­run­de hät­te er das nicht gemacht, wenn das Publi­kum es nicht gewollt hät­te – erzähl­te in sei­nem ers­ten Text, wie er durchs Gedich­te schrei­ben hart, und nicht mehr zart, son­dern zum Lyri­ker-Hoo­li­gan wur­de, der mit Vers­fü­ßen droht – schal­te­te in sei­nem zwei­ten Text einen Pro­log vor, der erklär­te, war­um Gott die Bar­rie­re des Flir­tens schuf und stell­te sich Pick-up-Artists als Keks­künst­ler vor – gab es in der Final­run­de dem „Lass­mann“ so rich­tig, der Schuld am Tod von Momen­ten und ver­pass­ten Mög­lich­kei­ten ist – gewann eben­falls, es gab näm­lich zwei Sie­ger.

Vera Podskalsky

Ein Gedanke zu „Dreizehn Jahre Poetry Slam Erlangen – die Gala-Show

  1. Pingback: Rückblick auf das Jubiläum » POETRY SLAM ERLANGEN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.