Es lebe die Tauschkultur

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Bild: Kulturbüro Muggenhof

Es ist gerademal fünf Minuten nach Eröffnung der diesjährigen Büchertauschbörse, als ich mit meinen Büchern eintreffe, da brummt die Veranstaltungshalle schon wie ein überfüllter Bienenstock. Die bereitgestellten Kartons, welche mit jeweils einem Genre gekennzeichnet wurden, füllen und leeren sich wellenartig mit rasanter Geschwindigkeit. Es kommen so viele Menschen, dass schnellstens nochmal neue Schilder geschrieben und noch mehr Kartons aufgestellt werden müssen.

Wer sich bereits mit neuem Lesestoff versorgt hat, lässt sich mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck auf eine der angebotenen Sitzmöglichkeiten nieder und beginnt zu schmökern. Für Kinder gibt es sogar eine Kindermalecke.

Frisch gestärkt mit einer Tasse Kaffee und einem Stück selbstgebackenen Kuchen, welche man für kleines Geld erwerben kann, lässt es sich dann gleich noch besser stöbern. Und während man so an den Büchertischen vorbeiflaniert, kommt man auch völlig unkompliziert und zwanglos mit den anderen Leuten ins Gespräch, denn eines verbindet sie alle – der Hunger nach Lesestoff. Da werden Empfehlungen gegeben und Begeisterungen geteilt als gäb’s kein Morgen mehr.

Als es nach der Halbzeit der Veranstaltung ein klitzekleines bisschen ruhiger wird, erklärt sich Anne Böhrer, Mitarbeiterin des Kulturbüros Muggenhof, welches wiederum dem Amt für Kultur und Freizeit (kurz KUF) untersteht, freundlicherweise bereit, ein kurzes Interview zu geben. Also suchen wir uns einen kleinen Stehtisch und legen los.

 

Carmen Käuflin: Danke Anne, dass du dir die Zeit für das kleine Interview nimmst.

Anne Böhrer: Kein Problem, mach ich gerne. Ist ja sozusagen auch für einen guten Zweck.

Stimmt. Also, wie war das mit der Büchertauschbörse. Wer kam auf die Idee und warum?

Auf die Idee kam meine Chefin, Frau Stefanie Dunker, im Zuge einer Umfrage von KUF, die hier in diesem Bezirk gemacht wurde. Es ging darum herauszufinden, was die Menschen gerne an soziokulturellen Angeboten wünschen würden. Und dabei stellte sich heraus, dass es hier zum Beispiel weder eine Buchhandlung noch eine Zweigstelle der Stadtbibliothek gibt. Und dann kam ihr der Tauschgedanke.

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Bild: Kulturbüro Muggenhof

Und wann fand die erste Tauschbörse statt?

Hmm, das war letztes Jahr. Derzeit veranstalten wir sie zweimal im Jahr. Immer im Wechsel mit der Trikottauschbörse, also einer Kleidertauschbörse um genau zu sein.

War die Resonanz bisher auch so gut wie heute? Als ich im Januar hier war, war ja auch schon extrem viel los. Aber da fand zusätzlich noch eine Lesung statt.

Ja, die Resonanz ist einfach klasse bisher! Von weiteren Lesungen haben wir allerdings Abstand genommen, weil die Leute doch mehr mit dem Stöbern beschäftigt sind, als sich noch auf etwas anderes zu konzentrieren. Stattdessen lassen wir jetzt nebenher Musik laufen und das funktioniert gut.

Und diese Tauschbörsen finden immer hier in der Kulturwerkstatt 141 statt?

Bis jetzt ist die Kulturwerkstatt auf AEG der Hauptveranstaltungsort, ja. Allerdings ist die Kulturwerkstatt Teil von mehreren Kultureinrichtungen, welche ab 2016 in einem anderen Gebäude, gleich hier um die Ecke, zusammengefasst werden. Das Gebäude befindet sich gerade im Umbau. Dort werden dann auch noch die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur, das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne, das Inter-Kultur-Büro, der KinderKunstRaum und die Musikschule Nürnberg drin sein.

Und wie ist das mit den Spenden? Im Januar gingen die übriggebliebenen Bücher ja an die Asylbibliothek. Wie funktioniert das?

Ja, also dieses Mal gehen die übrigen Bücher an den Naturschutzbund Nürnberg. Die veranstalten bald einen Flohmarkt und verwenden sie dann dort. Für gewöhnlich treten die Unternehmen an uns heran. Somit werden die „Reste“ gemeinnützig weitergegeben.

Klasse Sache. Und noch kurz zum Schluss: Was findet denn hier sonst noch statt?

Also neben den Tauschbörsen veranstalten wir hier auch diverse Workshops, freies Theater und spontanes Chorsingen. Oh, und natürlich kann man unsere Räume auch mieten, wenn man etwas veranstalten will. Was jetzt aktuell noch geplant ist, ist der FreiRaum 15. Das wird Nürnbergs 1. Pop Up Kulturladen vom 25. Januar bis zum 15. Februar, siehe Flyer.

Na dann danke ich dir ganz herzlich für das Interview und wünsche viel Erfolg mit allem weiteren Projekten.

Danke und viel Spaß noch beim Büchertauschen.

Carmen Käuflin

Flyer Vorderseite
 
Für alle, die jetzt neugierig geworden sind, hier noch der Link zur Homepage des Amtes für Kultur und Freizeit und für die Facebook Seite des Kulturbüros Muggenhof.
 
 
 
 
 
 
 
 
Flyer Rückseite

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