Von Drogen, Hühnern und Elektroschocks

10534055_10152201315982797_611075753427483031_n

Die Gewin­ner mit ihrem Film „Max und Mus­ter­mann“. Fotos: Anna Lena Bocz, Ina Will, Domi­nik Kili­an

 

Kön­nen Sie Auto fah­ren?“
„Nein.“
„Schwim­men?“
„Nein.“
„Wan­dern?“
„Nein.“
„Haben Sie PC-Kennt­nis­se?“
„Nein.“
Der Arzt run­zelt ungläu­big die Stirn. Schließ­lich erklärt er den jun­gen Mann für untaug­lich. Wie ver­rückt es bei der Mus­te­rung zum Wehr­dienst zuge­hen kann, zeigt der Gewin­n­er­film des 18. [ki’ta:so] Kurz­film­abends in den Lamm-Licht­spie­len.

 
Max und Mus­ter­mann ist eine Komö­die, die vol­ler schrä­ger Typen und wit­zi­ger Situa­tio­nen ist. Was tat Mann nicht alles, um dem Wehr­dienst zu ent­kom­men, als es ihn noch gab. Beson­ders der Prot­ago­nist, gespielt von Phil­ipp Wei­gand, hat pani­sche Angst, für taug­lich befun­den zu wer­den. Dro­gen sol­len hel­fen, aus­ge­mus­tert zu wer­den. Im Rausch trinkt er sei­ne eige­ne Urin­pro­be. Zwar gibt Regis­seur Mar­tin Kieß­ling zu, eige­ne Erfah­run­gen in den Film ein­ge­baut zu haben, aber die­se spe­zi­el­le Erfah­rung gehört nicht dazu. Er ern­tet für sein über Crowd­fun­ding finan­zier­tes Pro­jekt stür­mi­schen Bei­fall und den ers­ten Platz.

Leicht dürf­te es den meis­ten Zuschau­ern an die­sem Abend nicht gefal­len sein, den Sie­ger zu wäh­len – bei die­ser Aus­wahl. Zum drit­ten Mal sind Kai Wolf und Alvar de Morais Heu­er mit Film­ti­tel mal anders dabei. Aus Rice of Elec­tro wird Reis of Elek­tro, der dem hung­ri­gen Prot­ago­nis­ten einen Strom­schlag ver­setzt. Unter die ers­ten Drei schaf­fen es die Fil­me­ma­cher nicht, aber sie ver­spre­chen, beim nächs­ten [ki’ta:so]-Abend wie­der dabei zu sein.

Für Hati­ra hat das Pro­duk­ti­ons­team die wei­te Rei­se nach Istan­bul auf sich genom­men. Johan­nes Loh­mann, der zusam­men mit Chris­toph Her­tel den Film lei­te­te, mach­te dort ein Aus­lands­se­mes­ter. Die­ses außer­ge­wöhn­li­che Set­ting ver­leiht dem Dra­ma eine ganz eige­ne Atmo­sphä­re. Über die Kame­ra­füh­rung gelingt es dem Team, ein­drück­li­che Bil­der der tur­bu­len­ten Stadt und der ver­win­kel­ten Gas­sen ein­zu­fan­gen, wäh­rend die Nacht nach und nach alles in Dun­kel­heit taucht. Mit Licht und Schat­ten spielt auch die Dream Film Fac­to­ry in Far­ben­spiel. Für den Ani­ma­ti­ons­film stell­te das Team eine 30 Zen­ti­me­ter gro­ße Figur her und mach­te über 4000 Bil­der. Das Ergeb­nis ist ein Detail-ver­lieb­ter Film, der gera­de mal fünf­ein­halb Minu­ten dau­ert.

 

10454308_10152201323247797_7691851167682428788_n

Felix Rei­chert im Gespräch mit den Mode­ra­to­ren Anna Wie­ser und Dani­el Peter.

Rei­hen­wei­se Tote

Im Dra­ma Pia­nis­ten trägt und prägt klas­si­sche Musik die Hand­lung von kon­kur­rie­ren­den Musik­hoch­schü­lern. Regis­seur Alex­an­der Löwen hat­te als Kind Kla­vier­un­ter­richt und spiel­te die Hin­ter­grund­mu­sik selbst ein. Ihm war es wich­tig, einen Film zu einem The­ma zu dre­hen, mit dem er sich aus­kennt. Bei dem dar­auf­fol­gen­den Musik­vi­deo Chaplin’s Under­ground von Are You Gre­at hat sich das Pro­duk­ti­ons­team Stu­dio 204 von Text und Musik inspi­rie­ren las­sen. Es ging dar­um, zwei Wel­ten zu erschaf­fen. In dem Film, der den drit­ten Platz ergat­tert hat, ste­hen des­halb an jeder Ecke Men­schen mit Hasen‑, Hahn- oder Schafs-Mas­ken.

Mensch­li­che Abgrün­de zeigt Daviel Alon­so Gar­cia in sei­nem Thril­ler Lucky Roland, wobei es ver­mut­lich eher ein Gangs­ter­film ist. In Schwarz-Weiß wird die Ver­gan­gen­heit des Boxers dar­ge­stellt, doch die Gegen­wart scheint nicht viel freund­li­cher zu sein: Spär­lich beleuch­te­te Kel­ler und nebel­ver­han­ge­ne Wie­sen sor­gen für eine eis­kal­te Stim­mung, in der sich die Cha­rak­te­re rei­hen­wei­se umbrin­gen.

In Flo­ri­an Dawels und Sebas­ti­an Planks Ani­ma­ti­ons­film Seek wird kein Blut ver­gos­sen. Statt­des­sen sucht ein blin­der Jun­ge das Knopf­au­ge sei­nes Kuschel­tiers. „Wir woll­ten eine Welt zei­gen, die wir so nicht sehen kön­nen“, begrün­den die Macher des Films ihre Idee. Mit sehr rea­lis­ti­schen und detail­ge­treu­en Ani­ma­tio­nen der Figu­ren und der Umwelt erschaf­fen sie eine fan­ta­sie­vol­le Welt.

Zum Abschluss läuft Herr Peters und das Huhn von Felix Rei­chert, der damit den zwei­ten Platz belegt. Mit Hein­rich Schaf­meis­ter hat das Film­team ein pro­mi­nen­tes Gesicht vor die Kame­ra geholt. Das Huhn, das bei Herr Peters ein­zieht und mit ihm fern­sieht und Zei­tung liest, wur­de von vier „pro­fes­sio­nel­len“ Film­hüh­nern gespielt. Trotz aller Pro­fes­sio­na­li­tät waren sie wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten laut Team ziem­lich unbe­re­chen­bar. Die Mühe hat sich aller­dings gelohnt, denn die Poin­ten kom­men beim Publi­kum gut an.

Patri­cia Ach­ter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.