Du und Ich, wir sind dasselbe“ – Ein Interview

100° Berlin 2014 © Arne Schmitt-4883

Foto: Arne Schmitt

Wer am vier­ten Juli in den Kel­ler des Gum­mi Wör­ner stieg, konn­te im Rah­men von ARENA an einer inter­ak­ti­ven Tanz­per­for­mance teil­neh­men. Das Ziel: „Dance yours­elf clean“. Auf der Suche nach Uto­pie rück­ten knapp 30 Leu­te eng zusam­men, leg­ten sich die Hän­de auf die Köp­fe, tanz­ten im Kreis und sahen ihrer eige­nen Bewe­gung dabei zu, wie sie die Kör­per wech­sel­te. Als die Musik aus war und die Far­ben wie­der aus den Gesich­tern gewischt, sprach ich noch kurz mit dem Künst­ler Ben­ja­min Poh­lig über Künst­ler­spra­chen, Feed­back-Schlei­fen und die Gren­zen von Du und Ich.

And it’s very far away
But it’s gro­wing day by day
And it’s all right, baby, it’s all right.

(Tal­king Heads: Road to Nowhe­re)

Von wo aus bist du nach Erlan­gen auf­ge­bro­chen?

Von Ber­lin, ich arbei­te da als frei­be­ruf­li­cher Tän­zer – nor­ma­ler­wei­se. Vor die­ser Per­for­mance war ich noch nie Scha­ma­ne.

Aber die Per­for­mance hast du schon öfters gemacht?

Aller­dings. Heu­te war’s das sieb­te Mal und jedes Mal ist es ganz anders. Ges­tern zum Bei­spiel hab ich auf der Kopro­duk­ti­ons-Par­ty per­formt und die Leu­te woll­ten alle sofort mit­ein­an­der tan­zen. Klar, die waren in Par­ty­stim­mung, die woll­ten nicht viel zuhö­ren. Dabei geht es mir vor allem um ein inti­mes Erleb­nis.

Intim war’s heu­te auf jeden Fall.

Für „Dance yours­elf clean“ ist der Kon­text unheim­lich wich­tig. Heu­te, in die­sem klei­nen Kel­ler vom Gum­mi Wör­ner, hat sich schnel­ler eine Inti­mi­tät auf­ge­baut. Da gibt es kei­ne Aus­weich­mög­lich­keit, die Leu­te haben sich alle im Blick.

Du hast immer wie­der von Du und Ich gespro­chen. Hat­test du wäh­rend einer dei­ner Auf­füh­run­gen schon­mal das Gefühl, Ich und Du sind tat­säch­lich ver­schmol­zen?

Dance yours­elf clean“ ist eine sehr nai­ve Per­for­mance. Ich gehe davon aus, dass Ich und Du gar nicht ver­schmel­zen kön­nen, weil es zwi­schen dir und mir kei­nen Unter­schied gibt. Wir sind das­sel­be. Um das erleb­bar zu machen, möch­te ich eine gemein­sa­me Erfah­rung schaf­fen, an der alle teil­neh­men kön­nen. Dabei tei­le ich auch die Rol­le des Per­for­mers. Jeder soll Per­for­mer und jeder Publi­kum sein.

Und wie berei­test du dich dar­auf vor, so ein Erleb­nis zu schaf­fen? Kann man Uto­pie üben?

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Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Künst­lers

Nicht wirk­lich. Den Ablauf hab ich mir natür­lich vor­her über­legt: Ich stei­ge immer übers Spre­chen ein, spie­le den Leu­ten ein Lied vor und rede drü­ber. Dann fang ich an zu tan­zen und neh­me die Zuschau­er schließ­lich mit. Die Län­ge der Per­for­mance wird von der Musik bestimmt. Und egal, wie lan­ge die Musik ist, sie reicht nie. Am Ende wol­len wir meis­tens noch wei­ter­ma­chen.

Gut, dass du bei ARENA schon mor­gen wei­ter­ma­chen kannst. Wie gefällt dir das Fes­ti­val denn?

Ich find es sehr gelun­gen. Das ist ja alles ehren­amt­li­che Stu­den­ten­ar­beit! Wirk­lich bemer­kens­wert. Es ist toll, hier so vie­le Künst­ler aus so unter­schied­li­chen Berei­chen zu tref­fen: Tanz, Per­for­mance, Sprech­thea­ter. Das sind unter­schied­li­che Wel­ten mit unter­schied­li­chen Spra­chen. Am liebs­ten wür­de ich bei ARENA das Feed­back-Sys­tem von der Ams­ter­da­mer Schu­le Das­Arts aus­pro­bie­ren. Die Spra­chen der ande­ren Künst­ler ler­nen und sich inten­siv aus­tau­schen. Das fehlt mir hier noch ein wenig: Ein Raum für Kri­tik, in dem man eng zusam­men­ar­bei­ten kann und sich gegen­sei­tig wei­ter­bringt. Hier ist  so viel Poten­ti­al! Gemein­sam könn­ten wir zum Bei­spiel her­aus­fin­den, wie man noch mehr Leu­te, die beruf­lich nichts mit Thea­ter zu tun haben, auf so ein Fes­ti­val lockt. Schließ­lich soll­te Thea­ter nicht nur sich selbst beweih­räu­chern, son­dern auch alle ande­ren anspre­chen.

Dann ver­schmel­zen in ganz Erlan­gen das Du und das Ich.

Aber die gibt’s doch gar nicht! Wir sind alle das­sel­be. Zumin­dest wäre das schön – vor allem wäh­rend ARENA.

Rebek­ka Knoll

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