Mach’s noch einmal, Frank!

Foto: Andreas Donders

Foto: Andre­as Don­ders

Falls man sich im All die­sel­be Fra­ge stellt wie in die­sem Fes­ti­val­mot­to, muss man mit etwas Glück nur lan­ge genug war­ten, um eine Ant­wort zu erhal­ten. Die kommt dann mit einem Satel­li­ten aus den sieb­zi­ger Jah­ren, der die­je­ni­gen Infor­ma­tio­nen ent­hält, die uns Men­schen und unse­ren Pla­ne­ten Erde cha­rak­te­ri­sie­ren sol­len.

Voy­a­ger“ heißt die­ser Satel­lit und das ist auch der Name des Stü­ckes der Grup­pe K.A.U., das iro­nisch-doku­men­ta­risch den Blick in die Fer­ne rich­tet, um dem inter­stel­la­ren Bot­schaf­ter nach­zu­spü­ren. Die auf den „Voy­a­ger Gol­den Records“ ent­hal­te­nen Infor­ma­tio­nen wur­den vom Astro­phy­si­ker und Schrift­stel­ler Carl Sagan zusam­men mit neun wei­te­ren Wis­sen­schaft­lern aus­ge­wählt. Mit den Inhal­ten der Daten­plat­te kommt das Publi­kum zum ers­ten Mal beim Ein­lass in Berüh­rung, als jedem Zuschau­er ein Foto in die Hand gedrückt wird, das, wie sich spä­ter her­aus­stellt, mit­ge­sen­det wur­de.

Die­se ganz all­täg­li­chen Moti­ve wer­den schließ­lich auch im Stück kri­tisch beleuch­tet: Men­schen in unter­schied­lichs­ten Posen, eine Brü­cke, über die ein Auto fährt, das Son­nen­sys­tem. Die Dar­stel­le­rin Thea Reif­ler spricht durch ein Mega­phon Befeh­le, die von Phil­ipp Berg­mann und Mat­thi­as Schö­ni­jahn aus­ge­führt wer­den. Es wer­den bestimm­te Moti­ve nach­ge­stellt, die dadurch, dass sie kör­per­lich nach­ge­stellt wer­den, ad absur­dum geführt wer­den: So wer­den die bei­den Akteu­re im Schluss­bild mensch­li­che Rake­te und mensch­li­che Pal­me, deren Hän­de im Rück­stoß flat­tern.

Eine klei­ne Geschich­te der Erde darf natür­lich auch nicht feh­len. Drei Sand­hau­fen vor einer gro­ßen Berg­land­schaft-Lein­wand wer­den im Spot­light suk­zes­si­ve von Flo­ra und Fau­na, Men­schen und Kul­tur­gü­tern bevöl­kert. Bis sich der letz­te Über­le­ben­de des dama­li­gen For­scher­kol­lek­tivs, Frank Dra­ke, apa­thisch in den Welt-Sand­hau­fen schleppt.

Machs noch ein­mal, Frank, wähl doch noch ein­mal aus!“, for­dern ihn die ande­ren auf und über­rei­chen ihm dabei eine Fla­sche Sekt. Frank ist ein ein­sa­mer Mann, alle sei­ne Weg­ge­fähr­ten sind inzwi­schen gestor­ben, und so nützt ihm auch das ewi­ge Andenken an die Mensch­heit nichts. Dar­um saugt er auch den Sekt in einer Mischung aus Gier und Gewalt gegen sich selbst, als wäre es sei­ne Erschie­ßung, sein Ende, wo es kein Hal­ten mehr gibt.

Foto: Andreas Donders

Foto: Andre­as Don­ders

Mit die­sem star­ken Bild darf das Stück in sei­ner Unter­spannt­heit aber wohl nicht enden, und so spricht eine Stim­me zu auf­mun­tern­den Per­kus­si­ons­klän­gen: „Die Voy­a­ger fliegt wei­ter, noch min­des­tens 500 Mil­lio­nen Jah­re.“

Trotz die­ses ver­söhn­li­chen Schlus­ses, der viel­leicht gar nicht nötig gewe­sen wäre, aber als Gegen­po­si­ti­on zur vor­letz­ten Sze­ne auch nicht unwill­kom­men, über­zeugt K.A.U. mit star­ken Bil­dern, von denen jedes für sich über lan­ge Zeit trag­fä­hig ist.Letztlich, das ist viel­leicht eines der Deu­tungs­an­ge­bo­te des Stü­ckes, ist der Umstand, dass eine Mensch­heit auf dem Pla­ne­ten Erde exis­tiert, genau­so erstaun­lich wie der grund­le­gen­de Wil­le, die­sem Umstand ein Ewig­keits­denk­mal zu set­zen.

Timo Ses­tu

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