prometheuskomplex – eine biographische idee

P1020975Das neue Stück der Stu­dio­büh­ne, das ab kom­men­den Don­ners­tag im Fran­ken­hof gespielt wird, trägt einen kom­ple­xen Titel. Des­we­gen und da es zudem nicht auf einer Vor­la­ge beruht, son­dern aus­schließ­lich aus eige­ner Feder stammt, ist es viel­leicht nütz­lich, sich im Vor­hin­ein ein­mal genau­er mit den Titel­be­stand­tei­len aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Die Geschich­te um Pro­me­theus ist ein Mythos und Mythen krei­sen um eine Leer­stel­le, um grund­sätz­li­che Fra­gen des Mensch­seins, die exis­ten­ti­el­le Bedeu­tung haben. Beant­wor­ten las­sen sich die­se Fra­gen nicht, Mythen ver­su­chen ledig­lich, sich durch Erzäh­len die­sen Fra­gen anzu­nä­hern. In Pro­me­theus wer­den vie­le Fra­gen gestellt, zum Bei­spiel die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis von Mensch und Gott. Sehr häu­fig wird Pro­me­theus als Kul­tur­stif­ter und Feu­er­brin­ger bezeich­net. Und vor allem hier liegt der Anknüp­fungs­punkt der Stu­dio­büh­ne: Der Fun­ke, der Ver­än­de­rung aus­löst.

Wenn nun die­se The­ma­tik des Ver­än­derns zusam­men mit Kom­plex steht, kann das zwei­er­lei bedeu­ten. Ers­tens: Die Ent­schei­dung, P1020971etwas ändern zu wol­len, wird als Kom­plex inter­pre­tiert. Jemand mit pro­me­theus­kom­plex kann nicht anders als auf Ver­än­de­rung zie­len. Und das trifft in gewis­ser Wei­se auf das Stück zu: Zehn Figu­ren tref­fen sich an einem Bahn­hof, der als Ort des Auf­bruchs und Neu­an­fangs, aber auch als Ort eines fest vor­ge­ge­be­nen Wegs ent­lang von Schie­nen gedeu­tet wer­den kann, und kön­nen hier der Fra­ge nach Ver­än­de­rung nicht aus­wei­chen. Unauf­hör­lich stel­len sie sich auf unter­schied­lichs­te Wei­se Fra­gen und gelan­gen zu ver­schie­dens­ten Ant­wor­ten. Und hier liegt die zwei­te Bedeu­tungs­di­men­si­on: Kom­plex ist die Fra­ge nach Ver­än­de­run­gen im Leben, die im Stück letzt­lich zur Fra­ge nach dem Sinn des Lebens wird, es kann kei­nen ein­fa­chen Lösungs­vor­schlag geben. Und das ist auch nicht inten­diert. Es geht schließ­lich um Leer­stel­len wie Glück oder Zeit, denen man sich nur annä­hert.

Und die Annä­he­rung erfolgt über ver­schie­de­ne Figu­ren, die von den Schau­spie­lern selbst erschaf­fen wor­den sind. Des­we­gen las­sen sich, wie im Unter­ti­tel ange­kün­digt, durch­aus bio­gra­phi­sche Bezü­ge her­stel­len. Damit ist auch der Bezug zur Gegen­wart gege­ben. The­men wie Face­book oder Poe­try Slam wer­den ange­spro­chen, schließ­lich haben die mit P1020924dem Leben der Schau­spie­ler und damit auch mit dem Leben der Figu­ren zu tun. In der Pro­be ver­gan­ge­nen Mitt­woch bat Lydia Vic­tor, die zusam­men mit Maxi­mi­li­an Nix Regie führt, die Schau­spie­ler einen Schritt aus ihrem Kör­per her­aus und einen wei­te­ren Schritt in die Figu­ren hin­ein zu gehen. Schließ­lich blei­ben die Schau­spie­ler trotz bio­gra­phi­schem Bezug natür­lich Schau­spie­ler und erzäh­len eine ande­re Geschich­te als ihre eige­ne. Inwie­weit der Schritt in die Figur, die sich mit Ver­än­de­rung aus­ein­an­der­setzt, gelingt und in wie weit dadurch exis­ten­ti­el­le Fra­gen ver­han­delt wer­den ohne an der Ober­flä­che zu blei­ben, dar­über kann sich ab nächs­ter Woche jeder selbst ein Bild machen – und sich außer­dem die ein oder ande­re auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge selbst stel­len.

Vera Podskalsky

Pro­me­theus­kom­plex wird am 29. Mai, am 1. Juni und am 2. Juni um 20 Uhr im Fran­ken­hof auf­ge­führt.  

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