Glückskämpfe

Das Glück, Ein Jahrmarkt des Konsums? (Quelle: pixelio/ Honeypix).

Das Glück, Ein Jahr­markt des Kon­sums? (Quel­le: Pixelio/ Honey­pix).

Da steht sie also: Eine rei­che und pro­mi­nen­te Frau vor ihrer Vil­la und weint in Strö­men. Nach ein paar Sekun­den schluchzt sie ins Mikro­fon, dass Reich­tum allein nicht glück­lich mache, da er ihren Mann nicht vor dem plötz­li­chen Tod geschützt habe. Da steht er also: Ein ärm­li­cher Hartz IV- Emp­fän­ger in Second-Hand-Kla­mot­ten, der vor dem Plat­ten­bau ins Mikro jubelt, dass der Reich­tum allein nicht glück­lich mache, da er trotz der Armut in sei­ner Ehe super­glück­lich sei.

Was für eine schö­ne, neue Welt, wo es auch den Rei­chen per Schick­sal an den Kra­gen geht und auch der Arme mit ein biss­chen Roman­tik sein Lebens­glück fin­den kann. Bei sol­chen Bil­dern und Anek­do­ten muss jedem sozi­al- und kul­tur­kri­tisch Den­ken­den übel auf­sto­ßen, denn wer lebt schon von der Lie­be allein?!

Fakt ist: Glück hängt vor allem von der sozio­öko­no­mi­schen und mate­ria­lis­ti­schen Basis des Indi­vi­du­ums ab! Jeder, der dies bestrei­tet, wie es ger­ne in diver­sen Pro­mi­sen­dun­gen pas­siert, zemen­tiert nur die Ungleich­heit und befrie­digt gleich­zei­tig die Sucht des Zuschau­ers nach Scha­den­freu­de gegen den armen Rei­chen.

Glück und Mate­ria­lis­mus

Bevor wir die­ser The­se nach­ge­hen, müs­sen wir uns die Fra­ge stel­len, was das Glück ist. Ist Glück das höchs­te Gut? Dies bejah­ten zahl­rei­che Phi­lo­so­phen, Schrift­stel­ler und Intel­lek­tu­el­le – von Aris­to­te­les und Epi­kur, über John Stuart Mill bis zu Her­mann Hes­se, ja sogar Ber­tolt Brecht – und nur weni­ge wichen davon ab. Das Glück ist nur schwer zu fas­sen und zu defi­nie­ren, aber immer­hin haben die Meis­ten kla­re Vor­stel­lun­gen davon, was sie per­sön­lich glück­lich macht. Denn frag­te man jeman­den danach, so wür­de er mit Wahr­schein­lich­keit so etwas ant­wor­ten, wie eine Fami­lie zu haben, ein Haus, bestimm­te Güter, beruf­li­chen Erfolg, Pres­ti­ge etc.

Für die Lebens­ent­wür­fe einer Majo­ri­tät gilt als klar, was ihnen per­sön­lich Glück berei­tet. Die­sen Durch­schnitts­ent­wür­fen ent­ge­gen haben die meis­ten Den­ker, die sich mit dem Glück aus­ein­an­der­ge­setzt haben, ihm einen ethisch-nor­ma­ti­ven Wert zuge­ord­net. In der sokra­tisch-pla­to­ni­schen Phi­lo­so­phie galt Glück meist als ein Wert, den nur der tugend­haf­tes­te Phi­lo­soph, der eine Kas­te bil­de­te, errei­chen konn­te, abseits der nor­ma­len Bür­ger oder Poli­ti­ker. Glück galt ergo als mit den Tugen­den ver­bun­den. Zu die­sen gehört auch und pri­mär die Gerech­tig­keit. Ist also nur der wahr­haft glück­lich, der gerecht oder gut ist? Und erneut: Was wäre die­se Gerech­tig­keit? Bei Mill war der Wert des Glü­ckes und des Genus­ses immer­hin inso­fern ethisch, als es galt, für eine die größ­te Zahl an Men­schen das Glück und den Genuss so weit wie mög­lich zu maxi­mie­ren.

Doch um die mate­ria­lis­ti­sche Glückthe­se der Ein­lei­tung zu bele­gen, müss­te gel­ten, dass das Glück des Indi­vi­du­ums nicht zwangs­wei­se und eher sel­ten ein ethisch-nor­ma­ti­ver Wert ist. Die meis­ten Men­schen schei­nen zu wis­sen, was sie glück­lich macht, so die klas­si­schen Uti­li­ta­ris­ten John Stuart Mill und Jere­my Ben­t­ham. Im Lau­fe des Men­schen­le­bens bil­den sich kla­re Wün­sche her­aus, was sie in ihrem Leben tun und errei­chen wol­len. Mit der Bedürf­nis­be­frie­di­gung kehrt auch eine Zufrie­den­heit ein, die – ist die Befrie­di­gung nur aus­rei­chend hoch – in Glück auf­ge­hen kann.

Glücks­py­ra­mi­den

Die teils psy­cho­lo­gisch ver­al­te­te, jedoch phi­lo­so­phisch immer noch bedeut­sa­me huma­nis­ti­sche Psy­cho­lo­gie von Abra­ham Maslow hat dies recht plau­si­bel beschrie­ben: De fac­to exis­tiert eine Bedürf­nis­hier­ar­chie respek­ti­ve ‑pyra­mi­de: Bevor man sich um sozia­le Bedürf­nis­se küm­mern kann, müs­sen dem­nach erst die Man­gel­be­dürf­nis­se befrie­digt sein, d. i. Hun­ger, Harn­drang, der Schutz durch ein siche­res Heim oder auch zumin­dest eine basa­le sexu­el­le Befrie­di­gung. Die aku­te Befrie­di­gung des­sen macht noch nicht dau­er­haft glück­lich. Es ist aber die Grund­kon­di­ti­on, um glück­lich zu wer­den. Denn sind die Man­gel­be­dürf­nis­se dau­er­haft gestillt, kön­nen die höhe­ren, sozio­öko­no­mi­schen und ‑kul­tu­rel­len Bedürf­nis­se ange­gan­gen wer­den. Dies sind nor­ma­ler­wei­se sozia­ler Umgang, ein gewis­ses Pres­ti­ge, beruf­li­cher Erfolg, Life­style, Lie­be, ein erfüll­tes Sexu­al­le­ben, etc. Dazu gehört auch – in unse­rem Sinn als Spit­ze der Bedürf­nis­py­ra­mi­de -, was der Mensch sich als Glück vor­stellt. Zwar kön­nen in Hun­ger­re­gio­nen auch eine voll­wer­ti­ge Mahl­zeit ein gro­ßes Glück dar­stel­len, also die Stil­lung eines Man­gel­be­dürf­nis­ses, aber wür­de der Hun­gern­de dau­er­haft essen kön­nen, wür­de die­se Tätig­keit ihn nicht mehr glück­lich machen, son­dern er wür­de ent­de­cken, dass dies nicht der Luxus des Glücks, son­dern Not­wen­dig­keit und Grund­recht ist. So stirbt ein Mensch, der zu lan­ge hun­gert; ein unglück­li­cher Mensch aber, stirbt nicht unbe­dingt am Unglücks­ge­fühl — obgleich er den Sui­zid prä­fe­rie­ren kann.

Man könn­te aus der huma­nis­ti­schen Psy­cho­lo­gie fol­gern, dass das Bedürf­nis nach Glück als höchs­tes und intrinsi­sches Gut der Mensch genau­so instink­tiv kennt, wie zuvor das Bedürf­nis nach Nah­rung. Die­se jedoch, auch dem Uti­li­ta­ris­mus ähneln­de The­se scheint unplau­si­bel. Denn das wür­de einen Instinkt auf einer sehr abs­trak­ten Ebe­ne erfor­dern, auf der der Kör­per nicht mehr unbe­dingt signa­li­siert, dass er dies drin­gend braucht. Dar­aus resul­tie­ren eini­ge Pro­blem­fra­gen: Woher kommt es dann, dass man zu wis­sen glaubt, was einen glück­lich macht? Und hat man das Glück und den Wert, der es einen beschert, über­haupt auto­nom beschlos­sen? Letz­te­res lässt sich mit „nicht unbe­dingt“ beant­wor­ten; denn unse­re Psy­che wird ohne­hin tag­täg­lich durch Wer­bung und Medi­en beein­flusst, durch die frem­de Men­schen, einem sug­ge­rie­ren, die­ses und jenes zu benö­ti­gen und somit die Ideo­lo­gie der frei­en Markt­wirt­schaft repro­du­zie­ren. Der Mensch und der Bür­ger wer­den zum Kon­su­men­ten degra­diert, dadurch, dass die Wirt­schaft das Modell der huma­nis­ti­schen Psy­cho­lo­gie für sich instru­men­ta­li­siert hat. Dadurch wird das Glück zu einer Ware, die der Kon­su­ment mit genug Geld erste­hen kann.

Damit sind wir bei den Pro­ble­men, die der His­to­ri­sche Mate­ria­lis­mus, ohne auch nur die Fra­ge des Glü­ckes mit zu erwä­gen, auf­ge­wor­fen hat. Nur der, der es sich leis­ten kann, ist glück­lich! Der Arme ist zwar in man­chen Welt­re­gio­nen fähig, die Man­gel­be­dürf­nis­se zu stil­len, aber glück­lich wird er durch sein Über­le­ben nicht. Außer­dem scheint man als Kon­su­ment in gewis­sen Gren­zen durch Wer­bung und sozia­lem Kon­tex­ten dik­tiert zu bekom­men, was einen glück­lich macht. Der Mensch wird, wie Axel Hon­neth schon beschrie­ben hat, zum post­au­to­no­men Indi­vi­du­um. So haben zwar vie­le Men­schen, je nach offi­zi­ell frei­em Lebens­ent­wurf, immer­hin unter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen davon, wel­cher Wert und wel­ches Gut ihnen Glück berei­ten, aber en mas­se ähneln sich vie­le die­ser Vor­stel­lun­gen doch – und das in soge­nann­ten plu­ra­lis­ti­schen, indi­vi­dua­lis­ti­schen und mul­ti­kul­tu­rel­len Gesell­schaf­ten.

Das Indi­vi­du­um als Kon­su­ment

Die Bedürfnispyramide der Humanistischen Psychologie nach Maslow (Quelle: Wikimedia Commons).

Die Bedürf­nis­py­ra­mi­de der Huma­nis­ti­schen Psy­cho­lo­gie nach Maslow (Quel­le: Wiki­me­dia Com­mons).

Der Mensch kann wohl ergo nur bedingt sei­nen eige­nen Glücks­ent­wurf kon­zi­pie­ren. Die­ser Ent­wurf hat jedoch nicht zwin­gend mit Moral zu tun. Wenn also dem Indi­vi­du­um oder dem Kon­su­men­ten die Mög­lich­keit gege­ben wird, das Glück zu errei­chen, so ist ein durch­schnitt­li­cher Ent­wurf wohl der von beruf­li­chem Erfolg, einem Traum­part­ner, genug Besitz, einer Eigen­tums­woh­nung oder einem Eigen­tums­haus, even­tu­ell Kin­der und ein paar intrinsisch-typi­sche Hob­bies. Ein sol­cher Lebens­ent­wurf macht einen gro­ßen Teil der west­li­chen Bevöl­ke­rung glück­lich – egal ob er nun auto­nom oder post­au­to­nom gewählt ist. Aber um ein sol­ches Glücks­ge­fühl zu emp­fin­den, braucht man weder ein Phi­lo­soph zu sein, noch muss man irgend­wel­chen höhe­ren mora­li­schen Ansprü­chen genü­gen.

Indem Glück zu einer Ware wird, hat sie mit Moral kaum bis gar nichts zu tun. Sicher­lich gibt es Men­schen, die glück­lich sind, wenn sie etwas tun, was aus ihrer Sicht mora­lisch rich­tig ist. Aber die Ver­bin­dung von mora­li­schem Han­deln und dem Gefühl des Glücks ist nicht aprio­ri gege­ben, ist nicht obli­ga­to­risch, son­dern resul­tiert manch­mal aus per­sön­li­chen Vor­stel­lun­gen und Cha­rak­te­ren, sowie den Vor­stel­lun­gen und Cha­rak­te­ren des sozia­len Kon­tex­tes. Gerech­tig­keit ist nur ein optio­na­les Gad­get zum Glück! Sind die­se Fak­to­ren so wie beim Durch­schnitts­bei­spiel, spielt Ethik eine höchs­tens peri­pher bedeut­sa­me Rol­le für das Glück. Was ist aber dann das Glück, wenn es eine nicht­ethi­sche Ware ist? Die Meis­ten haben eine kon­kre­te Vor­stel­lung, von den Din­gen, die sie glück­lich machen, also eben von Wer­ten, wie einer har­mo­ni­schen Fami­lie. Ob sie dadurch wis­sen, was exakt Glück ist, sprich, eine kla­re Glück­kon­zep­ti­on haben, bleibt frag­lich. Die­se Vor­stel­lun­gen basie­ren aber eben nicht nur auf einem unab­hän­gi­gen Ver­stand des jewei­li­gen Men­schen; es bestim­men eben auch der sozio­öko­no­mi­sche und ‑kul­tu­rel­le Kon­text mit, die Tei­le der Auto­no­mie ampu­tie­ren. Durch sol­che sozia­len Deter­mi­nan­ten könn­te man ergo mit den Vor­stel­lun­gen vom Glück über­se­hen, was tat­säch­lich in der Inter­de­pen­denz für ein auto­no­mes Indi­vi­du­um Glück wäre.

Durch die­se prag­ma­ti­sche, sozio­öko­no­misch und ‑kul­tu­rel­le Kon­zep­ti­on des Glü­ckes, statt der ethisch-nor­ma­ti­ven, wie sie etwa ein Aris­to­te­les kon­zep­tio­nier­te, ergibt sich eben auch die Mate­ria­li­sie­rung des Glü­ckes, da der Mensch als Kon­su­ment ein Bedürf­nis befrie­di­gen will, wozu der Markt ihm meist die Mög­lich­kei­ten gibt. Betrach­tet man also das Glück nicht als mora­li­sche Varia­ble, so erge­ben sich dar­aus neue Pro­ble­me und Denk­an­stö­ße: Denn oft­mals ist Glück auch etwas abs­trak­tes, das sich nicht mate­ri­ell befrie­di­gen lässt. Hier bekommt man ein Pro­blem, dass His­to­ri­scher Mate­ria­lis­mus und Frank­fur­ter Schu­le höchs­tens ange­kratzt haben: Die abs­trak­te Ware. Der­je­ni­ge, der Glück erstrebt und der dies nur auf sich bezieht und nicht glück­lich wird, indem er ande­re beglückt, es sei denn, die Beglü­ckung geschieht rezi­prok: Er ver­sucht nicht nur einen Mehr­wert an Gütern oder Geld zu errei­chen, nein, er ver­sucht das­sel­be auch beim Glück. Das Gan­ze hat dann nichts mit Moral zu tun, son­dern mit Wirt­schaft­lich­keit!

Kon­kur­renz um Glück als Man­gel­wa­re

Wei­ter könn­te man jetzt monie­ren, dass wie auch beim Kapi­ta­lis­ten, der einen mate­ri­el­len Mehr­wert sucht, auch der­je­ni­ge, der den abs­trak­ten Mehr­wert des Glücks­ge­fühls erstrebt, des­sen Basis eben oft etwas Mate­ri­el­les ist, dies auf den Rücken der ärme­ren Schich­ten tut. Es wür­de ergo ein Glücks­kampf erfol­gen! Der homo oeco­no­mi­cus kämpft also nicht mehr nur um die Hegel­sche Aner­ken­nung, son­dern in ihrer Fol­ge­rung auch um das Glück. Und tat­säch­lich kon­kur­rie­ren nicht nur ein paar Glücks­ent­wür­fe, son­dern auch die Men­schen um die Glücks­mas­se. Das Gan­ze ist jedoch kei­ne rei­ne Erset­zung der Ter­mi­ni „Besitz“ oder „Macht“ durch „Glück“, aber das Gan­ze steht in einer mate­ria­lis­ti­schen Rela­ti­on dazu; denn es bleibt die mate­ri­el­le Grund­la­ge ent­schei­dend. Zwar macht tat­säch­lich Geld allein nicht glück­lich und ver­schie­de­ne Glücks­ent­wür­fe las­sen sich mit unter­schied­lich vie­len und teu­ren Gütern oder Wer­ten rea­li­sie­ren. Aber die Mög­lich­keit, mit mehr Geld glück­lich zu wer­den, ist natür­lich höher als mit wenig Geld. So ist zwar dadurch, dass das Glücks­ge­fühl und die Ware Glück nicht nur mate­ri­ell und nicht für jeden gleich teu­er sind – abhän­gend vom jewei­li­gen Glücks- und Lebens­ent­wurf –, das Glück nicht rein käuf­lich oder nur für die Ober­schicht zu haben, aber steht so doch in tota­ler Rela­ti­on zur mate­ri­el­len Basis. Denn wie soll jemand eine Hand­lung voll­brin­gen, die ihn glück­lich macht, die er also – nach der Befrie­di­gung aller Bedürf­nis­se, wie Aris­to­te­les schon anschnitt – zum Selbst­zweck voll­rich­tet, wenn er nicht die Res­sour­cen dazu hat?! Wie soll der Hartz IV-Emp­fän­ger glück­lich wer­den, wenn er zwar eine tol­le Frau hat, aber schau­en muss, wie er über die Run­den kommt?!

Ergo hat der vor­lie­gen­de Essay ansatz­wei­se zu bele­gen ver­sucht, dass der Wert des Glü­ckes kein ethisch-mora­li­scher ist, son­dern, auf­bau­end auf der huma­nis­ti­schen Psy­cho­lo­gie, ein sozio­öko­no­mi­scher und mate­ri­el­ler Wert ist, der in der Befrie­di­gung des Bedürf­nis­ses nach Glück ent­steht. Hal­ten wir also noch ein­mal abschlie­ßend fest: Glück hat eine unter­schied­lich hohe mate­ri­el­le Basis, die es nur dem­je­ni­gen mit einer höhe­ren Basis erlaubt, glück­lich zu wer­den; die­se Basis ist noch kei­ne Glück­ga­ran­tie, son­dern Grund­be­din­gung. Wor­in der Wert oder Selbst­zweck des Glü­ckes besteht, bestimmt teils das Indi­vi­du­um selbst, teils aber auch sein sozia­ler Kon­text, ohne dass dies dem Indi­vi­du­um, das sich in einer frei­en Wil­lens­ent­schei­dung wähnt, immer klar wäre. Ob die Ent­schei­dung, was den Wert des Glü­ckes aus­macht, frei ist oder deter­mi­niert, ist nicht abso­lut klar.

Klar ist hin­ge­gen, dass auch das Glück ergo ein wirt­schaft­li­cher Fak­tor wird, um den kon­kur­riert wird, als ob mehr Glück des einen, weni­ger Glück des ande­ren bedeu­ten kann. Und tat­säch­lich han­delt es sich bei den Wer­ten und Vor­stel­lun­gen, die als Medi­en das Glück rea­li­sie­ren sol­len, so wie sie inzwi­schen kon­zi­piert wer­den, meist um Waren – und Waren exis­tie­ren nicht gren­zen­los, denn das wür­de ja den Markt und sein Kon­zept von Ange­bot und Nach­fra­ge rui­nie­ren. Und da so eine rela­ti­ve Abhän­gig­keit zur mate­ri­el­len Basis des nach Glück stre­ben­den Indi­vi­du­ums besteht, ent­steht durch den Kampf um Güter und Mehr­wert, auch ein Glücks­kampf. Lei­der hat dies mit Moral nicht viel am Hut.

Glei­che Glücks­ba­sis!

Alea iacta est. Bestimmt die Geburt unsere Glücksbasis? (Quelle: Pixelio/ Honeypix).

Alea iac­ta est. Bestimmt die Geburt unse­re Glücks­ba­sis? (Quel­le: Pixelio/ Honey­pix).

Was oft­mals bei den indi­vi­du­el­len Glücks­kon­zep­tio­nen über­se­hen wird, ist, dass ein die Gesell­schaft umfas­sen­der Glücks­zu­stand mehr Sta­bi­li­tät und Glück – bezie­hungs­wei­se einer lang­fris­ti­gen Abwe­sen­heit von Unglück – für das Indi­vi­du­um bedeu­ten kann. Ergo soll­te der Mensch natür­lich über­le­gen, wie er der Gesell­schaft ein Maxi­mum an Glück besche­ren oder sie von Unglück befrei­en kann, da dies auch zu sei­nem Wohl bei­trägt. Denn bei der Kapi­ta­li­sie­rung der glücks­be­rei­ten­den Güter und Wer­te scheint das (post)autonome Indi­vi­du­um zu ver­ges­sen, dass der wah­re Wert hin­ter dem Glück ein kol­lek­ti­ves Glück sein könn­te, dass man also das eigent­lich nicht­ethi­sche Glück mora­li­sie­ren und sozia­li­sie­ren kann. Lei­der ist dies kei­ne Vor­aus­set­zung für jedes Indi­vi­du­um, um glück­lich zu wer­den. Kol­lek­ti­ves Glück wäre nur ein Bonus zum indi­vi­du­el­len Glück.

Man könn­te dafür etwa sozi­al­ge­rech­te Glücks­grund­sät­ze ent­wer­fen, par­ti­ell John Rawls´ ega­li­tär-libe­ra­len Gerech­tig­keits­grund­sät­zen ähnelnd: Dem­nach wür­den die mate­ri­el­len Grund­la­gen, die Glück besche­ren kön­nen, gleich­mä­ßig zu ver­tei­len sein. Man kann hier nur von den Grund­la­gen spre­chen und nicht vom Glück selbst, da ein poli­ti­sches oder sozia­les Sys­tem nie garan­tie­ren kann, dass sei­ne Bür­ger auch glück­lich wer­den. Glei­che Glücks­ba­sis! Sel­ten zu erwar­ten­de Aus­nah­me die­ses Grund­sat­zes wäre, dass jemand grö­ße­re Res­sour­cen erhal­ten soll, der damit das gesamt­ge­sell­schaft­li­che Unglück mini­mie­ren kann; jedoch dür­fen davon die Bedürf­nis­se der All­ge­mein­heit, die in unse­rer über­ar­bei­te­ten huma­nis­tisch-psy­cho­lo­gi­schen Bedürf­nis­py­ra­mi­de unter­halb des intrinsisch-nor­ma­ti­ven Glü­ckes lie­gen, beson­ders die Grund- und Man­gel­be­dürf­nis­se, nicht berührt wer­den. Da näm­lich Glück nicht für jeden iden­tisch ist, gilt der zwei­te Grund­satz nur bezüg­lich des Unglücks, des­sen Weg­nah­me ein wich­ti­ger Schritt hin zum Glück ist – und unglück­li­che Zustän­de sind für vie­le iden­tisch: Exis­tenz­not, Ein­sam­keit, Lebens­ge­fahr, Armut, von Fein­den umge­ben sein etc. Das Gan­ze ist frei­lich noch höchst unkon­kret; es dient ja auch nur als vager Denk­an­stoß. Prio­ri­tät hät­te aber, dass die Glück­ver­tei­lung all­ge­mein-rezi­prok und ega­li­tär wäre.

Ergo kre­iert sich der Mensch Vor­stel­lun­gen und Wer­te des Glücks, wobei er dabei oft noch zu ver­ges­sen scheint, dass ein kol­lek­tiv erstreb­tes Glück als höchs­ten Glücks­wert den (mate­ria­lis­ti­schen) Kampf um den Glücks­mehr­wert been­den kann.

Phil­ip J. Din­gel­dey

 

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