Der wild-wippende Mix

Scott Henderon (Quelle: Wikimedia Commons/ Svíčková).

Scott Hen­de­ron (Quel­le: Wiki­me­dia Commons/ Svíč­ko­vá).

Das schlich­te Männ­chen mit den lan­gen, zum Aus­fall ten­die­ren­den Locken betrifft mit eini­ger Ver­spä­tung, aber jovi­al und ver­schmitzt grin­send, die Büh­ne, greift sich sei­ne grü­ne E‑Gitarre und fängt an – tief über das Instru­ment gebeugt und sich immer wei­ter ver­kramp­fend –, mit sei­nem Trio wil­de Töne, ganz locker aus der Hüf­te zu spie­len. So könn­te man den gest­ri­gen Auf­tritt des Scott Hen­der­son Tri­os in der Kof­fer­fa­brik Fürth zusam­men­fas­sen.

Das nach dem renom­mier­ten Gitar­ris­ten Scott Hen­der­son benann­te Trio besteht aus ihm selbst sowie dem E‑Bassisten Tra­vis Carl­ton und dem Drum­mer Alan Hertz, die in Fürth bis­lang unver­öf­fent­lich­te, lang­an­dau­ern­de Stü­cke prä­sen­tie­ren, die sie für ihr neu­es Album pla­nen. Alle drei zeich­nen sich durch ein außer­ge­wöhn­li­ches Talent und hohe musi­ka­li­sche Fähig­kei­ten aus; dar­um ist es umso bedau­er­li­cher, dass bei alle­dem nichts beson­ders Wohl­klin­gen­des her­aus­kommt.

Die Musik ist eine wil­de Mix­tur aus Jazz, Blues sowie ein biss­chen Hard Rock und ent­zieht sich einer kla­ren Kate­go­ri­sie­rung, da erstaun­li­cher­wei­se (und das mit nur weni­gen Grif­fen!) manch­mal alles par­al­lel kom­bi­niert wird, manch­mal aber auch sem­i­me­lo­disch alter­niert und umher­os­zil­liert. Vor allem die ein­zel­nen Vor­zü­ge des Jazz und Blues gehen in den rasch immer schnel­ler und lau­ter wer­den­den Stü­cken lei­der zu oft unter, wäh­rend die wild-chao­ti­schen Rock­ele­men­te im Spiel eher grenz­de­bil und par­ti­ell unpas­send wir­ken. Ange­neh­mer ist da schon ihr sel­te­ner, erle­se­ner und kurz­zei­ti­ger Wech­sel zu lang­sa­me­ren Blues.

Ein durch­wach­se­nes Musik­erleb­nis

Zwar spielt das Trio also durch­aus rhyth­misch, aber nicht beson­ders wohl­klin­gend. Von einer Har­mo­nie der drei Musi­ker ist auch nur sel­ten etwas zu ver­neh­men, da Hen­der­son über­pro­por­tio­nal prä­sent ist, wäh­rend Hertz und Carl­ton nur Staf­fa­ge zu sein schei­nen, zumal sie, bis auf ein­mal (am Schluss), kaum Soli bekom­men – dann aber zeigt vor allem der Drum­mer sei­ne hohe Kom­pe­tenz. Was alle drei, außer ihrem Talent, eben­falls noch an die­sem Abend zu einen scheint, ist vor allem die Ener­gie und Wild­heit, die sie ganz unan­ge­strengt beim Spie­len an den Tag legen, zu immer­hin ein paar älte­re Grou­pies wild wip­pen.

Alles in allem han­del­te es sich um ein eher durch­wach­se­nes Musik­erleb­nis, das nur sehr spe­zi­el­le Geschmä­cker zu bedie­nen ver­mag und auf dem zwei­ten Blick nicht mehr so viel mit Jazz und Blues zu tun hat, wie es pos­tu­liert wird. Weiß man jedoch die­sen wild-chao­ti­schen (und für mich per­sön­lich manch­mal unwohl­klin­gen­den) Mix zu schät­zen und legt einen nur gerin­gen Wert auf klas­si­schen Jazz, kann man als Zuhö­rer von die­sem dar­ge­bo­te­nen Kön­nen auch pro­fi­tie­ren.

In der Kof­fer­fa­brik (Lan­ge Stra­ße 81, 90762 Fürth) fin­den regel­mä­ßig Kon­zer­te statt, wei­te­re Infor­ma­tio­nen dazu gibt es unter: http://kofferfabrik.cc/konzerte/konzerte.html.

Phil­ip J. Din­gel­dey

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