Am Ende ist das Nichts entstanden.“

Fotograf: Matthias Dennerlein/ Harlekin Art Graphix
Foto­graf: Mat­thi­as Dennerlein/ Har­le­kin Art Gra­phix

Am letz­ten Mitt­woch wur­de die Begleit­aus­stel­lung zur neu­en Thea­ter­pro­duk­ti­on des Gost­ner Hof­thea­ters eröff­net. Die Design­stu­den­tin Simo­na Ley­zero­vich und der frei­schaf­fen­de Künst­ler und Desi­gner Juli­an Vogel prä­sen­tier­ten ihre krea­ti­ven Über­le­gun­gen zum NICHTS:

Wir betre­ten das LOFT, die gemüt­li­che Gost­ner Thea­ter­knei­pe, und sehen erst ein­mal – nicht so viel. Statt Bil­dern ist nur ein groß­flä­chi­ges gel­bes Laken an der Wand befes­tigt, das den mit rosa Kle­be­band auf­ge­brach­ten Schrift­zug NICHTS trägt. Wir fra­gen uns sofort, ob die Künst­ler den Mut haben, das The­ma mit – eben nichts – umzu­set­zen! Wer­den die drei Musi­ker auf der Büh­ne über­haupt spie­len? Oder nur mit ihren Instru­men­ten dasit­zen und das NICHTS zele­brie­ren?

Arno Lang, Yev­ge­niy Davy­dov und Chris­toph Pena fan­gen doch irgend­wann an, mit ihrem gedie­ge­nen Akus­tik-Gitar­ren-Sound die Ver­nis­sa­ge zu eröff­nen. Danach loben die bei­den Künst­ler das Publi­kum, weil es wegen „nichts“ gekom­men sei. Sie hät­ten eigent­lich auch „nichts“ zu sagen. Die Wort­spie­le­rei­en beglei­ten die Rede der bei­den, obwohl es durch­aus kon­kre­ter wird: Zunächst gehen Ley­zero­vich und Vogel kurz auf Jan­ne Tel­lers Roman „Nichts – Was im Leben wich­tig ist“ ein. Die­ser bil­det die Vor­la­ge für die Aus­stel­lung und das gleich­na­mi­ge Thea­ter­stück, das nächs­te Woche sei­ne Pre­mie­re hat. Er kreist um den Sinn und die Bedeu­tung des Lebens, um Wert­hal­tun­gen und Prin­zi­pi­en: Ein Jun­ge sitzt im Pflau­men­baum und tut nichts, außer sei­ne Mit­schü­ler mit Pflau­men zu bewer­fen, weil nichts irgend­et­was bedeu­tet. Die Mit­schü­ler ärgern sich trotz­dem und häu­fen einen Berg von Bedeu­tung an – gegen das Nichts. Die Fort­set­zung steht in Tel­lers Roman. Ley­zero­vich und Vogel erklä­ren, dass die Umset­zung des The­mas recht schwie­rig war – was man ihnen sofort glau­ben mag. Den­noch haben sie es am Ende geschafft, „einen Hauch von Nichts“ zu illus­trie­ren.

Fotograf: Matthias Dennerlein/ Harlekin Art Graphix
Foto­graf: Mat­thi­as Dennerlein/ Har­le­kin Art Gra­phix

Mit die­sen Wor­ten wird das Laken von der Wand gezo­gen und nun wird das Kunst­werk erst sicht­bar. Viel­mehr sind es vie­le klei­ne Kunst­wer­ke, denn das flä­chen­de­cken­de Gemäl­de (750 x 125 cm) besteht aus 150 qua­dra­ti­schen Bil­dern (25 x 25 cm). Zusam­men­ge­fügt zei­gen sie, ein­ge­bet­tet in geo­me­tri­sche For­men, wie­der­um den Schrift­zug NICHTS, der in Schich­ten über­malt wur­de. Mit der Über­ma­lung ent­ste­hen wei­te­re Ebe­nen, die klei­nen Bild­nis­se ent­wi­ckeln durch ver­schie­de­ne Moti­ve ein Eigen­le­ben. Gesich­ter, Hän­de, Blu­men und vor allem Sprü­che wecken frag­men­ta­risch die Auf­merk­sam­keit, amü­sie­ren oder machen nach­denk­lich: „wir tun ein­fach so, als ob“, „über­haupt nichts. Nichts. Gar nichts“, „Ich weiß nicht, ob es schlimm war oder nicht“ oder „Ich bekam Angst. Mehr Angst. Am meis­ten Angst.“ Die vie­len klei­nen Zeich­nun­gen wir­ken belie­big und fügen sich in die geo­me­tri­schen Struk­tu­ren ein. Eine Idee von Juli­an Vogel, der spä­ter erklä­ren wird, das in sei­ner Vor­stel­lung die Annä­he­rung an NICHTS eine gewis­se Ord­nung hat, weil sie alles redu­ziert. Was ist NICHTS? Ein Vaku­um, ein Kon­strukt, ein schwar­zes Loch, eine wei­ße Bild­flä­che? Die Gesamt­col­la­ge zeigt Farb­ver­läu­fe von schwarz nach weiß, alles scheint in Auf­lö­sung begrif­fen zu sein.

Der Betrach­ter hat jedoch kaum Zeit, die vie­len Ein­drü­cke auf sich wir­ken zu las­sen, denn nun beginnt eine Per­for­mance, die die Anwe­sen­den mit­ein­be­zieht und Teil des Gan­zen wer­den lässt. Juli­an Vogel for­dert das Publi­kum dazu auf, die klei­nen Bild­nis­se für einen Min­dest­preis von elf Euro zu kau­fen: „Wir wol­len, das nichts mehr übrig­bleibt!“ Wie auf einem Basar geht es nun zu, Simo­na Ley­zero­vich nimmt die „Bestel­lun­gen“ der Leu­te ent­ge­gen und nimmt die genann­ten Ein­zel­bil­der aus der Col­la­ge. In kur­zer Zeit ent­ste­hen gro­ße Lücken, das Gesamt­bild löst sich inner­halb weni­ger Minu­ten auf. Es löst sich buch­stäb­lich in NICHTS auf, denn unter der Col­la­ge erscheint nun in drit­ter Ebe­ne wie­der­um der Schrift­zug NICHTS, dies­mal in oran­ge­nen Let­tern. NICHTS löst sich immer wie­der in NICHTS auf, trotz aller Mühen bleibt es NICHTS. Auch 150 x NICHTS = NICHTS. Oder aber man bevor­zugt das posi­ti­ve Ver­ständ­nis der Bud­dhis­ten: NICHTS ist die Vor­aus­set­zung dafür, das etwas exis­tiert. Die bei­den Künst­ler haben dicht am Wort gear­bei­tet, weil die­ses, so Ley­zero­vich, für sich spricht. Der Schrift­zug, die Buch­sta­ben, sie lösen sich immer wie­der auf und füh­ren zu NICHTS. Man kann nur erah­nen, was das NICHTS ist.

Die Aus­stel­lung bezie­hungs­wei­se das, was noch von ihr übrig ist (denn noch sind nicht alle 150 Bil­der ver­kauft – eure Chan­ce!), ist noch bis 26. April (Mi. – Sa., 19 – 24 Uhr) im LOFT zu sehen. Am nächs­ten Mitt­woch, 12. April, fin­det um 20 Uhr die Pre­miere der Gost­ner Eigen­pro­duk­ti­on „NICHTS. Was im Leben wich­tig ist“ statt. Wei­te­re Vor­stel­lun­gen könnt ihr vom 13. März bis 5. April, immer Mi./ Do. um 19.30 Uhr und Fr./ Sa. um 20 Uhr besu­chen.

Gost­ner Hof­thea­ter, Austra­ße 70 in Nürn­berg; Info: www.gostner.de

 Eva Poll

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