Die orgiastische Klimax des Jazz

Ginger Baker (Quelle: Wikimedia Commons/ Svickova).

Gin­ger Baker (Quel­le: Wiki­me­dia Commons/ Svick­o­va).

Gin­ger Baker – gibt´s den noch?“, fragt Udo Mar­tin, der Chef der Kof­fer­fa­brik, ver­schmitzt am Anfang des Abends, der wie das Publi­kum sei­ne Begeis­te­rung, dass solch eine Grö­ße des Jazz hier ein Kon­zert gibt, nicht ver­ber­gen kann. Denn ges­tern spiel­te dort Gin­ger Baker´s Jazz Con­fu­si­on.

Mit eini­ger Ver­spä­tung betre­ten dann auch die Musi­ker Pee Wee Ellis (Tenor­sa­xo­phon), Alex Dank­worth (Bass), Abbas Dodoo (Afri­can Per­cu­si­on) und natür­lich Gin­ger Baker selbst (Drums) die Büh­ne des aus­ver­kauf­ten und total über­füll­ten, viel zu engen Kon­zert­rau­mes, bei dem es nur Steh­plät­ze gibt — ihr Spiel jedoch macht fast alles wie­der wett!

Gin­ger Baker ist ein Urge­stein des Schlag­zeugs und fun­giert wohl als Exem­pel für alle Drum­mer. Er war das Grün­dungs­mit­glied von Cream, zusam­men mit Eric Clap­ton und Jack Bruce, spiel­te ab 1968 mit Clap­ton, Ste­ve Win­wood und Ric Grech auch bei Blind Faith. Schließ­lich jedoch zog er durch Afri­ka und gab sich ihrer Musik­kul­tur schon in der Baker´s Air­force und der Baker Gur­vitz Army  hin, indem er die afri­ka­ni­schen Klän­ge mit dem klas­si­schen Jazz zu einer sym­bio­ti­schen Ver­ei­ni­gung ver­half. So war es auch Baker, der die Auf­stel­lung von zwei Bass­drums eta­blier­te, der klas­si­schen und der afri­ka­ni­schen neben Saxo­phon und Bass. Und auch in die­ser fast ein­zig­ar­ti­gen Kom­bi­na­ti­on gab er mit Gin­ger Baker´s Jazz Con­fu­si­on für zwei Stun­den ein paar sei­ner eher län­ge­ren Stü­cke zum Bes­ten.

Afri­ka­ni­sche Klän­ge und klas­si­scher Jazz

Und die­se Kom­bi­na­ti­on aus afri­ka­ni­schen Klän­gen und typi­schen Jazz ergibt eine sehr spe­zi­el­le, star­ke und außer­ge­wöhn­li­che Mix­tur, die fri­schen Wind und neue Ener­gie in das Gen­re bringt. Die Musik zeich­net sich vor allem durch star­ke Rhyth­men und eine nahe­zu per­fek­te Har­mo­nie der Musi­ker aus. Hin und wie­der wech­selt Dank­worth den nor­ma­len Bass gegen einen E‑Bass. Jedes Instru­ment bekommt regel­mä­ßig ein Solo, alle sind auf­ein­an­der abge­stimmt und manch­mal schei­nen sich auch Schlag­zeug und Afri­can Per­cu­si­on um die Gunst des Publi­kums, die bei­den sicher ist, spie­le­risch und locker zu duel­lie­ren.

Doch zu wah­rer Welt­klas­se kommt die Jazz Con­fu­si­on durch etwas ande­res: Das Kon­zert ist eine rei­ne Kli­max mit einem orgi­as­ti­schen Höhe­punkt! Das Gan­ze wird immer här­ter, hem­mungs­lo­ser, hef­ti­ger, schär­fer, ener­gi­scher und aggres­siv und vor allem schließ­lich in einer so kras­sen, ja schon wahn­sin­ni­gen Geschwin­dig­keit, dass man die Hän­de der an die­sem Abend beson­ders beein­dru­cken­den Schlag­zeu­ger Baker und Dodoo nicht mehr sehen kann. Ein­fach ein­zig­ar­tig und ein­fach irre!

Schnell, scharf, hart, hef­tig und hem­mungs­los

Ginger Bakers Drum Set (Quelle: Wikimedia Commons/ Ranbar).

Gin­ger Bakers Drum Set (Quel­le: Wiki­me­dia Commons/ Ran­bar).

Den­noch sind alle auf­ein­an­der abge­stimmt und die Musik bleibt stets melo­disch – so melo­disch, dass sie spä­tes­tens nach einer hal­ben Stun­de das gesam­te Publi­kum fast in eine Jazz-Tran­ce ver­setzt hat. Vor allem in der zwei­ten Hälf­te gelingt es ihnen, das Publi­kum voll­ends in ihren Bann zu zie­hen, sodass die gesam­te Tri­bü­ne von den Rhyth­men erbebt. Am Schluss bricht bei der Zuga­be sogar eine regel­rech­te Hys­te­rie aus.

Die Gin­ger Baker´s Jazz Con­fu­si­on spielt heu­te um 20 Uhr noch ein­mal in der Kof­fer­fa­brik, Lan­ge Stra­ße 81, 90762 Fürth. Das Kon­zert ist schon aus­ver­kauft, es besteht jedoch die Chan­ce, an der Abend­kas­se even­tu­ell her­ein­ge­las­sen zu wer­den. Zu Gin­ger Baler sie­he auch: www.gingerbaker.com. In der Kof­fer­fa­brik gibt es regel­mä­ßig hoch­ka­rä­ti­ge Jazz­kon­zer­te. Für wei­te­re Infor­ma­tio­nen sie­he: http://kofferfabrik.cc/konzerte/konzerte.html.

Phil­ip J. Din­gel­dey

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