Wenn Carpe Diem zum Diktat wird…

1612037_635252976539503_574078643_oDie Sache mit dem Sinn des Lebens ist so eine Sache in Thea­ter­stü­cken, irgend­wie schwingt sie schließ­lich immer mit. War­um also nicht gleich extra­hie­ren und expli­zit danach fra­gen? So gesche­hen in 24 Stun­den, einer Pro­duk­ti­on des thea­ter zwo sie­ben, das die­ses Wochen­en­de bei der Stu­dio­büh­ne Erlan­gen zu Gast war. Von der Fra­ge aus­ge­hend, was wohl zu tun wäre, wenn man noch 24 Stun­den zu leben hät­te, wer­fen fünf Schau­spie­ler Fra­gen nach dem Tod und damit ein­her­ge­hend nach dem Leben auf.

Die dabei gestell­ten Fra­gen und mög­li­che Ant­wor­ten dar­auf sind eine Art Col­la­ge aus einer Cice­ro-Serie, in der Pro­mi­nen­te sich dazu äußern, wie sie die letz­ten 24 Stun­den vor ihrem Tod zubrin­gen wür­den, und dem Buch „Wie hal­te ich das alles nur aus?“ von Sibyl­le Berg. Ver­schie­de­ne Lebens- und Todes­ent­wür­fe wer­den vor­ge­stellt, For­mu­lie­run­gen wie  „Exis­tie­ren ist doch bloß ein Pla­gi­at“ las­sen auf­hor­chen. Zwi­schen ver­schie­de­nen Vor­schlä­gen zu den letz­ten 24 Stun­den erschei­nen Refle­xio­nen über Lie­be, Bezie­hung und Gesell­schaft.

Auch sie ent­hal­ten die Fra­ge nach dem Sinn, bei­spiels­wei­se dem einer ange­pass­ten Leis­tungs­ge­sell­schaft, in der die Kra­wat­te „als griff­be­rei­tes Sui­zid­werk­zeug in der Nähe des Kop­fes“ erscheint und Car­pe Diem zwangs­neu­ro­tisch her­aus­ge­brüllt wird.

Durch über­zeu­gen­de Insze­nie­rungs­ar­beit wer­den die Refle­xio­nen sub­til mit zusätz­li­chen Kom­po­nen­ten ver­se­hen. Dann bei­spiels­wei­se, wenn die Sinn­fra­ge, ver­deut­licht durch mini­ma­le Requi­si­ten wie Fri­sör­kit­tel und Zeit­schrif­ten, beim Fri­sör­be­such gestellt wird, und man über Omni­prä­senz und mög­li­che Tri­via­li­sie­rung sol­cher Fra­gen nach­denkt. Ein­ge­spiel­te Musik­se­quen­zen las­sen außer­dem ver­schie­de­ne Stim­mun­gen ver­schie­de­ner „letz­ter Tage“ ent­ste­hen.

Wirk­lich neue tief­grei­fen­de Erkennt­nis­se oder gar Ergeb­nis­se nimmt man aus Anne­ke Ulri­ke Stef­fens Insze­nie­rung aller­dings nicht mit. Soll man aber auch nicht. Viel­mehr geht es im kur­zen und kurz­wei­li­gen Stück um Impul­se – 50 Minu­ten zu mög­li­chen 24 Stun­den.

Vera Podskalsky

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