Weihnachtlicher Warenfetisch

Der Coca-Cola Weihnachtstruck (Quelle und Urheber: Wikipedia Commons/ Husky).

Der Coca-Cola Weih­nacht­struck (Quel­le und Urhe­ber: Wiki­pe­dia Commons/ Hus­ky).

Es war mal ein belieb­tes The­ma inner­halb des Intel­lek­tua­lis­mus: Die Kri­tik an der weih­nacht­li­chen Kon­sum­kul­tur und dem Waren­fe­tisch. Inzwi­schen ist eine sol­che Kri­tik zahl­reich rezi­piert und zu hoh­len Phra­sen ver­un­glimpft wor­den. Man könn­te fast sagen, das The­ma sei tot­ge­re­det wor­den, ohne dass es einen sozio­kul­tu­rel­len Effekt gehabt hät­te. War­um sich also noch mit dem Zusam­men­hang von Kon­sum­kul­tur und Weih­nach­ten beschäf­ti­gen? Ganz ein­fach: Weil die­se Ver­qui­ckung per se besteht und kon­sti­tu­tiv für bei­de ist.

Das Pro­blem sowie sei­ne Kri­tik gestal­ten sich kei­nes­wegs so sim­pel oder ein­sei­tig, wie man es ger­ne hät­te. Oft ver­tre­ten natür­lich öffent­li­che, kirch­li­che Akteu­re die Posi­ti­on, dass Weih­nach­ten als Geburt Jesu das Fest der Lie­be und Besinn­lich­keit sei (das frei­lich mit heid­ni­schen Phal­lus­sym­bo­len wie dem Christ­baum belebt wird) und der pejo­ra­ti­ve Kon­su­mis­mus die­ses ein­deu­tig posi­tiv kon­no­tier­te Weih­nachts­fest ent­frem­de, ja, ver­ge­wal­ti­ge, da der Blick auf das Wesent­li­che durch den Waren­fe­tisch ver­deckt wür­de.

Eine sol­che Posi­ti­on ist eben viel zu kurz gesprun­gen: Denn ers­tens kann das illu­so­ri­sche, nai­ve Gere­de von Besinn­lich­keit eben nicht mit den Kon­sum­be­dürf­nis­sen der Men­schen mit­hal­ten; zwei­tens, ist Weih­nach­ten per se kein erstre­bens­wer­tes Fest, also kaum als posi­ti­ver zu bewer­ten als die Kon­sum­kul­tur selbst, die es for­ciert; und drit­tens, bedin­gen Kon­su­mis­mus und reli­giö­se Fes­ti­vi­tä­ten sowie Riten ein­an­der.

Chris­ten­tum und Kon­su­mis­mus

War­um das Chris­ten­tum im Kampf mit dem Kon­su­mis­mus nur ver­lie­ren kann, ist ein­fach erklärt: Lang­wei­li­ge pfäf­fi­sche Pre­dig­ten ver­keh­ren als Reprä­sen­tan­ten des Chris­ten­tums frei­wil­lig in einem kapi­ta­lis­ti­schen Waren­sys­tem. Wenn sie inner­halb die­ser Matrix agie­ren, brau­chen sie sich ergo nicht zu wun­dern, wenn es bei Negie­rung die­ser Matrix — dem öffent­li­chen und pseu­do­frei­en Waren­wett­be­werb zur Bedürf­nis­be­frie­di­gung des Kon­su­men­ten — ver­liert. Zwar lehnt das Chris­ten­tum von Zeit zu Zeit den Kapi­ta­lis­mus ab, favo­ri­siert aber kei­ne ande­ren sozio­öko­no­mi­schen oder poli­ti­schen Alter­na­ti­ven.

War­um Weih­nach­ten kein erstre­bens­wer­tes Fest ist, ist fast eben­so rasch und ein­fach erklärt: Gefei­ert wird dort die Ver­mu­tung, dass eine his­to­risch nicht erwie­se­ne Per­sön­lich­keit in einer kal­ten Krip­pe gebo­ren wird, dann auch noch ein Gott sowie poli­tisch-reli­giö­ser Mes­si­as ist und meh­re­re Tage dort in der Wie­ge lie­gen bleibt. Kurz gesagt, man bläst eine rei­ne Spe­ku­la­ti­on über­bor­dend zu einem sakra­len Fest auf, begrün­det damit eine Reli­gi­on, die his­to­risch auf Lügen und Blut gebaut wur­de, und ver­kauft das dann als Fest der Lie­be. Das Lie­bes­fest, gebaut auf Lei­chen. Bereits bei die­sem Ver­stei­fen auf solch ein über­mä­ßi­ges Zele­brie­ren von Reli­gi­on, an dem hier sogar die reli­gi­ös eher Des­in­ter­es­sier­ten par­ti­zi­pie­ren, liegt ein reli­giö­ser Fetisch begrün­det. Sicher­lich sind Wer­te wie Lie­be, Groß­zü­gig­keit etc. erstre­bens­wer­te ethisch-nor­ma­ti­ve Para­me­ter, jedoch lässt sich die Not­wen­dig­keit dazu bes­ser abso­lut säku­lar-huma­nis­tisch legi­ti­mie­ren — mit dem Ver­zicht auf schäd­li­che, schein­hei­li­ge, tran­szen­den­te und feti­schis­ti­sche Reli­gio­si­tä­ten.

Der sakra­le Fetisch und die Ver­bin­dung von Kon­su­mis­mus und Weih­nach­ten

Quelle und Urheber: pixelio.de/ Stefan Bayer

Quel­le und Urhe­ber: pixelio.de/ Ste­fan Bay­er.

Der Fakt des sakra­len Fetischs führt uns auch zu der prin­zi­pi­el­len, nichtse­pa­rier­ba­ren Kon­ne­xi­on zwi­schen Kon­su­mis­mus und Weih­nach­ten: Der Feti­schis­mus ist ja, wie Hart­mut Böh­me fest­ge­stellt hat, ein reli­giö­ser Mecha­nis­mus, der in die Öko­no­mie trans­la­tio­niert wird, doch inner­halb der Öko­no­mie nur in sei­ner eige­nen Logik ope­riert, da nach den Prin­zi­pi­en Imma­nenz und Tran­szen­denz agiert wird, was das Ver­hal­ten der Gläu­bi­gen regu­liert, sodass ein obsku­rer Ver­kehr und Aus­tausch mit dem Tran­szen­den­ten ent­steht und zur Erlö­sung füh­ren soll. Marx hat dies ja in die Waren­ana­ly­se imple­men­tiert, wodurch der Fetisch im Kapi­ta­lis­mus nach den Prin­zi­pi­en zah­len und nicht­zah­len ope­riert. Das Reli­giö­se wird natür­lich nicht voll­stän­dig in das Öko­no­mi­sche über­tra­gen, aber dadurch bedin­gen sich bei­de, im Zuge des reli­giö­sen Waren­fe­tischs, zwecks Waren­zir­ku­la­ti­on. Durch das Ver­blas­sen des Reli­giö­sen im weih­nacht­li­chen Kon­sum­pro­zess, wer­den nun die reli­giö­sen Kult­ob­jek­te zu etwas ande­rem ver­wan­delt, zu schlich­ten Waren, die meist mit Kitsch über­tüncht wer­den. Ande­rer­seits kon­ser­viert und tra­diert die Kon­sum­kul­tur damit die Riten des Weih­nachts­fes­tes. Marx hat ja auch nicht umsonst die auf­ge­klärt-moder­ne Gesell­schaft als impli­zit reli­giö­se Gesell­schaft ent­larvt und Ador­no und Horck­hei­mer haben dar­auf auf­bau­end den uni­ver­sel­len Ver­blen­dungs­zu­sam­men­hang von Kon­su­mis­mus und Kul­tur­in­dus­trie (zu dem inner­halb des Sozio­öko­no­mi­schen und ‑kul­tu­rel­len auch Reli­gi­on und Weih­nach­ten gehö­ren, möch­te ich hin­zu­fü­gen) offen gelegt. Der reli­giö­se Fetisch for­ciert also noch eine Per­form­anz respek­ti­ve Thea­tra­li­tät der über­mä­ßig mit geist­li­chen Bot­schaf­ten gefüll­ten Waren.

War­um wird nun gera­de an Weih­nach­ten die­ser kapi­ta­lis­tisch-sakra­le Fetisch so hef­tig aus­ge­lebt, vor allem im Ver­gleich zum Rest des Jah­res oder ande­ren reli­giö­sen Fes­ten, Ereig­nis­sen und Ver­an­stal­tun­gen? Ers­tens, sind Weih­nach­ten und Ostern die wich­tigs­ten christ­li­chen Fes­te; zwei­tens, ent­stand vor allem an Weih­nach­ten eine Kul­tur des weit­ge­hend rezi­pro­ken Schen­kens, als Zei­chen von Lie­be und Freu­de, aber auch dem ego­is­ti­schen Bedürf­nis her­aus, sich der himm­li­schen Erlö­sung durch gute Taten, wie Groß­zü­gig­keit, anzu­nä­hern; und drit­tens, gelang es eini­gen öko­no­mi­schen Akteu­ren, das Weih­nachts­fest zu säku­la­ri­sie­ren und ergo die Kon­sum­kul­tur im Dezem­ber allen Reli­gio­nen und sogar den Athe­is­ten und Are­li­giö­sen zu ermög­li­chen.

Der Weih­nachts­mann und Coca Cola

Der letz­te Punkt ver­dient mehr Auf­merk­sam­keit. Das all­seits bekann­te Bei­spiel ist die Ablö­sung des Christ­kinds als reli­giö­ses Sym­bol des Schen­kens, durch den Weih­nachts­mann, der am Nord­pol lebe und durch den Kamin in die Woh­nun­gen ein­drin­ge. Der Weih­nachts­mann mach­te es mög­lich, Kul­tur­gren­zen leicht zu über­sprin­gen und damit einer wesent­lich grö­ße­ren Kul­tur­in­dus­trie Weih­nach­ten als Kauf­an­reiz zur Ver­fü­gung zu stel­len. Bril­lant hat dies bekannt­lich Coca Cola genutzt, indem es in den 1930er Jah­ren, zur Zeit der Wirt­schafts­kri­se, San­ta Claus als Rekla­me für ihre Cola nutz­te. Ein­mal gelang damit eine Kul­tur der Ame­ri­ka­ni­sie­rung in nicht­ame­ri­ka­ni­schen Regio­nen und zum ande­ren wur­de Coca Cola somit zum Kult­ob­jekt, da es behaup­ten konn­te, der mythi­sche Exper­te für Geschen­ke, Waren und Qua­li­tät wür­de ihr Pro­dukt in sei­ner Frei­zeit gegen­über ande­ren Limo­na­den prä­fe­rie­ren.

Der Weihnachtsmann als Kitschsymbol (Quelle und Urheber: pixelio.de/ CFalk

Der Weih­nachts­mann als Kitsch­sym­bol (Quel­le und Urhe­ber: pixelio.de/ CFalk).

Außer dass durch die Gestalt des Weih­nachts­man­nes und sei­ner Instru­men­ta­li­sie­rung die Kon­sum­kul­tur teil­ent­chris­tia­ni­siert ange­kur­belt wur­de — sodass pri­mär und fast aus­schließ­lich im Weih­nachts­stress zählt, was man kau­fen möch­te und wel­chen mate­ria­lis­ti­schen Wunsch man wel­chem Mit­men­schen als Geschenk­vor­schlag vor­legt -, ist die Dar­stel­lung des Weih­nachts­man­nes exem­pla­risch für die Unter­füt­te­rung des weih­nacht­li­chen Waren­fe­tischs per Kitsch.

Die Ver­schleie­rung per Kitsch

Kitsch sorgt, ange­lehnt an Ador­no, ja gera­de dafür, dass das Ästhe­ti­sche zu etwas Häss­li­chem wird und die Kul­tur­in­dus­trie zemen­tiert damit pseu­do­künst­le­risch sozia­le Ver­hält­nis­se. Denn Kitsch ver­rät gera­de jeden ästhe­ti­schen Wahr­heits­an­spruch, durch sei­ne qua­li­ta­ti­ve Min­der­wer­tig­keit, es neu­tra­li­siert alles Künst­le­ri­sche, durch sei­ne bie­de­re Tün­che und dient der apo­li­ti­schen Ablen­kung von poli­ti­schen, sozia­len und kul­tu­rel­len Miss­stän­den und Kon­flik­ten. Gera­de dar­um begann die Instru­men­ta­li­sie­rung des Weih­nachts­man­nes durch den Groß­kon­zern Coca Cola in Zei­ten der Wirt­schafts­kri­se und dem Auf­schwung des Tota­li­ta­ris­mus, da der kit­schi­ge Weih­nachts­mann per­fekt von die­sen Pro­ble­men ablenk­te und semi­re­li­gi­ös für die nöti­ge Erlö­sung von all die­sen Miss­stän­den bot, zumin­dest für die Weih­nachts­zeit. Der Weih­nachts­mann ist dabei natür­lich die idea­le Ver­qui­ckung und Per­so­ni­fi­ka­ti­on von kapi­ta­lis­ti­scher Kon­sum­kul­tur, rot-weiß-gol­de­ner Kitsch-Tün­che und Weih­nach­ten; denn er ist nicht nur selbst ein eif­ri­ger Kon­su­ment und Genie­ßer, son­dern lei­tet am Nord­pol auch noch eine Fabrik, bestehend aus Ren­tie­ren und Weih­nachtsel­fen, gilt also dem Mär­chen nach selbst als kapi­ta­lis­ti­scher Akteur.

Der Kitsch zeigt sich hier­bei auch nicht nur optisch, son­dern auch dar­in, als dass man in sol­chen Mär­chen und in den unzäh­li­gen furcht­ba­ren Spiel­fil­men über San­ta Claus frei­lich nie von Gewerk­schaf­ten der Weih­nachtsel­fen, deren Aus­beu­tung und Ent­frem­dung der Arbeit hört oder wie sich die Ren­tie­re als Nutz­tie­re beschwe­ren oder unter der Last des vol­len und schwe­ren Schlit­tens, bei einer Fahrt rund um die gan­ze Welt, zusam­men­bre­chen. Eine sol­che Situa­ti­on läge rea­li­ter vor, hat aber natür­lich in der mär­chen­haft-kit­schi­gen Fik­ti­on kei­nen Platz ver­dient, ja, wür­de schon absurd anmu­ten. Außer beim Weih­nachts­mann gibt es natür­lich auch noch unzäh­li­ge weih­nacht­li­che Kitsch­ar­ti­kel, die es auf jedem Weih­nachts­markt zu kau­fen gibt, von Tee­lich­tern und Glüh­weint­as­sen über Weih­nachts­baum­de­ko­ra­ti­on bis hin zur kom­plet­ten Innein­rich­tung der Woh­nung. Die kit­schi­ge, weih­nacht­li­che Kon­sum­kul­tur dient also auch der Ver­schleie­rung und Igno­rie­rung von Pro­ble­men in der dies­sei­ti­gen Rea­li­tät. Die Kon­flik­te die­ser Welt hal­ten ja wäh­rend Weih­nach­ten nicht inne, um sie danach fried­lich aus­zu­tra­gen; nein, die Kon­flik­te wer­den ledig­lich weg­ge­schwie­gen und über­deckt mit der kit­schi­gen Kon­sum­kul­tur, sodass es nach (und manch­mal auch wäh­rend) Weih­nach­ten so wei­ter geht wie bis­her. Auch die­se Ver­schleie­rung teilt die Kon­sum­kul­tur mit der reli­giö­sen Ablen­kung, durch hoh­le, pfäf­fi­sche Pre­dig­ten, Gebe­te und Lob­prei­sun­gen an einen – höchst­wahr­schein­lich ima­gi­nä­ren – Gott.

Geni­al hat übri­gens Lori­ot die weih­nacht­lich-kit­schi­ge Kon­sum­kul­tur par­odiert, in den Sket­schen Lori­ot VI aus den 1970ern: In die­ser Epi­so­de bemüht sich die Fami­lie Hop­pen­stedt, ein besinn­lich-kit­schi­ges, mit Geschen­ken über­füll­tes Weih­nachts­fest zu fei­ern. Man sieht sie beim Weih­nachts­ge­schen­ke ein­kau­fen und wie sie sich das Fest mit läs­ti­gen Ver­tre­tern schön trin­ken. Der Höhe­punkt des­sen ist der Weih­nachts­abend, wo die Fami­lie fast in Geschenk­pa­pier ertrinkt, und ver­sucht, es sich zwangs­wei­se gemüt­lich zu machen, gegen die mili­ta­ris­ti­schen Bestre­bung des Groß­va­ters, ver­kör­pert durch Lori­ot selbst. Dabei ent­larvt das Kind, Dickie, den Weih­nachts­mann als ver­klei­de­ten Opa und hat kei­ne Lust, mit den Weih­nachts­ge­schen­ken zu spie­len. Die humo­ris­ti­sche Kro­ne setzt dem aber ein Geschenk auf — ein klei­nes Atom­kraft­werk für Kin­der mit ech­ten Uran­stäb­chen, das schließ­lich auch zu einer Explo­si­on führt. Das Pro­blem der Atom­kraft dringt hier­mit gro­tesk und par­odis­tisch in die bie­de­re, vom puren igno­ran­ten Kon­sum gepräg­te Weih­nachts­kul­tur ein, gar­niert mit dem Unwil­len des Kin­des. Ähn­li­che ent­lar­ven­de Weih­nachts­par­odi­en, aber lei­der nicht mehr ganz in die­ser Qua­li­tät, fin­det man gegen­wär­tig höchs­tens noch in einer Weih­nachts­fol­ge von The Simp­sons, denen zum Glück nichts hei­lig ist.

Weihnachten, Hedonismus und Erotik (Quelle und Urheber (pixelio.de/ sten fischer).

Weih­nach­ten, Hedo­nis­mus und Ero­tik (Quel­le und Urhe­ber: pixelio.de/ sten fischer).

Was tun?

Inzwi­schen haben sich aber die Medi­en teils die­ser weih­nacht­li­chen Kon­sum­kul­tur gebeugt, indem sie die­se nicht mehr erwäh­nen, son­dern ande­re weih­nacht­li­che The­men her­aus­ar­bei­ten, indem sie ent­we­der kirch­li­chen Wür­den­trä­gern eine Büh­ne geben, zum Welt­frie­den auf­ru­fen, den Man­gel an Nächs­ten­lie­be in der Poli­tik und dem Pri­va­ten kri­ti­sie­ren oder über Weih­nach­ten als Fami­li­en­fest berich­ten. Fast nur Medi­en wie der Play­boy kon­zi­pie­ren ihre Weih­nachts­aus­ga­ben klar im Sin­ne der Kon­sum­kul­tur, indem Weih­nach­ten rein ero­tisch und hedo­nis­tisch aus­ge­legt wird.

Was kann man also tun? Der Zusam­men­hang zwi­schen Kon­sum­kul­tur und Weih­nach­ten ist prin­zi­pi­ell durch den sakra­len Waren­fe­tisch, der von ech­ten Pro­ble­men ablenkt und an Weih­nach­ten beson­ders prä­sent ist. Durch die­se star­ke Prä­senz gelingt es nie­man­dem, dem Kon­sum oder Weih­nach­ten wirk­lich zu ent­ge­hen, auch wenn wir fest­ge­stellt haben, dass bei­des kaum emp­feh­lens­wert ist. In der letz­ten Wochen­end­aus­ga­be der Süd­deut­schen Zei­tung hat Hil­mar Klu­te schon ganz rich­tig bemerkt, dass Weih­nach­ten zwar als Fest der bie­de­ren Spie­ßer gel­te, man ihm und sei­ner Atmo­sphä­re nicht ent­glei­ten kön­ne. Was kön­nen kri­ti­sche Den­ker oder Intel­lek­tu­el­le schon tun? Der Zusam­men­hang von Kon­sum­kul­tur und Weih­nach­ten kann zwar immer neu inter­pre­tiert und kri­ti­siert wer­den, aber rea­le Aus­wir­kun­gen auf die kit­schi­ge und bana­le Weih­nachts­kul­tur hat dies kaum. Vie­le Mög­lich­kei­ten blei­ben nicht – und man­che sind fast absurd: Ent­we­der man wird also radi­kal und bekämpft die­se Weih­nachts­kul­tur und agiert als säku­lar-huma­nis­ti­scher Bür­ger, statt als Kon­su­ment, mit gerin­ger Aus­sicht auf Erfolg; oder man taucht jetzt noch bis sechs­ten Janu­ar unter und iso­liert sich, so gut es geht, was sicher­lich erfolg­los ist; oder man ver­sucht, wie zahl­rei­che Medi­en, ein biss­chen was Rich­ti­ges im Fal­schen zu pro­du­zie­ren und auf die säku­la­ren und nicht kon­sum­kul­tu­rel­len Ide­en hin­ter Weih­nach­ten zu ver­wei­sen (Nächs­ten­lie­be etc.), frei­lich ohne die­se von Weih­nach­ten lösen zu kön­nen; oder man erfreut sich wenigs­tens am Glüh­wein.

 

Phil­ip J. Din­gel­dey

 

 

 

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