Das Leben als open source

1471949_10152349502312586_675147985_nDie erst­mals vom Thea­ter Erlan­gen allein aus­ge­rich­te­ten Glo­cken­spie­le ver­su­chen die Tra­di­ti­on des Inter­ak­ti­ven fort­zu­set­zen. Lei­der ist alles gespielt.

Glo­cken­spie­le haben mich zuvor als Besu­cher immer über­for­dert, ich wuss­te sel­ten, wie mich ver­hal­ten, wie reagie­ren. Jeder­zeit war man in Gefahr in einen Erzähl­fa­den hin­ein­zu­rut­schen, sich zu ver­lie­ren an einer Sta­ti­on. Dass es dies­mal anders wer­den wür­de, war zu erwar­ten. Der Glo­cken­abend am 14. Novem­ber gestal­te­te sich in die­ser Hin­sicht sehr zuschau­er­freund­lich. Ob das gut oder schlecht ist, dar­über mag man jetzt strei­ten. Hier soll es nicht ent­schie­den wer­den.

Der gan­ze Abend prä­sen­tier­te sich als tra­shi­ge Fern­seh-Live­show. Dar­in soll­te für die jun­ge Schau­spie­le­rin Ani­ka Herbst ein Mensch gefun­den wer­den, der zu ihr passt wie die Faust aufs Auge. Vier­und­zwan­zig Stun­den ihres Lebens wur­den aus­ge­wer­tet, ihre Ritua­le, Lei­den­schaf­ten und Schrul­len wur­den ver­zeich­net und den Zuschau­ern gezeigt. Unter ihnen wur­de vor­geb­lich nach dem per­fek­ten Freund für Ani­ka gesucht. Am Ende gewinnt einer, der nicht gera­de den Ein­druck macht ein zufäl­li­ger Gewin­ner aus dem Publi­kum zu sein. Wie dem auch sei: Eine ech­te Erfah­rung ist die­ses Glo­cken­spiel nicht.

Total­über­wa­chung ist eine schlim­me Sache. Sie greift in unser Leben auf nicht kon­trol­lier­ba­re Wei­se ein, macht uns zu Men­schen, die wir nicht sein wol­len, obwohl wir sie viel­leicht sind. Was kann die­ser Abend in den Glo­cken­licht­spie­len bie­ten, was uns auf­rüt­telt, was uns über die Auf­füh­rung hin­aus beschäf­tigt? Lei­der gelingt der Anstoß nicht, Ani­ka Herbst pas­siert schließ­lich auch nichts schlim­mes, im Gegen­teil: Sie fin­det ihren bes­ten Freund.

Eines ist jeden­falls sicher: Die Glo­cken­spie­le sind nun irgend­wie anders. Dar­an muss man nicht ver­zwei­feln, ganz und gar nicht. Aber so gefäl­lig müss­ten sie nun nicht sein. Gera­de eine expe­ri­men­tel­le Büh­ne könn­te sich mehr Inno­va­ti­on erlau­ben. Dem aktu­el­len Glo­cken­spiel wür­de man etwas mehr Elan wün­schen, etwas mehr Esprit. Da hilft es auch nicht, dass sich die Inten­dan­tin köst­lich amü­siert.

Timo Ses­tu

Ein Gedanke zu „Das Leben als open source

  1. Die Nach­sich­tig­keit des Ver­fas­sers ehrt die­sen in gewis­ser Wei­se, die Mil­de der Kri­tik ist den­noch unan­ge­bracht. Das Spiel der Dar­stel­ler mit dem unmo­ti­vier­ten Trei­ben einer Hor­de halb­se­dier­ter Affen zu ver­glei­chen, wäre eine ekla­tan­te Belei­di­gung der Affen. Wie aus­ge­bil­de­te (?) Schau­spie­ler und Regis­seu­re sich zu einem der­ar­ti­gen Dilet­tan­tis­mus hin­rei­ßen las­sen kön­nen, ist unbe­greif­lich.

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