Der letzte Vorhang

Von links nach rechts: Michaela Domes, Hartmut Volle

Michae­la Domes, Hart­mut Vol­le

Richard ist ein selbst­ge­rech­ter, altern­der Schau­spie­ler. Er trinkt zuviel, ist ver­bit­tert über das Leben und erfolg­los. Mit sei­ner Art hat er jede Kol­le­gin ver­grault und steht kurz vor dem Aus sei­ner Kar­rie­re.

Die Pro­duk­ti­on, an der er gera­de probt, steht auf Mes­sers Schnei­de. Die ein­zi­ge Per­son, die ihn jetzt noch ret­ten kann, ist Lies. Lies und Richard stan­den 20 Jah­re gemein­sam auf der Büh­ne. Sie haben viel gemein­sam erlebt, eine kur­ze Affä­re war auch dabei.

Am ver­gan­ge­nen Frei­tag prä­sen­tier­te das Stadt­thea­ter Fürth „Der letz­te Vor­hang“ von Maria Goos anläss­lich der bay­ri­schen Thea­ter­ta­ge.

 

Lebens­ent­schei­dun­gen

Lies hat sich in den letz­ten zehn Jah­ren jedoch ein ande­res Leben auf­ge­baut. Sie hat einen rei­chen Arzt gehei­ra­tet und führt ein gere­gel­tes, sor­gen­frei­es Leben in Süd­frank­reich.

Da ihr Richard immer noch etwas bedeu­tet, reist sie extra aus Frank­reich an, um neben ihm die Rol­le zu spie­len, die damals auch schon beim gemein­sa­men Abschluss­pro­jekt an der Schau­spiel­schu­le auf dem Plan stand.

Gemein­sam mit Richard lässt sie sich in alten Erin­ne­run­gen trei­ben, muss ein wei­te­res Mal über ihre zehn Jah­re alte Ent­schei­dung nach­den­ken.

Von links nach rechts: Michaela Domes, Hartmut Volle

Michae­la Domes, Hart­mut Vol­le

Was wäre gewe­sen, wenn ich damals…?“ Die­se Fra­ge stellt sich jeder Mensch min­des­tens ein­mal im Leben. Für Lies hät­te ein Leben an Richards Sei­te mit Sicher­heit bedeu­tet, von ihm mit in den Abwärts­stru­del geris­sen zu wer­den. Dafür hät­te sie ihr Leben viel­leicht um eini­ges inten­si­ver gelebt. Das Stück, das Lies und Richard gemein­sam pro­ben, scheint eine merk­wür­di­ge Ant­wort auf die­se Fra­ge zu geben. Zwei Men­schen, die sich ihr Leben lang trei­ben las­sen, so lan­ge bis sie am Ende ihrer Kräf­te sind. Die ein­an­der bereu­en und doch nicht anders gehan­delt hät­ten.

Am Ende muss sie sich ent­schei­den. Lies weiß schon seit zehn Jah­ren, dass Richard nicht zu ret­ten ist. Ihr Leben in Frank­reich hat sie zu schät­zen gelernt. Und so fällt ihre Ent­schei­dung auf Walt­her und für Richard der letz­te Vor­hang.

Ein Stück über die Lie­be und Lei­den­schaft zum Thea­ter

Michae­la Domes und Hart­mut Vol­le spie­len mit gro­ßer Hin­ga­be vie­le Ebe­nen durch, die inein­an­der grei­fen. Die Sze­ne, in der sich die letz­te Kol­le­gin von Richard abwen­det geht in eine Sze­ne über, in der Lies die­se Kol­le­gin gekonnt nach­äfft. Der gesam­te Zeit­raum der Pro­ben bis zur Pre­mie­re wird zu einem ein­zel­nen Hand­lungs­strang, der mit Erin­ne­run­gen ver­mischt wird, die die bei­den Revue pas­sie­ren las­sen.

Die Namen Richard und Lies sind nicht zufäl­lig gewählt son­dern klin­gen an das berühm­te Hol­ly­wood­paar Eli­sa­beth Tay­lor und Richard Bur­ton an, die gemein­sam „Wer hat Angst vor Vir­gi­nia Woolf?“ spiel­ten, das auch eine gro­ße Par­al­le­le zu den Leben der bei­den her­stell­te.

 

Hartmut Volle, Michaela Domes

Hart­mut Vol­le, Michae­la Domes

Das Stadt­thea­ter Fürth prä­sen­tier­te ein wah­res Meis­ter­werk der Unter­hal­tung. Die vie­len humor­vol­len Momen­te wur­den gekonnt umge­setzt. An die­ser Stel­le ist auch die schau­spie­le­ri­sche Leis­tung der bei­den Dar­stel­ler Hart­mut Vol­le und Michae­la Domes unter der Regie von Wer­ner Mül­ler zu loben. Wer­ner Mül­ler insze­niert öfter in Fürth, eben­so wie der Schau­spie­ler Hart­mut Vol­le ein nicht sel­ten gese­he­ner Gast im Stadt­thea­ter ist. Auch Michae­la Domes ist dem Publi­kum als fes­tes Mit­glied des Nürn­ber­ger Ensem­bles bereits ver­traut.

Der Abend war unter­halt­sam und berüh­rend, aber dar­über hin­aus abge­schlos­sen. Eine älte­re Genera­ti­on wird ihn in sei­ner Nach­wir­kung mög­li­cher­wei­se inten­si­ver erlebt haben. Auch die Dar­stel­lung auf der Büh­ne war nach außen sehr stark abge­rie­gelt. Das Publi­kum wur­de zwar mit­ge­ris­sen, aber nicht mit ein­be­zo­gen. Ob das bei die­sem Stück wün­schens­wert bezie­hungs­wei­se mög­lich gewe­sen wäre, ist aber auch frag­lich. Am Ende fällt eben der Vor­hang.

 

von Anna Gre­ger

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.