Computeranimierter Gaddafi tötet belgischen König

 

Superamas_Theatre06

Supera­mas – Foto: Chris­to­phe Demar­t­he

Die „Supera­mas“ waren am 8.5.2013 im Erlan­ger Mark­gra­f­en­thea­ter zu sehen

Thea­t­re“ ist ein visu­el­les und musi­ka­li­sches Spek­ta­kel: Bun­te Musik trifft auf schrei­en­de Bil­der, Muammar al-Gad­da­fi auf Niko­las Sar­ko­zy, Fik­ti­on auf Rea­li­tät. Die „Supera­mas“ pro­vo­zie­ren, scho­ckie­ren und unter­hal­ten mit ihrer Auf­füh­rung. Mit Erfolg. Ein Bür­ger­krieg in Bel­gi­en? Eine Frau als tür­ki­sche Prä­si­den­tin? Tan­zen­de Poli­ti­ker? All das ist mög­lich, und noch vie­les mehr.

 

Schein­bar harm­los eröff­nen ver­hüll­te Bauch­tän­ze­rin­nen zu ori­en­ta­li­scher Musik das Fest des Spot­tes und der Über­trei­bun­gen. Nach und nach fal­len die Hül­len, bis sie halb­nackt tan­zen. Ein Wis­sen­schaft­ler steht dane­ben und refe­riert über Sexua­li­tät. Rie­sen­groß wird ein Gemäl­de aus der Renais­sance an die Büh­nen­wand pro­ji­ziert: Salo­me, die für Hero­des tanzt. In der bibli­schen Geschich­te ver­langt sie dafür den Kopf von Johan­nes dem Täu­fer. „This sto­ry is a warning of what hap­pens when women get what they want“, kom­men­tiert der Wis­sen­schaft­ler zynisch.

 

Superamas_Theatre03

Supera­mas – Foto: Bian­ca Broo­ke Mar­tin

Bür­ger­krieg in Bel­gi­en

Aus­schnit­te aus Fern­seh­be­rich­ten wer­den gezeigt. Auf der Büh­ne ent­steht eine unmög­li­che Talk­show-Situa­ti­on: Der Emir von Katar sitzt neben einer fik­ti­ven tür­ki­schen Prä­si­den­tin. Dane­ben der israe­li­sche Prä­si­dent Ari­el Sharon, der seit sie­ben Jah­ren im Koma liegt. Und Niko­las Sar­ko­zy, der para­do­xer­wei­se als ein­zi­ger gegen einen Mili­tär­ein­griff im bel­gi­schen Bür­ger­krieg ist. Noch skur­ri­ler wird es, als Gad­da­fi im Zuschau­er­raum erscheint und pro­kla­miert: „We have to save our Bel­gi­um fri­ends.“ Die Ret­tungs­mis­si­on wird als 3‑D-Com­pu­ter­ani­ma­ti­on gezeigt, in der ein Gad­da­fi-Ava­tar den bel­gi­schen König erschießt. Lapi­dar ertönt die Stim­me eines zwei­ten Ava­tars: „It’s all okay, colo­nel. You did your duty.“ Es herrscht Frie­den. Poli­ti­ker tan­zen mit schö­nen Frau­en zu ori­en­ta­li­scher Musik. Der Emir von Katar lobt Gad­da­fi: „You’­re like Rem­brandt with a gre­na­te.“

 

Ist das absurd, kri­tisch, lus­tig oder ver­rückt? Wohl eine Mischung aus allem. Bun­te Schein­wer­fer, Com­pu­ter­spie­le, Fern­seh­be­rich­te und Video­clips – mit mul­ti­me­dia­len Mit­teln zei­gen die „Supera­mas“ völ­lig ande­re, teils absur­de Per­spek­ti­ven. Vie­le State­ments wer­den als offe­ne Fra­gen in den Raum gestellt: Dass Poli­ti­ker lügen, dass Medi­en nur über Kri­sen berich­ten, dass die Gesell­schaft ober­fläch­lich ist. Rich­tig oder falsch? Das muss jeder für sich selbst beant­wor­ten.

 

 

Patri­cia Ach­ter

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.