Kino-Kritik im September — Zweiter Teil

Semes­ter­fe­ri­en! Und schon bald wie­der vor­bei. Also die letz­ten Wochen nut­zen und mon­tags immer mal zum Stu­den­ten­tag ins Man­hat­ten gehen — oder don­ners­tags in die Lamm­licht­spie­le. Denn hier kos­tet der Spaß nicht so viel wie in den gro­ßen Kinos und es lau­fen oft die bes­se­ren Fil­me (außer man steht aus­schließ­lich auf Block­bus­ter). Oft. Nicht immer. Hier ein Über­blick über die aktu­el­len Tops und Flops des Inde­pen­dent-Kinos. 4. „Star­buck„von Ken Scott, Lamm­licht­spie­le:

starbuck, film

Star­buck“

Süße Idee, unter­halt­sam umge­setzt, gegen Ende zu sehr „trä­nen­drü­sen­drü­ckend“, zu viel Grup­pen­ku­scheln. Das waren mei­ne Gedan­ken nach dem Kino­be­such. Süße Idee des­halb, weil es um einen ver­trot­tel­ten Mitt­drei­ßi­ger geht, der eine Mis­si­on erfül­len muss, bevor er wirk­lich ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Vater und Part­ner sein kann und weil er  fest­stel­len muss, dass sei­ne vor eini­gen Jah­ren im gro­ßen Stil gespen­de­ten Samen 533 Kin­dern ins Leben ver­hol­fen haben, von denen nun 142 das Geheim­nis um die Iden­ti­tät ihres Erzeu­gers, der nur unter dem Namen „Star­buck“ bekannt ist, lüf­ten wol­len. Was tun? Der Frau sei­nes Lebens kann David Woz­ni­ak nicht erzäh­len, dass er sich in Zei­ten des Geld­man­gels einen nach dem ande­ren run­ter­ge­holt hat — sie fin­det die­sen Kerl, die­sen „Star­buck“, von dem alle reden, wider­lich, ja, gera­de­zu per­vers. Gleich­zei­tig inter­es­sie­ren ihn die Per­sön­lich­kei­ten die­ser vie­len Kin­der schon. Und so zieht er los, jedes die­ser Kin­der ken­nen zu ler­nen, ihnen bei eini­gen ihrer Pro­ble­me bei­zu­ste­hen und sich zu ihrem Schutz­en­gel auf­zu­schwin­gen, um sein schlech­tes Gewis­sen zu beru­hi­gen. Aber so ein­fach ist das nicht und David Woz­ni­ak (Patrick Huard) muss end­lich ler­nen, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und nicht mehr nur an sich zu den­ken.

 

5. „Das Schwein von Gaza“, Syl­va­in Esti­bal, Lamm­licht­spie­le :

Das Schwein von Gaza“

Was für ein abschre­cken­des Pla­kat. Dabei stellt sich der Film als poe­tisch und intel­li­gent her­aus. Man folgt der Geschich­te des unbe­hol­fe­nen Fischers Jafaar, dem nach einem Sturm statt der ohne­hin oft aus­blei­ben­den Fische ein vom Trans­por­ter gefal­le­nes Schwein ins Netz geht — eine Stra­fe Got­tes ver­mut­lich, denn Schwei­ne gel­ten in Gaza als unrei­ne Tie­re. Das gilt also sowohl für die Paläs­ti­nen­ser als auch für die jüdi­sche Bevöl­ke­rung. Ver­zwei­felt, auf eine für den Betrach­ter jedoch urko­mi­sche Art und Wei­se, ver­sucht Jafaar das Schwein auf dem schnells­ten Wege los zu wer­den — doch ver­geb­lich. Letzt­end­lich geht er einen heim­li­chen Han­del ein.

Die herz­er­fri­schen­de Komö­die von Syl­va­in Esti­bal zeigt auf klu­ge und humor­vol­le Wei­se die Situa­ti­on im Nahen Osten. Sie bie­tet zwar einen sehr idea­lis­ti­schen Lösungs­vor­schlag, aber abge­se­hen davon eine Men­ge von guten Gedan­ken­an­stö­ßen.

 

Zum Schluss möch­te ich einen Film emp­feh­len, der Gro­ßes ver­spricht:

Am Ende eines viel zu kur­zen Tages“

6. „Am Ende eines viel zu kur­zen Tages“, Ian Fitz­Gib­bon, Man­hat­tan:

Superhero„heißt das Thea­ter­stück nach einem Roman von Antho­ny McCar­ten. Jetzt wur­de der Roman von Ian Fitz­Gib­bon auf eine spek­ta­ku­lä­re und gleich­zei­tig sen­si­ble Art und Wei­se ver­filmt.

Donald  (gespielt von Tho­mas Bro­die-Sangs­ter) hat Krebs. Das ist ver­mut­lich nicht mehr zu ändern. Und er hät­te auch kei­ne Angst, wäre da nicht die eine Sache,  von der er fürch­tet, sie nie­mals erle­ben zu dür­fen: Lie­be und Sex mit sei­ner Traum­frau. Donald ist 15 Jah­re alt und hat natür­lich genau die glei­chen Träu­me wie alle ande­ren Jungs in sei­nem Alter. Aber wer will schon einen von Che­mo­the­ra­pie geschwäch­ten Freund? Schei­ße!

Und des­halb flüch­tet sich Donald in die Welt des Comics, in der er — der unzer­stör­ba­re Super­held — gegen alle fie­sen Ärz­te und deren hei­ße Kran­ken­schwes­tern antre­ten kann und er der Herr über sein Schick­sal ist. Er zeich­net gut, sehr gut, aber bei sei­nen Eltern stößt er mit sei­nen anzüg­li­chen Zeich­nun­gen auf Unver­ständ­nis. Einem Ein­zi­gen gelingt es den Jun­gen tat­säch­lich zu ver­ste­hen und ihm sei­ne größ­ten Träu­me zu ent­lo­cken: Dr. Adri­an King (Andy Ser­kis). Und dann gibt es da noch die­ses Mäd­chen…

Am Ende eines viel zu kur­zen Tages“ läuft zur Zeit in den man­hat­tan-Kinos ab 18.30 Uhr. Viel Spaß beim Genie­ßen!

                                                                                                                                               Pau­la Lin­ke

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